usammenhang  Brezel Feder Pause, Klage, Firlefanz: Dergleichen Wörter, ohne Bindung und Zusammenhang, sind Ausgangspunkte eines Spieles, das im Biedermeier hoch im Ansehen stand. Aufgabe eines jeden war, sie derart in einen bündigen Zusammenhang zu bringen, daß ihre Reihenfolge nicht verändert wurde. Je kürzer dieser war, je weniger vermittelnde Momente er enthielt, desto beachtenswerter war die Lösung. Zumal bei Kindern fördert dieses Spiel die schönsten Funde. Ihnen nämlich sind Wörter noch wie Höhlen, zwischen denen sie seltsame Verbindungswege kennen.

Doch nun vergegenwärtige man sich die Umkehrung des Spieles, sehe einen gegebenen Satz so an, als wäre er nach dessen Regel konstruiert. Mit einem Schlage müßte er ein fremdes, erregendes Gesicht für uns gewinnen. Ein Teil von solcher Sicht liegt aber wirklich in jedem Akt des Lesens eingeschlossen. Nicht nur das Volk liest so Romane — nämlich der Namen oder Formeln wegen, die ihm aus dem Text entgegenspringen; auch der Gebildete liegt lesend auf der Lauer nach Wendungen und Worten, und der Sinn ist nur der Hintergrund, auf dem der Schatten ruht, den sie wie Relieffiguren werfen. Greifbar wird das zumal an solchen Texten, die man die heiligen nennt. Der Kommentar, der ihnen dient, greift Wörter aus solchem Text heraus, als wären sie nach den Regeln jenes Spieles ihm gesetzt und zur Bewältigung aufgegeben worden. Und wirklich haben Sätze, die ein Kind im Spiele aus den Wörtern schlägt, mit denen heiliger Texte mehr Verwandtschaft als mit der Umgangssprache der Erwachsenen. Davon ein Beispiel, welches die Verbindung der vorgenannten Wörter durch ein Kind (in seinem zwölften Lebensjahre) gibt.

Die Zeit schwingt sich
wie eine Brezel
durch die Natur.
Die Feder malt die Landschaft,
und entsteht eine Pause,
so wird sie mit Regen ausgefüllt.
Man hört keine Klage,
denn es gibt keinen Firlefanz. - Walter Benjamin, nach (was)

Zusammenhang (2) Vergegenwärtigen wir uns rasch noch einmal unseren Weg. Die Nachtschwalbe hat uns zum Faultier geführt, das Faultier zu den Kometen und Meteoren. Und hier nun führen uns die Meteore, auf dem Wege über das Mittelglied des zerstückelten Körpers, zur Nachtschwalbe zurück. Ist das so erstaunlich? Auch mittels anderer Aspekte verweisen uns diese Mythen wieder an den Punkt, von dem wir ausgegangen waren. Die soeben resümierten Mythen über den Ursprung der feurigen Meteore setzen sie zur oralen Gier (oder ihrem Gegenteil, der analen, aber unlustbetonten Verhaltung) oder zur Eifersucht oder zum ehelichen Zerwürfnis in Beziehung. Orale Gier, denn man erkennt im Vielfraß des Cavina-Mythos eine Doublette der gefräßigen, mehlversessenen Schwester eines Ketschua-Mythos wieder, ebenso andere ausgehungerte oder unersättliche Personen der Nachtschwalben-Mythen. Was die Eifersucht und das eheliche Zerwürfnis angeht, so verweisen sie, über den Machiguenga-Mythos hinaus, dessen Thema sie sind, auf Situationen desselben Typs, wie sie ganz zu Anfang von Jibaro-Mythen und in der Folge von denen der Karajá, der Kraho und der Mundurukú veranschaulicht werden.

Das Motiv der Exkremente hat ebenfalls seinen Platz in den Mythen über die Meteore, wie es ihn bereits in denen über die Nachtschwalbe hatte. Es sind die Ausscheidungen des Faultieres, die sich, von oben fallengelassen, in einen Kometen verwandeln.

An eben der Stelle, wo der Cavina-Häuptling, wie das Faultier, regelmäßig ein natürliches Bedürfnis befriedigt, läßt sich das Haupt, sicher, daß es von ihm bemerkt wird, niederlegen, bevor es sich, einer Feuerkugel ähnlich, zum Himmel erhebt. Und, wie der Machiguenga-Mythos sagt, die Aerolithen — allerdings eher Absonderungen als Ausscheidungen — stammen von Blutstropfen her, die der einmal in einen Meteor verwandelte Kopf in den Himmel fallen ließ. - (str)

Zusammenhang (3) Jedes Ding hängt mit allen angrenzenden Dingen zusammen, durch diese mit den unmittelbar folgenden Dingen und so weiter bis zu den äußersten Grenzen des Weltalls. Sonst könnte man nichts vernünftig erklären; die Welt wäre nicht mehr ein Ganzes, sondern bestünde aus verstreuten und unabhängigen Stücken, aus denen kein System und keine Harmonie hervorgehen könnten.

