Totensouper  Es waren zu diesem Totensouper nur sechs Gäste gebeten, dessen ungeachtet aber doch zwölf Couverte auf der Tafel. Jeder von den Gästen nannte einen Toten, welcher zitiert werden sollte. Zuerst fragte man d'Alembert, als einen davon, wie man sich in der andern Welt befinde? Seine Antwort war: »Es gibt keine andre Welt. Der Tod ist nur ein Ende alles Übels, und nach demselben hat man kein Vergnügen, aber auch kein Leiden. Man ist nach dem Tode sehr aufrichtig. Einige bei uns angekommene Tote versicherten mich, daß ich unter den Lebenden so gut, als vergessen sei. Ich tröstete mich darüber, denn es verlohnt sich nicht der Mühe, daß man sich mit den Menschen abgibt. Geliebt habe ich sie niemals, und nun verachte ich sie.« »Was machen Sie mit Ihrer Wissenschaft«, fragte man Diderot, als den zweiten. »So gelehrt«, antwortete er, »als man mich glaubt, bin ich nie gewesen. Mein gutes Gedächtnis machte einen guten Kompilator aus mir. Das Lob über die Encyclopädisten verdiene ich nicht. Denn meiner Redaktoren Pflicht uneingedenk ist durch mich so wenig Ordnung in das Werk gekommen, daß man es ganz umarbeiten mußte. Wer bei dieser Umarbeitung die größten Talente gezeigt hat, ist unser heutiger Wirt bei der Abendtafel, und gerade ihm widerfuhr deswegen am wenigsten Gerechtigkeit.«

Voltaire als der dritte Tote sprach: »Ich habe dies Werk (die Encydopädie nämlich) gelobt, weil ich es zur Verbreitung meiner philosophischen Grundsätze dienlich hielt. Was die Philosophie betrifft, so weiß ich nun, daß ich recht habe. Ich habe mich genau erkundigt und erfahren, daß alles nicht wahr ist, was uns die Philosophen vorschwätzen. Es ist alles ein langweiliges Märchen, und hat mir der Erzbischof von Paris um meiner dadurch veranlaßten Spöttereien willen das Begräbnis versagt, so hat er sich höchst lächerlich gemacht. Seit meinem Tod habe ich merkwürdige Dinge erfahren. Mit einem halben Dutzend Päpste habe ich gesprochen, und was Clemens und Benedict der vierzehnte sagen, ist besonders lustig anzuhören.«

»Was ich bedaure«, sprach der Herzog von Choiseul, »ist, daß es in der Unterwelt keine Frauenzimmer gibt. Man mag sagen, was man will, unsre fleischerne Hülle im Leben war doch keine üble Erfindung.« - Echte Nachrichten von dem Grafen Cagliostro. Aus der Handschrift seines entflohenen Kammerdieners. Nach: Cagliostro. Dokumente zu Aufklärung und Okkultismus. Hg. Klaus H. Kiefer. München, Leipzig und Weimar 1991  (Bibliothek des 18.Jahrhunderts)

 

Mahlzeit Tote

 

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