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Das Leben«, murmelte Kiki, »ist au fond so begrenzt,
so ohne Möglichkeit zu neuen Frivolitäten, so diabolique« - sie
hebt ihre Mandarinaugen, mit Kohlestift abgeschrägt -»daß man
im Besitz einer Maus sein muß, einer kleinen
weißen Maus, n'est-ce pas, um sie zwischen Cocktails und thé
umherlaufen zu lassen.«
Das meistbegehrte Modell vom Montparnasse hält das kleine,
warme, flinke Etwas, das sie auf ihren rotlackierten Fingern
trägt, in Richtung Boulevard Raspail, wo es ohne Vorurteile und
ohne etwas über die Annehmlichkeiten von >Gut und Böse< zu wissen,
mit aufmerksamen, funkelnden Augen alle Menschen anstarrt. Eine
Andeutung der gleichen Unbekümmertheit ist in den Augen von Kiki
zu finden, die mit anderen reizvollen Modellen kam und Frankreich
eroberte. - (barn)
Modell (2) Ich bin das »lebendige Modell«
neben meinem Klumpen, der langsam Form annimmt, beide im Banne
von hundert um sie herumwirbelnden Gebärden und Ausbrüchen der
Künstlerin: eben ist sie hartnäckig am Werke und ganz verschlossen,
befaßt sich mit der Einzelausführung; nun ist sie entfesselt
und voller Lebhaftigkeit, fliegt in einem Satze vom Tun zum Sehen
und vom Sehen zum Neubeginnen. Plötzlich hält sie ein, geht näher
hin, tritt ein Stück zurück, steht in regloser Anspannung da,
ohne Atem, harte Falten auf der Stirne. Ich will reden...
Man gebietet mir Schweigen. Man schaut
mich an, als sei ich ein Ding. Man lächelt,
aber was man anlächelt, das bin nicht ich. Es ist meine Nase,
an der man endlich einen gewissen kleinen »Zug« zu entdecken
kam, worin, wie es scheint, das Geheimnis der Individualität
dieses Vorsprungs seinen Sitz hat. Doch der nun ganz dunkle Blick
haftet fester, wird noch härter; er wird dem des Degenfechters
gleich, dessen bohrendes Auge die Lücke
in der Deckung des Gegners ausmacht. Der Gegner, das bin ich.
- Paul Valéry, Über Kunst. Frankfurt am Main 1959
(BS 53, zuerst ca. 1935)
Modell (3) Es gibt in "Ein Held unserer Zeit" die
Schilderung eines Duells, in der Lermontow die
Umstände seines eigenen gewaltsamen Todes vorausgenommen zu haben scheint. Im
Roman fällt der Gegenspieler des »Helden«, Gruschnitzky, zu dem ein Major Martynow
das Modell hergeben mußte. Im Leben vertauschen
sich die Rollen. Wenige Monate nach dem Erscheinen des Romans feuerte Martynow
die tödliche Kugel auf Lermontow ab.
- Iwan Turgenjew, im Nachwort zu: Michail Lermontow, Ein Held unserer Zeit.
Frankfurt am Main 1963 (EC 92, zuerst 1840)
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