Der engste Zusammenhang besteht zwischen Ursache und Wirkung; denn er bedingt die Abhängigkeit der Existenz. Aber es gibt noch manchen anderen Zusammenhang, zum Beispiel zwischen Mittel und Zweck, zwischen Attribut und Subjekt, zwischen Wesenheit und Eigentümlichkeiten, zwischen Zeichen und bezeichnetem Gegenstand usw. Hierzu ist zu bemerken, daß der Zusammenhang des Zwecks mit den Mitteln notwendig eine Intelligenz voraussetzt, die die Anordnung der Dinge bestimmt und die Wirkung sowohl in Zusammenhang mit der Ursache, durch die sie hervorgerufen wird, als auch in Zusammenhang mit der eigenen Absicht bringt. So hängt z. B. in einer Uhr die Bewegung des Zeigers sowohl mit der Struktur der Uhr selbst als auch mit der Absicht des Handwerkers zusammen.

Das ganze Weltall ist voll zweckmäßiger Zusammenhänge, die uns die souveräne Intelligenz ihres Schöpfers anzeigen. Die Sonne zieht die Nebel aus dem Meer, der Wind treibt sie über die Landstriche, sie fallen als Regen herab, und warum? Um die Erde feucht zu machen und die Samen, die sie in sich birgt, zum Keimen zu bringen. Man braucht nur Derhams ›Schauspiel der Natur‹ zu lesen, um zu erkennen, wie viele Zwecke in der Natur wahrzunehmen sind. - (enz)

Zusammenhang (4) Wer einen großen Gedanken auffaßt, lebt im Augenblick der Konzeption desselben nicht nur für alle künftigen Geschlechter; sondern auch mit ihnen: er fühlt in jenem Augenblick den Zusammenhang seines Daseins mit ihnen, fühlt die Ausdehnung seines Daseins durch Jahrhunderte hindurch sich erstrecken: er lebt mit den Nachkommen, wie er für sie lebt. Sein Individuum und seine Zeitgenossen werden ihm dann unendlich klein . .. - Schopenhauer

Zusammenhang (5)  Der Zusammenhang zwischen Stiefel und Sexualität wird in ägyptischen und zyprischen Inschriften erläutert. Der Name der zyprischen Göttin Mari wird geschrieben mit einer »gekröpften Säule«, was für eine Schilfhütte steht und soviel bedeutet wie »wohnend in«, und mit einem Schaftstiefel. Sie wohnte also in einem Stiefel, ähnlich wie die Göttin Isis, die auf ägyptischen Bildnissen dadurch kenntlich ist, daß ihr Name »Ascht« zusammen mit einem Stiefel über ihrem Kopf eingezeichnet ist. In beiden Fällen ragt ein stabähnlicher Gegenstand aus dem Stiefelschaft hervor, was E. M. Parr als Befruchtungssymbol erklärt, denn die Hieroglyphe für »Stiefel« ist als Usch, die Mutter, zu lesen. Dies wirft ein neues Licht auf die zweite Hochzeit der eleusischen Mysterien, nach der, wie wir wissen, der Initiand sagen mußte: »Ich habe das, was in der Trommel war, mit dem vereinigt, was im liknos war.« Nun wissen wir aber, was im liknos war - ein Phallus -, und aus der Analogie mit den Stiefeln, die dem Sakralkönig bei seiner Hochzeit zeremoniell überreicht wurden, können wir schließen, daß die Trommel einen Stiefel enthielt, in den der Initiand in symbolischer Darstellung des Koitus den Phallus einführte.  - (grav)

