ypograph
Nicolas-Louis-Marie-Dominique Cirier, geboren am 27. Februar 1792
in Dun (Meuse), war seit etwa zwanzig Jahren Korrektor in der damals königlichen
Buchdruckerei, als er auf Grund einer Ungerechtigkeit, über die man sich nur
schwer eine Meinung bilden kann, kündigte. Cirier beschuldigte Pierre Lebrun,
Poet und Mitglied des Institut de France, für sein Unglück verantwortlich zu
sein. Dieses Akademiemitglied, das ein Buch mit dem Titel Das dunkelste Schicksal
ist noch das schönste schrieb, war in der Tat Direktor der Königlichen Buchdruckerei.
Cirier veröffentlichte nacheinander drei gegen Lebrun gerichtete Pamphlete,
einen Brief (1839), der nichts besonderes darstellt, Das typographische Auge,
ein Auge, das man als Calligramm sehen kann, und schließlich sein Meisterwerk,
eine bibliographische Kuriosität, die zu einer bemerkenswerten Seltenheit geworden
ist (ich habe sie nie in einem Buchhandelskatalog gesehen und ich glaube sogar,
daß sie nie öffentlich in den Handel gekommen ist). Der Verwaltungs-
(1840)
Dieses zweiundsiebzig Seiten starke Werk, nach Aussagen seines Autors »bunt gemischt« mit Holzschnitt- und Kupferstichvignetten, enthält nicht weniger als zweiunddreißig eingeschobene Zettel, Faltblätter oder Bogen in verschiedenen Farben. Man stößt hier auf griechische, hebräische, arabische, chinesische Schriftzeichen. Cirier hat sich selbst die Mühe gemacht, alle nach seinen eigenen Worten »graphischen Künste« aufzuzählen, die er benutzt hat, um »seinem Verfolger eine Girlande zu flechten«. Es sind dies: die gewöhnliche Chirographie (ausgeführt mit großem Zeitaufwand, Zorn und Verdruß), die Tachygraphie, die Typographie (er erklärt uns, daß ihn der Druck seines Werkes auf 700 Francs zu stehen kommt), die Lithographie, die Autographie, die Chalcographie, die Cassiterographie (für die »Spritzer« benutzt), die Phellographie, die Xylographie und natürlich die Polytypographie. Er druckt Verse ohne Großbuchstaben am Anfang, er benutzt die Spiegelschrift und die auf dem Kopf stehenden Buchstaben, er stellt sich das Ausrufezeichen ohne Punkt vor...
Danach veröffentlichte Cirier noch mehrere Broschüren, unter denen ich nur
folgende nennen will: Amphibolo-terorthographikologische Szene (1850), Huldigung
an M. I'A, B, X. Beweisführung, A + B =AB, allem Anschein nach? Keineswegs! A
+B=A+ B (1857), Anatomische Elegie (1858) und 1867, »einen Monat vor der Zerstörung
der kompromittierenden Kochtöpfe und der Einstellung derWunder«, die Brisseide,
ein Pamphlet gegen die Gastronomie. In keinem dieser Werke findet man den entfesselten
Faktor des Verwaltungslehrlings wieder. Nicolas Cirier starb, wie man glaubt,
1869. - Raymond Queneau, Striche, Zeichen und Buchstaben.
München 1990 (zuerst 1950)
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