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Ich hörte, daß mein Freund, der Unteroffizier Koppel, zu Longwy
im Lazarett krank läge: ich wollte ihn also besuchen und ging hin und
hinein, ohne von der Schildwache angehalten oder nur über etwas befragt
zu werden. Dies ließ mich gleich anfangs nicht viel Ordnung im Lazarett
selbst erwarten. Aber wie entsetzte ich mich, als ich gleich beim Eingang alles
von Exkrementen blank sah und nicht einmal ein Fleckchen finden konnte,
um unbesudelt hinzutreten. Der gemeine Abtritt reichte für so viele
ruhrhafte Kranke unmöglich zu, auch fehlte es den meisten an Kräften,
ihn zu erreichen, und Nachtstühle sah ich beinahe gar nicht. Die
Unglücklichen schlichen sich also nur bis vor die Stube und machten dann
alles hin, wo und wie sie konnten. Es ist abscheulich, daß ich sagen
muß, daß ich sogar tote Körper in diesem Unflat liegen sah.
Ich schlüpfte schnell durch ins erste beste Zimmer, aber da drängte sich mir auch sogleich ein solch abscheulicher mefitischer Gestank entgegen, daß ich hätte mögen in Ohnmacht sinken. Es war der Duft viel ärger, als wenn man ein Privet ausräumt oder des Sommers über einem vollen Schindanger steht. An Räuchern dachte man gar nicht, auch wurden die Fenster niemals geöffnet, und wo hie und da eine Scheibe fehlte, da stopfte man die Oeffnung mit Stroh und Lumpen zu.
Das Lager der Kranken war dem vorigen ganz angemessen: die
meisten lagen auf bloßem Stroh, wenige auf Strohsäcken, und viele gar
auf dem harten Boden. An Decken und andere zur Reinlichkeit dienende
Dinge war vollends nicht zu denken. Die armen Leute mußten sich mit
ihren elenden kurzen Lumpen zudecken, und da diese ganz voll Ungeziefer
waren, so wurden sie beinahe lebendig gefressen.
- F.C. Laukhards, vorzeiten
Magister
der Philosophie und jetzt Musketiers
unter dem Thaddenschen Regiment zu Halle, Leben und Schicksale, von ihm selbst
beschrieben und zur Warnung für Eltern und studierende Jünglinge herausgegeben.
Fünf Teile, 1792–1802
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