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Correspondances (2)
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Entsprechungen |
La Nature est un temple où de vivants piliers Laissent parfais sortir de confuses paroles; L‘homme y passe à travers des forêts de symboles Qui l‘observent avec des regards familiers. |
Die Natur ist ein Tempel, wo aus lebendigen Pfeilern zuweilen wirre Worte dringen; der Mensch geht dort durch Wälder von Symbolen, die ihn betrachten mit vertrauten Blicken. |
Comme de longs échos qui de loin se confondent Dans une ténébreuse et pro fonde unité, Vaste comme la nuit et comme la clarté Les parfums, les couleurs et les sons se répondent. |
Wie langer Hall und Widerhall, die fern vernommen m eine finstere und tiefe Einheit schmelzen, weit wie die Nacht und wie die Helle, antworten die Düfte, Farben und Töne einander. |
Il est des parfums frais comme des chairs d‘enfants,
Doux comme les hautbois, verts comme les prairies, — Et d‘autres, corrompus, riches et triomphants. |
Düfte gibt es, frisch wie das Fleisch von Kindern, süß wie Hoboen, grün wie Wiesen, — und andere, zersetzt, üppig und triumphierend, |
Ayant l‘expansion des choses infinies, Comme l‘ambre, le musc, le benjoin et l‘encens, Qui chantent les transports de l‘esprit et des sens. |
Ausdehnend sich Unendlichkeiten gleich,
so Ambra, Moschus, Benzoe und Weihrauch, die die Verzückungen
des Geistes und der Sinne singen. |
- Charles Baudelaire,
Die Blumen des Bösen (zuerst 1857). Übs. Friedhelm
Kemp Frankfurt am Main 1966 (Fischer Tb. 737)
Korrespondenzen (3) Das große Problem der Beziehungen zwischen der empirischen Welt und der mathematischen Welt, nämlich der enge Zusammenhang zwischen experimentellen Phänomenen und mathematischen Strukturen, scheint auf höchst unerwartete Weise durch die neueren Entdeckungen der modernen Physik voll bestätigt zu werden. Wir kennen jedoch überhaupt nicht die Gründe, die dieser Tatsache zugrunde liegen (falls man diesen Worten überhaupt einen Sinn zuschreiben kann) ...
Andererseits jedoch hat die Quantenphysik
gezeigt, daß die makroskopische Erfahrung der Wirklichkeit («aus unmittelbaren
Raumanschauungen») mikroskopische Phänomene einer völlig anderen Art verbarg,
die mit dem Bereich der Mathematik verknüpft sind, die sicherlich nicht wegen
ihrer Anwendungen auf die experimentellen Wissenschaften in Betracht gezogen
worden waren. Die axiomatische Methode andererseits hat gezeigt, daß die «Wahrheiten»,
aus denen man hoffte, Mathematik zu entwickeln, nur Spezialfälle allgemeiner
Begriffe darstellten, deren Signifikanz nicht auf diese Bereiche begrenzt ist.
Deshalb stellte es sich heraus... daß dieser enge Zusammenhang, deren harmonische
innere Notwendigkeit, von der man einmal erwartete, daß wir sie bewundern, lediglich
ein glücklicher zufälliger Kontakt zwischen zwei Bereichen
war, deren wirkliche Zusammenhänge viel tiefer liegen, als man apriori angenommen
hätte. - "Bourbaki", nach (
bar
)
Korrespondenzen (4) Wie kann es sein, daß die
Mathematik, die schließlich ein von der
Existenz unabhängiges Produkt des menschlichen Denkens ist, so bewundernswert
an die wirklichen Dinge angepaßt ist? - Albert Einstein,
nach (
bar
)
Korrespondenzen (5) Nicht
ohne Zögern will ich nun, wenn auch nur partiell und rudimentär, versuchen,
die Lehre von den Korrespondenzen zu skizzieren. Im Mittelalter glaubte man,
der HErr habe zwei Bücher geschrieben: das von uns Bibel
genannte und das von uns Universum genannte. Sie auszulegen sei unsere Pflicht.
