acht
Der Löwe muß sich nicht verwandeln,
um seine Beute zu erlangen; er erlangt sie als er selbst. Er gibt sich,
bevor er auszieht, durch Brüllen zu erkennen; er, der einzige, kann seine
Absicht preisgeben, indem er sie laut und jedem Geschöpf hörbar ankündigt.
Es ist darin ein unwandelbarer Eigensinn enthalten, der nie zu etwas anderem
wird und dadurch nur noch größeren Schrecken verbreitet. Macht in ihrem
Kern und auf ihrem Gipfel verachtet Verwandlung.
Sie tut sich selbst Genüge; sie will nur sich. In dieser Form ist sie dem
Menschen bemerkenswert erschienen; absolut und
unverantwortlich, ist sie nichts und niemand anderem zuliebe da. Ihren
höchsten Glanz hatte sie für ihn, wann immer sie in dieser Form auftrat...
- (cane)
Macht (2) »Ich will Ihnen etwas sagen, guter Mann«, versetzte ich, »seien Sie lieber vorsichtig; mein Vater liegt an meiner Brust verborgen, und wenn Sie mir auch nur ein Haar krümmen, rufe ich ihn hervor, damit er mir hilft mit seiner gespaltenen Zunge.«
»Was soll das heißen, du Balg? Meiner Lebzeit hab‘ ich noch kein solches Gefasel gehört. Dein Vater! Sag dem Kerl, wenn er sich hier blicken läßt, werde ich‘s ihm besorgen, so wie jetzt dir. Da hast du — Kind Gottes, was ist denn das? O Jesulein, was ist denn mit dem Jungen?«
Ich hatte eine Bewegung gemacht, welche die Viper verstand, und nun kam sie halbwegs aus ihrem Versteck an meiner Brust hervor, reckte den Kopf auf die Höhe meines Gesichts und funkelte meinen Gegner mit bösen Augen an.
Wie vom Blitz getroffen stand der Mann da, und
die Kelle, mit der er mich bedroht hatte, hing mitsamt der Hand in der
Luft; eine gelbliche Blässe überzog sein Gesicht, außer an der Stelle,
wo er die bereits beschriebene Narbe trug, die sich jetzt flammendrot abhob.
Geraume Weile stand er so da, bis ihm schließlich die Kelle aus der Hand
fiel. - George Borrow, Lavengro der Zigeuner-Gentleman (Zürich
1987, zuerst 1851)
Macht (3)

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