"Mein Leben?! : ist kein Kontinuum! [...] ein Tablett voll glitzernder snapshots." (Aus dem Leben eines Fauns)

Dürrenmatt dreht diese Schraube (spielerisch) weiter: " ... daß es kein Ich gebe, besser, nur eine zahllose Kette von aus der Zukunft auftauchenden, in der Gegenwart aufblitzenden und in der Vergangenheit versinkenden Ichs, so daß denn das, was man sein Ich nenne, nur ein Sammelname für sämtliche in der Vergangenheit angesammelten Ichs sei, ständig anwachsend und zugedeckt von den aus der Zukunft durch die Vergangenheit herabfallenden Ichs, eine Ansammlung von Erlebnis- und Erinnerungsfetzen .... , .... ein Vorgang, der zu einer Fiktion eines Ichs führe, indem jeder sein Ich zusammenfingieren, sich in eine Rolle dichten würde ... , ... wenige seien Schauspieler großen Formats ihres Ichs gewesen ... " (Der Auftrag, 1986, Kap. 6). Schmidt will, nach einer Wendung aus "Abend mit Goldrand" (?), sein Ich noch einmal aus Epiphanien "zusammenstricken", nicht weniger als Jünger das mit seinen Tagebüchern tut.

Gegen die kränkende Erkenntnis, daß es dieses kostbare Ich eigentlich gar nicht gibt, schreiben beide, Schmidt wie Jünger, an, und das tut wohl auch ihren Gemeinden gut.