Zusammenhang (6) Indem die höheren Geister nicht bloß in einzelnen Menschen wohnen, sondern indem jeder sich in mehrere hineinverzweigt, sind sie es, die diese Menschen auf geistige Weise verknüpfen, sei es zu einer Form des Glaubens, oder einer Wahrheit, einer moralischen oder politischen Bestrebung. Alle Menschen, die irgend eine geistige Gemeinschaft miteinander haben, gehören zum Leibe eines und desselben Geistes zusammen und gehorchen der Idee, die von ihm in sie eingegangen ist, wie zusammengehörige Glieder. Oft lebt eine Idee in einem ganzen Volke auf einmal, oft wird eine Masse Menschen zu einer und derselben Tat begeistert: das ist ein mächtiger Geist, der sie alle überkommt, in alle epidemisch hineinstrahlt. Freilich nicht bloß durch die Geister der Toten geschehen diese Verknüpfungen, sondern unzählige neugeborene Ideen wirken von den Lebenden in die Lebenden hinein; aber alle diese Ideen, die vom Lebenden in die Welt gehen, sind ja schon Glieder seines künftigen geistigen Organismus.  - Gustav Theodor Fechner, Das Büchlein vom Leben nach dem Tode, in: G.T.F., Das unendliche Leben. München 1984 (Matthes & Seitz debatte 2, zuerst 1836)

Zusammenhang (7) Der Mensch ist in dieser Welt wie der Vogel auf dem Zweig. Der Zweig ist an den Baum gewachsen; wer sich an den Baum hält, folgt guten Lehren. Gute Lehren sind mehr wert als schöne Worte. Schöne Worte hört man bei Hofe. Bei Hofe treiben sich die Schranzen herum; die Schranzen folgen der Mode. Die Mode entspringt der Phantasie; die Phantasie ist eine Fähigkeit der Seele. Die Seele gibt uns Leben, das Leben endet mit dem Tode. Der Tod läßt uns an den Himmel denken. Der Himmel ist über der Erde, die Erde ist nicht das Meer. Das Meer ist Stürmen ausgesetzt, die Stürme bedrohen die Schiffe, die Schiffe brauchen gute Piloten. Ein guter Pilot ist vorsichtig. Vorsicht findet sich nicht bei jungen Menschen, junge Menschen müssen den Alten gehorchen. Alte Leute lieben irdische Schätze; Schätze machen die Menschen reich. Die Reichen sind nicht arm, die Armen leiden Not. Not kennt kein Gebot. Wer keine Gebote kennt, lebt wie ein wildes Tier.   - Molière, Don Juan. In: Molière, Werke. Übs.  Arthur Luther, R. A. Schröder, Ludwig Wolde. Wiesbaden 1954 (Insel)

Zusammenhang (8)   Es gibt keinen Zufall in der Welt. Alles ist von jeher eine Folge notwendiger Verknüpfungen gewesen und wird es immer sein; man kann sie nur durch die Kenntnis der Zahlen verstehen, deren Prinzipien gleichzeitig so abstrakt und tief sind, daß man sie nicht begreifen kann, wenn man nicht von einem Meister angeleitet wird. Aber man muß es verstehen, diesen Meister auszusuchen und ihn an sich zu ketten. Ich kann Ihnen diese erhabene Wissenschaft nur mit Hilfe eines Bildes erläutern. Die Verkettung der Zahlen bestimmt den Rhythmus des Weltalls, sie regelt das, was man die zufälligen und angeblich bestimmten Ereignisse nennt, sie zwingt sie durch unsichtbare Hebel, daß jedes zu seiner Zeit vor sich geht, vom Wichtigen, das sich in den entferntesten Sphären ereignet, bis zu den belanglosen Glücksfällen, die Sie heute Ihres Geldes beraubt haben. - Jacques Cazotte, Der verliebte Teufel. In: Meistererzählungen des französischen Rokoko. München 1962

Zusammenhang (9) »Bist du denn sicher«, fragte Fitzstephan, »daß da überhaupt eine Verbindung bestehen muß?«

»O ja. Gabrielles Vater, ihre Stiefmutter, ihr Arzt und ihr Mann sind in weniger Wochen als ich Finger an der Hand habe um die Ecke gebracht worden - all die Menschen, die ihr am nächsten standen. Das genügt mir, um alles miteinander zu verknüpfen. "Wenn du nodi mehr Verbindungsglieder haben willst, kann ich sie dir aufzählen. Upton und Ruppert sind wahrscheinlich die Anstifter der ersten Affäre gewesen und sind umgekommen; Haidorn der zweiten, und er ist umgekommen; Whidden der dritten, und er ist umgekommen. Mrs. Leggett hat ihren Mann umgebracht; Cotton hat vermutlich seine Frau umgebracht; und Haidorn hätte seine auch umgebracht, wenn ich ihm nicht in die Quere gekommen wäre. Gabrielle ist als Kind angestiftet worden, ihre Mutter umzubringen; Gabrielles Dienstmädchen ist angestiftet worden, Riese umzubringen und beinah auch mich. Leggett hat eine Erklärung hinterlassen, die alles - wenn auch nicht völlig befriedigend - erhellte, und ist getötet worden. Dasselbe hat Mrs. Cotton getan, und ihr ist es ebenso ergangen. Du magst bei dem einen oder andern dieser Paare von zufälligem Zusammentreffen sprechen. Du magst bei mehreren dieser Paare von. zufälligem Zusammentreffen sprechen. Dann bleibt dir immer noch genug übrig, was auf jemanden hindeutet, der ein System hat, das ihm behagt und bei dem er bleibt.«

