rofi
»Es gibt keinen in Paris, der wie Alfred lautlos in ein bewohntes
Haus einbrechen und darin arbeiten kann, ohne auch nur eine Katze zu wecken.
In seiner Technik ist er ein Künstler, überdies
braucht er niemanden, der ihm was herausfindet, Schmiere steht und all
das. Er arbeitet ganz allein und verliert nie die Nerven. Er trinkt nicht,
schwatzt nicht und spielt sich in den Kneipen nicht auf. Bei seinen Fähigkeiten
müßte er schwer reich sein. Er kennt ganz genau den Standort und den Mechanismus
von ein paar hundert Geldschränken, die er selbst eingebaut hat und von
denen man meinen könnte, er brauche nur hinzugehen und sie auszuleeren.
Aber jedesmal, wenn er loslegt, fällt er 'rein oder findet nur leeres Stroh.«
Vielleicht sprach Boissier lediglich so, weil er in Fred dem Trauerkloß ein Abbild seines eigenen Schicksals erblickte, mit dem Unterschied freilich, daß er selbst sich einer Gesundheit erfreute, die allen Aperitifs trotzte, die er auf Caféterrassen und in den Nächten, da er unterwegs war, wie nichts zu sich nahm.
»Das erschütterndste ist, daß er, wenn man ihn auch für zehn Jahre,
für zwanzig Jahre festsetzte, sofort von vorn anfangen würde, sobald er
wieder draußen ist, und selbst wenn er dann siebzig wäre und an Krücken
ginge. Er sagt sich, daß es genüge, wenn man ein einziges mal Schwein
habe, und das sei das Schicksal ihm schuldig.«
- Georges Simenon, Maigret und die Bohnenstange. München 1975 (Heyne
Simenon-Kriminalromane 15, zuerst 1951)
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