mann  Der Ball, der Fiesel, der Fisch, der Gatz, der Geist, der Haunz, der Henkel, der Hutz, der Kaffer, der Pink, der Plag, der Rackel, der Runzel. - (pu)


Mann
(2)

Mann namens  Robert Crumb

 - Robert Crumb, Head Comix (1970)

Mann (3)

Das Bild des Manns...

Das Bild des Manns in nackter Jugendkraft,
So stolz in Ruhe und bewegt so edel,
Wohl ist's ein Anblick, der Bewundrung schafft
Drum Licht herbei! Und merke dir's, o Schädel!

Jedoch ein Weib, ein unverhülltes Weib -
Da wird dir's doch ganz anders, alter Junge.
Bewundrung zieht sich durch den ganzen Leib
Und greift mit Wonneschreck an Herz und Lunge

Und plötzlich jagt das losgelassne Blut
Durch alle Gassen, wie die Feuerreiter.
Der ganze Kerl ist eine helle Glut
Er sieht nichts mehr und tappt nur noch so weiter.

- Wilhelm Busch

Mann (4) Mit den Schädeln aber,  nicht von allen, aber von ihren größten Feinden, verfahren die Skythen so. Man sägt alles unter den Augenbrauen ab und reinigt den Rest. Und wenn einer arm ist, der bespannt ihn außen bloß mit Rindsleder und braucht ihn so, ist er aber reich, so überzieht er ihn auch mit Rindsleder, innen aber vergoldet er ihn und braucht ihn so als Trinkschale. Sie stellen das auch aus Verwandten her, wenn einer mit einem in Streit gerät und über ihn obsiegt beim Häuptling.

Kommen nun Gäste zu ihm, die bei ihm was gelten, holt er diese Schädel herbei und erzählt dazu, wie dies seine Verwandten gewesen und wie sie ihn befehdet und wie er es war, der sie überwand, und das nennen sie eines richtigen Mannes Art. - (hero)

Mann (5) Das Leben eines Mannes ist nur ein aufblitzender Moment; ein Mann sollte sein Leben mit dem verbringen, was er will. In diesem kurzen Leben wäre es falsch, sich als Mann zu etwas zwingen zu lassen, was man nicht mag, und so sein Dasein leidend zu verbringen. - (bush)

Mann (5)  Der Arzt Matsukumamae-no Kyoan soll gesagt haben: »In der Medizin werden Männer und Frauen auf unterschiedliche Arten als positiv und negativ eingeteilt; der Puls eines Mannes ist auch verschieden von dem einer Frau. In den vergangenen fünfzig Jahren jedoch verschwand dieser Unterschied zwischen den Pulsen. Von diesem phänomenalen Wandel wachgerüttelt, begann ich beispielsweise, Augenkrankheiten der Männer wie solche von Frauen zu behandeln. Weil ich keine erfolgreiche Prognose bei männlichen Patienten stellen konnte, die ich mit Medizin für Männer behandelte, wurde mir klar, daß sie ihren männlichen Geist verloren hatten und in diesen verkommenen Tagen verweiblicht waren. Diese Tatsache behielt ich wie ein Geheimnis für mich.«

Also haben die meisten Männer heutzutage nachweislich den weiblichen Puls; nur wenige Männer schauen wirklich männlich aus. Das macht es für wirkliche Männer leicht, mit nur geringer Anstrengung den anderen vorauszueilen.

Der Verlust männlichen Mutes wird auch an der Tatsache klar, daß Männer einen Kriminellen, dessen Hände auf dem Rücken zusammengebunden sind, nicht mehr köpfen können. Wenn es für einen Sekundanten desjenigen, der seppuku begeht, zum heiligen Dienst des kai-shaku * kommt, gilt es heute als weise und angemessen, diesen Dienst trickreich zu verweigern. Vor vierzig oder fünfzig Jahren wurde ein Schnitt in die Lymphgefäße der Leiste als Einstieg ins Männerdasein betrachtet. Ein Mann schämte sich, seine Rippen anderen zu zeigen, wenn sie keine Schnittnarbe hatten, und zwar so sehr, daß manche Männer sich diese Schnittwunden selbst zufügten. All diese Dinge wurden für tapfer und Männern angemessen gehalten, während Männer heutzutage dazu neigen, sie als Ausdruck von Dummheit zu verurteilen, Angelegenheiten nur mit sanfter Zunge zu verhandeln und jede harte Anforderung zu meiden. Junge Menschen sollten diesen unglücklichen Trend sorgsam bedenken.