Fitzstephan sah mich mit schrägem Blick nachdenklich an, als er mir beipflichtete: »Da kann schon was dran sein. So wie du es darstellst, sieht es tatsächlich aus wie das Werk eines einzelnen Kopfes.«

»Und zwar eines übergeschnappten Kopfes.«

»Versteif dich nur drauf«, sagte er. »Aber auch dein Übergeschnappter muß ein Motiv haben.«

»Warum?«

»Hol der Teufel deine Art zu denken«, sagte er gutmütig aufbrausend. »Wenn er kein Motiv im Zusammenhang mit Gabrielle gehabt hat, warum sollten dann seine Taten mit ihr im Zusammenhang stehen?«

»Wir wissen nicht, daß sie alle mit ihr im Zusammenhang stehen«, betonte ich. »Wir wissen es nur von denen, bei denen das der Fall ist.«

Er grinste und sagte: »Du mußt um jeden Preis Einwände vorbringen, was?«

Ich sagte: »Außerdem, vielleicht hängen die Taten des Übergeschnappten deshalb mit Gabrielle zusammen, weil er mit ihr zusammenhängt.«

Fitzstephans Augen wurden beim Nachdenken darüber schläfrig. Er stülpte den Mund vor und sah auf die geschlossene Tür, die mein Zimmer von Gabrielles Zimmer trennte.

»Na schön«, sagte er und sah mich wieder an. »Wer ist denn dein Wahnsinniger, der Gabrielle so nahesteht?«

»Diejenige Person, die Gabrielle am nächsten steht und gleichzeitig am übergeschnapptesten ist, ist Gabrielle selber.« - Dashiell Hammett, Der Fluch des Hauses Dain. Zürich 1976 (detebe 20293, zuerst 1929)

Zusammenhang (10)  Dieses Prinzip ist notwendig für das Verständnis der Welt, wenn sie unter dem allgemeinsten Gesichtspunkt betrachtet wird, das heißt als ein zusammengesetztes & veränderliches Wesen. Der Zusammenhang besteht darin, daß jedes Wesen, das in die Zusammensetzung des Weltalls eingeht, in anderen Wesen den zureichenden Grund für seine Existenz neben ihnen oder seine Fortsetzung in ihnen hat. Nehmen wir als Beispiel die Struktur des menschlichen Körpers. Das ist eine Gesamtheit von mehreren Organen, die voneinander verschieden sind & nebeneinander existieren. Diese Organe hängen zusammen. Wenn man Sie fragt, worin ihr Zusammenhang besteht, & wenn Sie sich vornehmen, ihn verständlich zu erklären, so leiten Sie aus der Struktur der Organe die Art & Weise ab, wie sie sich einander anpassen können, & begründen dadurch die Möglichkeit ihres Nebeneinanderbesteheris. Wenn man noch weitergeht & von Ihnen verlangt, daß Sie erklären sollen, wie diese Organe als Organe & in bezug auf ihre Funktionen zusammenhängen, dann können Sie auch diese Frage befriedigend beantworten. Zum Beispiel sind Speiseröhre & Magen zwei Organe des menschlichen Körpers. Wenn Sie diese nur als zusammengesetzte Wesen & im Hinblick auf ihren Stoff betrachten, so können Sie beweisen, wie beide aufgrund ihrer Struktur aufs beste zueinander passen. Betrachten Sie sie aber als Organe des menschlichen Körpers, als Teile eines lebenden Körpers, von denen der eine als Durchgang der Speisen & der andere zur Verdauung der Speisen dient, dann erklären diese zwei Funktionen deutlich den Grund des Nebeneinanderbestehens dieser zwei Organe.

Daraus, daß jedes Wesen einen zureichenden Grund für seine Existenz neben anderen Wesen oder für seine Fortsetzung in ihnen hat, geht hervor, daß eine universelle Verknüpfung aller Dinge besteht, weil das erste mit dem dritten durch das zweite verbunden ist & so fort, ohne Unterbrechung.

