ntomologe   Auf einem Pfad oberhalb des Schwarzen Meeres auf der Krim, zwischen Sträuchern, die in wächserner Blüte standen, versuchte mich im März 1918 ein o-beiniger bolschewistischer Posten festzunehmen, weil ich (mit meinem Netz, sagte er) einem britischen Kriegsschiff Zeichen gegeben hätte. Jedesmal, wenn ich im Sommer 1929 durch ein Dorf in den östlichen Pyrenäen kam und mich zufällig umblickte, sah ich die Dorfbewohner in den verschiedenen Stellungen erstarrt, in denen mein Erscheinen sie angetroffen hatte, ganz als wäre ich Sodom, und sie wären Lots Weib. Ein Jahrzehnt später, in den Seealpen, fiel mir einmal auf, daß sich hinter mir eine Spur im Gras entlangschlängelte, weil mir ein fetter Landgendarm auf dem Bauch nachkroch, um zu sehen, ob ich etwa Singvögeln Fallen stellte. Amerika hat meiner verfänglichen Beschäftigung sogar noch mehr krankhaftes Interesse dieser Art entgegengebracht als andere Länder - vielleicht, weil ich in den Vierzigern war, als ich dorthin übersiedelte, und je älter ein Mensch ist, desto wunderlicher nimmt er sich mit einem Schmetterlingsnetz in der Hand aus. Strenge Farmer wiesen mich auf Schilder mit der Aufschrift ANGELN VERBOTEN hin; aus Autos, die auf der Landstraße an mir vorbeifuhren, erscholl wildes Hohngebrüll; schläfrige Hunde, die dem schlimmsten Landstreicher keine Beachtung schenkten, reckten sich auf und kamen knurrend zu mir herüber; kleine Kinder zeigten mich ihren verwirrten Mamas; verständnisinnige Urlauber fragten mich, ob ich Krabbeltiere als Köder suche; und eines Morgens folgte mir in einer öden, von hohen blühenden Yuccas erleuchteten Gegend bei Santa Fé über eine Meile weit eine große schwarze Stute. - (nab)

Entomologin

- Charles M. Schulz, We're on your side, Charlie Brown. London 1969 (Hodder Fawcett Coronet Books, zuerst ca. 1957)

Entomologen (3)  Sie trafen sich einmal jährlich am Tor des Botanischen Gartens, und ich wollte mich ihnen anschließen. Alsbald trafen sie ein. Der erste, ein knochendürrer alter Herr, kam mit einem großen Schmetterlingsnetz und einem Überzieher. Er trug die Brille ganz unten auf der Nasenspitze, sprach in grammatikalisch umständlichen Vielsilbern von »sonstigem Marschgepäck« und dergleichen und hinkte leicht. Nach ihm kam eine Frau mittleren Alters aus South Carolina, die ein enges Mieder, Fäustlinge und ein Paar Häkelkäppchen über den Ohren trug. Sie war sehr rundgesichtig, fidel und hinter seltenen Exemplaren her. Sie erklärte denn auch, seit dem letzten Jahr um dieselbe Zeit habe sie kein wirklich gutes Exemplar mehr gefunden, und das letzte liege immer noch in Alkohol, sehr zum Ekel ihres botanisch uninteressierten Vaters.

Dann tauchte hinter der Dame aus South Carolina ein untersetzter Herr mit sehr engen Breeches und sehr rotem Gesicht auf, der sich mit drei riesigen Büchern abschleppte, worin er seine Funde zu pressen beabsichtigte. Ein vierter und fünfter und sechster und schließlich eine sehr dünne, kleine Frau beschlossen die Prozession.

Ich werde diesen Ausflug nie vergessen. Es war eine höchst mysteriöse und förmliche Angelegenheit. Jeder wurde jedem vorgestellt. Sie trafen sich offenbar schon seit etlichen Jahren, doch in der Zwischenzeit vergaßen sie einander, und einige kicherten, als sie den anderen erneut vorgestellt wurden, und sagten etwa: »Ach, ich erinnere mich doch genau - Sie sind der Mann mit der Tante mit dem Wasser im Knie - wie geht es der lieben alten Dame denn jetzt?«, oder: »John Matthews - John - ach ja, Sie waren der Mann, der die kryptogamische Pflanze entdeckt hatte!« Und der angesprochene Herr verbeugte sich stolzerfüllt und antwortete: »Der bin ich.«

Schließlich stiegen alle aus und warfen sich wie Bomben in die Landschaft. Einer der Herren schrie sogleich: »Das dort ist ein ganz seltenes Exemplar!« und hörte den ganzen Nachmittag nicht wieder auf. Zwei setzten sich ins Riedgras und führten eine Diskussion über die Vorzüge von Liebe und Haß. Der eine behauptete, die Liebe sei stärker und folglich besser als der Haß, und der andere wurde böse, als er das nur hörte, und erklärte, er habe sich auf den Haß konzentriert, seit im Jahr 1900 die Schweine tot dalagen und gerade erst kürzlich habe er wieder erfolgreich mit den Zähnen geknirscht.  - Djuna Barnes, New York. Berlin 1987 (zuerst 1919)

Entomologinnen (4)

"The Weaker Sex: The young man imagines himself the latest victim of some fair entomologist"

- Charles Dana Gibson, nach Wikimedia

Entomologe (5) Im Anfang amüsierte sie der gelehrte Ehemann. Er war schwarz und quadratisch wie ein Klavier, aber er konnte sie mit gefühlvollen Augen betrachten; und obwohl mit einem schrecklichen und enormen Schnurrbart bewaffnet, war er außerstande, einem Boxer wehzutun. Mit seinen Elefantenzähnen aus Gold und grünlichem Elfenbein lachte er bei den geschwätzigen kleinen Albernheiten der Frau, und um sie zu unterhalten, schilderte er ihr das Liebesleben der Tiere. «Es gibt ein ganz kleines Lebewesen», erklärte er ihr, «ein Eintagsinsekt, das abends zur Welt kommt und das sich fast sogleich paart; das Weibchen kommt während der Nacht nieder und alle beide sind am Morgen tot, ohne die Sonne gesehen zu haben. Nicht einmal einen Mund, um zu essen, haben sie. Sie werden geboren, einzig, um zu lieben. Wir kennen Schmetterlinge, die sich im Fluge paaren und kilometerlang in der süßesten Verschlingung bleiben; bei vielen Vögeln hingegen beschränkt sich der Liebesakt auf einen flüchtigen Moment der Berührung, während er bei gewissen Mollusken ganze Tage hindurch währt.»

In der ersten Woche ihrer Ehe beklagte sich Nike, daß ihr Gatte gar zu wenig molluskenhaft wäre und einige Monate später protestierte sie gelangweilt, weil er es zu sehr war. Die arme Frau Nike hatte in der Ehe nicht gefunden, was sie suchte.   - Pitigrilli, Der falsche Weg. Reinbek bei Hamburg 1988

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