elt  Daß ihre Gestalt die einer vollkommenen Kugel sei, lehrt besonders ihr Name und die Übereinstimmung aller Völker darin, daß sie sie Orbis nennen, dann aber auch die in ihr selbst liegenden Beweise. Denn eine solche Figur neigt sich in allen ihren Teilen zu sich selbst, muß sich selbst tragen, schließt sich ein und hält sich ohne Beihilfe von Banden, hat kein Ende und keinen Anfang in allen ihren Teilen; sie ist ferner für die Bewegung, worin sie sich, wie wir bald zeigen werden, beständig drehen muß, die schicklichste Form. Endlich lehrt es auch der Augenschein, weil sie gewölbt ist und man überall in der Mitte sich befindet, was bei einer anderen Figur nicht möglich wäre. - (pli)

1 Hier in der Bedeutung Himmel, Himmelsgewölbe, Weltall.

Real World (2) {noun}: 1. Those institutions at which 'programming' may be used in the same sentence as 'FORTRAN', 'COBOL', 'RPG', 'IBM', 'DBASE', etc.  Places where programs do such commercially necessary but intellectually uninspiring things as generating payroll checks and invoices. 2. The location of non-programmers and activities not related to programming. 3. A bizarre dimension in which the standard dress is shirt and tie and in which a person's working hours are defined as 9 to 5 (see code grinder). 4. Anywhere outside a university. "Poor fellow, he's left MIT and gone into the Real World." Used pejoratively by those not in residence there. In conversation, talking of someone who has entered the Real World is not unlike speaking of a deceased person. - Linux Glossary Project

Welt (3)  Die chinesische Kosmogonie lehrt, daß die Zehntausend Wesen (die Welt) aus dem rhythmischen Zusammenspiel zweier einander ergänzender und ewiger Prinzipien geboren werden, dem Yin und dem Yang. Dem Yin entsprechen Konzentration, Dunkelheit, Passivität, die geraden Zahlen und die Kälte; dem Yang Wachstum, Licht, Ungestüm, die ungeraden Zahlen und die Wärme. Die Symbole des Yin sind die Frau, die Erde, das Orangegelb, die Täler, die Flußbetten und der Tiger; die des Yang der Mann, der Himmel, das Blau, die Berge, die Säulen, der Drache. - (bo)

Welt (4) 



Aus: Narren. (Hg. Lutz S. Malke) Kunstbibliothek  Staatliche Museen zu Berlin, 2001 - Ausstellungskatalog

Welt (5)  Wenn die Welt ein riesiger, ränkeschmiedender Hof ist und wir in dieser Falle sitzen, dann macht es keinen Sinn, sich aus dem Spiel heraushalten zu wollen. Am Ende stehen Sie bloß machtlos da, und wer machtlos ist, fühlt sich elend.

Statt gegen das Unvermeidliche anzukämpfen, statt zu argumentieren und zu quengeln und sich schuldig zu fühlen, ist es viel besser, das Spiel um die Macht zu beherrschen. Es ist doch so: je besser Sie mit Macht umgehen können, desto besser werden Sie als Freund oder Freundin, Geliebte oder Geliebter, Gatte oder Gattin und als Mensch sein.

Wenn Sie dem Vorgehen des perfekten Höflings folgen, lernen Sie, wie Sie andere dazu bringen, sich besser zu fühlen; Sie werden Quell der Freude für sie. Die anderen werden von Ihren Fähigkeiten abhängig und sehnen sich nach Ihrer Gegenwart.

Wenn Sie die 48 Gesetze in diesem Buch beherrschen, ersparen Sie anderen die leidvolle Erfahrung, mit der Macht herumzustümpern — mit dem Feuer zu spielen, ohne seine Eigenschaften zu kennen. Wenn das Spiel um die Macht unvermeidlich ist, dann sollten Sie es als Meister spielen, nicht als Stümper oder Verweigerer. - (macht)

Welt (6)  Wir haben Ursache zu glauben, daß die Welt und das, was wir mit einem andern Namen Himmel nennen, dessen Wölbung alles bedeckt, etwas Göttliches, Ewiges, Unermeßliches sei, welches weder erzeugt ist noch untergehen wird.