*       kaishaku-nin heißt der Dienst des Sekundanten beim seppuku, das als harakiri bekannter ist. Um den Samurai von langen Todesqualen zu befreien, schlägt er ihm den Kopf ab. Meist wurde ein Freund oder Verwandter des Samurai um diesen Dienst gebeten. - (bush)

Mann (6)  Bei Erwachsenen und besonders denen des männlichen Geschlechts hört das Weinen bald auf, durch körperlichen Schmerz verursacht zu werden oder solchen auszudrücken. Dies kann dadurch erklärt werden, daß es für schwächlich und unmännlich gehalten wird, wenn Männer, sowohl zivilisierter als barbarischer Rassen, körperlichen Schmerz durch irgendwelche äußerliche Zeichen zu erkennen geben. Mit der einen Ausnahme, daß Wilde aus sehr unbedeutenden Ursachen reichlich weinen, für welche Tatsache Sir J. Lubbock Beispiele gesammelt hat. Ein Neuseeländer Häuptling »weinte wie ein Kind, weil die Matrosen seinen Lieblingsmantel mit Mehl gepudert hatten«. Ich sah in Feuerland einen Eingebornen, welcher vor kurzem einen Bruder verloren hatte, der abwechselnd mit hysterischer Heftigkeit weinte und dann wieder über irgend etwas, was ihn amüsierte, herzlich lachte.

Auch bei zivilisierten Nationen Europas besteht in der Häufigkeit des Weinens ein großer Unterschied. Engländer weinen selten, ausgenommen unter dem Drucke des heftigsten Kummers, während in einigen Teilen des Kontinents die Menschen viel leichter und reichlicher Tränen vergießen. - (dar)

Mann (7)  Es ist wie üblich: sie kommt hierher, benützt für ein winziges Gericht alle Töpfe der Küche; läßt die Butter anbrennen, dann auch das Gericht, so daß das ganze Haus zum Dachboden stinkt (wohin ich mich auch zurückziehen mag), und muß dann schnell wieder weg zu einer ihrer »Sitzungen«, so daß ich die angebrannten Töpfe, verrußten Pfannen etc. langwierig (eine Stunde lang) reinigen muß sowie das in der ganzen Küche verspritzte Fett aufwischen (endlich, beim Schreiben, gelingt es mir, diese wiederkehrenden Situationen komisch zu finden). - (han)

Mann (8)

Kastraten und Männer

Ich bin ein Mann! — wer ist es mehr
Wers sagen kann, der springe
Frei unter Gottes Sonn einher
Und hüpfe hoch und singe!

Zu Gottes schönem Ebenbild
Kann ich den Stempel zeigen,
Zum Born, woraus der Himmel quillt,
Darf ich hinunter steigei.

Und wohl mir, daß ichs darf und kann!
Gehts Mädchen mir vorüber,
Rufts laut in mir: Du bist ein Mann!
Und küsse sie so lieber.

Und röter wird das Mädchen dann,
Und 's Mieder wird ihr enge —
Das Mädchen weißt, ich bin ein Mann,
Drum wird ihr 's Mieder enge.

Wie wird sie erst um Gnade schrein,
Ertapp ich sie im Bade
Ich bin ein Mann, das fällt ihr ein,
Wie schrie sie sonst um Gnade

Ich bin ein Mann, mit diesem Wort,
Begegn‘ ich ihr alleine,
Jag ich des Kaisers Tochter fort,
So lumpicht ich erscheine.

Und dieses goldne Wörtchen macht
Mir manche Fürstin holde,
Mich ruft sie — habt indessen Wacht,
Ihr Buben dort im Golde!

Ich bin ein Mann, das könnt ihr schon
An meiner Leier riechen,
Sie donnert wie im Sturm davon,
Sonst würde sie ja kriechen.

Zum Feuergeist im Rückenmark
Sagt meine Mannheit: Bruder;
Und herrschen beide löwenstark
Umarmend an dem Ruder.

Aus eben diesem Schöpferfluß,
Woraus wir Menschen sprudeln,
Quillt Götterkraft und Genius,
Nur leere Pfeifen dudeln.

