ette
Der Erzbischof von Reims achtete sorgfältig darauf,
seine Pagen in allen Übungen zu unterweisen und immer hübsche Pagen zu haben.
Einige redeten ihm deswegen Übles nach, deshalb nahm er in der Folge weniger
hübsche. Man hat mir berichtet, er habe sich damals damit begnügt, sie abzuwichsen
und ihnen gleichzeitig mit der Hand durchs Haar zu streichen. Ich weiß nicht,
wie er es damit in seiner Jugend hielt, aber zwanzig Jahre vor seinem Tod hatte
er einen Leistenbruch, wofür Frau Giot - eine Bruchheilerin - mehrere Male in
seiner Angelegenheit tätig geworden war. Daher kommt auch die Geschichte, die
man sich über ihn und Herrn Denetz, den Bischof von
Orleans, erzählt. Sie wetteten, wer den längeren Schwanz habe. Herr von Reims
verlor und sagte darauf zu ihm: «Meine Revanche gilt für die Eier.» -
(tal)
Wette (2) Nachdem der Pfaffe mit Eulenspiegel
wieder einen Küster hatte, stand er einmal vor dem Altar, zog sich an und wollte
die Messe halten. Eulenspiegel stand hinter ihm und ordnete ihm sein Meßgewand.
Da ließ der Pfaffe einen großen Furz, so daß es durch
die ganze Kirche schallte. Da sprach Eulenspiegel: »Herr, wie ist das? Opfert
Ihr dies unserm Herrn statt Weihrauch hier vor dem Altar?« Der Pfaffe sagte:
»Was fragst du danach? Das ist meine Kirche. Ich habe die Macht, mitten in die
Kirche zu scheißen.« Eulenspiegel sprach: »Das soll Euch und mir eine Tonne
Bier gelten, ob Ihr das tun könnt.« Der Pfaffe sagte: »Ja, das soll gelten.«
Sie wetteten miteinander und der Pfaffe sprach: »Meinst du, daß ich nicht so
keck bin?« Und er kehrte sich um, machte einen großen Haufen in die Kirche und
sprach: »Sieh, Herr Küster, ich habe die Tonne Bier gewonnen.« Eulenspiegel
sagte: »Nein, Herr, erst wollen wir messen, ob es mitten in der Kirche ist,
wie Ihr sagtet.« Eulenspiegel maß es aus: da fehlte wohl ein Viertel bis zu
Mitte der Kirche. Also gewann Eulenspiegel die Tonne Bier. -
(eul)
Wette (3)
Ophelia, Ophelia, im Teiche |
Die Zeremonie nähert sich ihrem Ende (ein für alle Mal!). Man hört, wie Klumpen
von Humuserde auf den Sarg poltern, auf den Sarg poltern, ach! ein für alle
Mal! . . . — Ihr Rumpf war der eines Engels, noch einmal. Was kann ich bei all
dem tun, hier und jetzt? Gut, ich gebe zehn Jahre meines Lebens, um sie wiederzuerwecken!
Gott schweigt! Die Wette gilt! Es gibt also entweder keinen Gott, oder aber
ich habe keine zehn Jahre mehr zu leben. Die erste Hypothese erscheint mir als
die tauglichere, und das aus gutem Grunde. - Aus:
Jules Laforgue, Hamlet oder Die Folgen der Sohnestreue und andere legendenhafte
Moralitäten. Frankfurt am Main 1981 (BS 733, zuerst 1887)
Wette (4) Charly guckt um den ganzen Tisch im Kreis rum, und plötzlich entdeckt er Juden-Loui an dem einen Ende, obgleich Juden-Loui sich scheints bemüht, schleunigst einzuschrumpfen, als Charlys Scheinwerfer auf ihn fallen.
«Ich setze fünf Hunderter», sagt Charly, «und du, Loui, wirst mich annehmen.» Das heißt soviel, er zwingt Loui, tausend gegen fünfhundert Dollar zu wetten, daß Charly seine Zehn nicht schafft.
