ägerlatein


Hasenjagd
 

-   Heinrich Hoffmann

Jägerlatein (2) In  E.T.A. Hoffmanns Bamberger Tagebüchern finden wir zum 25. Oktober 1812 einen Vermerk, der wie ein Trompetenstoß klingt: »Mittags zu Fuß nach Fränzdorff - Jagd - Abds ein Reh geschossen und mich gefreut! -«

Es ist unter den zahlreichen Notizen dieses Halbjahrs, die einen Gang ins Schießhaus oder zur Jagd überliefern, die einzige Meldung eines Erfolgserlebnisses, welche Einmaligkeit nicht weiter verwundert, denn man hat ja Mühe, sich vorzustellen, daß diesem in steter Hochgereiztheit zappelnden Nervenbündel überhaupt ein Treffer beschieden sein konnte. Schon ein Häslein im Schrothagel wäre da Anlaß zum Triumphruf gewesen, und nun gar ein Reh, also Einzelschuß! - Es bliebe keine andre Erklärung als die des Zufalls, kennte man nicht aus der Feder von Hoffmanns jagdfreudigem Verleger C. F. Kunz den Hergang so:

»Es lag dem Förster daran, daß Hoffmann einmal am heutigen Jagdtage heiterer nach Bamberg zurückkehre als sonst, und deshalb traf er alle Veranstaltungen, ihm so viel Wild als möglich vor die Flinte zu führen. Auf mehrere Hasen schoß er ohne zu treffen; endlich kam ein Reh pfeilschnell durch das Gebüsch, Hoffmann drückte los, und bald darauf erscholl der Ruf des Försters: ›Das Reh ist getroffen; Herr Hoffmann, Sie haben es geschossene Außer Athem lief der Freund zum Platze und eine unbeschreibliche Freude erfüllte ihn. - Ein ganz gemeiner, verfluchter Kerl aber (wie Hoffmann mit diesen Worten ihn später bezeichnete) trat vor, sprechend: ›Meine Herren, dem ist nicht so, jenes Herrchen da stand neben mir und ich sah genau zu, wie sich alles begab. Er fehlte, und ein zweiter Schuß des neben ihm gestandenen Herrn Försters hat erst getroffen. Hätte der kleine Herr das Reh getroffen, so müßte man in die Schußwunde mit der Faust hinein können, da es auf höchstens 6 Schritt bei ihm vorbei fuhr und er den Gewehrkolben statt an den Backen auf den Nabel aufgesetzt hatte, so daß das Thier, wäre es von ihm getroffen, durch und durch geschossen sein müßte, während man kaum ein paar Schrot im Halse sieht.› -

›Was!› - schrie Hoffmann wüthend - ›Sie wollen mir mein Reh streitig machen, das ich so gut aufs Korn hatte, daß ich es sogleich auf meinen Schuß stürzen sah u.s.w.› - Der Förster winkte mit den Augen dem Einspruchthuenden, der ihn verstand, und alles schrie: ›Ja, ja, dem ist so, wir haben es auch gesehen, Herr Hoffmann hat das Reh geschossen, ihm gebührt die Ehre.› ›Auf! schmücken wir ihn›, rief der Förster, und jeder brach einige Blätter Eichenlaub ab, sie auf des Glücklichen Hut steckend. - Mit großem Wohlbehagen ließ der Schütze diese Ceremonie geschehen und nickte bei Jedem, mehrmals dankend, mit dem Kopfe. Hoffmann war bis zum Abende, wo ihm durchaus kein Treffer weiter gelingen wollte, selig, und komisch war es zu hören, wenn hie und da ein Fremder zur Jagdparthie trat, der von dem großen Evenement, das ihm begegnet, noch nichts wußte, welche Mühe er sich da gab, durch künstliche Wortsetzung den Mann mit der Nase auf die Frage zu stoßen, wer wohl das Reh geschossen habe? worauf denn Hoffmann ganz gleichgültig scheinend und ruhig darauf erwiederte: ›ich›, während aber aus den glänzenden Augen sich der Triumph der That aussprach.«

