hilosoph  Man erzählt, die Feindschaft zwischen Aristoteles und Platon habe ihren Ursprung in folgendem: Platon mißfiel die Art, wie Aristoteles lebte und sich zurechtmachte. Er verwandte nämlich übertrieben viel Sorgfalt auf seine Kleider und Schuhe, und auch wie er das Haar geschoren trug, fand Platon abstoßend; außerdem trug er eine Menge Ringe und protzte mit ihnen. Eine gewisse Spottsucht stand in seinem Gesicht geschrieben, und Geschwätzigkeit zur unrechten Zeit verriet ebenfalls seinen Charakter. Daß jedoch all das nicht zu einem Philosophen paßt, ist einleuchtend. Platon erkannte dies und wollte nichts mit ihm zu tun haben. Er zog Xenokrates, Speusippos, Amyklas und andere ihm vor, die er mit allen Ehren empfing und sogar zu seinen wissenschaftlichen Gesprächen hinzuzog.

Als Xenokrates einmal nach Hause gereist war, unternahm Aristoteles einen Angriff gegen Platon, indem er ihn mit einer Schar seiner Freunde umringte, unter ihnen Mnason aus Phokis und andere dieser Art. Speusippos war damals krank und konnte Platon nicht begleiten. Platon aber war 80 Jahre alt, und durch das Alter hatte auch sein Gedächtnis etwas nachgelassen. Um ihn also anzugreifen und ihm eine Falle zu stellen, legte Aristoteles ihm mit großem Eifer Fragen vor, die ihn gewissermaßen widerlegen sollten, und bewies damit eindeutig seine Bosheit und Undankbarkeit. Aus diesem Grunde gab Platon seine Spaziergänge draußen auf und wandelte mit seinen Schülern innerhalb des Hains. - (ael)

Philosoph (2) Einer der Philosophen, die am meisten verfolgt wurden, ist der unsterbliche Bayle, der Ruhm menschlicher Natur. Man mag mir sagen, der Name seines Verleumders und Verfolgers Jurieu sei abscheulich geworden; nun ja, der Name des Jesuiten Le Tellier ist es auch; doch haben etwa jene großen Männer, die er bedrückte, deshalb ihre Tage weniger in Exil und Not geendet?

Ein Vorwand, den man herhalten ließ, um Bayle zu betrüben und arm zu machen, war der Artikel David in seinem nützlichen Wörterbuch. Man warf ihm vor, daß er jenen Taten kein Lob gezollt habe, die an sich ungerecht, blutig, roh und teils der Ehrlichkeit zuwider sind, teils das Schamgefühl empören.

Gewiß: Bayle lobte den David nicht dafür, daß jener (glaubt man den hebräischen Büchern) sechshundert Landstreicher versammelt hatte, deren keiner aus Schulden und Übeltaten mehr zu retten war; daß jener an der Spitze solchen Gesindels seine Landsleute brandschatzte; daß jener daherkam, den Nabal und dessen ganze Familie zu erwürgen, weil der ihm keinen Zins hatte zahlen wollen; daß jener zum König Achis, dem Feind seines Volkes, ging und ihm seine Dienste verkaufte; daß jener den gleichen König Achis, seinen Wohltäter, verriet und dessen befreundete Dörfer verwüstete; daß jener dort alles bis auf den Säugling an der Mutterbrust totschlug aus Furcht, es möchte sich sonst eines Tages jemand finden, solche Verwüstung bekanntzumachen (als hätte je ein Säugling an der Mutterbrust dies Verbrechen enthüllen können); daß jener alle Einwohner von ein paar anderen Dörfern zersägen, zerpflügen, zerhacken und im Ziegelofen zerschmoren ließ; daß jener dem Sohne Sauls, dem Isboseth, ruchlos den Thron stahl; daß jener den Enkel Sauls und Sohn seines Freundes und Beschützers Jonathan, den Miphiboseth, ausraubte und umbrachte; daß jener den Gibeonitern zwei andere Kinder Sauls und fünf von dessen Enkeln auslieferte, die am Galgen starben.

Ich schweige noch von des David erstaunlicher Ausschweifung, von seinen Huren, von seinem Ehebruch mit der Bathseba und vom ermordeten Uria.