In der Tat ist nichts häufiger als solche Zusammenhänge. Bretter sind miteinander durch Nägel verbunden, die sie allerdings getrennt halten, so daß sie sich nicht unmittelbar berühren. Der Leim ist gewissermaßen eine Masse von kleinen Bolzen, die beiderseits in die Poren des Holzes eindringen & einen Zwischenkörper bilden, der die zwei anderen Körper zugleich trennt & verbindet. In einer Kette hängt das erste Glied vermittels aller anderen Glieder mit dem letzten zusammen. Die Speiseröhre hängt durch den Magen mit dem Darm zusammen. Dieses Bild bietet die ganze Welt. Alle diese Teile stehen in einem Zusammenhang, der keine Lücke & keine Auflösung zuläßt; denn jedes Ding hängt mit allen angrenzenden Dingen zusammen, durch diese mit den unmittelbar folgenden Dingen & so weiter bis zu den äußersten Grenzen des Weltalls. Sonst könnte man nichts vernünftig erklären.   - (enc)

Zusammenhang (11)  Eine Frau begleitete ihren an Schwindsucht sterbenskranken Mann in einen Badeort. Der Mann erholte sich; aber seine Frau kehrte schwindsüchtig zurück und starb.

Der Mann verheiratete sich wieder. Nach einigen Jahren entstand Uneinigkeit zwischen ihm und seiner Frau; er reiste im letzten Sommer allein mit einem Bruder in den Badeort.

Von dort heimgekehrt, jedoch nicht ganz gesund, wollte er eines Sonntags in die Kirche gehen, brach aber vor einem Restaurant zusammen, wurde da hineingetragen und starb.

Was bedeutet die Geschichte? Ich kenne keine näheren Umstände, obwohl ich den Mann und die erste Frau kannte; aber von ihrem Zusammenleben und der zweiten Ehe weiß ich nichts, und das wäre wohl die Hauptsache.

Zur Spekulation bietet sich hier Gelegenheit genug. Der eine war krank und wurde gesund, während die andere gesund war, krank wurde und starb. Die Kneipe an Stelle der Kirche ist ja allegorisch. Die erste Frau hatte ihn wohl aus dem Leben gewünscht, das halte ich für ausgemacht. Wie er es mit der zweiten hatte, weiß ich nicht! - (blau)

Zusammenhang (12)   Als Madame Lannor wie gewöhnlich in aller Frühe aus dem Haus ging, sah sie, daß ihre Kirschbäume, die tags zuvor noch voll schöner roter Früchte gehangen hatten, über Nacht durch ausgestopfte Giraffen ersetzt worden waren. Ein blödsinniger Scherz! Wieso aber kam sie auf den Gedanken, dafür ein Liebespärchen verantwortlich zu machen, das sich am Abend zuvor bei Einbruch der Dunkelheit unter einen dieser Bäume gesetzt hatte? Um ein Andenken an ihre Liebe zu hinterlassen, hatten die beiden ihre ineinandergeschlungenen Initialen in die Rinde geritzt. Dabei aber hatte Madame Lannor sie beobachtet, sich ein Spanferkel gegriffen, es nach dem Pärchen geworfen und geschrien:

„Was treibt ihr da, ihr Artischockenkinder? Möchtet ihr vielleicht eine Begonie?"

Zu ihrer großen Verwunderung rutschten die beiden Liebenden am Stamm des Kirschbaums entlang nach oben, so als würden sie von einem Flaschenzug hochgehievt. Als sie den Baumwipfel erreicht hatten, flogen sie davon wie zwei Schwalben, zogen dahingleitend immer weiter werdende Kreise und fielen dann in einen nahegelegenen Teich. Sogleich erhob sich ein entsetzlicher Krach, vergleichbar mit dem Lärm von dreitausend Posaunen, Kornetten, Saxophonen, dicken Pauken, Signalhörnern usw., die alle auf einmal spielen. Madame Lannor war sehr zu Recht verblüfft darüber, wollte es sich aber nicht anmerken lassen und sagte:

„Ich stelle schon seit langem Taschenspiegel her."

Danach dachte sie nicht mehr an diesen Vorfall. Aber als sie an diesem Morgen die ausgestopften Giraffen an der Stelle ihrer Kirschbäume sah, konnte sie nicht umhin, einen Zusammenhang zwischen dem gestrigen und dem heutigen Ereignis herzustellen. - Benjamin Péret, Ein sehr interessantes Leben. Aus (per)

Zusammenhang (13)   Einen Zusammenhang kann ich nicht mehr sehen. - Nur noch äußerst Einzelne und Vereinzelte. - Eine übergeordnete Idee ist nicht, oder sie ist faktisch verfault. (Nur daß diese in den Körpern abgelegten Ideen faulig aus den Menschen strömen, wenn sie reden.)  - (rom)

