klavenhandel  Zu besserem Verständnisse des Folgenden wird es erforderlich seyn, einige Worte über die Art und Weise, wie dieser Negerhandel damals von den Holländern betrieben wurde, im Allgemeinen beizubringen.

Da hier Menschen nun einmal als Waare angesehen wurden, um gegen die Erzeugnisse des europäischen Kunstfleißes ausgetauscht zu werden, so kam es hauptsächlich darauf an, solche Artikel zu wählen, welche das Bedürfniß oder der Luxus den Schwarzen am unentbehrlichsten gemacht hatte. Schießgewehre aller Art, und Schießpulver in kleinen Fässern von 32, 16 bis 8 Pfund, nahmen hierunter die erste Stelle ein. Fast eben so begehrt war Taback, sowohl geschnitten, als in Blättern, sammt irdenen Pfeifen, und Branntwein, entweder in hal-ben Ankern, oder in Flaschenkellern von 12, 8 bis 6 Gemäßen. Kattune von allen Sorten und Farben, lagen in Stücken von 21 bis 24 Ellen; so wie auch dergleichen, oder leinene und seidene Tücher, deren 6 bis 12 zusammenge-wirkt waren. Eben so wenig durfte ein guter Vorrath von linnenen Lappen, 3 Ellen lang und halb so breit, fehlen, die dort als Leibschurz getragen werden. Den Rest der Ladung füllten allerlei kurze Waaren; als kleine Spiegel, Messer aller Art, bunte Korallen, Nähnadeln und Zwirn, Fayence, Feuersteine, Fischangeln und dergl.

Einmal gewöhnt, diese verschiedenen Artikel von den Europäern zu erhalten, können und wollen die Afrikaner, sowohl an der Küste, als tiefer im Lande, sie nicht missen, und sind darum unablässig darauf bedacht, sich die Waare zu verschaffen, wodurch sie sich dieselben eintauschen können. Also ist auch das ganze Land immerfort in kleine Partheien getheilt, die sich feindlich in den Haaren liegen und alle Gefangenen, welche sie machen, entweder an die schwarzen Sklavenhändler verkaufen, oder sie unmittelbar zu den europäischen Sklavenschiffen abführen. Allein oft, wenn es ihnen an solcher Kriegsbeute fehlt und sie neue Waaren-Vorräthe bedürfen, greifen ihre Häuptlinge, die eine despotische Gewalt über ihre Unterthanen ausüben, diejenigen auf, welche sie für die entbehrlichsten halten; oder es geschieht wohl auch, daß der Vater sein Kind, der Mann das Weib und der Bruder den Bruder auf den Sklavenmarkt zum Verkaufe schleppt. Man begreift leicht, daß es bei solchen Raubzügen an Grausamkeiten jeder Art nicht fehlen kann, und daß sich alle diese Länder dabei in dem elendesten Zustande befinden. Aber eben so wenig kann auch abgeläugnet werden, daß die erste Veranlassung zu all diesem Elende von den Europäern herrührt, welche durch ihre eifrige Nachfrage den Menschenraub bisher begünstigt und unterhalten haben.

Ihre, zu diesem Handel ausgerüsteten Schiffe pflegten längs der ganzen Küste von Guinea zu kreuzen, und hielten sich, unter wenigen Segeln, stets etwa eine halbe Meile oder etwas mehr vom Ufer. Wurden sie dann am Lande von Negern erblickt, welche Sklaven oder Elephanten-Zähne zu verhandeln hatten, so machten diese am Lande ein Feuer an, um dem Schiffe durch den aufsteigenden Rauch ein Zeichen zu geben, daß es vor Anker gienge; warfen sich aber auch zu gleicher Zeit in ihre Kanots und kamen an Bord, um die zur Schau ausgelegten Waaren-Artikel zu mustern. Vor ihrer Entfernung versprachen sie dann, mit einem reichen Vorrath von Sklaven und Zähnen sich wieder einzufinden; oft jedoch ohne darinn Wort halten zu können oder zu wollen.

Gewöhnlich aber erschienen sie, zu wirklichem Abschluß des Handels, mit ihrer Waare am nächsten Morgen, als der bequemsten Tagszeit für dies Verkehr. Denn da dort jede Nacht ein Landwind weht, so hat dies auch bis zum nächsten Mittag eine ruhige und stille See zur Folge.

Dann steigt wieder ein Seewind auf; die Brandung wälzt sich ungestümer gegen den Strand, und die kleinen Kanots der Schwarzen können sich nicht füglich hin und zurück wagen. Das Fahrzeug, welches die verkäuflichen Sklaven enthielt, war in der Regel noch von einem halben Dutzend Andrer, jedes mit mehreren Menschen angefüllt, begleitet, welche Alle einen Antheil an der unglücklichen Waare hatten. Allein nur 8 oder höchstens 10 aus der Menge wurden mit derselben an Bord gelassen; während die Übrigen in ihren Kanots das Schiff umschwärmten und ein tolles Geschrei verführten.