Wie denn! hätten die Feinde Bayles gewollt, daß er all jene Grausamkeiten und all jenen Frevel pries? Hätte er sprechen sollen: »Fürsten der Erde, habt euer Beispiel am Manne nach dem Herzen Gottes; metzelt erbarmungslos die Freunde eures Wohltäters; erwürgt eures Königs ganze Familie oder laßt sie erwürgen; beschlaft alle Weiber, unter-dessen ihr das Blut der Männer vergießen laßt; nichtsdestoweniger werdet ihr für das Muster der Tugend gelten, sofern es von euch heißt, ihr habet ein paar Psalmen gemacht«?

Hatte Bayle nicht unbestreitbar recht zu sagen, daß es nur Davids Buße war, nicht aber seine Übeltaten, was ihn nach dem Herzen Gottes sein ließ? Tat Bayle der Menschengattung keinen Dienst, wenn er sagte, Gott habe wohl die ganze jüdische Geschichte diktiert, doch er habe nicht alle Verbrechen heilig genannt, die in jener Geschichte überliefert sind?

Indessen wurde Bayle verfolgt, und von wem? von Menschen, die man anderswo verfolgte, von Flüchtigen, die man in ihrer Heimat den Flammen hatte übergeben wollen, und diese Flüchtlinge wurden von anderen Flüchtigen namens Jansenisten bekämpft, die ihrerseits von den Jesuiten aus dem Lande gejagt worden waren, welche dann selber verjagt worden sind.- Voltaire, Philosophisches Wörterbuch, nach (vol)

Philosoph (3)  Eselsohren zu haben ist nur für Philosophen von guter Vorbedeutung, weil der Esel nicht gleich auf den ersten besten hört. Den übrigen Menschen zeigt es Sklaverei und ein kümmerliches Leben an.  - (art)

Philosoph (4)  „Hegekern (nur unter diesem Namen kannte man ihn damals) ist mir von jeher erschienen, wie man sich die alten Philosophen, etwa den Plato und Aristoteles, denkt; seine eiserne vierkantige Gestalt ragte hoch über den anderen hervor; seine Gliedmaßen muskulös und trocken; sein schlichtes schwarzes Haar hing auf seine Schultern herab . . . und gab dem tiefen Ernst seines gefurchten Antlitzes, auf dem ein dichter schwarzer Bart strotzte, von fern eine furchtbare Strenge. Aber ein mildes Auge, und bald ein freundliches Lächeln herrschten über diesen Zügen und besänftigten sie." Und Rist, der ihn damals eben erst kennen gelernt hatte, fügt in schüchterner Schätzung hinzu: „Sein Alter mochte 40 sein."; dabei war Hülsen eben erst 30 geworden (!) die gefurchten Züge seines Gesichtes waren eben „die Narben, die darein geschlagen die Gedanken". Und es ergänzt das Bild aufs biederste, wenn er weiter berichtet: „An demselben Manne rühmte man, daß er bei lustigen Gelagen einer der Lautesten und unerschöpflich an Schwänken und alten Liedern sei. Wer ihn näher betrachtete wurde wohl gewahr, daß Trübsal und manche bittere Erfahrung ihren Teil an den Furchei seines Antlitzes hatte, ohne die fromme Einfalt seines Wesens zu trüben." Tiefe Kenntnisse hat er in Philosophie, alten Sprachen, Mathematik, älterer Literatur: er bemüht sich, das zu sein, wie jeder gure Schriftsteller sein sollte : ein geistiger Zehnkämpfer. Auch ist er ein trefflicher Zeichner, und „kein Mädchen habe ich zierlicher und sinnreicher Blumen handhaben und Kränze und artige Kleinigkeiten zu Stande bringen sehen." - Nach: Arno Schmidt, Fouqué und einige seiner Zeitgenossen. Biographischer Versuch. Frankfurt am Main 1975 (zuerst 1958 / 1960)

