unde

ALs die Venus neulich sasse
In dem bade nackt und bloß!
Und Cupido auff dem schooß
Von dem liebes=zucker asse /
Zeigte sie dem kleinen knaben
Alles was die frauen haben
Marmel=hügel sah er liegen /
Von begierden auffgebaut;
Sprach zur Mutter überlaut:
Wenn werd ich dergleichen kriegen /
Daß mich auch die schäferinnen /
Und die damen lieb gewinnen?
Venus lacht aus vollem munde
Über ihren kleinen sohn:
Denn sie sah und merckte schon /
Daß er was davon verstunde /
Sprach: du hast wohl andre sachen /
Die verliebter können machen.
Unterdessen ließ sie spielen
Seine hand auff ihrer brust:
Denn sie merckte / daß er lust
Hatte weiter nachzufühlen /
Biß ihr endlich dieser kleine
Kam an ihre zarte beine.
Als er sich an sie geschmieget /
Sprach er: Liebes mütterlein /
Wer hat an das dicke bein
Euch die wunde zugefüget?
Müst ihr weiber denn auff erden
Alle so verwundet werden?
Venus konte nichts mehr sagen /
Als: du kleiner bösewicht/
Packe dich / du solst noch nicht
Nach dergleichen sachen fragen.
Wunden / die von liebes=pfeilen
Kommen / die sind nicht zu heilen.

- (hofm)

Wunde (2) Funk sieht zum erstenmal große Verwundungen in Masse. Einem Pionier ist die Bauchdecke weggenommen. Die Därme quellen hervor, blaugrau, träge sich rührend, als wollten sie über die zerfetzte Uniform davonkriechen. Der Mann liegt auf dem Rücken, er blutet erschreckenderweise kaum. Er sagt nur unablässig mit hoher, entsetzlich kläglicher Stimme: »Hu, mich friert — hu, mich friert!« Er hat den jäh einsetzenden Frost der Schwerverletzten. Er selbst scheint nicht zu merken, daß auch seine eine Hand am Knöchel glatt abgeschlagen ist, sie hängt nur noch an einem Hautstück und baumelt leise mit verkrallten Fingern, denn er hält den Arm im Ellenbogen aufgestützt. Auch hier keine Blutung bei in sich gerollten Adern.

Anderen sind die Arme zerschmettert, die Brüste aufgerissen, die Hälse zerfleischt.

Sie verbinden Zerfetztes und lagern Blutendes und geben Spritzen und haben auch ein knappes Wort der Teilnahme. - Alexander Moritz Frey, Pflasterkästen. Ein Feldsanitätsroman. Leipzig und Weimar 1984 (zuerst 1929)

Wunde (3) Vom funkelnden Eingang eines Barbierladens kam ihm leibhaftig sein Sohn entgegengelaufen, jackenlos, den einen Hemdsärmel bis über die Ellenbogen hochgekrempelt.

«Papa, Papa, schau mal, was für ein schöner Schnitt!»

Und zeigte ihm eine klaffende Wunde am Vorderarm, lang und haargenau mit dem Rasiermesser gezogen; Blut floß in Fülle, doch der junge Mann lächelte zufrieden. Den Anwalt überkam bei dem Anblick das Grauen, doch blieb ihm keine Zeit, auch nur irgend etwas zu sagen, denn sein Sohn zog mit sicherer Hand die Lappen der Wunde auseinander, kramte mit der anderen Hand darin herum und holte etwas heraus. Da, hier, ein langes Schnurende, dann ein Maccheronistückchen; und reichte diese Dinge seinem Vater, der sie an sich nahm und ebenfalls hineinsah.

Drinnen war es geräumiger, als man hätte glauben können; fahle Seitenwände, und unten war eine Art blutigen Schlamms zu sehen, aus dem die verschiedensten Dinge auftauchten. Da kamen noch ein Schuhnagel, einige Schrotkörner, ein paar Reiskörner. Der junge Mann zog auch eine Schmeißfliege mit verklebten Flügeln und ein blaues durchsichtiges Würmchen heraus, aber das warf er gleich voller Widerwillen weg. Das Würmchen jedoch, starren Sinnes, schickte sich sogleich an, die Lackschuhe des Anwalts zu erklimmen, doch der junge Mann feuerte es mit seinem Fuß wieder in den Staub.

«Ach! So also denkst du dir das?» protestierte der Wurm mit heiserer Stimme. - Tommaso Landolfi, Das Meer der Schaben, nach (land)

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