und
1) da liegt ein H. begraben = man hat schlechte Karten. Zusammenhängend
mit der veralteten Geringschätzung der Hunde. Wo ein Hund begraben liegt
(wofern es überhaupt erkennbar ist), kommt Anteilnahme selten auf. (kü)
Hund (2)
Ausschließlich zu dem Zweck erschaffen, seinem Herrn das Leben zu retten.
Schwefel in sein Trinkwasser tun, um zu verhindern, daß er Tollwut bekommt.
Korkenhalsband bei Hündinnen, damit sie keine Milch mehr geben. Ideal vom
"Freund des Menschen". - (fla)
Hund (3)
A dog reflects the family life. Whoever saw a
frisky dog in a gloomy family, or a sad dog in a happy one? Snarling people
have snarling dogs, dangerous people have dangerous ones. - Sherlock
Holmes
Hund (4) In der heranschleichenden
Nebelmasse hörten wir ein leises, aber deutliches
und rasches Getrappel. Die Nebelbank lag fünfzig Meter vor uns, und wir
starrten alle drei die weiße Fläche an. Was für ein Greuel würde aus ihr
auftauchen? Ich lag an Holmes' Seite und warf einen schnellen Blick in
sein Gesicht. Er war blaß, aber offenbar frohlockte er innerlich, denn
seine Augen glänzten. Plötzlich aber stierte er entsetzt, und seine Lippen
öffneten sich vor Erstaunen. Im gleichen Augenblick stieß Lestrade einen
Schreckensschrei aus und warf sich mit dem Gesicht auf die Erde. Ich sprang
auf, meine zitternde Hand umklammerte den Griff der Pistole, aber ich konnte
nicht schießen, denn mein Verstand war gelähmt vom Anblick des grausigen
Geschöpfes, das aus dem Nebel hervorgesprungen
kam. Es war ein Hund, ein riesiger pechschwarzer Hund, aber ein Hund, wie
ihn noch keines Menschen Auge gesehen hat. Feuer sprühte aus seinem offenen
Rachen, die Augen glühten, Lefzen und Wamme waren von hellem Glast umloht.
Ein Wahnsinniger konnte sich in seinen Träumen kein wilderes, grausigeres
Untier ausmalen. Wie eine Ausgeburt der Hölle
brach die Bestie aus dem Nebel hervor. - Arthur Conan Doyle, Der
Hund von Baskerville. Berlin 1967
Hund (5) Auf die Frage, was
er denn tue, daß man ihn »Hund« nenne, antwortete Diogenes: »Die mich beschenken,
umwedle ich, die mir nichts geben, belle ich an, und die Schufte beiße
ich.« - (diog)
Hund (6) Ich hörte dann ein metallisches Klirren, wie von einem Laufenden mit gezogener Waffe. Ein Grollen kam dazu, eher ein fernes Raunen im Luftraum, und fast zugleich empfand ich hautnah ein Gebrüll: den bösesten aller Laute, Todes- und Kriegsschrei zugleich, ohne Ansatz das Herz anspringend, das sich in der Phantasie kurz als Katze buckelte. Ende der Farben und Formen in der Landschaft: Nur noch ein Gebißweiß, und dahinter bläuliches Fleischpurpur.
Ja, vor mir, hinter dem Zaun, stand ein großer Hund — eine Doggenart —, in dem ich sofort meinen Feind wiedererkannte. Und schon kamen auch die anderen von überall auf dem Hof herbeigelaufen, mit am Beton kratzenden Krallen; blieben aber im Abstand zu mir und dem ersten, der in Haltung und Stimme der Leithund zu sein schien.