Tyrannen haßt mein Talisman
Und schmettert sie zu Boden,
Und kann ers nicht, führt er die Bahn
Freiwillig zu den Toten.

Pompejen hat mein Talisman
Bei Pharsalus bezwungen,
Roms Wollüstlinge Mann für Mann
Auf teutschen Sand gerungen.

Saht ihr den Römer stolz und kraus
In Afrika dort sitzen
Sein Aug speit Feuerflammen aus
Als säht ihr Hekla blitzen.

Da kommt ein Bube wohlgemut,
Gibt manches zu verstehen —
»Sprich, du hättst auf Karthagos Schutt
Den Marius gesehen!« —

So spricht der stolze Römersmann,
Der Bub tät fürbaß eilen;
Das dankt der stolze Römersmann,
Das dankt er seinen Pfeilen!

Drauf täten seine Enkel sich
Ihr Erbteil gar abdrehen,
Und buben jedermänniglich
Anmutig an zu krähen. —

O Pfui und Pfui und wieder Pfui
Den Elenden! — sie haben
Verlüderlicht in einem Hui
Des Himmels beste Gaben,

Dem lieben Herrgott sündiglich
Sein Konterfei verhunzet
Und in die Menschheit schweiniglich
Von diesem Nu gegrunzet,

Und schlendern elend durch die Welt,
Wie Kürbisse von Buben
Zu Menschenköpfen ausgehöhlt,
Die Schädel leere Stuben!

Wie Wein, von einem Chemikus
Durch die Retort‘ getrieben:
Zum Teufel ist der Spiritus,
Das Phlegma ist geblieben.

Und fliehen jedes Weibsgesicht,
Und zittern, es zu sehen, —
Und dörften sie — und können nicht!
Da möchten sie vergehen! —

Und wenn das blonde Seidenhaar,
Und wenn die Kugelwaden,
Wenn lüstern Mund und Augenpaar
Zum Lustgenusse laden,

Und zehenmal das Halstuch fällt,
Und aus den losen Schlingen,
Halbkugeln einer bessern Welt,
Die vollen Brüste springen, —

 Führt gar der höllsche Schadenfroh
Sie hin, wo Nymphen baden,
Daß ihre Herzen lichterloh
Von diebschen Flammen braten,

Wo ihrem Blick der Spiegelfluß
Elysium entziffert,
Arkana, die kein Genius
Dem Aug je bloß geliefert,

Und Ja! die tollen Wünsche schrein,
Und Nein! die Sinne brummen —
O Tantal! stell dein Murren ein!
Du bist noch gut durchkommen! —

Kein kühler Tropfen in den Brand!
Das heiß ich auch beteufeln!
Gefühl ist ihnen Kontreband,
Sonst müssen sie verzweifeln!

Drum fliehn sie jeden Ehrenmann,
Sein Glück wird sie betrüben —
Wer keinen Menschen machen kann,
Der kann auch keinen lieben.

Drum tret ich frei und stolz einher
Und brüste mich und singe:
Ich bin ein Mann! — Wer ist es mehr
Der hüpfe hoch und springe.

- Friedrich von Schiller

Mann (9)

Ballade von den Geheimnissen
jedweden Mannes

1

Jeder weiß, was ein Mann ist. Er hat einen Namen.
Er geht auf der Straße. Er sitzt in der Bar.
Sein Gesicht könnt ihr sehn, seine Stimm könnt ihr hören
Und ein Weib wusch sein Hemd und ein Weib kämmt sein Haar.
Aber schlagt ihn tot, es ist nicht schad
Wenn er niemals mehr mit Haut und Haar
Als der Täter seiner Schandtat war
Und der Täter seiner guten Tat.

2

Und der Fleck ohne Haut auf der Brust, oh, den kennen
Sie auch und die Bisse an seinem Hals:
Die weiß, die sie biß und sie wird es dir sagen
Und der Mann, der die Haut hat: für den Fleck hat er Salz!
Aber salzt ihn ein, es ist nicht schad
Wenn er weint, o werfl ihn auf den Mist!
Vor er euch schnell noch sagt, wer er ist.
Macht ihn stumm, wenn er um Schweigen bat!

