flanze  Die Pflanzen  gehören zu den schweigendsten, geheimnisvollsten Erscheinungen der Welt — sie, auf deren Existenz alles Leben sich stützt, sind gleichsam das Urbild des Lebens überhaupt. Sie entwachsen unmittelbarer der schöpferischen Kraft, und so ist es kein Wunder, daß auch das Böse besonders innig in ihre Säfte übergeht. Viele von ihnen schließen ein Stück paradiesischen Urwaldes ein. Die Sucht nach dem Rausche ist das Bestreben, sich zeitweilig dem Bösen zu vermählen, um ihm Kräfte für die Entfaltung, für die größere Ausspannung und Distanz des geistigen Lebens zu entziehen; und die Pflanze spielt die Rolle der Vermittlerin. Im Genusse des Apfels, den die Ophiten verehren, vollzieht sich der erste Sündenfall, der erste Schritt zu einer tieferen Erkenntnis der Welt; und so ist es nur logisch, daß man in dem für Menschen von Kultur unbewohnbarsten Lande der Welt, in Nordamerika, den Genuß des Weines verboten hat und auch den des Tabaks verbieten möchte. Wo Zufriedenheit und Nützlichkeit regieren, wo Geld die beste Gabe Gottes ist und wo man es auch vollauf hat, da ist es freilich ein Verbrechen, die Stimme der Dämonen zu beschwören, die den rechten Weg verwirrt, der durch die großen Weizenfelder führt. Da spielt ein Mann wie E. A. Poe die Rolle eines recht üblen Subjekts. - (ej)

Pflanze (2) Wie Pflanzen werden, heißt die Empfehlung. Fuhrmann weiß sich darin mit asiatischer Lebensweisheit in Übereinstimmung. Es ist hier aber nicht als Affront gegen das Animalische gesagt, sondern als Votum für das sublimierte Tier. Man kann die Pflanze nämlich unter dem Gesichtspunkt betrachten, daß sie Tiere sind, Menschen aber als Mischungen animalischen und vegetabilen Lebens, auf dem Weg in den Untergang oder zur Engelhaftigkeit. —  »Pflanzen von der Art des Getreides entsprechen in ihrer biologisch-animalischen Stufe etwa den nacktlebenden Schnecken«. Ein pflanzliches Organ nach dem anderen mag sich dergestalt auch als ein verkleidetes tierisches zu erkennen geben, durch Dung-Ernährung ähnlich geworden, wenn dieser nur auch die wesentlichen Tierqualitäten noch enthielt. Warum sollen Baumstämme nicht vegetativ gesteigerte Wurmbündel sein; Menschen, die in Flugzeugen einschlafen, könnten sich als unfähig erwiesen haben, die Vogelstufe des Lebens in sich hervorzubringen. Die vielen Bettnässer bei Lüneburg — stehen sie nicht hinter der Heidevegetation zurück, die mit der vielen Feuchtigkeit in dieser Gegend besser fertig wird? Ist Rotwerden etwa ein Erblühen in kurzer Heftigkeit? Gehöre ich geschlechtlich zum Typus der Kirsche oder der Brombeere? — Kein Wunder, daß Bier müde macht: auch Hopfen muß sich an Stangen halten. - Gert Mattenklott, Nachwort zu: Ernst Fuhrmann, Was die Erde will - Eine Biosophie. München 1986 (zuerst 1930)

Pflanze (3)  IMPATIENS OLIVIERI P DLMS • 100 VII 100 Balsaminee trop. Ostasiens. Die von Knoten zu Knoten des strotzenden schleimigen Schaftes Palmetten manschettenartig ansetzende Pflanze endet über saftgrünem Gebäude in sterilem Schopf, unterhalb dessen an Hängefäden die großen maskenförmigen, gespornten milchig lila Blumen entspringen, zum Verwechseln ähnlich der Orchidee Miltonia. — In sd sehr warm, feucht und schattig, nach Aufgang sofort in kleine Töpfe mit gleicher Mischung, mit Topfballen nach gesicherter Sommerwärme in Schattenanlagen mit reichem durchlässigen Humus. In Massen, mächtig wirkend. Vor kalten Nächten in Töpfe mit gleicher Mischung zurückschneiden, halbwarm überwintern, trocken halten. Jedes Stengelglied, im Warmhaus in hs gesteckt, bewurzelt sich in 14 Tagen.  - (garten)