Sein Körper wirkte bunt, während Kopf und Gesicht tiefschwarz waren. »Sieh dir das Böse an«, dachte ich. Der Schädel des Hundes war breit und erschien trotz der hängenden Lefzen verkürzt; die Dreiecksohren gezückt wie kleine Dolche. Ich suchte die Augen und traf auf ein Glimmen, In einer Brüllpause, während er um Atem rang, geschah nur das lautlose Tropfen von Geifer. Dafür bellten die übrigen, was sich freilich eher temperamentlos und rhetorisch anhörte. Sein Leib war kurzhaarig, glatt und gelbgestromt; der After markiert von einem papierbleichen Kreis; die Rute fahnenlos, Als der böse Lärm wieder einsetzte, verschwand die Landschaft in einem einzigen Strudel aus Bombentrichtern und Granatlöchern.
Im Blick zurück auf den Hund sah ich, daß ich gehaßt wurde. — Doch zu sehen war auch die Qual des Tiers, in dem sich gleichsam etwas Verdammtes umtrieb. Es gab am ganzen Leib keinen Teil, der ruhig halten konnte. Nur einmal, wie von mir gelangweilt, hielt er ein, blinzelte heuchlerisch zur Seite, spielte sogar gönnerisch mit seinen Kumpanen (die er ebensogut hätte totbeißen können) — und sprang im nächsten Moment filmreif den Zaun an, so hoch, daß ich tatsächlich zurückwich.
Danach stand er still drohend und las aufmerksam und lange in meinem Gesicht, doch einzig nach Zeichen der Angst und der Schwäche. Ich begriff:
Er meinte gar nicht mich-im-besonderen, sondern sein Blutdurst war hier auf dem Territorium der Fremdenlegion, wo nur mehr das Kriegsrecht galt, auf jeden dressiert, der, unbewaffnet und ohne Uniform, bloß war, der er war. (Wenigstens einen müßte es doch geben, der unbewaffnet bliebe, schrieb diesbezüglich einmal solch ein bloßes Ich.) Er, der Wachhund, im Gelände; und ich im Gefilde (für das er naturgemäß keine Augen hatte, weil das Wirkliche für ihn einzig sein Sperrgebiet war); und der Stacheldraht zwischen uns, wie im alten Gedicht, wieder als ewiger, vermaledeiter, kalter, schwerer Regen, durch den hindurch ich, geistesgegenwärtig und tagträumend zugleich, den Feind betrachtete, wie er in seiner von dem Getto vielleicht noch verstärkten Mordlust jedes Rassenmerkmal verlor und nur noch im Volk der Henker das Prachtexemplar war.
Ein Weg mit dem Großvater fiel mir da ein, wo er mir gezeigt hatte, wie man sich beim Gehen im Freien die Hunde vom Leib hält: auch wenn kein Stein zur Hand war, bückte er sich wie nach einem, und jedesmal wichen die Tiere dann tatsächlich zurück. Einem warf er sogar einmal Erde ins Maul; und der Hund schluckte sie und ließ uns vorbei.
Ähnliches versuchte ich mit der Dogge von Puyloubier, die darauf aber nur aus einem vervielfachten Maul zurückbrüllte. Beim Bücken war mir eine gelbe Pariser Métrofahrkarte, gebraucht und auf der Rückseite mit Notizen bedeckt, aus dem Rock gefallen: diese warf ich jetzt, in einem Moment des Übermuts, durch den Zaun — und der Hund verwandelte sich auf der Stelle in einen Marder, die bekanntlich Allesfresser sind, und schlang mein Papier hinunter: die Gier und zugleich die Unlust in Person.
Im Phantasiebild fielen sofort die Würmer, die in seinem Innern von ihm lebten, in einem finsteren Nachgetümmel über den Fahrschein her — und schon schied die Dogge auch tatsächlich ein verdrehtes, wie ihre Dolchohren spitzes Türmchen aus; worauf ich erst bemerkte, daß sie rundum auf dem Beton mit vergleichbaren, vertrockneten und ausgebleichten Gebilden, die auch in Häufen gesammelt erschienen (insgesamt eine großspurige Krakelschrift), sich sozusagen einen öffentlichen Machtbereich abgesteckt hatte.