3

Und doch hat er was auf dem Grund seines Herzens
Und das weiß kein Freund und nicht einmal sein Feind
Und sein Engel nicht und er selbst nicht und einstmals
Wenn ihr weint, wenn er stirbt: das ist‘s nicht, daß ihr weint.
Und vergeßt ihr ihn, es ist nicht schad
Denn ihr seid betrogen ganz und gar
Weil er niemals, den ihr kanntet, war
Und der Täter nicht nur seiner Tat.

4

Oh, der kindlich sein Brot mit den erdigen Händen
In die Zähne schiebt und es lachend zerkaut:
Die Tiere erbleichten vorm Haifischblicke
Dieser eigentümlichen Augapfelhaut!
Aber lacht mit ihm und seid ihm gut!
Laßt ihn leben, helft ihm etwas auf!
Ach, er ist nicht gut, verlaßt euch drauf
Doch ihr wißt nicht, was man euch noch tut.

5

Ihr, die ihr ihn werft in die schmutzgelben Meere
Ihr, die ihr in schwarze Erde ihn grabt:
In dem Sack schwimmt mehr, als ihr wißt, zu den Fischen
Und im Boden fault mehr, als ihr eingescharrt habt.
Aber grabt nur ein, es ist nicht schad!
Denn das Gras, das er nicht einmal sah
Als er es zertrat, war nicht für Stiere da.
Und der Täter lebt nicht für die Tat!

- Bertolt Brecht, Hauspostille. Frankfurt am Main 1963 (BS 3, zuerst 1927)

Mann (10)  Es sind nur Männer in den Gastzimmern. Aus zusammengepreßten Lippen hängen Pfeifenstengel: Aufsteigende Rauchsäulen verwischen die Konturen. Die Männer stinken. Wenn sie singen, dampft's aus den Mäulern. Sie haben immer Angst, von den Nachbarn bestohlen zu werden, deshalb geben sie nie die vollen Gläser aus den Händen. Beim Saufen biegen sie die Hälse nach hinten, die meisten sehen aus wie unsere Hühner, wenn sie mausern, haben die gleichen Borsten, den roten Schorf darüber (ich hab noch nie Schorf gehabt), der kleine Hügel schiebt sich unter der Haut auf und ab und gluckst dabei. Daß sie ihn nur nicht mit runterschlucken! Ein paar von den Männern müssen das gemacht haben, weil sie über den Hemdkragen, die ihnen deshalb zu eng sind, die sie nie mehr zuknöpfen können, Fleischklumpen sitzen haben. Wurio meint, das sind Kröpfe, die kommen vom jodhaltigen Wasser, ich meine, sie kommen vom Schlucken. - Jo Imog, Die Wurliblume. Reinbek bei Hamburg 1972 (rororo 1471, zuerst 1967)

Mann (11) Wehrkraft im Geist
    Wer
Der Mann
Pflicht gibt ihm Zwang und nimmt ihm Kraft
Zwang gibt ihm Waffen und nimmt ihm Wehr
Nimmt er das Gewehr über
Übernimmt
Und
Untergibt es ihn
Untergebener
Überlieferter
Der Mann ist geliefert
Vorgesetzter
    Zurückgesetzter
So wird der Mann versetzt
Verstellt
    Verrückt
Stehen Sie still, Sie!
Rührt Euch
Kopf hoch
Finger lang
    Langfinger
Brust raus
Linkes Ohr tiefer
Kinn an de Binde
Augen rechts
Beine raus
Kopf ab
    Es ist rührend
Keiner rührt sich
Dieser Stillstand
Wird der Mann gerührt
Brei ist rührig
Der Mann wird gedient
Gedienter Mann wird Bediener
Bedienter Narr ist Herr
Es ist verkehrt
Ganze Abteilung kehrt
Ganz verdreht
Maulhalten
Unterordnen
Ordnung muß sein
Es geht außerordentlich schneller
Geöffnete Ordnung
Geschlossene Unordnung
Unordentliche ordentlich hochnehmen
Ist alles in Ordnung
In Keinem ist sie
Im Kerne nie
Im Keime kaum
Von Untergebenen wird sie verlangt
Gelungen
Hinlegen!
Setzen!
Auf!
Knieen!
Über den Zaun!
Auf die Bäume!
Unter die Räder!
Über
Und
Unter Wasser marschmarsch
Um auf die Bäume zu klettern
Um an den Wänden hochzugehn
ES ist ER
Der wahre Staat 

- Otto Nebel, Zuginsfeld. München 1979 (zuerst 1919)