Über dieses hinaus zu forschen nutzt weder dem Menschen, noch vermag sein Geist es deutend zu erfassen. Sie ist heilig, ewig, unermeßlich, ganz in dem Ganzen, ja sie ist selbst das Ganze; begrenzt und doch scheinbar unendlich, sicher in allen ihren Teilen und doch scheinbar unsicher; sie umfaßt alle Dinge in sich; sie ist zugleich ein Werk der Natur und die Natur selbst. - (pli)

Welt (7)  Die Welt war ein festes tragendes Erdreich. Die Zeit steht ewig und täglich. Das Offene kann, immer wieder, auch ich sein. Ich kann die Verschlossenheit wegwollen, ich soll beständig so ruhig in der Welt draußen (in den Farben und Formen) sein. Die Schuld trifft mich dann, wenn ich, in Gefahr, mich zu verschließen, nicht die auf Lebenszeit mögliche Geistgegenwart will. — Peter Handke, Die Lehre der Sainte-Victoire. Frankfurt am Main 1984 (zuerst 1980)

Welt (8)  Stille und ungestörte Zufriedenheit herrschen  in den Sitten der Menschen dieser Gegend. Weder Diebstähle noch Morde oder sonstige furchtbare Begebenheiten haben sich jemals ereignet; keine starken Leidenschaften oder kühnen Unternehmungen regten sie auf.

Welche Leidenschaften und Unternehmungen hätten sie auch auf-regen sollen? Jeder kannte dort nur sich selber. Die Bewohner dieser Gegend lebten weitab von anderen Menschen. Die nächsten Dörfer und die Kreisstadt waren fünfundzwanzig bis dreißig Werst entfernt.

Die Bauern brachten ihr Korn zur gegebenen Zeit an den nächsten Wolgahafen, der ihre Welt wie Kolchis oder wie die Säulen des Herakles begrenzte, oder sie fuhren vereinzelt einmal im Jahr auf den Markt und hatten sonst keinerlei Beziehungen zur Außenwelt.

Ihre Interessen blieben auf sich selber beschränkt, sie überschnitten und berührten sich nicht mit denen anderer Leute.

Sie wußten, daß achtzig Werst von ihnen entfernt das »Gouvernement«, das heißt die Gouvernementsstadt, liegt, fuhren aber selten hin; dann wußten sie, daß noch weiter entfernt, dort oben, Saratow oder Nischnij Nowgorod liegt; sie hatten gehört, daß es Moskau und Petersburg gibt, daß hinter Petersburg die Franzosen oder die Deutschen leben, und noch weiter weg begann für sie schon, wie für die Alten, die dunkle Welt: unbekannte Länder, von Ungeheuern, von Menschen mit zwei Köpfen und von Riesen bewohnt; dann folgte Finsternis, und schließlich endete alles mit jenem Fisch, der auf seinem Rücken die Erde trägt. - Aus: Ivan Gontscharov, Oblomov (1859)

Welt (9)   Die Erde sei flach und breit und treibe auf der Luft. In derselben Weise trieben auch Sonne, Mond und die übrigen Gestirne, die insgesamt feuriger Natur seien, wegen ihrer flachen und breiten Form auf der Luft.  An dem Ort der Gestirne gebe es auch erdartige Klumpen, die mit diesen herumkreisten. Er sagt, die Gestirne bewegten sich nicht - wie andere angenommen haben - unter der Erde hindurch, sondern um die Erde herum, wie sich um unseren Kopf die Mütze dreht. Die Sonne verberge sich nicht dadurch, dass sie unter die Erde gelange, sondern weil sie von höheren Erdteilen verdeckt werde und sich überhaupt weiter von uns entferne. Die Sterne wärmten nicht wegen der Größe ihrer Entfernung. - Anaximenes, nach Hippolytos

Welt (10)

WAs ist das grosse Nichts / so Welt und Erde heisset /
  Dem der gemeine Geist zu opfern sich befleisset /
  Jhm fetten Weirauch bringt und ihm sich selber schlacht?
  Ein grosser Wunderball mit Eitelkeit erfüllet /
  Ein Brunn aus welchem stets ein Strom der Sünden quillet /
  Ein Mahler / so den Schein zu einem Grunde macht;

Ein Spiel der Sterblichen / von lauter Trauerschlüssen /
  Ein Garten bey der Nacht / von vielen Judasküssen /
  Ein Felsen der uns stets das Schiff der Hoffnung bricht /   
  Ein Baum der iederzeit verbotne Früchte zeiget /
  Ein Lehrer / dessen Mund das beste stets verschweiget /
  Ein Licht von Jrrwisch und Cometen zugericht;

Ein Glaß von schöner Schrift / so Gift im Busen traget /
  Ein immergrünes Feld / so heisses Wolfskraut heget /
  Ein Uhrwerck das oft steckt / oft zu geschwinde geht /
  Ein weites Freudenmeer voll Syrten und Sirenen /
  Ein alte Mutter reich an tausend bösen Söhnen /
  Ein Greiß der nicht zuweit von seinem Ende steht;

