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Kuh beim Fressen

Sie wiegt die breite Brust an holziger Krippe
Und frißt. Seht, sie zermalmt ein Hälmchen jetzt!
Es schaut noch eine Zeitlang spitz aus ihrer Lippe
Sie malmt es sorgsam, daß sie's nicht zerfetzt.

Ihr Leib ist dick, ihr trauriges Aug bejahrt
Gewöhnt des Bösen, zaudert sie beim Kauen
Seit Jahren mit emporgezogenen Brauen
Die wundert's nicht mehr, wenn ihr dazwischenfahrt.

Und während sie sich noch mit Heu versieht
Entnimmt ihr einer Milch, sie duldet's stumm
Daß seine Hand an ihrem Euter reißt.

Sie kennt die Hand, sie schaut nicht einmal um
Sie will nicht wissen, was mit ihr geschieht
Und nützt die Abendstimmung aus und scheißt.

 

  - Bertolt Brecht, nach: Das ABC der Tiere. Gedichte. Hg. Evelyne Polt-Heinz und Christine Schmidjell. Stuttgart 2003 (Reclam 18275)

Kuh (2)

Die Kuh, todwund, hat sich gestreckt;
an ihren Hörnern klommen Bäche hoch und Bäume.
Zum Himmel blutete ihr Maul.

Ihr Maul wie Bienen
unterm trägen Bart des Geifers.
Ein weißes Heulen trieb den Morgen in die Höhe.

Die toten und lebendigen Kühe,
Licht, das rot wird, oder Stalles Honig,
brüllten mit halboffnen Augen.

Die Wurzeln solln es wissen
und der sein Messer schleift, der Knabe,
daß sie die Kuh schon essen können.

Da oben werden Lichter
und Halsschlagadern blasser.
Vier Hufe zittern in der Luft.

Der Mond auch soll es wissen
und diese Nacht der gelben Felsen,
daß die Kuh aus Staub schon ging.

Daß sie muhend schon gegangen
durch der starren Himmel Trümmer,
wo die Betrunknen Tod zur Vesper essen.

- Federico Garcia Lorca, Dichter in New York. Frankfurt am Main 1963 (Übs. Enrique Beck, zuerst 1930)

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