Nun wurden auch die Gefangenen an Bord emporgehoben, um in nähern Augenschein genommen zu werden; die männlichen mit auf dem Rücken dergestalt hart zusammengeschnürten Ellenbogen, daß oft Blut und Eiter an den Armen und Lenden hinunterlief. Erst auf dem Schiffe wurden sie losgebunden, damit der Schiffsarzt sie genau untersuchen konnte, ob sie unverkrüppelt und übrigens von fester Constitution und bei voller Gesundheit wären; und hierauf eröffnete sich denn die eigentliche Unterhandlung; jedoch nicht, ohne zuvor sowohl den Verkäufern, die sich auf dem Verdeck befanden, als ihren Kameraden in den Kanots, Taback und Pfeifen vollauf ge-reicht zu haben, damit sie lustig und guter Dinge würden — freilich aber auch sich um so leichter betrügen ließen.

Die europäischen Tauschwaaren wurden den Schwarzen stets nach dem höchsten Einkaufspreise, mit einem Zusatz von 25 Procent, angerechnet; und nach diesem Tarif galt damals ein vollkommen tüchtiger männlicher Sklave etwa 100 Gulden Holl.; ein Bursche von 12 Jahren und drüber ward mit 60 bis 70 Gulden, und ohngefähr zu gleichem Preise auch eine weibliche Sklavinn bezahlt. War sie jedoch noch nicht Mutter gewesen und ihr Busen noch von jugendlicher Fülle und Elasticität, (und daran pflegt es die Natur bei den Negerinnen nicht fehlen zu lassen) so stieg sie auch verhältnißmäßig im Werthe bis auf 120 oder 140 Gulden.

Die Verkäufer bezeichneten stückweise die Artikel, welche ihnen unter den ausgelegten Waaren anstanden; wogegen der holländische Einkäufer seinen Preis-Courant fleißig zu Rathe zog, um nach dem angenommenen Tarif nicht über 90 Gulden hinauszugehen, und wobei auch der gespendete Brantwein, sammt Toback und Pfeifen, nicht unberücksichtigt blieben. Fieng er dann an, sich noch weitern Zulegens zu weigern, und ließ sich höchstens noch ein Stück Kattun abdringen, so ward der Rückstand im geforderten Menschenpreise vollends mit geringeren Waaren und Kleinigkeiten, und zuletzt noch mit einem Geschenk von Messern, kleinen Spiegeln und Korallen ausgeglichen. Wieviel es übrigens, bis zum gewünschten Abschluß, des Streitens, Fluchens und Lärmens bei diesem Handel gegeben habe, bedarf kaum einer besondern Erwähnung: denn wenn der eigentlichen Wortführer bei den Negern auch nur 2 oder 5 seyn mochten, so gab es doch immer unaufhörliche Rücksprache und Verständigung mit ihren Gefährten in den Kanots, die bei dem Erfolg der Unterhandlung Alle gleich sehr interessirt waren. Hatten sie dann endlich die eingetauschten Waaren in Empfang genommen, so packten sie sich wieder in ihre Fahrzeuge und eilten lustig, wohlbenebelt und unter lautem Halloh wieder dem Strande zu. - Lebensbeschreibung des Seefahrers, Patrioten und Sklavenhändlers Joachim Nettelbeck, von ihm selbst aufgezeichnet. Nördlingen 1987 (Die Andere Bibliothek 35, zuerst 1825)

Sklavenhandel (2)  Es sind diese Leute [die Neger] auf den Gewinn so sehr erpicht, daß sie auch ihre eigene Weiber, Kinder und Geschwister in die Sclaverey verkauffen, welche sodann gemeiniglich nach America geführet, und daselbst in denen Plantagen oder Feld-Bau, nicht weniger in denen Bergwercken, Zucker-Mühlen und Tobacks-Spinnereyen zur Arbeit gebrauchet werden. Was den Einkauff solcher Negern betrifft, geschiehet selbiger gemeiniglich zu Ardres, Galbatus, Rodet, Camaronis und anderer Orten mehr; man muß aber mercken, daß die von Ardres die besten, und die von Galbatus die geringsten sind. Gleich von besagten Orten bringet man sie in die Frantzösische Insuln in America, um solche allda zu verkauffen, und gegen Zucker   oder andere Waaren, die von diesem Ort kommen, zu vertauschen. Zu der Überfuhre erwehnter Negern muß man Schiffe von 100 bis 300 Faß, oder 100 bis 150 Last groß haben.

