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Ganz ein anderes Kräutlein ist es und nützet ganz anders: die
Wurzel, Doppelt gespalten, treibt kräftig den Stengel hervor. Knorrenlos
ist der Schößling; noch liegt er, doch baldigst erhebt er Seinen
im rötlichen Schein schimmernden Kopf. Und er ist Immer der gleiche,
ob der Himmel glühet im Hundsstern, Oder ob glitzernder Reif
decket das Wintergefild. Nie verwelket er jemals, da ihm das
Wetter nichts anhat, Und es gibt keinen Ort, wo man vergebens
ihn pflanzt. Keineswegs gibt es nur eine Art, die Triebe zu pflegen, Schüttle
den Stamm, und du hast reichlichen Samen von ihm. Ob den Samen
aufnimmt die Furche, oder ob du den fruchtbarn Stengel senkest
ins Loch, jeglicher Weg führt zum Ziel. Wenn sich zuerst der
Wald in frischen Blättern belaubet, Sich in strotzender Kraft
herrlicher Üppigkeit freut, Träufeln aus seinem Haupte die ersten
Tränen; der Honig Von dem Hyblagebirg schmecket nicht süßer als
sie. Über alles tut wohl ihm das Streicheln geschäftiger Finger: Von
der Betastung selbst wächst er dir schon in der Hand. Nicht geringere
Freud' - so bezeug ich's, der ich es sehe, Weil kein Weib daran
denkt, daß ich zu sprechen vermag - Macht die Berührung den ehrbar'n
Mädchen, wenn sie ihn umfangen Und ihn in pressender Hand halten
in zartem Verschluß, Ja, sich neigen zu ihm und mit zärtlichem
Munde ihn küssen Und, weil die Wärme ihn letzt, ihn gar fürsorglich
betreun. Glücklich lächelt sie dann, wenn sich endlich der Schmächtige
aufbläht Und behend durch die Hand schlüpft ihr und durch das
Gewand. Gar nicht schüchtern bewundert die Maid sein verändertes
Aussehn, Den gekräftigten Stamm und die so plötzliche Pracht.
"Dich verehr ich, du Hälmchen, du Bild des erhabenen Gottes, Du
sollst mein Leitstern sein, Zepter, dem ich mich ergib!" Also
spricht sie; es fallen auch schon vom Körper die Hüllen, Und
den Durstigen labt sie an dem schattigen Born. Gierig trinkt
er an der von Gesträuch bewachsenen Quelle; Wieviel er aber auch
trinkt, reichlicher gibt er's zurück, Und er spendet seiner Verehrerin
liebliche Freuden, Der er fürs Übel der Welt einziger Tröster
oft ist. Wenn der Gatte ihr fern ist auf weit ihn tragender Woge, Und
in der Einsamkeit sie sich in Sehnsucht verzehrt, Und die Gesundheit
ihr schwindet im öden eh'lichen Bette, Findet sie Heilung darin,
daß seinen Samen sie schlürft. Wird ihr das Antlitz blaß, sie
greift nach dem strotzenden Stengel, Und von der süßen Kost kehrt
ihr die Farbe zurück. Hat sie die strahlenden Augen von strömenden
Tränen verschwollen, Wie ja das Weinen stets Frauenart war und
sein wird, Und besprengt sie der Tau, der aus dem Kräutlein hervorquillt, Wird
das Auge ihr klar, Freudigkeit zieht ihr ins Herz. Scheuchen
ihr dunkle Träume den Schlaf von den Lidern, vom Schößling Koste
sie wenig, und schon stellt sich der Schlaf wieder ein. Wenn
eine mannbare Maid den Namen der Mutter ersehnet, Und ihr Tag
für Tag ungenutzt schwindet dahin, Wendt' sie die Wurzel zu richtiger
Zeit an, und sicherlich klagt sie Dann im Alter nicht ob ihrer
Unfruchtbarkeit. Ebenso rat ich's dem Weib, vernachlässigt schnöde
vom Gatten, Daß ihr bei seinem Tod nichts von der Erbschaft entgeht.
- Und je mehr die ihn fassende Hand den Stengel erfüllet Und
den saugenden Mund, desto willkommener ist er. Anderswo blüht
er in reichem Schatten, bei mir ist er offen; Denn ein so trefflich
Gewächs heischet nicht wucherndes Gras. - Willst seinen Namen
du wissen? der kleine Schwanz ists. Du lächelst? Also
nennt jedermann ihn im zungenfertigen Rom. Wenn auch, wie die
Gelehrten behaupten, sein Umfang nur klein ist, Mir, der ich
ungelehrt bin, bäumt er sich mächtig empor. Römer, gewährt mir
Verzeihungl Ein Wörtlein nur ist mir entschlüpfet; Kann denn
darin ein Zuviel irgendwie reizen den Zorn?"
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