Swedenborg, argwöhne ich, begann mit der Exegese des erstgenannten. Er
nahm an, daß jedes Wort der Schrift einen geistlichen Sinn habe, und gelangte
zur Ausarbeitung eines weitläufigen Systems okkulter Bedeutungen. Die Steine
zum Beispiel stellen die natürlichen Wahrheiten dar; die Edelsteine die spirituellen
Wahrheiten; die Sterne die göttliche Erkenntnis; das Pferd
das richtige Verstehen der Schrift, aber auch ihre Verkehrung durch Sophismen;
der Abscheu vor der Leere die Dreifaltigkeit; der Abgrund Gott oder die Hölle,
etc. (Wer dieses Studium vertiefen will, kann das Dictionary of Correspondences
untersuchen, veröffentlicht 1962, das mehr als fünftausend Wörter der heiligen
Texte analysiert.) Von der symbolischen Lektüre der Bibel dürfte Swedenborg
zur symbolischen Lektüre des Universums
und unser aller übergegangen sein. Die Sonne im Himmel ist ein Reflex der spirituellen
Sonne, die ihrerseits ein Bild Gottes ist; kein einziges Wesen auf Erden könnte
überdauern ohne das beständige Einfließen der Göttlichkeit. Die geringsten Dinge,
sollte De Quincey schreiben, ein Leser von Swedenborgs Werk, sind
geheime Spiegel der höchsten. Die Weltgeschichte,
sollte Carlyle schreiben, ist ein Text, den wir unausgesetzt lesen und
schreiben müssen und in dem auch wir geschrieben sind. Dieser beunruhigende
Verdacht, daß wir Ziffern und Symbole einer göttlichen Kryptographie seien,
deren wirkliche Bedeutung wir nicht kennen, findet sich überall. - (
bo2
)
Korrespondenzen (6)
Wir haben mehrfach von Swedenborgs
Korrespondenzen gesprochen, von der Einheit im Universum, von den in den verschiedenen
Reichen der Natur sich wiederholenden Formen. Nun ist der menschliche Sinn in
seiner Trägheit so begrenzt, daß er am liebsten von der einen Vorstellung zur
nächsten kriecht. Liegen die Vorstellungen auseinander, so schreckt der Gedanke
zurück, den Sprung zu machen, und bleibt verzagt stehen. Als man den strengen
Unterschied zwischen Licht und Elektrizität, Magnetismus und Elektrizität, chemischer
Verwandtschaft und Schwerkraft aufzuheben suchte, schreckte vor einem halben
Jahrhundert mancher geschulte Mann der Wissenschaft zurück. Jetzt hat sich der
Gedanke daran gewöhnt; die Einheit der Kräfte wie der Materie ist allgemein
anerkannt, und ist in die Lehrbücher eingegangen. Aber die Konsequenzen aus
diesen Entdeckungen hat man nicht zu ziehen gewagt, sondern schreckt noch immer
zurück, wenn jemand einen Zusammenhang zwischen entfernten Begriffen sehen will.
Dabei vergißt man, zuerst festzustellen, was nahe und was fern ist. "Überall
Ähnlichkeiten zu sehen" nennt man abwehrend Mystik; findet sich aber Einheit
in allem, so werden sich auch Analogien überall finden. Pflanzen und Tiere sind
einmal streng geschieden worden. Aber die Pflanzen haben die gleichen Gewebe
und Gefäße wie die Tiere; die Pflanze hat glatte Muskeln und gestreifte, mikroskopische
Arterien und Venen, Luftröhren, Nerven mit Scheide und Verengung, sowie Annexzellen
(Siebröhren); die Blüte hat Gebärmutter und Eierstöcke, und Sperma; der Same
ist ein Ei oder das Ei ein Same; Lungensack und Zwerchfell haben Spaltöffnungen
wie die Blätter der Pflanze, und so weiter. Nachdem wir nun Pflanze und Tier
einander genähert, haben wir das Recht, die Analogien auszudehnen, und ich will
darum zwei so verschiedene Gegenstände wie Gehirn und Walnuß vergleichen. -
(
blau
)
Korrespondenzen (7)
Geoffroy Tory:
Blumenfeld, in welchem die Kunst und
Wissenschaft
des rechten und wahren Verhältnisses
der Buchstaben zu
dem Leib und Antlitz des Menschen enthalten sind.
Paris, 1520.
- Phantastische Alphabete. Wiesbaden 1997
Korrespondenzen (8)
Wir leben in einer Welt, die auf der einen Seite durchaus einer Werkstätte,
auf der anderen durchaus einem Museum gleicht. Der
Unterschied zwischen den Ansprüchen, die diese beiden Landschaften stellen,
ist der, daß niemand gezwungen ist, in einer Werkstätte mehr als eben eine Werkstätte
zu sehen, während in der musealen Landschaft eine Erbauungsstimmung herrscht,
die groteske Formen angenommen hat. Wir haben eine Art des historischen Fetischismus
erreicht, die zum Mangel an Produktionskraft in einem direkten Verhältnis steht.
Es ist daher ein tröstlicher Gedanke, daß irgendeiner geheimen Korrespondenz
zufolge der Ausbau großartiger Zerstörungsmittel gleichen Schritt mit der Aufspeicherung
und Konservierung von sogenannten Kulturgütern hält. - Ernst Jünger, Der Arbeiter.