Mann (12) Er beißt die Frau in die Brust, und dadurch schießen ihre Hände nach vorn. Das weckt ihn nur noch mehr auf, er schlägt sie auf den Hinterkopf und hält ihre Hände, seine alten Feindinnen, fester. Auch seine Knechte liebt er nicht. Er stopft sein Geschlecht in die Frau. Die Musik schreit, die Körper schreiten voran. Die Frau Direktor gerät etwas aus ihrer Fassung, deswegen hat die Birne ja auch solche Schwierigkeiten beim Glühen. Ein schlafender Hund ist der Mann, den man nicht hätte wecken sollen und aus dem Rund der Geschäftsfreunde nach Hause holen. Die Waffe trägt er unterm Gürtel. Jetzt ist er wie ein Schuß herausgeknallt. Der Einsatz im Sport ist verloren. Die Frau wird geküßt. Spuckend wird ihr Liebes ins Ohr geträufelt, diese Blume hat nicht lang geblüht, mögen Sie ihr nicht danken? Vorhin hat er sich noch in ihr herumgewälzt, bald werden seine Finger auf der Geige einen guten Ton erzeugen. Was wendet die Frau den Kopf? In der Natur haben wir doch alle Platz! Selbst das kleinste Glied noch, obwohl es nicht sehr gefragt ist. - Elfriede Jelinek, Lust. Reinbek bei Hamburg 1992 (rororo 13042, zuerst 1989)

Mann (13) Das abnorme Übermaß männlicher Substanz im Manne, weiblicher im Weibe ist also typisch für die Evolution, woraus klar erhellt, daß nunmehr gemäß dem Wesen der Geschlechter das aktive Prinzip, der Mann, Herr ist. Was aber geschieht da? Nach innen, nach außen? Die Ätherzelle ist ein dem Leben immanenter Bestandteil; erlischt sie, so tritt sofort an ihre Stelle der ätherlose, schwarze Hohlraum, welcher saugt - Das Agens der Evolution, der Mann als Magus, der Spermatikos Logos der Stoa - im Christentum trägt der einen andern Namen - ist die Verkörperung dieses hohlen saugenden Raumes. Sofort tritt die Verlarvung ein, auf welche das Umgekehrte dessen gemalt ist, was geschieht:

Der Mann als das schaffende, Welten schaffende Prinzip, Gott als Weltenschöpfer - Und doch birgt er nichts andres als das Geheimnis der schwarzen Zelle, das »Wissen« aus der Vertilgung des Apfels; und mit der Kraft seines Willens, welche die Saugkraft des hohlen Raumes ist, zieht er aus Menschenherzen den leuchtenden Elektronenherd, projiziert die verzuckende Aura ringsum gegen das Lebendige und zwingt es durch die Rhythmik dieser Verzuckungen in die gräßlichste aller Agonien - Diese Tatsache des Innern kann nicht sein, ohne daß im Manne die aktive Potenz, der kein Widerpart mehr geleistet wird, sich lustmörderisch an den latenten passiven Potenzen reibt.   - Alfred Schuler, Vom offenen und geschlossenen Leben. In: Gustav Theodor Fechner, Das unendliche Leben. München 1984 (Matthes & Seitz debatte 2, zuerst ca. 1940)

Mann (14)  Cato war ohne Zweifel eine kantige Persönlichkeit und liebte es, seine Meinung sarkastisch und mit maßloser Offenheit zu sagen, doch war er unerschütterlich gegenüber den Leidenschaften, von kompromißloser Unbestechlichkeit und verachtete gute Beziehungen und Reichtum. In seiner Bedürfnislosigkeit und in seiner Fähigkeit, Anstrengung und Gefährdung zu ertragen war er geradezu ein Mann von Eisen. - (gsv)