Zusammenhang (14)  Den wahren Zusammenhang unsers ganzen Seins bilden, denk' ich, die Torheiten, die wir begehen, bereuen und wieder begehen, so daß unser Leben ein toller Spuk scheint, der uns, unser eigenes Ich rastlos verfolgt, bis er uns zu Tode neckt und hetzt. - E. Th. A. Hoffmann, Die Serapionsbrüder

Zusammenhang (15)  Die Steine und Metalle stimmen mit den Kräutern überein, diese mit den Tieren, die Tiere aber mit den Himmeln, die Himmel mit den Intelligenzen und diese mit den göttlichen Eigenschaften und Attributen und mit Gott selbst, nach dessen Bild und Ähnlichkeit alles erschaffen ist. Das erste Bild von Gott aber ist die Welt, von der Welt der Mensch, von dem Menschen das Tier, von dem Tiere die Tierpflanze, von dieser die Pflanze, von der Pflanze die Metalle, und Bilder von diesen sind die Steine. Im Geistigen stimmt die Pflanze mit dem unvernünftigen Tier durch das Wachstum, das Tier mit dem Menschen durch das Gefühl, dieser mit den Geistern durch den Verstand überein, und diese sind mit Gott durch die Unsterblichkeit verbunden. Die Gottheit steht in Verbindung mit dem Verstande, dieser mit der Einsicht, diese mit dem Willen, dieser mit der Einbildung, diese mit dem Gefühl, dieses mit den Sinnen, die Sinne selbst mit den materiellen Dingen. Denn es herrscht in der Natur ein solcher Zusammenhang und eine solche Übereinstimmung, daß jede obere Kraft durch das einzelne Untere in langer und ununterbrochener Reihe ihre Strahlen austeilend bis zum Letzten strömt, und andererseits das Untere durch die einzelnen Stufen des Oberen bis zum Höchsten gelangt. Das Untere ist mit dem Oberen gegenseitig so verbunden, daß der Einfluß vom Endpunkte des Letzteren, von der ersten Ursache aus, bis zum Untersten sich erstreckt, wie bei einer angespannten Saite, die, wenn man ein Ende derselben berührt, plötzlich ihrer ganzen Länge nach erzittert, indem die Berührung auch am andern Ende widerhallt. Wird daher etwas Unteres in Bewegung gesetzt, so wird es auch  das Obere, dem es entspricht, wie die Saiten an einer wohlgestimmten Zither.  - (nett)

Zusammenhang (16)  Am 27. Januar 1923 wurde Colonel Varela an der Kreuzung Fitzroy und Santa Fe Street von Kurt Wilkens erschossen, einem anarchistischen Tolstoi-Verehrer aus Schleswig-Holstein. Einen Monat später, am 26. Februar, wurde Wilkens im Encausaderos-Gefängnis von seinem Wärter Jorge Perez Millán Temperley erschossen (wie dieser dort hingekommen ist, wußte niemand). Und am Montag, dem 9. Februar 1925, wurde Temperley in einer Anstalt für kriminelle Geistesgestörte in Buenos Aires von einem jugoslawischen Liliputaner namens Lukic erschossen.

Der Mann, der Lukic die Pistole gegeben hatte, war ein interessanter Fall. Es handelte sich um Boris Wladimirowitsch, einen Russen mit langer Ahnenreihe, Biologen und Künstler, der in der Schweiz gelebt und Lenin gekannt hatte (oder gekannt haben wollte). Die Revolution von 1905 hatte ihn in den Alkohol getrieben. Nachdem er einen Herzinfarkt hatte, ging er nach Argentinien, wo er ein neues Leben anfangen wollte. Das alte Leben holte ihn jedoch schnell wieder ein, als er eine Wechselstube überfiel, um Mittel für anarchistische Propaganda zu bekommen. Dabei kam ein Mann ums Leben, und Wladimirowitsch erhielt fünfundzwanzig Jahre in Ushuaia, einem Gefängnis am Ende der Welt. Dort sang er ununterbrochen Lieder aus seinem Vaterland, und damit endlich Ruhe war, ließ ihn der Gouverneur in die Hauptstadt verlegen.

Am Sonntag, dem 18. Februar, brachten ihm zwei russische Freunde in einem Korb mit Obst einen Revolver mit. Der Fall war schwer zu beweisen. Es kam zu keiner Verhandlung, aber Boris Wladimirowitsch verschwand für immer im Reich der Toten. - (pat)

Zusammenhang (17)  Philosoph!

1. Ich schreibe Ihnen in Beantwortung Ihres Briefes, den Sie mir zu schreiben beabsichtigen in Beantwortung meines Briefes, den ich Ihnen geschrieben habe.