Aber das ist doch kein Andrer als Klein Zaches! - Franz Fühmann, Fräulein Veronika Paulmann aus der Pirnaer Vorstadt oder Etwas über das Schauerliche bei E.T.A. Hoffmann. Hamburg 1980 (zuerst 1978)

Jägerlatein (3)  Ich gieng einsmahls mit meinem Rohr hinauß beydes die Zeit zu passirn / zusehen ob mir etwas von Wilpret zu schiessen anstehen möchte / mein Rohr war gut und mit einer Kugel der Gebühr nach wohl geladen; und wolte mir daß Glück so wohl / daß ich eine Endte uff einen Weyer antraff / uff dieselbe schlug ich an traff sie durch den Kopff / und im Schuß sprang ein achtpfündiger Hecht uff / der gleichfalls von der Kugel getroffen wurde / daß er das weiß übersich kehrte / ich gieng hinüber uff die ander Seith deß Weyers zusehen wie ich meiner Beuth habhafft werden / und solche zu mir uffs trucken bringen möchte / da sehe ich / daß die Kugel in einen holen Baum gangen war / worinn ein reicher Jmmen sasse / massen so viel Honig zum geschossen Loch herauß lieffe / daß ich gemüssigt ward / dasselbe mit Moß zu verstopffen / als ich nun solches zu dem End außreissen wolte / erwischte ich einen Hasen bey den Ohren / welches einen in so unversehener Begebenheit nit unbillich erschreckt / derowegen schmiesse ich jhn auß allen Kräfften wider den Boden / und warff ein Kitt Velthünner unversehens damit zu todt / bey welchen der Haaß also gestreckt liegen blieb / nichts destoweniger vergaß ich deß Honigs im Baum nit / sondern verstopffte daß Loch zum fleissigsten / und wie ich uff die ander Seithen deß Baum kam daß hinderste Loch auch wie daß fordere zuverstopffen / da fande ich einen Hirsch von 16. endten / den bemelte Kugel auch treffen hatte / im letzten Zügen liegen / wie nicht weniger auch gleich hinder diesem eine Saw sitzen / deren ich ererst mit meiner Plauten einen Fang geben muste.- Grimmelshausen, Des Abenteuerlichen Simplicissimi Ewig=währender Calender 1671 (Nachdruck Konstanz 1967)

Jägerlatein (4) An dieser Stelle wollen wir auf die geradezu phantastisch anmutenden aktiven und passiven Sprachkenntnisse des weltberühmten Übersetzers und Philologen Hermann Gottfried Debski hinweisen. Wie er selbst angibt, hat er sich im Laufe seines langen Lebens nicht nur nahezu alle lebenden und toten Sprachen angeeignet, sondern auch das J., das Anglerlatein und das Zeitungsdeutsch. Die genaue Anzahl der von ihm beherrschten Sprachen vermag er allerdings nicht anzugeben: Da er die Gewohnheit hat, jede Ziffer stets in einer anderen Sprache wiederzugeben, gerät er beim Zählen gewöhnlich schon nach wenigen Minuten durcheinander, was bei seinem tortgeschrittenen Alter jedoch zu verstehen ist Er selbst bezeichnet sich als geborenes Sprachtalent, dem die weitaus meisten Sprachkenntnisse im Traum zugeflogen seien, er habe sie an der Volkshochschule lediglich bis zum Grad der Perfektheit in Wort und Schrift ausbauen müssen. Darüber hinaus hat er etliche Sprachen erfunden, die niemand auf der Welt außer ihm spricht und versteht und die ihm dazu dienen, im Beisein seiner Frau  Ilsebilse Selbstgespräche zu führen oder erforderlichenfalls abfällige Bemerkungen über das Mittagessen, die nicht genügend wärmenden Hausschuhe  usw. zu machen. - (ski)

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