Nun ist Juden-Loui von jeher nur ein ganz kleiner Pinscher und überhaupt mehr ein Shylock als ein Spieler, und der einzige Grund, weshalb er in diesem Augenblick grade beim Tisch steht, ist der, daß er rangekommen ist, um Griechen-Nicky ein bißchen Kies zu pumpen, und normalerweise ist die Chance, daß Juden-Loui irgendworauf mal tausend gegen fünfhundert Dollar wettet, nicht größer, als daß er seine Pinke an die Heilsarmee verschenkt, nämlich gleich Null. Es kommt überhaupt nicht in Frage, daß er je im Leben dran dächte, tausend gegen fünfhundert zu wetten, jemand könnte keinen Zehner würfeln, und als Rostkopp-Charly zu Loui sagt, jetzt ist er dran, da fängt Loui am ganzen Leibe an zu zittern. Die andern am Spieltisch sagen kein Wort, und so läßt Charly die Würfel nochmal in seiner Pfote klappern, pustet drauf, wirft sie in den Hut und sagt «Ha!» Aber natürlich kann niemand in den Hut reinsehn außer Charly, und der schielt rein und sagt: «Fünf!» Er schüttelt die Würfel nochmal, schmeißt sie in den Hut, macht «Ha!» und sagt nach einem Blick auf die Würfel im Hut: «Acht». Ich fange an zu schwitzen vor Angst, er könnte eine Sieben im Hut haben und seine Wette verlieren, und ich weiß doch, daß Charly gar keine fünfhundert hat um zu bezahlen, obgleich ich natürlich auch weiß, daß Charly überhaupt nicht dran denkt zu bezahlen, ganz egal, was er wirft.
Nach dem nächsten Wurf ruft Charly: «Geld!» — nämlich, daß er seine Zehn
schließlich macht, wenn auch keiner das sieht außer ihm, und er reicht mit der
Hand zu Juden-Loui rüber, und Juden-Loui händigt ihm eine dicke, fette Tausendernote
aus, ganz, ganz langsam. In meinem Leben sehe ich noch nie einen so traurigen
Kerl wie Loui, während er sich von seinem Zaster trennt. Wenn Loui überhaupt
dran denkt, von Rostkopp-Charly zu fordern, daß er ihm die Würfel im Hut doch
mal zeigt, damit er sich von den zehn Augen überzeugen kann, so spricht er nicht
von dieser Angelegenheit, und da Charly selbst scheints nicht die Absicht hat,
seine Zehn rumzuzeigen, sagt auch sonst niemand was, weil sich wahrscheinlich
alle denken, daß Rostkopp-Charly nicht so einer ist, der sein Wort anzweifeln
läßt, am wenigsten wegen so einer lumpigen Zehn. -
Damon Runyon, Schwere Jungen, leichte Mädchen. Reinbek bei Hamburg 1961 (rororo
197, zuerst 1932)
Wette (5) Im Frühling des Jahres 1850 erfüllte ein fürchterlicher Schlag der Vorsehung eine Kleinstadt im Departement Eure mit heilsamem Schrecken. Eines Sonntags, während des Hochamtes, hatte sich eine Bande von Trunkenbolden bei einem Kneipier in der Nähe der Kirche versammelt. Die Glocken läuteten wie gewöhnlich bei der Erhebung der Hostie. Ihr Ton weckte die Wut eines dieser Männer, der zu einer Flut von Lästerungen gegen Gott, das heilige Sakrament, die Heilige Jungfrau, die Priester usw. ansetzte. Der Gastwirt und seine Frau versuchten vergeblich, seinen Verwünschungen Einhalt zu gebieten. „Bah, bah!" schrie er, „euer Gott ist ein Witz, ich fürchte ihn nicht. Soll er mich doch hindern, wenn er kann, dieses Glas Wein zu kippen." Und in eben dem Augenblick, da er das Glas an die Lippen führt, taumelt er und sinkt tot zu Boden. Diesmal hatte Gott die Wette angenommen.
Er nahm, allerdings mit längerer Verspätung, auch die Wette an, die ihm der
abscheuliche Voltaire angeboten hatte. Zwanzig
Jahre vor seinem Tod hatte dieser Ungläubige Tag für Tag folgende Worte an einen
seiner Gefährten zu richten begonnen: In zwanzig Jahren wird der Schändliche
leichtes Spiel haben! Bekanntlich verstand er unter dem Schändlichen Unseren
Herrn. Welch schreckliche Prophezeiung. - Mgr de Ségur, Praktische Ratschläge
zu Versuchung und Sünde [1875], nach (sot)
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