Undenkbar, vor solch bewußtlosem Willen zum Bösen, ein gutes Zureden (überhaupt jedes Reden); so hockte ich mich entschlossen hin, und die Dogge der Fremdenlegion verstummte. (Es war eher ein bloßes Stutzen.) Dann kamen unsere Gesichter einander ganz nah und verschwanden wie in einer gemeinsamen Wolke. Der Blick des Hundes verlor sein Glimmen, und der dunkle Kopf nahm ein zusätzliches Florschwarz an. Unsere Augen trafen sich — jedoch nur ein einzelnes Auge das andere: einäugig, sah ich ihm in das eine Auge; und dann wußten wir voneinander, wer wir waren, und konnten nur noch auf ewig Todfeinde sein; und zugleich erkannte ich, daß das Tier schon seit langem wahnsinnig war.
Der nächste Laut des Hundes war kein Gebell, sondern ein inständiges
Hecheln, das immer heftiger wurde und schließlich wie das Geräusch von
ihm gerade anwachsenden Flügeln war, mit denen er gleich über den Zaun
setzen würde; begleitet von einem allgemeinen Geheul der Meute, das nicht
mehr mir allein galt, sondern dem Weiß der Bergkette dahinter, oder allem
jenseits des Tierbereichs: ja, jetzt trachtete er mir nach dem Leben; und
auch ich wollte mit einem Machtwort ihn tot und weg haben. —
Peter Handke, Die Lehre der Sainte-Victoire. Frankfurt am Main 1984 (zuerst
1980)
Hund (7) Snooper litt unter der Wahnvorstellung, daß seine Besitzer den Müll für wertvoll hielten. Jeden Tag trugen sie Papiertüten mit köstlicher Nahrung hinaus, verstauten sie sorgfältig in einem soliden Metallgefäß und verschlossen es fest mit einem Deckel. Am Ende der Woche war die Mülltonne voll — woraufhin der übelste Haufen Unholde im ganzen Sonnensystem in einem großen Lastwagen angefahren kam und das Essen stahl. Snooper wußte, an welchem Tag dies geschah. Immer am Freitag. Also ließ Snooper am Freitag um fünf Uhr früh sein erstes Bellen hören. Meine Frau und ich nahmen an, daß das die Zeit war, wo die Wecker der Müllmänner rasselten. Snooper wußte, wann sie ihre Wohnungen verließen. Er konnte sie hören. Er war der einzige, der Bescheid wußte; alle übrigen ignorierten, was da vor sich ging. Snooper muß gedacht baben, er lebe auf einem Planeten mit lauter Verrückten. Seine Besitzer, einfach jeder in Berkeley, konnte hören, wie die Müllmänner kamen, aber niemand tat etwas. Sein Bellen trieb mich allwöchentlich schier zum Wahnsinn; aber mehr noch, als seine fieberhaften Versuche, uns zu alarmieren, mich nervten, faszinierte mich Snoopers Logik. Ich fragte mich: Wie muß die Welt für diesen Hund aussehen? Ganz offensichtlich sieht er sie nicht so, wie wir sie sehen. Er hat ein in sich geschlossenes System von Ansichten gewonnen, ein Weltbild, das sich völlig von unserem unterscheidet, aber doch logisch ist in bezug auf die Anhaltspunkte, von denen er es ableitet.
Hier hätten wir also in einfacher Form die Grundlage für vieles von dem, was ich in siebenundzwanzig Jahren des professionellen Schreibens verfaßt habe: das Bestreben, in den Kopf einer anderen Person oder eines anderen Wesens zu gelangen und durch ihre oder seine Augen zu seben; und je mehr sich diese Person von uns übrigen unterscheidet, desto besser. Man beginnt mit irgendeinem empfindungsfähigen Wesen und arbeitet sich dann nach draußen vor, erschließt so seine Welt. Natürlich kann man nie wirklich wissen, wie seine Welt aussieht, aber ich glaube, man kann ein paar gute Vermutungen anstellen. Ich begann die Vorstellung zu entwickeln, daß jedes Wesen in einer Welt lebt, die sich ein wenig von all den anderen Wesen und ihren Welten unterscheidet. Icb glaube noch immer, daß das stimmt. Für Snooper waren Müllmanner gemein und furchterregend. Jch glaube, er sah sie buchstablich anders als wir Menschen.
