ampir

Vampir


Dies Gespenst ist fürchterlich!
Mitternachts erhebt es sich
Aus des Herrn Baronen Gruft.
Dann, wenn‘s einen Bauern sieht,
Stürzt es auf ihn aus der Luft,
Hängt sich an sein Herz und zieht
Alles Blut aus solchem schier.
Dies Gespenst heißt man » Vampir«.
Ob das der Baron einst war,
Will und kann ich glauben nicht,
Das wär‘ gar zu arg fürwahr!
Fragt man, leis der Bauer spricht:
war des Herrn Barons sein alter
Gilteintreiber und Verwalter. «

  - (ker)

Vampir (2)  In der Zeitschrift der Wissenschaftlichen Welt habe ich folgendes gelesen:

«Eine recht seltsame Nachricht erreicht uns aus Rio de Janeiro. Ein Wahnsinn, eine Wahnsinnsepidemie, jenen ansteckenden Wahnanfällen vergleichbar, welche im Mittelalter die europäischen Völker befielen, wütet derzeit in der Provinz São Paulo. Die Bewohner verlassen, völlig benommen, ihre Häuser, fliehen aus ihren Dörfern, bestellen nicht mehr ihre Acker und behaupten, sie wären verfolgt, besessen, beherrscht wie menschliches Vieh von unsichtbaren, aber greifbaren Wesen, einer Art Vampyren, die sich nachtsüber von ihrem Leben nährten, die zudem Wasser und Milch tränken, anscheinend ohne irgendein anderes Nahrungsmittel zu berühren.

Professor Don Pedro Henriquez hat sich, von mehreren Ärzten begleitet, in die Provinz São Paulo begeben, um an Ort und Stelle Ursprung und Erscheinungen dieses erstaunlichen Wahnsinns zu studieren und dem Kaiser jene Maßnahmen vorzuschlagen, die er für die geeignetsten ansieht, um die von Sinnen geratene Bevölkerung wieder zur Vernunft zu bringen.» - (nov)

Vampir (3)

LES MÉTAMORPHOSES DU VAMPIRE

DIE VERWANDLUNGEN DES VAMPIRS

La femme cependant, de sa bouche de fraise,
En se tordant ainsi qu'un serpent sur la braise,
Et petrissant ses seins sur le fer de son busc,
Laissait couler ces mots tout impregnés de musc:
— « Moi, j'ai la lèvre humide, et je sais la science
De perdre au fond d'un lit l'antique conscience.
Je sèche tous les pleurs sur mes seins triomphants,
Et fais rire les vieux du rire des enfants.
Je remplace, pour qui me voit nue et sans voiles,
La lune, le soleil, le ciel et les etoiles !
Je suis, mon cher savant, si docte aux voluptés,
Lorsque j'étouffe un homme en mes bras redoutés,
Ou lorsque j'abandonne aux morsures mon buste,
Timide et libertine, et fragile et robuste,
Que sur ces matelas qui se pâment d'émoi,
Les anges impuissants se damneraient pour moi !» 

Das Weib indessen, während es wie eine Schlange auf der Glut sich wand und seine Brüste über dem Gestänge des Mieders preßte, ließ aus dem Erdbeer-Munde diese ganz von Moschus durchtränkten Worte fließen: »— Feucht ist meine Lippe, und ich weiß, mit welchen Künsten man am Grunde eines Bettes das seit alters lästige Gewissen auslöscht. Ich trockne alle Tränen auf meinen stolzen Brüsten, und ich mache die Greise lachen mit einem Kinderlachen. Dem, der mich nackt und ohne Hüllen sieht, ersetze ich den Mond, die Sonne, den Himmel samt all seinen Sternen! Ich bin, mein weiser Freund, in allen Lüsten so erfahren, wenn ich in meinen Armen, die er fürchtet, einen Mann ersticke oder wenn ich den Bissen meine Brüste biete, — zaghaft und hemmungslos, zart jetzt, dann wieder kräftig — daß auf diesem Pfühl, der vor Wollust nachgibt, die Engel in ihrer Ohnmacht sich meinethalb verdammten!«

Quand elle eut de mes os sucé toute la moelle,
Et que languissamment je me tournai vers elle
Pour lui rendre un baiser d'amour, je ne vis plus
Qu'une outre aux flancs gluants, toute pleine de pus ! 
Je fermai les deux yeux, dans ma froide épouvante,
Et quand je les rouvris a la clarté vivante,
A mes côtes, au lieu du mannequin puissant
Qui semblait avoir fait provision de sang,
Tremblaient confusement des débris de squelette,
Qui d'eux-memes rendaient le cri d'une girouette
Ou d'une enseigne, au bout d'une tringle de fer,
Que balance le vent pendant les nuits d'hiver.

Als sie mir aus den Knochen alles Mark gesogen und ich ermattet mich zu ihr wandte, einen Liebeskuß ihr zu erwidern, sah ich nur einen Schlauch noch, mit verklebten Flanken, ganz von Eiter angefüllt! Ich drückte in kaltem Grauen beide Augen zu, und als ich in der Helle des lebendigen Lichtes sie wieder aufschlug, lagen da anstatt des mächtigen Gliederbalges, der sich mit Blut so reichlich vollgepumpt zu haben schien, zur Seite rasselnd mir nur des Gerippes Reste, die das Kreischen einer Wetterfahne hören ließen oder solchen Schildes, wie es an einer Eisenstange im Wind der Winternächte schaukelt.


- Charles Baudelaire, Die Blumen des Bösen (zuerst 1857)    


- Übs. Friedhelm Kemp (Fischer Tb. 737, 1966)

 Vampir (4)

- Charles M. Schulz, This is your life, Charlie Brown! London 1969 (Hodder Fawcett Coronet Books, zuerst ca. 1960)

Fabeltiere Sauger Fledermaus
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