eue   Das Leben, das aus den Schlünden stammt, sich eine Weile organisiert, um im Inferno zu verschwinden, das Leben wird seinen Rachen aufreißen gegen diese Zivilisationshorden, die das Meer als Nährklistier achten um ihre Austernbänke und das Feuer als Bierwärmer unter ihren Asbestplatten. Weil es diese Früchtchen zur Vermehrung läßt, weil es diese Wasserfarben sich mit ihren Samenflecken hochpinseln läßt an seinen Basaltwänden, ist es noch lange nicht auf die Postille gebückt. Der Tag wird kommen, wo die Monts Pelées diese fruchtbaren Siedlungen mit ihrer Lava ersticken und die Ozeane diesen Meliorationsmodder ohne Gebrüll überfluten werden - o schöner Tag der Reue der Natur. - Gottfried Benn, nach: Weltuntergangsgeschichten. Zürich 1981 (detebe 20806)

Reue (2)

Huttens Beichte

Hier schreit' ich über meinem Grabe nun.
Hei Hütten, willst du deine Beichte tun?
's ist Christenbrauch. Ich schlage mir die Brust.
Wer ist ein Mensch und ist nicht schuldbewußt?
Mich reut mein allzu spät erkanntes Amt,
Mich reut, daß mir zu schwach das Herz geflammt,
Mich reut, daß ich in meine Fehden trat
Mit schärferen Streichen nicht und kühnerer Tat.
Mich reut, daß ich nur einmal bin gebannt,
Mich reut, daß oft ich Menschenfurcht gekannt.
Mich reut der Tag, der keine Wunde schlug,
Mich reut die Stunde, die nicht Harnisch trug,
Mich reut, ich beicht' es mit zerknirschtem Sinn,
Daß ich nicht dreifach kühn gewesen bin.

- Conrad Ferdinand Meyer, nach: Rosa Luxemburg, Gesammelte Briefe 5. Berlin 1987

Reue (3)  Eulenspiegel sagte: »Frau, mir ist leid, daß ich dreierlei nicht getan habe und auch nicht dazu kam, es zu tun.« Die Begine sprach: »Was sind das für Dinge? Sind sie gut odei böse?«

Eulenspiegel sprach: »Es sind drei Dinge, und das erste ist das: Wenn ich in meinen jungen Tagen sah, daß ein Mann auf der Straße ging, dem der Rock lang unter dem Mantel heraushing, ging ich ihm nach. Ich meinte, der Rock werde ihm herunterfallen, so daß ich ihn aufheben könnte. Wenn ich dann näher zu ihm kam, sah ich, daß ihm der Rock nur zu lang war. Darüber wurde ich zornig und hätte ihm gern den Rock so weit abgeschnitten, wie er unter dem Mantel hervorhing. Daß ich das nicht konnte, das ist mir leid.

Das zweite ist dies: Wenn ich jemanden sitzen oder gehen sah, der mit einem Messer in seinen Zähnen stocherte: daß ich ihm nicht das Messer in den Hals schlagen konnte. Auch das tut mir leid.

Das dritte ist: daß ich nicht allen alten Weibern, die über ihre Jahre hinaus sind, ihre Ärsche zuflicken konnte, auch das ist mir leid. Denn diese Frauen sind zu nichts nütze mehr auf Erden, als daß sie das Erdreich beschei-ßen, worauf die Frucht steht.« - (eul)

Reue (4)  

Selbst Gott wäre geneigt,
Die Erschaffung der Menschen
Zu bereuen, sind sie doch ein Geschlecht
Des Unrechts, Jammers und der Eitelkeit.
Der Mensch indes, wie fromm er sei,
Er muß die allerhöchste Majestät
Für grausam halten.

 - Antonio Teodoro dos Santos: Lampeão, König der Banditen,  O poeta Garimpeiro; Volksbuch, Sao Paulo 1959, nach (hob)

Reue (5)  Reue ist insofern eine Tugend, als sie die Gefühle aufrührt. Aber sie als Verhaltenskritik aufzufassen ist Torheit. Sie als solche aufzufassen heißt zu versuchen, die Gefühle eines gewissen Zustands einem früheren Zustand anzupassen, %u dem sie in keinerlei Beziehung stehen. Auch wenn die Imagination den Stachel der Reue nicht entfernen kann, so kann sie den Verstand anleiten., den richtigen Gebrauch von ihr zu machen.   - (kore)

Reue (6)  DA SICH ABER DTE MENSCHEN BEGUNDEN ZU mehren auff Erden / vnd zeugeten jnen Töchtere / 2Da sahen die kinder Gottes*  nach den töch-tem der Menschen / wie sie schön waren / vnd namen zu Weibern / welche sie wolten. 3Da sprach der HERR / Die Menschen wollen sich ameinen Geist nicht mehr straffen lassen / denn sie sind Fleisch / Jch wil jnen noch frist geben hundert vnd zwenzig jar.

ES waren auch zu den Zeiten Tyrannen auff Erden / Denn da die kinder Gottes die töchter der Menschen beschlieffen vnd jnen Kinder zeugeten / wurden dar aus gewaltige in der Welt vnd be-rhümbtc Leute.

DA ABER DER HERR SÄHE / DAS DER MENSCHEN BOSHEIT GROS WAR AUFF ERDEN  / VND ALLES TICHTEN VND TRACHTEN JRES HERTZEN NUR BÖSE WAR JMER DAR / Dä rewet es jri / das er die Menschen gemacht hatte auff Erden / vnd es bekümert jn in seinem Hertzen / vnd sprach / Jch wil die Menschen / die ich geschaffen habe vertilgen / von der Erden / von den Menschen an bis auff das Vieh / vnd bis auff das Gewürme / vnd bis auff die Vogel vnter dem Himel / Denn es rewet mich / das ich sie gemacht habe.  

* (KinderGottes) Das waren der heiligen Veter kinder / die in Gottes furcht auffcrzogen darnach erger denn die andern worden / vnter dem namen Gottes. Wie alle zeit der Heilige n Nachkomen / die ergcsten Tyrannen vnd verkertesten zu letzt worden sind.

- Genesis VI, nach (lut)

 

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