Die Vorstellung, daß jedes Wesen die Welt anders als alle anderen Wesen
siebt — diese Vorstellung wird bestimmt nicht von allen geteilt. Tony Boucher
drang darauf einer bestimmten wichtigen Herausgeberin (nennen wir sie J.
M.) "Roog" zu lesen zu geben, in der Hoffnung,
daß sie die Geschichte brauchen könnte, Ihre Reaktion überraschte mich.
»Müllmänner sehen nicht so aus«, schrieb sie mir. »Sie haben keine bleistiftdünnen
Hälse und Wackelköpfe. Sie essen keine Menschen. « Ich glaube, sie listete
ein gutes Dutzend Fehler auf, die alle mit meiner Darstellung der Müllmänner
zu tun hatten. Ich schrieb zurück und erklarte ihr, ja, sie habe recht,
aber aus der Sicht des Hundes ... Gut, der Hund hatte unrecht, zugegeben.
Der Hund war ein bißchen verrückt, was das
Thema Müllmänner betraf. Wir haben es hier nicht nur mit einem Hund und
seiner Sicht der Müllmanner zu tun, sondern darüber hinaus mit einem verrückten
Hund — einem Hund, den die wöchentlichen Überfallkommandos auf die Mülltonnen
um den Verstand gebracht haben. Der Hund ist wirklich verzweifelt, Und
das wollte ich vermitteln. Genau darum ging es mir in der Geschichte; der
ratlose Hund war wahnsinnig geworden durch diese
wöchentlichen Aktionen. Und die Roogs wußten das.
Sie genossen es. Sie verspotteten ihn. Sie stachelten ihn in seinem Wahnsinn
noch an. - Philip K. Dick, In: Und jenseits das Wobb.
Sämtliche SF-Geschichten Band 1. Zürich 1998
Hund (8) Das Abenteuer, das Pinocchio jetzt zustößt, ist zugleich beängstigend, klärend und abstoßend; was in wenigen Zeilen gesagt wird, ist grenzenlos, aufreibend und unfaßbar.
Es ist Nacht, eine kalte Nacht, Regen liegt in der Luft; und Pinocchio hört »ein Gewisper und Geflüster seltsamer Stimmchen«, das an das Geräusch der »heranschleichenden Schritte« des Besitzers erinnert: kleinlicher Hinterhalt. Nun kommen die »Steinmarder«, »die wie Katzen aussahen«. In Anbetracht ihrer gewohnten Nahrung - »Eier und junge Hühnchen« - stehen die Marder, so meine ich, in Pinocchios Bestiarium zwischen dem Kater und den schwarzen Kaninchen der »kleinen Bahre«. Die Steinmarder sprechen ihn an: sie wissen noch nicht, daß der alte Wachhund, Melampo, gestorben ist. Pinocchio kann mit den Tieren sprechen, und nach der Ansicht der Steinmarder sieht er »auch nicht gerade wie ein bärbeißiger Hund« aus. Aus dem Gespräch erfahren wir, daß Melampo mit den Steinmardern ein Abkommen hatte; und sie schlagen Pinocchio dieselben Bedingungen vor: für ihn »ein schön gerupftes Huhn« in der Woche, sieben für die Marder. Also hatte sich der schikanöse und mißtrauische Besitzer einen untreuen Wachhund ausgesucht, einen hinterlistigen »Dummen Kauz«. Melampo stand auf der Seite der Marder: dem Tod nahe, ohne Hoffnung oder Lust auf eine Karriere, war er nicht erpreßbar: nur bestechlich. Selbstverständlich liebte er seinen Herrn nicht, er war unabhängig, da zwielichtig.
Pinocchio zeigt sich mit ihren Vorschlägen einverstanden und bereitet seine Falle vor. Kaum sind die Marder im Hühnerstall, schließt Pinocchio den Einschlupf hinter ihnen und stützt ihn mit einem großen Stein ab. Dann bellt er.
