ucherung
Heathcliff
in den ›Stürmischen
Hügeln‹ würde die ganze Welt umbringen, um in den Besitz Cathies zu
gelangen, aber er würde nicht daran denken zu behaupten, daß dieser Mord
vernünftig oder durch ein philosophisches System
gerechtfertigt sei. Er würde ihn vollbringen, darüber hinaus geht seine
Überzeugung nicht. Das setzt die Kraft der Liebe
und Charakter voraus. Da die Kraft der Liebe
selten ist, bleibt der Mord aus Liebe eine Ausnahme und bewahrt jedesmal
die Gestalt eines Einbruchs in die Ordnung.
Sobald man aber, mangels Charakters, nach
einer Doktrin rennt, sobald das Verbrechen
anfängt, seine Gründe in der Vernunft zu suchen, wuchert es wie die Vernunft
selber und nimmt alle Formen logischer Denkschlüsse
an. - Camus, Der Mensch in der Revolte (1951)
Wucherung (2) Aus dem Nabel des Gottes wächst ein Lotusstengel; und in seinem Kelch erscheint ein anderer Gott mit drei Gesichtern.
Die drei Köpfe trennen sich und werden drei große Götter.

Der
erste ist rosa und beißt sich in die große Zehe.

Der
zweite ist blau und schwenkt vier Arme.
Der dritte ist grün und hat eine Kette aus Totenschädeln um.
Ihnen gegenüber erscheinen drei Göttinnen; eine ist in ein Netz gehüllt, eine hält einen Becher, eine hebt einen Bogen.
Und Götter und Göttinnen
verdoppeln, vervielfachen sich. Aus ihren Schultern
wachsen Arme, aus ihren Armen Hände
mit Fahnen, Äxten, Schilden, Schwertern, Sonnenschirmen
und Trommeln. Aus ihren Köpfen sprudeln Quellen, aus ihren Nasenlöchern
wuchern Kräuter. Sie reiten auf Vögeln, wiegen sich in Tragsesseln, thronen
auf goldenen Stühlen, stehen in Nischen - und träumen, reisen, befehlen,
trinken Wein, atmen Blumenduft. Tänzerinnen wirbeln, Riesen jagen Ungeheuer;
Einsiedler meditieren vor Höhlen. Augen sind von Sternen, Wolken von Wimpeln
nicht zu unterscheiden; Pfauen laben sich an Strömen von Goldstaub, die
Stickerei der Zelte fließt mit dem Gescheck der Leoparden in eines. Farbige
Strahlen kreuzen sich mit fliegenden Pfeilen und schwingenden Weihrauchfässem
in der blauen Luft. Und das alles baut sich zu einem mächtigen Fries von
den Felsen bis in den Himmel auf. - (vers)
Wucherung (3) Ich kehrte in die Zelle zurück und las
den nächsten Band der dychthonischen Geschichte. Er beschrieb die Ära
der Zentralisierung des Körperformismus. Der Sompsuter
betätigte sich zunächst zur allgemeinen Zufriedenheit, dann aber tauchten auf
dem Planeten neue Wesen auf - doppelte, dreifache,
vierfache, dann achtfache, schließlich auch solche,
die überhaupt nicht in zählbarer Weise enden wollten, weil ihnen während des
Lebens immer etwas Neues wuchs. Das war eine Folge von Defekten, das heißt einer
falschen Programmierung, einfach gesagt: Die Maschine
hatte zu stottern begonnen. Da jedoch der Kult
ihrer Vollkommenheit herrschte, versuchte man sogar,
diese automorphen Entstellungen zu loben, indem man zum Beispiel erklärte, daß
eben das unaufhörliche Knospen und Aufspalten der eigentliche Ausdruck der proteischen
Natur des Menschen sei. Dieses Preisen brachte es mit sich, daß die Ausbesserungsarbeiten
verspätet einsetzten, und führte zur Entstehung sogenannter Nichtender oder
Penter (poly-N-ter), die die Orientierung im eigenen Körper verloren, weil es
davon so viele gab; sie verloren sich darin, indem sie sogenannte Knötel bildeten;
manchmal konnte man sie ohne den Rettungsdienst gar nicht entwirren.
Die Reparatur des Computers brachte keinen Erfolg - »Kaputter« genannt, wurde
er schließlich in die Luft gesprengt. -
(lem)
Wucherung (4)

- N.N.
![]() |
||
![]() |
||
|
|
|
![]() |
||
![]() ![]() ![]() |
||
![]() ![]() |
![]() ![]() |
|