Riesenpaar    Es brach plötzlich aus ihm hervor. »Mich beschäftigt etwas Wichtigeres: meine Frau. Meine Frau und ich, wir beten uns an. Die Verwandten nennen uns das Riesenpaar. Nur im Spaß, glauben Sie mir, mein Herr. Das ist eine Anspielung auf unsere Körpergröße. Meine Frau hat ein so gutes Herz, so viel Redlichkeit, eine solche Reinheit. Für sie gibt es nichts Höheres als die Liebe! Wenn ich ihr von Menschen erzähle, die aus Egoismus oder aus Gewöhnung zusammenleben, versteht sie das nicht. Sie versteht es einfach nicht, so als wenn sich diese Leute einer geheimnisvollen Entweihung schuldig machten. Ihrem eigenen Geschlecht bringt sie höchste Achtung entgegen, eine angeborene Ehrfurcht. Nichts konnte sie dazu verleiten, es zu vergeuden. Soll ich Ihnen einmal erzählen, was sie für eine reizende Eigenart hat? Sie müssen mir aber versprechen, mich nicht falsch zu verstehen. Wenn ich meiner Frau manchmal aus didaktischen Gründen Geschichten von den großen Kurtisanen erzählt habe, die mit Juwelen und Luxus überhäuft wurden, fingen ihre Äuglein an zu leuchten. Erraten Sie den Grund? Ich kenne sie, ich weiß genau, was sie denkt, wenn ihre Äuglein so leuchten. Sie denkt, daß diese Frauen ihr Geschlecht zur Geltung gebracht haben. Unterstellen Sie ihr bitte nicht die mindeste Versuchung, ihnen nachzueifern. Sie vergißt nie, daß sie eine Dame ist, und benimmt sich entsprechend. Aber paradoxerweise, glauben Sie mir, verschleudert sie sich regelrecht.

Ich habe Ihnen ja schon von ihrer Herzensgüte erzählt. Nehmen Sie einmal an, mein Bester, daß irgend jemand eine heldenhafte, vielleicht selbstlose Tat vollbringt; lassen Sie sie uns >edel< nennen. Meine Frau eilt herbei, um ihn zu belohnen. Die Faszination einer großen Geste ist für sie einfach überwältigend. Natürlich stellen sich alle Frauen im Traum ihrer goldenen Eitelkeit vor, ihnen sei es gegeben, den höchsten Lohn zu gewähren. Aber meine Frau setzt diese Überzeugung in die Tat um. Sie werden mich verstehen: an Gelegenheiten mangelt es nicht, und die Ärmste verausgabt sich in einer Art und Weise, die ihrer Gesundheit schon nicht mehr zuträglich ist. Meine eigene Position ist delikat. Sie weiß, daß ich sie verstehe, und sucht meine Sympathie. Um nichts in der Welt will ich sie enttäuschen. Pour la noblesse: dieser Einstellung wegen sind mir Hände und Füße gebunden, was etwas, wie soll ich sagen, Hoffnungsloses hat. Natürlich gibt es auch Momente der Genugtuung. Nach ein oder zwei Monaten legt meine Frau mir über jede ihrer Donquichotterien Rechenschaft ab, und ich schreite, wenn sich der Gentleman nicht wie ein solcher benommen hat, unverzüglich zu seiner Bestrafung, mit all der Kraft, die Gott mir geschenkt hat: Dem X breche ich das Genick, dem Y das Schlüsselbein, und dem Z, sobald sich die Gelegenheit ergibt, drei Rippen.«   - Adolfo Bioy Casares, Liebesgeschichten. Frankfurt am Main 1989

Riese Paar

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