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hinten Einige verließen ihre Stuben nicht mehr. Andere
waren weniger verschüchtert, rafften sich auf, gingen aus. Aber ein Zittern
in der Luft genügte, daß sie selber zitterten; warf ein Luftzug eine Tür ins
Schloß, so erbleichten sie; - vor allem schreckte sie der Wind.
Kunde von dem Windstoß in den Kastanienbäumen von Mirastel vor dem fürchterlichen
Knall war unter sie verstreut; ein Lüftchen, das über die Blätter hinstrich,
schien ihnen ein herannahender Bösewicht. Sie schauderten unter seiner Liebkosung.
Sie hätten den Ursprung des Windes kennen mögen und was er eigentlich ist -
eine Frage, die ihnen niemals aufgestiegen war.
Genau gesagt, fürchteten sie am meisten, von hinten gepackt zu werden mit
jenen Blitze schleudernden Händen, die man stets zu spät gewahrte. Darum drehten
sie die Köpfe unablässig nach hinten. — Einen Kameraden von hinten überraschend
auf die Schulter klopfen wurde Spiel auf Leben und Tod. In Belley fiel ein herzleidender
Bürger tot um, weil ihn sein Partner beim Kegelspiel auf diese Weise angerührt
hatte. - Maurice Renard, Die
blaue Gefahr. Frankfurt am Main 1989 (st 1596, Phantastische Bibliothek
225, zuerst
1911)
Von hinten (2)
Von
hinten (3)
Er war tief über den Toten gebeugt, die Beine weit gespreizt, als ich
hinter ihm aus dem Badezimmer trat. Vielleicht hatte
er mich im letzten Augenblick wahrgenommen, aber das war bedeutungslos. Ich
hatte meine Waffe in die linke Hand genommen und hielt In der rechten einen
kleinen Totschläger. Mit dem Totschläger schlug
ich ihn seitlich gegen den Kopf, unmittelbar unter das rechte Ohr, und ich schlug
mit aller Liebe zu. - Raymond Chandler, Mord aus dem Handgelenk.
Frankfurt am Main 1968
Von hinten (4) Mir ist bange. Ich schließe das Fenster und eile zum Bett. Ich taste nach meinem Puls und suche ihn, da ich ihn am Handgelenk nicht finde, auf der Schläfe, darauf am Kinn und schließlich wieder am Handgelenk, und jeder Körperteil, den ich berühre, ist kalt und naß vor Schweiß. Mein Atem fliegt schneller und schneller, mein Körper bebt, in meinem Inneren bewegt sich alles, auf mein Gesicht und auf den kahlen Schädel scheinen sich mir Spinnweben zu legen.
Was tun? Meine Angehörigen rufen? Nein, nicht nötig. Ich kann mir nicht vorstellen, was meine Frau und Lisa tun werden, falls sie dies Zimmer betreten würden.
Ich verberge meinen Kopf unter dem Kissen, schließe die Augen und warte und warte ... Mein Rücken wird kalt, es ist, als zöge er sich nach innen, und nun ergreift mich eine Empfindung, als müßte der Tod unbedingt von hinten an mich heranschleichen, von hinten und ganz unversehens...
»Kiwi - kiwi!« ertönt plötzlich ein Winseln durch die nächtliche Stille,
und ich weiß nicht, von wo es kommt: aus meiner Brust oder von der Straße her.
»Kiwi - kiwi!« -
Anton Tschechow, Eine langweilige Geschichte.
Nach (tsch)
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