Dieser Handel scheinet zwar denen unmenschlich, welche nicht wissen, daß die armen Leute Heyden und Türcken sind, und daß Christliche Kauffleute, wenn sie selbige von ihren Feinden kauffen, solche von einer grausamen Sclaverey erretten, und hingegen in denen Insuln, wohin sie gebracht werden, nicht allein in eine gelindere Dienstbarkeit versetzen, sondern auch zur Erkänntnis des wahren GOttes, und auf den Weg zur Seligkeit durch die Unterrichtungen, welche ihnen Christliche Prediger geben, bringen, ohne solche Absicht dergleichen Handel schwerlich zugelassen seyn würde; wie denn auch diejenigen, so selbigen unternehmen, vor den Unterhalt, Uberfahrt und Regierung ermeldeter armen Leute so gute Ordre stellen, daß keiner durch ihre Schuld sterben möge, vor dessen Verwahrlosung sie dermaleinst Rechenschafft geben müssten. Man nimmt aber, ausser denen Victualien die zum Schiffe gehören, auch zum Unterhalt der Negern, Grütze, blaue und weisse Erbsen, viel Eßig und Brandtewein mit. So muß man auch von dem Moment, da sie in das Schiff geladen werden, die Segel aufziehen, weil sonst die armen Leute vor ihre Vaterland eine solche Liebe tragen, daß sie, daraus zu weichen, vor Verzweiffelung sterben möchten, welches auch verursachet, daß etliche wol gar sich in das Meer stürtzen, andere den Kopff an das Schiff stossen, oder den Odem, zu ersticken, an sich halten, ingleichen etliche vor Hunger sterben, und nichts essen wollen. So bald sie aber ihr Land nicht mehr sehen, fangen sie an, sich unter einander zu trösten, vornemlich wenn man ihnen mit Instrumenten vorspielet.

Weswegen denn zur Erhaltung erwehnter Negern nicht undienlich ist, wenn man etliche Personen, die auf der Sack-Pfeiffe, Geige, Leyer und andern Instrumenten spielen können, dadurch die Schwartzen auf dem Wege munter zu erhalten, mit in dem Schiffe fähret, inmassen es ein sehr gutes Mittel ist, selbige gesund zu überbringen. Wenn man sie hernach verkaufft, werden die, so frisch und frölich aussehen, viel theurer verkaufft als die andern, welche sich ihrer Gefangenschafft halber abgegrämet haben.

Es ist aber Lebens-Mittel zu Erhaltung der Negern in das Schiff zu nehmen nicht allein genug, sondern man muß auch allerhand Waaren, zum Exempel meßingene Schrauben, kupfferne Stänglein, eine Anzahl Messer mit ihren Scheiden, rothe Sarge und Tuch von geringen Preiß, und andere Zeuge mehr von allerhand Farben, item Corallen, Stein- und Glasarbeit, Kämme, Spiegel, Schüsseln von Zinn von allerhand Grösse, eiserne Stangen und andere kleine Krahmer-Waaren, Baumwollen Tuch, gestreifften Taffent, Degen und was noch mehr seyn möchte, bey sich haben, als an welchen Bagatellen und theils nichtswürdigen Dingen sich diese Leute sonderlich ergötzen, wie sie denn auch zu der Zeit, da die Europäer am ersten mit ihnen zu handeln angefangen, gar offt vor einen schlechten Spiegel, oder ein paar Messer und unechte Glas-Corallen, vor ein Stückgen rothen Tuchs und Bandes, dergleichen Farbe sie sonderlich lieben, gantze Stücken Goldes, schöne Perlen und andere weit köstlichere Waaren in Tausch gegeben, wiewol sie heutigen Tages nicht mehr so treuhertzig sind, und den Preiß ihrer Waaren gegen die unsrigen gar fein erkennen gelernet. - Aus: Glossar Vom Seewesen im 18. Jahrhundert, nach Zedlers Universal-Lexicon, 1732-1750. In: Lebensbeschreibung des Seefahrers, Patrioten und Sklavenhändlers Joachim Nettelbeck, von ihm selbst aufgezeichnet. Nördlingen 1987 (Die Andere Bibliothek 35, zuerst 1825)

Sklavenhandel (3)  Zu der Stunde, als der Hund über den Markt lief, war die überlebende Fracht bereits wegen ihres miserablen Gesundheitszustands unter Wert versteigert worden, und man versuchte gerade, durch ein einziges Stück, das alle aufwog, die Verluste wettzumachen. Es war eine abessinische Gefangene, sieben Spannen groß, eingerieben mit Zuckerrohrmelasse statt mit dem handelsüblichen Öl, und von verwirrender, schier unglaublicher Schönheit. Sie hatte eine schmale Nase, einen länglichen Schädel, schrägstehende Augen, makellose Zähne und das vielversprechende Auftreten eines römischen Gladiators. Sie wurde weder im Schuppen gebrandmarkt, noch rief man ihr Alter oder ihren Gesundheitszustand aus, sondern bot sie nur um ihrer Schönheit willen zum Kauf an. Der Preis, den der Gouverneur ohne Feilschen und in bar für sie zahlte, war ihr Gewicht in Gold. - Gabriel García Márquez, Von der Liebe und anderen Dämonen. München 2001 (zuerst 1994)

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