Ein wolgeputzt Spittal / durchbeitzt mit Pest und Seuchen /
  Ein Zeughauß von Verdruß / Betrug und bösen Bräuchen /
  Ein falscher Urtheil-Tisch / der Tugend Laster heist /
  Ein kräftiger Magnet / der Schuld sein Eisen nennet /
  Ein Aetna, dessen Brust von heissen Lastern brennet /
  Ein Thier so uns beweint in dem es uns zerreist;

Ein Führer / der mit Lust uns in die Hölle leitet /
  Ein Mörder / so das Gift mit Amber zubereitet /
  Ein Steller / der uns pfeifft / wenn er uns fangen wil /
  Ein rundter Rechentisch / der falsche Müntze leidet /
  Ein Künstler / der uns mehr von Gott als Golde scheidet /
  Ein rechter Wieder-Gott / ein falsches SinnenZiel;

Ein Spiegel ohne Grund / ein Saal von schlechtem Lichte /
  Ein weißgetünchtes Grab / ein stets verkapt Gesichte /
  Ein Kercker / wo man lacht / ein goldnes Würgeband /
 Ein Eiß / darauf man fällt / ein Wohnhauß voller Schrecken /
  Ein Apfel voll Gewürm / ein Zeug von tausend Flecken /
  Ein goldner Distelstrauch / ein schöner Trübesand.

- (hofm)

Welt (11)

Viel Tage stampfen über Menschentiere,
In weichen Meeren fliegen Hungerhaie.
In Kaffeehäusern glitzern Köpfe, Biere.
An einem Mann zerreißen Mädchenschreie.

Gewitter stürzen. Wälderwinde blaken.
Gebete kneten Fraun in dünnen Händen:
Der Herr Gott möge einen Engel senden.
Ein Fetzen Mondlicht schimmert in Kloaken.

Buchleser hocken still auf ihrem Leibe.
Ein Abend taucht die Welt in lila Laugen.
Ein Oberkörper schwebt in einer Scheibe.
Tief aus dem Hirne sinken seine Augen.

 - Alfred Lichtenstein

Welt (12)  Ja mein liebes violoncellchen! so geht und steht es auf der Welt, einer hat den beutel, und der andere hat das geld, und wer beydes nicht hat, hat nichts, und nichts ist so viel als sehr wenig, und wenig ist nicht viel, folglich ist nichts immer weniger als wenig, und wenig immer mehr als nicht viel, und viel immer mehr als wenig, und - so ist es, so war es, und so wird es seyn. mach ein End dem brief, schliess ihn zu, und schick ihn fort an ort und End - feigele:

dero gehorsamster unterthänigster diener
mein arsch ist kein Wiener  - Wolfgang Amadeus Mozart

Welt  (13)   Swedenborg schreibt: Die Engel sind betrübt über die Finsternis auf Erden; sie sagen, daß sie kaum irgendwo Licht sehen, und daß die Menschen in Lug und Trug befangen sind, den sie beglaubigen, und dadurch Falschheiten auf Falschheiten häufen, für welche sie, durch Schlußfolgerungen aus dem Falschen und dem Verfälschten, Beglaubigungen suchen, solche wahren Sätze, die ob der Finsternis, welche die Ursachen verdeckt, und in Anbetracht der Unkenntnisse als Wahrheit "nicht unterschlagen werden können".

Das stimmt mit der Beobachtung eines jeden denkenden Menschen überein, daß alles Lug und Trug ist; das ganze Leben ist verfälscht, Staat, Gesellschaft, Ehe, Familie. Meinungen gründen sich auf Lügengeschichten; wissenschaftliche Theorien fußen auf einem Irrtum, die heutige Wahrheit wird morgen als Lüge entlarvt; der Held erweist sich als feiger Wicht; der Märtyrer ist ein Heuchler. Man singt das Te Deum auf einer silbernen Hochzeit, und die beiden Ehebrecher, die noch außer der Ehe herumhuren, danken Gott für ein fünfundzwanzigjähriges glückliches Zusammenleben. Ein ganzes Volk versammelt sich einmal im Jahr, um den "Zerstörer des Landes" zu feiern. Wer die größte Dummheit sagt, die gesagt werden kann, erhält einen Preis in Geld und eine goldene Medaille. Beim jährlichen Eselsfest wird der Schlechteste zum Eselskönig gekrönt. Ein Irrenhaus ist es wohl, und wenn Hamlet den Verrückten spielt, so sieht er, wie verrückt die Welt ist, der Zuschauer aber findet, er sei der einzige, der aus der Sache klug wird, und darum schenkt er Hamlet seine Sympathie. - (blau)

Welt  (14)   Ich ersticke. Nichts ist hier hold und ohne Arg. Man hat den Eindruck, man wird überwacht. Es ist wie ein Alptraum, wie wenn an der nächsten Straßenecke etwas Schreckliches über einen hereinbrechen würde.

