ommissar
»Ich habe das Gefühl, es geht vorwärts«,
bemerkte Madame Maigret, während sie die Vorspeise auftrug.
»Ich glaube, ich habe gute Arbeit geleistet. Ich weiß zwar noch nicht, was dabei herauskommt, aber daß etwas dabei herauskommt, dessen bin ich sicher. Es ist nur schade, daß da einer ist, der nicht mehr reden kann.«
»Wer?«
»Marcel Vivien. Übrigens weiß ich nun etwas, das ich keineswegs zu verheimlichen brauche: Nina Lassave wurde im August 1946 in ihrer Wohnung ermordet.«
»Durch Revolverschüsse?«
»Nein, sie wurde erwürgt.«
»Da hättest du noch lange nach ihr suchen können!«
»Allerdings! Ich habe Mahossier verhört, der immer widerspenstiger wird.«
Das Essen mundete ihm vortrefflich. Es gab Lammkeule mit zartem, rosarotem Fleisch, an dessen Knochen ein einziger Blutstropfen perlte.
»Himmlisch!« seufzte er und nahm sich noch eine Scheibe.
»Meinst du, daß du deine Ermittlungen bald abschließen kannst?«
»Das läßt sich jetzt noch nicht sagen, aber einen Gutteil des Weges habe ich doch hinter mich gebracht. Das sonderbarste ist freilich, daß alles, was ich heute morgen im Archiv des Parisien Libéré entdeckt habe, auch in den Akten der Kriminalpolizei, und noch dazu mit genaueren Einzelheiten zu finden gewesen wäre. Ich bin nur deshalb nicht darauf gekommen, weil wir uns zu jenem Zeitpunkt in Luçon aufhielten...«
»Noch nie in meinem Leben habe ich mich so gelangweilt.«
»Und ich erst!«
»Möchtest du einen Pfirsich? Sie sind wunderbar reif und saftig.«
»Ja, gern.«
Er war mit sich selbst und der Welt im Einklang.
- Georges Simenon, Maigret
und der einsame Mann. Zürich 1990 (detebe 21804, zuerst 1971)
- Jean-Patrick Manchette, Nada. München 2006 (zuerst 1972)
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