amen  Wenn das Blut eines Mannes in der Gluth der Wollust aufschäumt, giebt es Schaum von sich, den wir Samen nennen; so giebt ein Topf am Herdfeuer in Folge der Feuerhitze Schaum von sich. Wenn nun einer vom Samen eines Kranken empfangen wird oder von schwächlichem, ungekochtem Samen, der mit eitrigem Saft gemischt ist, der ist in seinem Leben meistens krank und voll Fäulniss, wie Holz, das, von Würmern durchbohrt, vermodert. So einer wird denn oft voll von Geschwüren und Eiterbeulen und zieht den eitrigen Krankheitsstoff aus den Speisen leichter an sich zu dem Eiter, den er schon hat. Wer davon frei ist, ist gesunder. Wenn der Same aber geil ist, wird der aus ihm empfangene Mensch unmässig und geil. Wenn ein Mann unter Erguss kräftigen Samens und in treuer Liebe zur Frau zu ihr kommt und sie dann auch die rechte Liebe zum Manne hat, dann wird ein männliches Kind empfangen; denn so hat es Gott eingerichtet. Wenn der Mann seine Frau treu liebt, die Frau aber den Mann nicht, oder auch die Frau den Mann liebt, aber der Mann nicht die Frau, und der Mann dermalen nur dürftigen Samen hat, so entsteht ein weibliches Kind…. Die Wärme der Frauen von dicker Constitution ist stärker als der Samen des Mannes, so dass das Kind häufig ihnen ähnlich wird; die Frauen von magerer Constitution bekommen oft ein Kind, das dem Vater ähnelt. - (bin)

Samen (2)
 

Wer ihn gemacht hat, der weiß nichts von ihm;
wer ihn gesehen hat, der ist getrennt von ihm.
Er ist in der Mutter Schoß eingehüllt,
reich an Nachkommenschaft ins Nichts eingegangen

- (raets)

Samen (3), männlicher (Sperma). Der S. wird im engsten Zusammenhange mit der Mystik des Begattungsaktes bei manchen Völkern besonders gewertet und behandelt. Es kommen hier Bräuche und Anschauungen in Betracht, wie sie dem Menstrualblut bei manchen Völkern zukommen. So galt schon bei den alten Hebräern die Pollution, d. h. der Abgang des Samens als Verunreinigung, von der der Mann sich nur durch ein Bad wieder reinigen konnte. Ebenso wurde (nach 3. Mos. 4-6) die Befleckung durch einen Samenerguß in eine Linie gestellt mit der Verunreinigung, die durch die Berührung mit Leichen oder die Berührung unreinen Gewürmes oder eines unreinen Menschen gesetzt wird. Auch in diesem Falle mußte der Leib durch ein Wasserbad gereinigt werden. - (erot)

Samen (4) Der Mensch, den man bedroht, muß fähig sein, in seinen Samen einzugehen. Der Same seines Guten muß zu allen Zeiten in ihm reif enthalten sein, denn wann das Feindliche uns überfallen wird, ist ungewiß. Und dieser Same muß von jener Kraft sein, gleich wieder aufzugehen in einem andren Menschen. Dort wird der Kampf im Menschen von neuem beginnen, aber dieser Same des biologisch Guten muß auch über jeden Feind, in dem er beginnt, Macht haben. Jeder Same aber, der in sich gewiß geworden ist, hat zu allen Zeiten und in jeder Gestaltung Bestand gehabt.

Es gibt keinen Samen, der, reif, nicht in seiner Art Bestand hätte. - Ernst Fuhrmann, Was die Erde will. Eine Biosophie. München 1986 (Matthes & Seitz, debatte 9, zuerst 1930)

Samen (5)   Der Saamen scheint eine noch weit höhere Dignität im organischen Reiche zu haben, als das Blut. Da selbst Pflanzensaamenstaub dem menschlichen an Mischung .... ähnlich ist, so muß man glauben, daß im Saamen das ganze organische Reich sich identischer ist, als im Blut. Überhaupt aber ist der Saamen wichtiger, als das Blut; im Saamen kommen die organischen Individuen zum chemischen Prozeß, d. i., der Saamen repräsentiert das ganze Individuum: die Totalitäten der Individuen begegnen sich in ihm. - (rit)

Samen (6) Der Mensch ist noch gar nichts Besonderes: Ein Zebrahengst produziert zum Beispiel zwei Liter Ejakulat. Und es gibt eine Taufliegen-Art, die macht Spermien, die sind - in menschlichen Relationen - größer als dieses Gebäude, mehr als fünf Stockwerke hoch. Unter den Samenzellen von Säugetieren gibt es welche, die haben zwei Schwänze, andere reisen in Gruppen, einige sind wie kleine Amöben - Spermien sind auf phantastische Art und Weise variabel. - Steve Jones, Genetiker. Aus: Der Spiegel 38 / 2003

Samen (7)  Die lebenden Wesen entstünden durch einander durch Ergießung des Samens, die Entstehung aus der Erde dagegen sei unmöglich. Der Same aber sei ein Tropfen des Gehirns, der einen warmen Hauch in sich enthalte, und wenn dieser sich in die Gebärmutter ergieße, sondere sich vom Gehirn Lymphe, Feuchtigkeit und Blut ab, aus denen sich Fleisch, Sehnen, Knochen, Haare und der ganze Körper bilde, durch den Hauch aber Seele und Wahrnehmung. Ihre Gestalt erhalte die erste Verdichtung in vierzig Tagen; nach den bestimmten harmonischen Verhältnissen würde dann in sieben oder neun oder höchstens zehn Monaten das Kind in fertigem Zustand zur Welt gebracht.  - Pythagoras, nach (diol)

Fortpflanzung Empfängnis Sekret Pflanze Mann
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