Philosoph (5)  Trotzdem der Philosoph eigentlich zum idealen Landstreicher prädestiniert schien, ist auch er in diesem unheimlichen Schlamm untergegangen. In Triest gibt es eine sehr schmutzige Straße, wo zerlumpte Prostituierte, jüdische Trödler hausen. das Pflaster stinkt nach Rattengift, gemüseresten und nach Verbrechen. In dieser Straße befindet sich auch die Penne. Es ist merkwürdig, daß diese Penne einer Frau gehört. Sie hatte die schlechte Gewohnheit, mit jedem Fitzibos ein Verhältnis zu beginen. Der Philosoph wurde bei ihr eines Tages Hausdiener und nach kurzer Zeit gelang es ihm, ihr Ehegatte und damit der Pennebos zu werden. Er hat sich sehr schnell verändert. Er machte aus der Penne ein Verbrecherlokal, gab seinen Mietern Tips, wo sie einbrechen könnten, und 1913 kam er wegen Raubmords ins Gefängnis. - (szi)

Philosoph (6) Die Bewegung, welche die Welt erhält, vermochte sie auch zu schaffen; jeder Körper nahm den Platz ein, den ihm seine Natur anwies; die Luft mußte die Erde aus demselben Grunde umgeben, aus dem das Eisen und die anderen Metalle das Produkt ihres Innern sind; die Sonne ist ein natürliches Erzeugnis wie die Elektrizität; sie wurde für die Erwärmung der Erde und aller ihrer Bewohner, die sie zuweilen auch verbrennt, ebensowenig geschaffen wie der Regen für das Wachstum des Getreides, das er oft verdirbt; der Spiegel und das Wasser wurden ebensowenig dafür geschaffen, daß man sich in ihnen betrachte, wie alle blanken Körper, welche dieselbe Eigenschaft haben; das Auge ist in Wahrheit eine Art Spiegel, in dem die Seele das Abbild der Gegenstände so betrachten kann, wie es ihr von diesen Körpern dargeboten wird; aber es ist keineswegs bewiesen, daß dieses Organ wirklich nur für diese Betrachtung geschaffen und absichtlich in der Augenhöhle untergebracht worden ist; denn es könnte wohl möglich sein, daß Lukrez, der Arzt Lamy und die anderen Epikureer des Altertums und der Neuzeit recht hatten, als sie behaupteten, daß das Auge nur deshalb sehe, weil es den entsprechenden Bau und die entsprechende Lage hat; sobald nämlich die Gesetze der Bewegung, welche die Natur bei der Erzeugung und Entwicklung der Körper befolgt, überhaupt gegeben waren, konnte dieses wunderbare Organ nicht anders gebaut und auch nicht anderswo untergebracht sein.

Das ist das Für und Wider sowie die kurze Zusammenfassung der schwerwiegenden Gründe, welche die Philosophen immer in zwei Parteien teilen werden. Ich selbst nehme dazu keine Stellung. - Julien Offray de La Mettrie, Der Mensch eine Maschine. Stuttgart 2001, zuerst ca. 1750

Philosoph (7)  Seine innerste Haltung dem Leben gegenüber ist kontemplativ. der Berliner ist so sehr Philosoph, so wenig der abgebrühte, ausgekochte Großstädter, daß er eine geniale Kraft, sich zu wundern, sich bis heute bewahren konnte. Wenn André Gide einmal der pseudophilosophischen Maxime »nil admirari« die wahre »omne admirari« entgegenstellte, so hat er dem Berliner seine Devise geschrieben. Aber die beste Definition des Philosophen, des berlinischen nämlich, gab 1922 ein Kellner im Romanischen Café dem Gaste, der sich darüber wunderte, daß die Tasse Kaffee wieder einige Millionen teurer war als am Vortag, da doch der Dollar nicht gestiegen war. Dem gab dieser große Berliner Kellner zur Antwort: »Wissen se nich, was die Devise ist, heute: Philosoph sein; nur nich denken; Philosoph sein.«  - Nach: Walter Benjamin, Beroliniana. München und Berlin 2001

Philosoph (8)    Auf die Frage, warum er auf den Kindersegen verzichte, soll Thales  erwidert haben: „Aus Liebe zu den Kindern." Gegen das Drängen auf Verheiratung von seiten seiner Mutter soll er sich zur Wehr gesetzt haben mit den Worten: „Noch ist es nicht Zeit dazu," und als sie ihn bei vorgeschrittenem Alter heftiger bestürmte, soll er entgegnet haben: „Nun ist die Zeit dazu vorüber." Ferner berichtet der Rhodier Hieronymus in dem 2. Buch seiner vermischten Denkwürdigkeiten, er habe, um den Beweis zu liefern, daß es gar kein Kunststück sei, reich zu werden, in Voraussicht einer reichen Ölfruchternte alle Ölpressen gemietet und dadurch ein enormes Vermögen gewonnen. - (diol)

Philosoph (9)  Der Philosoph weiß in Wirklichkeit nicht mehr als seine Köchin, außer in Sachen des Kochens, auf die sie sich in Wirklichkeit (meist) besser versteht. Aber die Köchin stellt sich (meist) keine allgemeinen Fragen.