Pflanze (4) Träumt jemand, daß aus seinem Körper eine Pflanze gewachsen sei, so wird er, wie einige behaupten, sterben; denn aus der Erde entstehen die Pflanzen, und in Erde lösen sich die Leiber der Verstorbenen auf. Nach meiner Auffassung hat man bei der Auslegung nicht allein von den Pflanzen, sondern auch von den Körperteilen, aus denen die Pflanzen hervorsprießen, auszugehen. Häufig starb nicht der Träumende selbst, sondern das, was durch den Körperteil, in dem sich die Pflanze befand, angezeigt wurde. Es besteht auch hinsichtlich der Pflanzen selbst ein Unterschied, so daß sie zuweilen nicht den Tod, sondern Schnitte und Eingriffe des Chirurgen zur Folge haben. Das trifft gewöhnlich bei denjenigen Pflanzen zu, die regelmäßig beschnitten werden, wie z.B. beim Wein-Stock und ähnlichen. Ich kenne jemand, dem es träumte, ihm sei aus dem Kopf ein Weinstock hervorgesprossen. Dem Betreffenden wurde nur ein geschwollenes Zäpfchen aus dem Schlund herausgeschnitten. - (art)

Pflanzen (5) Die Moose lassen sich  mit den armseligen Häuslern vergleichen, die sich auf dem magersten Boden niedergelassen haben; diesen decken und nutzen sie, während sie zugleich anderen Pßanzen dienen, indem sie dieselben schirmen, daß ihre Wurzeln nicht unter der Hitze verdorren oder unter der schrecklichen Kälte erfrieren. Sie haben sich gleichsam vorgenommen, den Boden urbar zu machen, der von anderen als untauglich verworfen worden ist. Die Gräser scheinen innerhalb der Pflanzenwelt den Platz der Bauern einzunehmen und deren Pflichten zu erfüllen. Sie besitzen den größten Teil des Bodens und je mehr sie zertreten und unterdrückt werden, desto mehr arbeiten sie, um sich mit ihren Wurzeln ihr Auskommen zu verschaffen; sie machen die Mehrzahl und die Stärke des Pflanzenreiches aus. Die Kräuter hingegen können als der Adel betrachtet werden; sie prunken mit ihren Blättern, prahlen mit ihren überaus herrlichen Blumen und machen mit ihrem Duft, Geschmack, Farben und Formen das Reich, dem sie angehören, bewundert und hoch geschätzt. Die Bäume gleichen den Fürsten. Sie senden ihre Wurzeln weit in die Tiefe und sie tragen ihr Haupt hoch über den anderen Gewächsen. Sie schützen diese vor heftigen Stürmen und vor Vernichtung durch allzu große Wärme und Kälte, sie befeuchten sie gleichsam mit ihrem Tau und versorgen sie in ihrem abgefallenen Laub mit Nahrungsstoffen und bereiten ihnen durch ihre Üppigkeit noch andere Vorteile. An den Moosen und Flechten haben die Baume auch noch Bediente, welche sie mehr zum Prunk als zum eigentlichen Nutzen halten.

Die eigentlichen Bewohner der Erde sind vor allem und namentlich diese Pflanzen Jede von ihnen ist mit ihrer besonderen Kraft ausgestattet und führt ihr eigenartiges Leben. Ob sie die Fähigkeit haben, etwas aufzufassen, wage ich nicht zu sagen. Hingegen scheint ihnen, was Nahrung und Fortpflanzung anbelangt, eine Art Begehren inne zu wohnen, sie freuen sich über angenehmes Wetter, gedeihen unter günstigen Umstanden, erfrischen sich an Regen und Tau, erstarren in der Kälte, sie halten bei Nacht eine Art Schlaf und nehmen dann eine andere Gestalt an, sie werden matt vom Hunger. Widerstreben legen sie jedoch durch keinerlei Anzeichen an den Tag. Daher kommt es, daß man mit Pflanzen kein Mitleid hat. - Carl von Linné, nach: Leben Töten Essen. Anthropologische Dimensionen. Hg. Heike Baranzke u.a. Stuttgart und Leipzig 2000

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