Mann (15)  Ein großer Teil der Intelligenz und des Zaubers dieser Menschen rührt wahrscheinlich daher, daß die verschiedenen Arbeiten nicht zu trennen sind. Das bedingt eine entsprechend umfassende Entwicklung jedes einzelnen, und die mannigfachen Kenntnisse und Fertigkeiten erfordern eine beachtliche geistige Regsamkeit. Jeder Mann spricht zwei Sprachen. Er ist ein erfahrener Fischer und kann eine Curagh mit außerordentlichem Mut und großer Geschicklichkeit handhaben. Er kann auf einfache Weise sein Land bebauen, er brennt Kelp, schneidet Pampooties, flickt Netze, kann ein Haus bauen und decken, kann eine Wiege oder einen Sarg machen. Mit den Jahreszeiten wechseln seine Tätigkeiten, und so bleibt er von der Stumpfheit verschont, die bei Menschen mit immer gleicher Beschäftigung auftritt. - John Millington Synge, nach: Vom Geheimnis der alltäglichen Dinge. Hg. Johannes Werner. Frankfurt am Main 1998

Mann (16)   Affe Almöhi Alter Bock Aufpudler Ausgelutschte Nuss Ausputzer Bartarsch Bierzipfel Blaubart Blochjodler Blödhammel Blödhans Blödmann Blödsack Bubi  Chauvinist Dem-doof-sein-Sohn Deppata Dickklops Dickmann Dummdödel Dumpfbaddl Dumpfgummi Fettsack Frauenversteher Gamsbartidiot Geiler Specht Gemeindebock Gemeindestier Giftzwerg Greindl Hammel Hampelmann Heckenseppel Heini Heudodel Hirnederl Hirsch Hosenscheißer Kastrat Kerlchen Krauderer Lümmel Lustmolch Macho Minirambo Muttersöhnchen Nullnummer Ochse Ochsenschädl Ötschgesicht Pantoffelheld Proletensau Raffzahn Rotzbengel Rumpelfüßler Saubua Saukerl Scheißkerl Schlaffi Schlaffsack Schlampenschlepper Schlapfenwappler Schlappi Schlappschlumpf Schlappschwanz Schlawutza Schnapsdrossel Schneebrunzer Schürzenjäger Schweinehund Schwindlicha Seicherl Semmelschupfer Spechtler Spiegeleierbauch Spitzdalger Steckdosenbocker Stenz Stinkstiefel Tier Tschriarsche Vorstadtcasanova Warmduscher Weiberer Ziegenpeter Zwilling ("So blöd kann einer allein gar nicht sein") - rindvieh.com et. al.

Mann (17)   Wenn ihr in einem Café in Caloria (laßt mich die sizilianische Stadt, deren Namen ihr leicht erratet, einmal so nennen), wenn ihr in einem Café in Caloria seht, wie eine Gruppe auf einmal rücksichtslos den Tisch zur Seite schiebt, um enger um den Erzähler herum zu sitzen, und wie einer, der eben noch ein Schläfchen hielt, die Augen aufreißt und hinter den noch nicht getrockneten Tränen des Schlafs hervorblitzt, und wie der alte Herr sich mit der Hand heftig über den verzerrten Mund fährt, und wie der Gymnasiast seine Zunge wie ein Praline zwischen den Zähnen hält, und alle nach vorn gebeugt dasitzen mit gut durchbluteten Gesichtern - dann dürft ihr sicher sein, daß über die Frau geredet wird. -   Leonardo Sciascia, Mein Sizilien. Berlin 1995 (Wagenbach, 53. Salto)

Mann (18)

"Männer unter sich"

 - Zyg, aus (erot)

Mann (19)     Die darstellung des geschlechtlichen sinnes von Rimbaud ist sicherlich falsch, homosexuell im heutigen sinne, der überhaupt ganz dumm ist und dem zeitgeist zuliebe borniert, war er nicht, im jüngling ist alles unentschieden. Ein mann hat auch brüste, die frau männliches in der vulva - das ist auch unwichtig, das geschlechtliche steht auf der stufe der verdauung, seelische kämpfe darum existieren nur in der vorstellung von normalen spießern. Jeder echte mensch ist abnorm. Kann sich nicht definieren, folgt instinktiv. Beim manne geht es nur um die IDEE. .. - Hans Jürgen von der Wense, Von Aas bis Zylinder, Bd. I. Frankfurt am Main 2005

Mann (20)  TAMBOURMAJOR. Ich bin ein Mann! schlägt sich auf die Brust: ein Mann, sag ich. Wer will was? Wer kein besoffner Herrgott ist, der laß sich von mir. Ich will ihm die Nas ins Arschloch prügeln!  Ich will - zu Woyzeck: Du Kerl, sauf! Ich wollt, die Welt wär Schnaps, Schnaps - der Mann muß saufen! Woyyeck pfeift. Kerl, soll ich dir die Zung aus dem Hals ziehn und sie um den Leib herumwickeln? Sie ringen, Woyzeck verliert. Soll ich dir noch so viel Atem lassen als 'en Altweiberfurz, soll ich? Woyzeck setzt sich erschöpft zitternd auf eine Bank. Der Kerl soll dunkelblau pfeifen.