Also machen die Fragen den Philosophen. Was freilich die Antworten betrifft... leider steckt in jedem Philosophen ein böser Geist, der antwortet - der auf alles antwortet.  - (pval)

Philosoph (10)   Er sah immer aus wie nach einer dreißigstündigen Eisenbahnfahrt, schmutzig, ermüdet, zerknittert, ging schief und verlegen herum, sich gleichsam an eine unsichtbare Wand drückend, und der Mund unter dem dünnen Schnurrbärtchen quälte sich irgendwie schief herab. Seine Augen (erzählten mir später die Freunde) sollen schön gewesen sein: ich habe sie nie gesehen, denn er blickte immer an einem vorbei (auch als ich ihn sprach, fühlte ich sie keine Sekunde lang mir zugewandt).  - Stefan Zweig

Philosoph (11)  Der Herr: »Sokrates war ein weiser Mann und lebte in Athen. Schon seit undenklichen Zeiten ist die Rolle eines Weisen unter lauter Narren eine gefährliche Sache. Seine Mitbürger verurteilten ihn nämlich, den Schierlingsbecher zu trinken. Nun, Jakob, Sokrates tat genau das, was du vorhin getan hast. Er war genauso höflich zum Henker, der ihm den Giftbecher darbot. Jakob, du bist ein verkappter Philosoph, gib's nur zu. Ich weiß schon, das ist ein Menschenschlag, der den Mächtigen dieser Erde verhaßt ist, weil sie vor ihnen nicht das Knie beugen. Sie sind den Amtsbonzen verhaßt, denn diese schützen von Amts wegen die Vorurteile, die jene Männer bekämpfen. Den Pfaffen sind sie ein Dorn im Auge, weil sie nur höchst selten am Fuß ihrer Altäre zu sehen sind. Den Dichtern sind sie zuwider, weil Poeten ohne Grundsätze sind und törichterweise die Philosophen als die Axt ansehen, die den schönen Künsten an die Wurzel gelegt ist, ganz abgesehen davon, daß sogar jene, die sich in der verhaßten Satire betätigt haben, nichts als eitel Speichellecker gewesen sind. Den Völkern sind sie verhaßt, weil diese seit alters Sklaven der Tyrannen gewesen, sind, die sie unterdrückten,  Sklaven der Spitzbuben, die sie hinters Licht führen und betrügen, und der Hanswurste und Possenreißer, die sie mit ihren windigen Spaßen amüsieren. Wie du siehst, ist mir die ganze Gefährlichkeit deines Berufes bekannt und die ganze Tragweite des Geständnisses, das ich von dir will. Aber ich werde mit deinem Geheimnis keinen Mißbrauch treiben. Jakob, mein Freund, du bist ein Philosoph, und das tut mir leid für dich. Und wenn es erlaubt ist, in den gegenwärtigen Begebenheiten die Ereignisse zu lesen, die eines Tages eintreffen müssen, und wenn sich das, was dort oben in den Sternen geschrieben steht, ab und zu den Menschen lange vor dem Eintreten offenbart, so nehme ich an, dein Tod wird dereinst der würdige Tod eines Philo­sophen sein, und du wirst dir den Hanfstrick mit derselben Anmut urn den Hals legen lassen, wie Sokrates dazumal den Schierlingsbecher hinnahm.«

Jakob: »Lieber Herr, schöner könnte ein Prophet nicht reden, aber zum Glück . . .«

Der Herr: »Du glaubst nicht daran, und das gibt meiner Vorahnung vollends Kraft.«

Jakob: »Und Ihr, Herr, glaubt Ihr daran?«

Der Herr: »Ich glaube daran. Wenn ich aber nicht daran  glaubte, so hätte das weiter auch keine Folgen.«    - (jak)

Philosoph (12)   Ein spanischer Philosoph, José Gaos, der noch nicht lange tot ist, schrieb, wie alle Philosophen, einen unverständlichen Jargon. Als ihm das einmal jemand vorwarf, antwortete er: „Sei's drum. Die Philosophie ist für die Philosophen."