2. Ein Geiger kaufte sich ein Magneteisen und ging damit nach Hause. Unterwegs wurde der Geiger von Rowdys überfallen, die ihm die Mütze vom Kopf schlugen. Der Wind erfaßte die Mütze und trug sie die Straße entlang.

3. Der Geiger legte das Magneteisen auf die Erde und lief hinter der Mütze her. Die Mütze fiel in eine Salpetersäurepfütze und löste sich auf.

4. Die Rowdys stahlen das Magneteisen und machten sich davon.

5. Der Geiger kam ohne Mantel und ohne Mütze nach Hause, denn die Mütze hatte sich in der Salpetersäure aufgelöst, und den Mantel hatte er, verdrossen über den Verlust seiner Mütze, in der Straßenbahn liegenlassen.

6. Der Schaffner dieser Straßenbahn brachte den Mantel zum Trödelmarkt und setzte ihn dort in saure Sahne, Grütze und Tomaten um.

7. Der Schwiegervater des Schaffners überfraß sich an den Tomaten und starb. Der Leichnam des Schwiegervaters des Schaffners wurde in der Leichenkammer aufgebahrt, doch dann verwechselte man ihn und beerdigte statt seiner ein altes Mütterchen.

8. Aufs Grab des alten Mütterchens wurde ein weißer Pfosten gesetzt, auf dem »Anton Sergejewitsch Kondratjew« stand.

9. Nach elf Jahren war der Pfosten so wurmstichig, daß er umfiel. Der Friedhofswächter zersägte den Pfosten in vier Stücke und verbrannte sie in seinem Herd. Die Frau des Friedhofswächters aber kochte auf diesem Feuer eine Blumenkohlsuppe.

10. Doch da fiel, als die Suppe schon gar war, eine Fliege von der Wand, geradewegs in den Topf mit der Suppe. Die Suppe wurde Bettler Timofej geschenkt.

11. Bettler Timofej aß die Suppe und erzählte Bettler Nikolai von der Gutherzigkeit des Friedhofswächters.

12. Am anderen Tag ging Bettler Nikolai zum Friedhofswächter und bat um eine milde Gabe. Aber der Friedhofswächter gab Bettler Nikolai nichts und jagte ihn weg.

13. Bettler Nikolai geriet darüber in Wut und zündete das Haus des Friedhofswächters an.

14. Das Feuer griff vom Haus auf die Kirche über, und die Kirche brannte ab.

15. Es wurden langwierige Ermittlungen angestellt, aber die Ursache des Brandes konnte nicht ermittelt werden.

16. Auf dem Platz, wo die Kirche gestanden hatte, wurde ein Klubhaus gebaut, und zur Eröffnung dieses Klubhauses fand ein Konzert statt, bei dem der Geiger auftrat, der vor vierzehn Jahren seinen Mantel verloren hatte.

17. Im Publikum saß der Sohn von einem der Rowdys, die vor vierzehn Jahren dem Geiger die Mütze vom Kopf geschlagen hatten.

18. Nach dem Konzert fuhren sie in derselben Straßenbahn nach Hause. Doch in der Straßenbahn, die hinter ihnen fuhr, saß als Wagenführer jener Schaffner, der einst den Mantel des Geigers auf dem Trödelmarkt versetzt hatte.

19. Und so fahren sie spätabends durch die Stadt: vornweg der Geiger und der Sohn des Rowdys, hinter ihnen der Wagenführer, der damalige Schaffner.

20. Sie fahren und wissen nicht, was für ein Zusammenhang zwischen ihnen besteht, und werden es bis an ihr seliges Ende nicht erfahren. - (charms)

Zusammenhang (18)  Animalischer Magnetismus, sympathetische Kuren, Magie, zweites Gesicht, Wahrträumen, Geistersehn und Visionen aller Art sind verwandte Erscheinungen, Zweige Eines Stammes, und. geben sichere, unabweisbare Anzeige von einem Nexus [Zusammenhang] der Wesen, der auf einer ganz andern Ordnung der Dinge beruht, als die Natur ist, als welche zu ihrer Basis die Gesetze des Raumes, der Zeit und der Kausalität hat; während jene andere Ordnung eine tiefer liegende, ursprünglichere und unmittelbarere ist, daher vor ihr die ersten und allgemeinsten, weil rein formalen, Gesetze der Natur ungültig sind, demnach Zeit und Raum die Individuen nicht mehr trennen und die eben auf jenen Formen beruhende Vereinzelung und Isolation derselben nicht mehr der Mittheilung der Gedanken und dem unmittelbaren Einfluß des Willens unübersteigbare Gränzen setzt; so daß Veränderungen herbeigeführt werden auf einem ganz andern Wege, als dem der physischen Kausalität und der zusammenhängenden Kette ihrer Glieder, nämlich bloß vermöge eines auf besondere Weise an den Tag gelegten und dadurch über das Individuum hinaus potenzirten Willensaktes. Demgemäß ist der eigentümliche Charakter sämmtlucher, hier in Rede stehender, animaler Phänomene visio in distans et actto in distans [Sehen in die Ferne und Wirken in die Ferne], sowohl der Zeit, als dem Raume nach.   - Schopenhauer, Versuch über Geistersehn und was damit zusammenhängt, nach (schop)