Herrschaft und Gestalt. Stuttgart 1982 (Cotta's Bibliothek der Moderne
1, zuerst 1932)
Korrespondenzen (9)
In der Rundung des menschlichen Hauptes stellt
sich die Rundung des Firmamentes, in dem richtigen,
gleichen Maße des Hauptes ebenfalls das des Firmamentes dar, weil auch
das Haupt ringsum das richtige Maß hat, so wie auch das Firmament in gleichem
Maße erbaut ist,... indem kein Teil den anderen in ungleicher Ausdehnung
übertrifft. Gott hat nämlich den Menschen nach dem Bilde des Firmamentes
geformt und dessen Kraft mit denen der Elemente gestärkt, sowie deren Kräfte
fest in das Innere des Menschen eingefügt, so daß er sie beim Atmen einzieht
und ausstößt, wie die Sonne, welche die Erde erleuchtet, Strahlen aussendet
und sie wieder an sich zieht. Die Rundung und das Ebenmaß des menschlichen
Hauptes bedeutet, daß die Seele nach dem Willen des Fleisches sündigt,
dann aber in Seufzern sich wiederum in Gerechtigkeit erneuert. So zeigt
sich darin Ebenmaß, weil sie, wie sie sich im Sündigen ergötzt hat, sich
im Schmerze darüber abängstigt... - (
bin
)
Korrespondenzen (10)
Korrespondenzen (11) Vor zwanzig Jahren las ich die „Botanischen Notizen" von Elias Fries, Linnés letztem Schüler in Schweden. An einer Stelle wird darin von den Vorzügen der Blumen voreinander gesprochen, und der Verfasser gibt aus folgendem Grund der Sonnenblume den Preis. Die Sonne, die Allmächtige, die Quelle des Lebens, des Lichtes, der Kraft, macht ihren direkten Einfluß überall im Pflanzenreich geltend. Die Pflanzen, die Töchter der Sonne, passen sich ihrer Mutter an und streben nach Ähnlichkeit mit ihr. Keiner ist dieses Streben so geglückt wie der Sonnenblume, welche in Scheiben- und Strahlenblüten ihr Bild gibt, die ihren Bewegungen folgt, die ihr Wachstum innerhalb eines Jahres abschließt, der Zeit, in der die Sonne durch die zwölf Häuser des Tierkreises zieht.
Zu dieser Zeit wußte man noch nichts von Swedenborgs „Korrespondenzen"; und die „Harmonien" von Bernardin de Saint-Pierre waren vergessen. Die psychische Fähigkeit, „überall Ähnlichkeiten zu sehen", war nur bei den Dichtern verzeihlich, diesen unschädlichen Bildermachern; unverzeihlich bei anderen - man nannte sie geisteskrank. Fries' Entdeckung wurde deshalb als eine sehr schöne rhetorische Figur beiseite gelegt, und man ging weiter.
Es war vergangenes Jahr, als mir die posthumen Arbeiten von Bernardin de Saint-Pierre die Welt der Harmonien eröffneten, und beim Verfasser von „Paul und Virginie", ansonsten Ingenieur bei der Landesvermessung und Direktor des Jardin des Plantes, fand ich Fries' Gedanken wieder, aber entwickelter und handgreiflicher.
Wenn wir mit seiner Sonnenharmonie beginnen, so werden wir finden,
daß die Bäume durch die konzentrischen Kreise der Stämme (Jahresringe) in unmittelbarem
Verhältnis zur Sonne stehen. „Diese Ringe sind immer an Anzahl gleich den Umläufen
des Tagesgestirns. Der Mond dagegen scheint seinen
Einfluß auf die Kräuter zu erstrecken. Ich habe bei
den Wurzeln der Kräuter, die in unseren Gärten wachsen, konzentrische Schichten
wahrgenommen von der Anzahl der Mondmonate, während der sie gelebt haben. Das
kann man vor allem bei der Mohre, der Rübe und den Zwiebeln sehen. Vielleicht
weihten infolge dieser Mondverbindung die Ägypter die Zwiebel der Isis,
oder dem Mond, den sie unter dem Namen dieser Göttin anbeteten." - (blau)
Korrespondenzen (12)
Wir stehen mit allen Außendingen mit der ganzen Natur in solch enger psychischer
und physischer Verbindung, daß das Loslösen davon, sollte es möglich sein, auch
unsere Existenz vernichten würde. Unser sogenanntes intensives Leben wird von
dem extensiven bedingt, es ist nur ein Reflex von diesem, in dem aber die Figuren
und Bilder, wie in einem Hohlspiegel aufgefangen, sich oft in veränderten Verhältnissen
und daher wunderlich und fremdartig darstellen, unerachtet auch wieder diese
Karikaturen im Leben ihre Originale finden. Ich behaupte keck, daß niemals ein
Mensch im Innern etwas gedacht oder geträumt hat, wozu sich nicht die Elemente
in der Natur finden ließen; aus ihr heraus kann er nun einmal nicht. - E. T. A. Hoffmann, Der Magnetiseur
Korrespondenzen (13) Wie zwischen Mikroskopischem und Makroskopischem eine Brücke geschlagen wird, ist eine der prächtigsten Seiten der quantenmechanischen Beschreibung der Realität. Wie die Brücke beschaffen ist, wird durch das Korrespondenz-Prinzip.gekennzeichnet, welches besagt:
Im Bereich großer Größen müssen quantenmechanische Phänomene ununter-scheidbar von ihrer klassischen Parallele erscheinen.
Dies läßt sich in eine mathematischere Aussage umwandeln wie:
Im Bereich großer Quantenzahlen müssen quantenmechanische Gleichungen ihre klassische Parallele erzeugen.
- Douglas R. Hofstadter, Metamagicum. Stuttgart 1991
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