chneemann An
der Straßenecke steht ein Schneemann. Neben dem
Schneemann steht ein Mann. Neben dem Mann steht ein zweiter Schneemann. Neben
dem zweiten Schneemann steht ein zweiter Mann. Die beiden Schneemänner hören
zu, worüber die beiden Männer sprechen. Die beiden Männer ahnen das nicht und
sprechen wie üblich.
-
Günter Bruno Fuchs, Reiseplan für Westberliner anläßlich einer Reise nach Moskau
und zurück. Handbuch für Einwohner N° 2. München 1973
Schneemann (2) Während er in den Garten hinausschaute, fühlte Richter Di plötzlich Angst in sich aufsteigen.
»Ich werde wahrscheinlich wirklich krank!« murmelte er. »Wovor sollte man in diesem friedlichen Garten Angst haben?« Er zwang sich, die Holzstufen hinabzusteigen und durchquerte den Garten bis zur Hintertür. Das einzig vernehmbare Geräusch war das Knirschen des Schnees unter seinen Stiefeln. Aber er empfand jetzt richtige Angst, das unheimliche Gefühl einer verborgenen Bedrohung hatte ihn erfaßt. Unwillkürlich verhielt er seinen Schritt und blickte um sich. Das Herz stand ihm still. Eine seltsame weiße Gestalt hockte regungslos unter den Büschen.
Erstarrt und voller Entsetzen sah er sie an. Dann stieß er einen Seufzer der Erleichterung aus. Es war ein Schneemann in der Gestalt eines lebensgroßen buddhistischen Priesters, der mit gekreuzten Beinen am Zaun saß und meditierte.
Der Richter wollte lachen, doch das Lachen gefror ihm auf den Eippen. Die beiden Holzkohlestückchen, die gewöhnlich die Augen des Schneemanns darstellten, waren verschwunden, die leeren Höhlen starrten ihn mit bösem Blick an. Die Gestalt strahlte eine bedrückende Atmosphäre von Tod und Verfall aus.
Plötzlich ergriff den Richter Panik. Er drehte sich um und ging rasch zum
Haus zurück. Er stolperte, als er die Stufen emporstieg, und verletzte sich
am Schienbein. Trotzdem lief er so rasch wie möglich weiter, indem er sich an
der Wand des dunklen Flurs entlangtastete. - Robert van Gulik, Nagelprobe
in Pei-Tscho. Zürich
|
||
![]() |
||
![]() |
![]() |
|
![]() |
||
|
|
|
![]() ![]() |
![]() ![]() |