Nicht an der Straßenecke. Die Welt ist schrecklich, und jeder von uns steckt bis zum Hals darin.  - J. B. Priestley, nach: Boileau / Narcejac, Der Detektivroman. Neuwied und Berlin 1967 (zuerst 1964)

Welt  (15)  

kurze beschreibung der welt

es gibt aachen
es gibt aale
es gibt aas
es gibt ab
es gibt abarten
es gibt abbalgen
es gibt abbau
es gibt abbeissen
es gibt abbilder
es gibt abblasen
es gibt abblühen
es gibt abbruch
es gibt abdecker
es gibt abende
es gibt abendzeitungen
es gibt aber
es gibt aberglauben
es gibt abermals
es gibt abfall
es gibt abfluss
u. s. w.
bis zuzeln, das es natürlich auch gibt


- Konrad Bayer, Das Gesamtwerk. Hg. Gerhard Rühm. Reinbek bei Hamburg 1977

Welt  (16)  Wer diese gebrechliche Hüten/ wo das Elend alle Ecken zieret/ mit einem vernünftigen Wortschlusse wolle begläntzen/ der würde keinen unförmlichen Ausspruch machen/ noch das Zielmaß der gegründeten Wahrheit überschreiten/ wann er die Welt nennte einen allgemeinen Kauffladen/ eine Zollbude des Todes/ wo der Mensch die gangbahre Wahre/ der Tod der wunderbahre Handels-Mann/ Gott der gewisseste Buchhalter/ das Grab aber das versiegelte Gewand und Kauff-Hauß ist.  - Christoph Männling: Schaubühne des Todes/ oder Leich-Reden, nach: Walter Benjamin, Ursprung des deutschen Trauerspiels. Frankfurt am Main 1972

Welt  (17)  Welt nehmen sie in dreifacher Bedeutung: erstens als Gott selbst als den Träger der eigenartigen Qualität der gesamten Substanz; er ist demnach unvergänglich und unerschaffen, der Schöpfer der Weltordnung, der nach bestimmten Zeitabschnitten die gesamte Substanz für seinen eigenen Bestand in sich aufzehrt und dann wieder aus sich selbst erzeugt. Zweitens verstehen sie unter Welt die Gesamtordnung der Sterne und drittens das aus beiden Zusammengesetzte. Und die Welt ist der Träger der eigentümlichen Qualität der gesamten Substanz oder, wie Poseidonios in der meteorologischen Elementarlehre sagt, der Gesamtaufbau von Himmel und Erde mitsamt den in ihnen befindlichen Wesen oder der Inbegriff von Göttern und Menschen und allem, was ihretwegen erschaffen worden ist.  - Stoiker, nach (diol)

Welt  (18)

Welt  (19)

Welt  (20)  Und wißt ihr auch, was mir „die Welt" ist? Soll ich sie euch in meinem Spiegel zeigen? Diese Welt: ein Ungeheuer von Kraft, ohne Anfang, ohne Ende, eine feste, eherne Größe von Kraft, welche nicht größer, nicht kleiner wird, die sich nicht verbraucht, sondern nur verwandelt, als Ganzes unveränderlich groß, ein Haushalt ohne Ausgaben und Einbußen, aber ebenso ohne,Zuwachs, ohne Einnahmen, vom „Nichts" umschlossen als von seiner Grenze, nichts Verschwimmendes, Verschwendetes, nichts Unendlich-Ausgedehntes, sondern als bestimmte Kraft einem bestimmten Raum eingelegt, und nicht einem Raume, der irgendwo „leer" wäre, vielmehr als Kraft überall, als Spiel von Kräften und Kraftwellen zugleich eins und vieles, hier sich häufend und zugleich dort sich mindernd, ein Meer in sich selber stürmender und flutender Kräfte, ewig sich wandelnd, ewig zurücklaufend, mit ungeheuren Jahren der Wiederkehr, mit einer Ebbe und Flut seiner Gestaltungen, aus den einfachsten in die vielfältigsten hinaustreibend, aus dem Stillsten, Starrsten, Kältesten hinaus in das Glühendste, Wildeste, Sich-selber-Widersprechendste, und dann wieder aus der Fülle heimkehrend zum Einfachen, aus dem Spiel der Widersprüche zurück bis zur Lust des Einklangs, sich selber bejahend noch in dieser Gleichheit seiner Bahnen und Jahre, sich selber segnend als Das, was ewig wiederkommen muß, als ein Werden, das kein Sattwerden, keinen Überdruß, keine Müdigkeit kennt —: diese meine dio-ny s is ehe Welt des Ewig-sich-selber-Schaffens, desEwig-sich-selber-Zerstörens, diese Geheimnis-Welt der doppelten Wollüste, dies mein „Jenseits von Gut und Böse", ohne Ziel, wenn nicht im Glück des Kreises ein Ziel liegt, ohne Willen, wenn nicht ein Ring zu sich selber guten Willen hat, — wollt ihr einen Namen für diese Welt? Eine Lösung für alle ihre Rätsel? Ein Licht auch für euch, ihr Verborgensten, Stärksten, Unerschrockensten, Mitternächtlichsten? — Diese Welt ist der Wille zur Macht — und nichts außerdem! Und auch ihr selber seid dieser Wille zur Macht — und nichts außerdem! - Friedrich Nietzsche, Der Wille zur Macht

