atent Im
Jahre 1830 machte der Schornsteinfeger Green zu London, ein Verwandter
des bekannten Luftschiffers, die Entdeckung, daß man sich bei einer Feuersbrunst
durch Herabreiten auf einem Besen an der freien
Wand eines Hauses auf die nachher anzuzeigende Weise
retten könne. Er nahm ein Patent auf diese Erfindung, wonach Jeder, der
zur Rettung seines Lebens davon Gebrauch machte, zur Zahlung einer gewissen
Summe an ihn verpflichtet war, soviel ich mich erinnere 10 Pfund, welche
jedoch für Arme ermäßigt ward. Die erste Nachricht von dieser Entdeckung
ward in den Times gegeben und später in dem Repertory of arts der Gegenstand
durch Abbildungen erläutert. Die Sache machte Anfangs einiges Aufsehen,
indes widersprachen Physiker sogleich heftig, und die Julirevolution lenkte
die Aufmerksamkeit bald ab. Die Hauptsache aber, welche der Aufnahme der
neuen Erfindung im Wege stand, war unstreitig der Umstand, daß Green bei
einem öffentlichen Versuche, den er zur Bewährung seiner Erfindung
anstellte, wirklich den Hals brach. - Gustav Theodor Fechner, Es
gibt Hexerei
Patent (2) Mit einer geschickten Strategie hatten Jeremy Rifkin, Leiter der
Foundation for Economic Trends, und dem Biologen Stuart A. Newman vom
New York Medical College in Valhalla und Mitglied des Council for
Responsible Genetics ein Patent für die Herstellungsmethode von
Mensch-Tier-Chimären und die daraus entstehenden Lebewesen beim
amerikanischen Patentamt beantragt.
Die Absicht war, die Herstellung von Chimären zu verhindern, wenn ihnen
das Patent gewährt wird, oder durch die Provokation einer Ablehnung,
andere Patentierungen zumindest zu erschweren. 2004 wies das Patentamt
tatsächlich den Antrag zurück, weil die Chimären zu menschenähnlich
seien.
- Florian Rötzer,
telepolis vom 14. Dezember 2005
Patent (3)
- N.N.
Patent (4) Es war sein Traum,
sich das Patent eines Oberscharfrichters aller europäischen Hauptstädte aushändigen
zu lassen. Er behauptete, daß die guten Traditionen und die Geschicklichkeit
in diesem künstlerischen Zweig der Zivilisation zu verkümmern drohten, daß,
wie man so sagt, Gefahr im Verzüge sei, und gab, im Bewußtsein der Dienste,
die er im Orient geleistet hatte (so schrieb er in den zahlreichen Bittschriften),
der Hoffnung Ausdruck (sollten die Herrscher geruhen, ihn mit ihrem Vertrauen
zu beehren), den Übeltätern Schreie in Tonlagen zu entreißen, die noch kein
Richterohr zuvor im Gewölbe eines Kerkers vernommen habe. - Villiers
de L'Isle-Adam, Der Tischgast der letzten Feste. In: V. I.-A., Der Tischgast der
letzten Feste.
Stuttgart 1983.
Die Bibliothek von Babel Bd. 27, Hg. Jorge Luis Borges
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