Zusammenhang (19)

Zusammenhang (20) Caruso greift nach der Phiole mit Salzwasser, die er in jeder Tasche trägt, Garderobiere und Diener stehen zu seinen beiden Seiten, der eine reicht ihm ein winziges Glas Whisky, gleich danach die andere ein kleines Glas perlendes Wasser, worauf ein Viertel eines Apfels gegessen wird. Immer Lampenfieber! Der Gold Cream zum Abschminken wird von einem eigens von ihm ausgebildeten Apotheker für ihn allein hergestellt und darf kein Glyzerin enthalten. Das etwa war das Zeitalter, und das führt mich vor die europäische Frage: Ist Denken Zwang? Ein Tenor ist eine Industrie: Gutsverwalter, Küchenchefs, Halsspezialisten, Agenturen - bei einem denkerischen Genie findet man morgens ein paar Wurstpellen auf dem Teller, und das Zimmer ist ungelüftet - kann man glauben, daß das jemand freiwillig auf sich nimmt?

Zugegeben: Panoptikum, Bilder, Fragmente, von meinen Fragen koloriert! Aber das Zusammenhang suchende Denken scheint mir noch viel unvollkommener. Wenn man Europa überblickt, sieht man Massen, die denken, hinten und vorn, oben und unten, es wird gedacht zu Lande und zu Wasser und auf den Schiffen, die auf der Fahrt sind, es wird gedacht aus Primitivität, wie die Affen die Bäume hochklettern, und es wird gedacht aus Kunst, wie die Artisten die Bälle balancieren, es wird gedacht in den vier Weltsprachen und in den zweiundzwanzig Balkandialekten mit dem Resultat, dafr keiner weiß, was für eine Art von Tätigkeit das eigentlich ist und wofür sie da ist.

Sieht man wie ich seitlich in die Dinge hinein, sieht man jedenfalls Buntes; beispielsweise im Augenblick die zahlreichen Schaluppen vor Yukatan, mit deren Hilfe die spanische elementare Hypertension so ausgiebig verblutete, daß sie einige europäische Juwelen, darunter mein Vaterland, aus ihrem Kronreif fallen lassen mußte - also etwas verlorenes Palmenrauschen am Karibischen Meer, das Schwirren einiger Pfeilsehnen und verschiedene anderweitige Kulikasten bestehen in meinem System. Auch der Kaiman, von Guano triefend, weil der weiße Reiher von seinen Schuppen aus nach Fischen spähte, und rote Papageien. Lava und fröhlich leuchtende Flüsse. Ferner Flora und Fauna lukullisch und prophylaktisch: wenn die Riesenheuschrecke die Zuckerrohrfelder verheert und die Reblaus den Mosel gefährdet, wenn der Paragummi wasserundurchlässig ist und der Waterproof entsteht -: alles Bildner meiner Stunden. Mehr Haare auf dem Kopf wünschte sich der Herr, den ich mit Benzoe traktierte. Ich rieb heftiger, pries das Mittel doppelt an, glaubte schon hie und da Nachwuchs zu bemerken, leichten Flaum, Bereitwilligkeit der Epidermis, freudig geöffnete Poren. Hierüber diskutierten wir, er als Wunschidealist, ich als Fachmann. „War die Zukunft schon gewesen?" - fiel uns dabei ein, Überschrift eines Artikels aus dem gestrigen Blatt, an einem ausgegrabenen Negerschädel hatte man die Zeichen des heutigen hypermodernen Mannes gefunden: verkümmertes Gebiß, zerbrechlicher als heute, ohne hinteren Backenzahn, hohe Stirn (mit Haarschwund verbunden) - „weniger affenähnlich als jeder Schädel der Neuzeit", fünfzehntausend Jahre alt, verstreut längs der Küste Südafrikas. „Frühgeburt des Europäers", „ging in der rauhen Umwelt unter".   - Gottfried Benn, Der Ptolemäer. In: G. B., Prosa und Szenen. Ges. Werke Bd. 2. Wiesbaden 1962

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Kausalität
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SinnVerstehbarkeit
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