Die Welt war nichts anders als ein riesiges Schiff, mit Sengle am Steuerruder; und im Gegensatz zur hinduistischen Vorstellung von der Großen Schildkröte, die das unbedeutende Universum trägt, war das am wenigsten absurd anmutende Bild das der Balkenwaage, ein sagenhaftes, von Sengle erdachtes und in Schwebe gehaltenes Gewicht (wobei der Zeigerdorn in der Mitte des Waagbalkens die Linse, das Wahrnehmungsorgan war, wenn eine solche Auffassung auch jedem optischen Gesetz Hohn spricht). Bei philosophischerer Betrachtung, - und Sengle malte sich, den Stolz nicht für Sünde haltend, mit Vorliebe dieses großartige, unter Beachtung der Entstehungstheorie gewonnene Schema aus, bei welchem die Sehstrahlen sich in dem nämlichen Schnittpunkt kreuzen, wie oben erklärt -, war also Sengle es, der sich mit dem vergrößerten Bild und dem imaginären Abbild gleichsetzte; so daß die winzige Welt sich, aufgrund ihres gigantischen, auf den Schirm der anderen Waagschale projezierten Doppelgängers, auf den Kopf stellte, und, wie wenn ein Rad sich weiterdreht, unter der Zugkraft des neuen Makrokosmos in sich zusammenstürzte.  - Alfred Jarry, Tage und Nächte. Roman eines Deserteurs. Frankfurt am Main 1998 (zuerst 1897)

Welt  (23)   Es gebe, lehrte Platon,  auch nur eine einzige erschaffene Welt, denn sie sei von Gott so gebildet worden, daß sie sinnlich wahrnehmbar ist. Sie sei beseelt, weil das Beseelte vor dem Unbeseelten den Vorzug habe; und dies sei das Werk des an Güte unvergleichbaren Schöpfers. Eine einzige aber sei sie und nicht in unbegrenzter Zahl erschaffen, weil auch das Muster, nach dem er sie schuf, nur eines war. Kugelförmig sodann sei sie, weil auch der Erzeuger selbst diese Gestalt habe; denn die sichtbare Welt umfasse alle ändern lebenden Wesen, er selbst aber die Figuren von allen. Sie sei glatt und habe ringsum kein Sinneswerkzeug und keine Gliedmaßen, denn sie bedürfe solcher durchaus nicht. Überdies beharre die Welt auch in unvergänglichem Bestände, denn sie löse sich nicht auf, sowenig wie die Gottheit. Die gesamte Schöpfung habe Gott zum Urheber, weil das Gute von Natur das Gute hervorbringe. Die Erschaffung des Himmelsgebäudes aber könne nichts anderes als das Beste zur Ursache haben; denn von dem Schönsten unter allem Erschaffenen könne nur das Beste unter allem  Denkbaren die Ursache sein. Dieses aber sei nur Gott, und da das Himmelsgebäude dem Besten ähnlich ist, so kann es als Schönstes keinem der erschaffenen Dinge ähnlicher sein als der Gottheit.

Es bestehe aber die Welt aus Feuer, Wasser, Luft und Erde. Aus Feuer, damit sie sichtbar sei; aus Erde, damit sie fest sei; aus Wasser und Luft, damit sie Spielraum biete für die proportionalen Verbindungen - denn die stereometrischen Körper stehen miteinander in Analogie durch zwei mittlere Proportionale, um das Ganze zur Einheit zu bringen -; aus allen zusammen aber, damit die Welt vollkommen und unvergänglich sei.  - (diol)

Außenwelt

 

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Synonyme
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