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schlüpfrige
Da waren die schlüpfrigen Uhren, so genannt von den Uhrmachern, die sich
zwar einverstanden erklärten, sie herzustellen, sich aber weigerten, sie an
Ort und Stelle, das heißt in Genf, zu verkaufen. Agenten der Ostindischen Kompagnie
anvertraut, die den Auftrag hatten, sie in Amerika oder im Orient zu vertreiben,
kamen sie selten am Bestimmungsort an; meistens wurden sie in europäischen Häfen
Gegenstand eines so lebhaften Schwarzhandels, dass es sehr schnell fast unmöglich
wurde, sich welche zu besorgen. Es sind insgesamt nicht mehr als einige Hundert
hergestellt worden, von denen höchstens etwa sechzig überdauert haben. Ein amerikanischer
Uhrmacher besitzt allein über zwei Drittel davon. Aus den dürftigen Beschreibungen,
die er von seiner Sammlung gegeben hat - er hat nie irgend jemandem die Erlaubnis
gegeben, eine einzige seiner Uhren zu sehen oder zu fotografieren - geht hervor,
dass ihre Hersteller nicht sonderlich darum bemüht waren, Phantasie an den Tag
zu legen: Von den neununddreißig der zweiundvierzig Uhren, die er besitzt, ist
die dargestellte Szene in der Tat immer die gleiche: ein heterosexueller Koitus
zwischen zwei Einzelwesen, die der menschlichen Gattung angehören, beides Erwachsene,
die zur gleichen Rasse gehören (der weißen oder wie es noch heißt der indogermanischen);
der Mann liegt auf dem Bauch der Frau, die auf dem Rücken liegt (die sogenannte
»Missionarsstellung«). Die Sekundenangabe geschieht durch ein Schwingen der
Hüfte des Mannes, dessen Becken jede Sekunde vor- und zurückgeht; die Frau zeigt
die Minuten mit ihrem linken Arm an (Schulter sichtbar), die Stunden mit ihrem
rechten Arm (Schulter verdeckt). Die vierzigste Uhr ist mit den neununddreißig
ersten identisch, aber sie ist im Nachhinein angestrichen worden und machte
aus der Frau eine Schwarze. Sie gehörte einem Sklavenhändler namens Silas Buckiey.
Die einundvierzigste, in der Ausführung von viel größerer Subtilität, stellt
Leda mit dem Schwan dar: Das Flügelschlagen des Tiers rhythmisiert jede Sekunde
ihrer Liebeserregung. Von der zwei-undvierzigsten, die in dem Ruf steht, dem
Ritter Andrea de Nerciat gehört zu haben, wird allgemein angenommen, dass sie
eine Szene seines berühmten Werkes Lolotte oder mein Noviziat illustriert:
Ein junger Mann, als Soubrette verkleidet, wird mit hochgerafftem Rock von einem
Mann, dessen abgelegte Kleidung den Blick auf ein übermäßig dickes Geschlecht
freigibt, sodomisiert; die beiden Personen stehen, der Mann hinter dem Zimmermädchen,
das sich gegen die Verkleidung einer Tür stützt. Die von dem amerikanischen
Uhrmacher gegebene Beschreibung vermerkt leider nicht genau, wie die Stunden
und die Minuten angegeben werden.
- (per)
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