urren In
der vergangenen Nacht - ebenso wie in der Nacht, in der Talissieu heimgesucht
worden war - habe sie seltsame Vibrationen wahrgenommen.
Nicht gerade ein Geräusch. Es sei dieselbe Empfindung
gewesen, die ein vorüberfliegender Aeroplan oder ein lenkbares Luftschiff oder
auch nur eine große Fliege, die sich in zu großer Entfernung befindet, um richtig
gehört zu werden, in den verfeinerten Sinnen der Blinden erregte. Aber es war
weder das eine noch das andere. Es war ein dumpfes, düsteres Surren, das ihre
Nerven, ihren ganzen Körper stärker berührte als ihr Gehör. In beiden Nächten
sei sie durch diese absonderliche Erscheinung geweckt und nicht gerade in einen
behaglichen Zustand versetzt worden. Das erstemal konnte sie glauben, daß sie
die Beute einer Halluzination geworden sei, wie es den eines Sinnes Beraubten
zuweilen zustößt; aber heute zweifelte sie nicht mehr an der objektiven Richtigkeit
ihrer Empfindung. Und deshalb habe sie beschlossen, davon zu reden.
Da war niemand in Mirastel, der nach einer derartigen Enthüllung nicht in
tiefe Gedanken versunken wäre. - Maurice Renard, Die
blaue Gefahr. Frankfurt am Main 1989 (st 1596, Phantastische Bibliothek
225, zuerst
1911)
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