Dem möchte ich den Satz von André Breton entgegenstellen: „Ein Philosoph, den ich nicht verstehe, ist ein Schuft." Da bin ich völlig seiner Meinung - auch wenn ich manchmal etwas Mühe habe, Breton zu verstehen.   -  Luis Buñuel, Mein letzter Seufzer. Berlin, Wien, Frankfurt am Main 1985

Philosoph (13)  Der dann wenig später im Nürnberger Kreiskrankenhaus verstorbene Philosoph R. hätte gesagt, wenn er überhaupt das sagen würde, was er denkt, das aber verbirgt er, um den empfindlichen Wahrheitsgehalt des Gedankens nicht zu gefährden (falls ihm etwas so Pathetisches, Leidensgeladenes wie »Wahr heitsgehalt« gefiele und er nicht vielmehr umgekehrt vom Nichtlügen ausginge) in seiner Brust (die dünn und sonnenfern, seit 1928 nicht mehr in einem Seebad ans Licht gebracht, nur ihm bekannt ist): »Ich denke, weil ich davon absehen kann, daß ich bin. Ich bin nämlich keineswegs allein, sondern in mir sind die anderen, und die denken unaufhörlich, weil das ihre Notwehrform ist.«

Einer, der meint, daß er selber existiert, wird zum Spinner. Er wird für sich ein Sonderschicksal wollen. Das ist der Ansatz zum Irrtum. So hatte dieser Philosoph, gerade aus der Tendenz, ein Sonderschicksal zu ergattern - und gerade dies ist, wie er weiß, ganz unmöglich ~, durchaus versucht, das Schicksal zu bestechen. Aber er fiel auf den von ihm angestellten Versuch nicht herein.

Im Tessin hatte er ein Sicherungssystem für den Fall plötzlicher Krankheit oder eines Unglücksfalls organisiert. Ein Internist aus Zürich konnte mit einem Sportflugzeug binnen 40 Minuten zur Stelle sein. Ein Hausarzt war in 7 Minuten zu dieser Villenburg zu disponieren. In der Villa selbst war ein Klinikum errichtet. Um den Tod nicht durch diese allzu vorsätzlichen Vorkehrungen anzulocken, reiste Regius, als er sein physisches Ende kommen fühlte (aber was war diese Physis schon an Substanz, nicht viel), nach Nürnberg, wo er niemand kannte. Vielleicht war der Tod fair und überfiel ihn nicht dort, wo er hilflos war. Sich in Not bringen entzündet die Lebensgeister. R. betrat notgedrungen dann doch das Kreiskrankenhaus Nürnberg, telefonierte von dort, verabredete Termine mit Zeitschrift-Redakteuren für die kommende Woche, um ostentativ sein Nichtwissen vom Tod darzustellen, verließ aber diese Anstalt nur noch als Toter. - (klu)

Philosoph (14)  

Philosoph (15) »An den Philosophen gefällt mir«, sagtd Z., »daß sie so zahlreich sind, zweitens, daß! jeder dem andern widerspricht, und drittens, daß sie nicht davor zurückschrecken, über Dinge zu reden, von denen sie keine Ahnung haben. Man muß sich, um sie zu würdigen, auf der Zunge zergehen lassen, was der große Hegel über die Vermittlung gesagt hat: ›Sie ist nichts anderes als die sich bewegende Sichselbstgleichheit, oder sie ist die Reflexion in sich selbst, das Moment des fürsichseienden Ich, die reine Negativität oder, auf ihre reine Abstraktion herabgesetzt, das einfache Werden. Das Ich oder das Werden überhaupt, dieses Vermitteln ist um seiner Einfachheit willen eben die werdende Unmittelbarkeit und das Unmittelbare selbst‹

Kein Dadaist«, schloß Z. aus diesem Zitat, »hätte es schöner sagen können.« - Hans Magnus Enzensberger, Herrn Zetts Betrachtungen oder Brosamen, die er fallen ließ, aufgelesen von seinen Zuhörern. Berlin 2014
 

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