Branndewein, das ist mein Leben,
Branndwein gibt Courage!

- Georg Büchner, Woyzeck

Mann (21)  der mann nahm die dame an die niere. die dame nahm erde, emma nahm die rinde, da er immer den riemen nahm, ida nahm den rand der niere. nie nahm emma die maden. dann nahm ida die amme. die amme nahm die rinde, daran die maden rannen, der mann nahm immer emma. nie nahm er ida. er nahm die dame in die erde, er nahm den namen der dame an die niere. da rann der rahm nieder, emma nahm den mann im rahm, immer nahm emma den mann, da der mann nie emma nahm, der mime nahm rahm in die miene, da rann der rahm nieder, am rand der erde nahm ida den mimen, an der niere nahm ida den mimen, im inneren der erde rann der rahm an den rand der erde, dann nahm der narr dem mimen die rinde der niere. an dem niederen rand der miene des mimen rann immer rahm, der mann nahm nie den riemen, da an ihm immer rahm niederrann.  - Konrad Bayer, Das Gesamtwerk. Hg. Gerhard Rühm. Reinbek bei Hamburg 1977

Mann (22)  «der mann schwitzt», sagte silberstein, «seine lange speiseröhre mündet in den magen, von dem ein nicht allzu langer darm zum after führt, knapp vor dem after sondert er ein mehrfarbiges sekret ab, welches die eigenschaft hat, andere männer zur raserei zu bringen, viele männer sind schädlich, sie verursachen den fleischfrass und spritzen ihren samen in unreife mädchen und frauen. die weiblichen männer, eben frauen genannt, haben verkümmerte brüste, männer sind sehr schön, die finger des mannes sind schön gewachsen und in den gelenken geknotet, er besitzt lappen an den ohren und ist zweigeschlechtig. zwischen den flügeln seiner nase trägt er verschiedene löcher, durch die er laut pfeift, seine männlichen keimdrüsen nennt er hoden, wogegen er die weiblichen als eierstock bezeichnet, unser mann ist ein guter tänzer. da er mit vielen dingen vertraut scheint, bringt man ihm grosses vertrauen entgegen, er heilt krankheiten, lindert schmerzen und schützt vor dem blitzschlag. mann ist dumm, mann kann schwimmen, segeln, reiten, go-kart und den faustkampf. die meisten männer wohnen in städten, gewisse männer bevorzugen pissoirs, bars oder abgedunkelte räume, da dort dunkelheit herrscht, haben sie vielfach ihre augen rückgebildet, dafür aber ihren tastsinn entwickelt, sowie seltsame anhängsel in den beinscheren, deren zweck nicht bekannt ist. andere wieder sind mit gestielten augen versehen, was mit der ernährung zusammenhängen mag. viele zeigen unter diesen bedingungen nur ein kümmerliches wachstum und erreichen in einzelnen fällen eine grösse von nur wenigen zentimetern, man unterscheidet kleine, grosse und dicke männer. die hühneraugen des mannes sind durch andauernden druck entstandene, abnorm verdickte stellen seiner haut, durch vorherrschend schwarzes pigment in dieser wurde er zum neger. das schützt ihn gegen ultraviolette strahlen.» «du lügst», antwortete goldenberg. silberstein war betrunken.  - Konrad Bayer, der sechste sinn. Roman. Reinbek bei Hamburg 1969

Mann (23)   Ein Mann macht sich auf zum Wissen, wie er sich zum Krieg aufmacht, hellwach, voller Furcht und Achtung und absoluter Zuversicht. Wer sich auf andere Weise zum Wissen oder zum Krieg aufmacht, begeht einen Fehler, und wer immer ihn macht, wird seine Schritte ewig bereuen.  - Carlos Castaneda, Die Lehren des Don Juan. Ein Yaqui-Weg des Wissens. Frankfurt am Main 1980

Mann (24)   

Mann (25)

Geschlecht

Oberbegriffe

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Unterbegriffe

?

VB

Synonyme