ilhouette  Man kann an jeder Silhouette 9. horizontale Hauptabschnitte bemerken.

Silhouette

1.) Den Bogen des Scheitels bis zum Ansatz des Haars. 2.) Den Umriß der Stirne bis zur Augenbraune. 3.) Den Raum von der Augenbraune bis zur Nasenwurzel, dem Ansatz der Nase. 4.) Die Nase bis zur Oberlippe. 5.) Die Oberlippe. 6.) Die eigentlichen Lippen. 7.) Das Oberkinn. 8.) Das Unterkinn. 9.) Den Hals. Sodann noch das Hinterhaupt, und den Nacken.

Jeder einzelne Theil dieser Abschnitte ist an sich ein Buchstabe, oft eine Sylbe, oft ein Wort, oft eine ganze Rede - der Wahrheit redenden Natur.

Wenn alle diese Abschnitte harmoniren, so ist der Charakter so offenbar, daß Bauer und Kind ihn aus der bloßen Silhouette kennen kann. Je mehr sie kontrastiren, desto schwerer die Entzieferung des Charakters.

Jedes Profil, das nur aus einer Art von Linien besteht, z. E. nur aus konkaven, oder konvexen, nur aus geraden oder gespannten, ist Karrikatur oder Mißgeburt.

Proportionirte Mischung und sanfte Ineinanderfließung - verschiedener Linien bildet die feinsten und besten Gesichter.

Bey dem Ganzen der Silhouette hat man auf die Länglichkeit oder Breite des Gesichtes zu merken.

Wohl proportionirte reine Profile sind so breit als hoch. Eine Horizontallinie, gezogen von der Spitze der Nase an bis ans Ende des kahlen Kopfes, wenn der Kopf nicht vorwärts und nicht zurücksinkt, ist gemeiniglich gerade so lang, als die Perpendikularlinie von dem höchsten Punkte des Scheitels an bis wo Kinn und Hals sich scheiden.

Merkliche Abweichungen von dieser Regel scheinen immer sehr glückliche oder sehr unglückliche Anomalien zu seyn.

Diese Messung und Vergleichung der Höhe und Breite eines Kahlkopfes, geschieht am leichtesten durch die Silhouette.

Ist der Kopf länger als breit, so ist's, wenn die Umrisse hart und eckigt sind, Zeichen ausserordentlichen Hartsinns; - Zeichen ausserordentlichen Schlaffsinns, wenn der Umriß locker und zugleich gedehnt ist.

Ist der Kopf, nach der bemeldeten Art zu messen, breiter als lang, so ist's, bey hartem, steifem, eckigt gespanntem Umrisse - die furchtbarste Unerbittlichkeit, die selten ohne verruchte Bosheit ist - sind aber bey größerer Breite, die Umrisse schlaff und weich - so ist Sinnlichkeit, Weichlichkeit, Trägheit, Wollust, in hohem Grade sichtbar.

Ueberhaupt aber, um nun von hundert Sachen, die hierüber noch gesagt werden könnten, (die aber noch nicht vorbereitet genug sind, und hin und wieder, besonders bey vorkommenden Beyspielen, ihre Stellen finden werden, und vornehmlich, wenn Gott Leben, Lust und Kraft erhält, dem letzten Theile dieses Werkes vorbehalten sind) nur noch Eine zu sagen: - Ueberhaupt drückt die Silhouette vielmehr die Anlage, als die Würklichkeit des Charakters aus. Der zweyte und dritte Abschnitt zeigt am öftersten und sichersten den Verstand - und die Leidens- oder Würkungskraft des Menschen. - Die Nase - den Geschmack, die Empfindsamkeit, das Gefühl - die Lippen, am vorzüglichsten Sanftmuth und Zornmuth, Liebe und Haß.

Das Kinn den Grad und die Art der Sinnlichkeit; der Hals samt dem Nacken und der Stellung - entscheidet die Lockerheit, Gespanntheit oder freye Geradheit des Charakters; der Scheitel - nicht so wohl die Kraft, als den Reichthum des Verstandes -

Das Hinterhaupt, die Beweglichkeit, Reizbarkeit, Elasticität des Charakters.

Abermal, wie wenig und wie viel gesagt! - wie wenig für den bloß Kurzweil und Unterhaltung suchenden Leser - wie viel für den Forscher, der selbst prüfen will, und kann, berichtigen, näher bestimmen, weiter gehen will und kann.

Nun ist's Zeit - durch eine Reihe von allerley Beyspielen das eine und andere vom Gesagten begreiflicher, anschaubarer, gewisser zu machen - und noch manches nachzuholen.

Es war unmöglich, und bey der unabsehbaren Menge dessen, was wir sonst noch zu sagen haben, wär's Mißverhältniß zum Ganzen - eine vollständige Sammlung - noch weniger möglich, eine Classifikation und unwillkührliche Ordnung von Schattenrissen vorzulegen. Ich liefere, was ich liefern kann.

Ein künftiger physiognomischer Schriftsteller liefert vielleicht einmal einige Bände bloßer Silhouetten. Der's liefern wird, liefert viel, und wenn er ohne Partheylichkeit reihet, hat er mehr geleistet, als ich, im Gedränge meiner Umstände, und bey der Geringheit meiner Kräfte immer werde leisten können.

Die folgenden Tafeln, so sehr ich aussuchen wollte, und die Wahl zu überlegen glaubte - zusammen genommen - in jedem Sinn - kleinliches Fragment.

Nachstehende Vignette - das nicht ganz genaue Schattenbild eines der größten Männer unserer Zeit - von dem wir noch mehr reden werden. Bemerkt in demselben die 9. oben bemeldten horizontalen Abschnitte eines Schattenrisses im Profil. Die Stirn ist von vielfassender Kraft. Bemerkt die Höhe derselben von 2. bis 3. die Basis derselben von 3. bis zur Spitze des Augknochens; die Figur derselben - eine halbe Parabel. - Genauere, reinere, schärfere Schattenrisse, mit genauen Abtheilungen, werden uns noch Tiefen göttlicher Ordnung, Weisheit und Wahrheit in jedem Menschengesichte, jedem Umrisse, jedem Abschnitte eines Umrisses aufdecken. Ich freue mich innigst der aufheiternden Zukunft, und wünsche der Nachkommenschaft Glück, wenn ein mathematisches Genie - diese Bahn betreten und seine Kraft an den Curven der Menschheit versuchen wird. - (lav)
 
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