Es ist uns zumute, als ginge Pinocchio ein äußerstes moralisches und psychologisches, ein tödliches Risiko ein; er spielt seine Rolle mit solcher Sachkenntnis, daß er dabei ist, ein »Hund« zu werden; und zwar ein guter Hund im Gegensatz zu Melampo, einem miesen Beispiel gesellschaftlicher Laxheit. Sein angelerntes Gebell ist ein Zeugnis dafür, daß er dem Herrn treu ergeben ist; er ist bereit, die Marder oder, wie er sagt, »die Diebe« auszuliefern. Bei Feuerfresser war er heroisch, bei den Mördern listig und beharrlich, aber in welcher Gestalt erscheint er uns hier? Ist er ein feiger Schuft?
Pinocchio ist eine vielschichtige Gestalt, nicht nur auf den ersten Blick, sondern auch auf lange Sicht: eine geheime, vielgestaltige Zukunft beherrscht ihn. Er gehört nur zum Teil der Welt der Marder an, er spricht mit den Tieren, er wird aufgenommen in die Welt der Fee und hat einen - noch peripheren - Platz in der Welt der Menschen. Da er mit allen Schichten des Daseins zusammenhängt, wird er ständig zur Untreue und zum Verrat an einem dieser moralischen Orte gedrängt. Die Verderbtheit gehört zu seiner Struktur, ist eine Tugend, auf die er nicht verzichten kann.
Als er die Steinmarder einsperrt und sein Herrchen ruft, scheint er sich aus der wilden und schlauen Welt der kleinen Fleischfresser auszuschließen und sich für eine mittlere, vom Menschlichen schmarotzende tierische Kategorie zu entscheiden. Heute ist Pinocchio der »Hund«, den wir schon als »Gendarm« im Land Dummenfang und als Kutscher am Hof der Fee kennen. Er kann sich nicht von den Mardern bestechen lassen, ohne dadurch nicht endgültig als Hund empfinden zu müssen; indem er sie verrät und sich gegen die beutegierige
Unschuld des Waldes versündigt, befreit er sich aus der Lage des Knechtes, der auf den Tod wartet, und in seiner Eigenschaft als Mörder, ja als gedungener Mörder, zeichnet er sein künftiges Menschsein vor. Er tötet nicht für sich selbst - wie die Marder -, sondern für Dritte: für einen Menschen und eine moralische Ordnung.
Der Besitzer nimmt sich vor, die eingefangenen Marder dem Wirt des nächsten
Dorfes zu bringen, der sie dann »als zarten und herzhaften Hasenbraten«
anrichten wird. Dieser Wirt ist verwandt mit dem Wirt Zum roten Krebs,
dem Helfershelfer der Gauner, und dem Lumpenverkäufer, der seinerzeit die
Fibel erwarb. Für dieses »Herrchen«, einen sadistischen Hohlredner, ist
Pinocchio zum Hund geworden. Und trotzdem ist es gerade entscheidend, daß
es keinerlei mildernde Umstände für ihn gibt, daß er für den Menschen,
für dessen Brutalität zum Hund wird; indem er seine erbärmliche Aufgabe
erfüllt und einer Kanaille kleinmütig die Treue hält, hat Pinocchio eine
weitere Stufe zu seiner Menschwerdung überwunden; er ist gleichzeitig abgestiegen
und vorwärtsgekommen. Zum Knecht abgesunken, kann er befreit werden. Nun,
da er das Bild des »Hundes« gelernt hat, kann man ihm das Halsband abnehmen.
Als er frei ist, kann er erklären, er werde »unehrlichen Leuten nie Handlangerdienste
leisten«. Eine doppeldeutige Erklärung, denn der Besitzer, der Komplize
des Wirts, hat seine Unredlichkeit offen bekannt; aber der Besitzer ist
die Gesellschaft und kann sich selbst nicht kennen. - Giorgio Manganelli,
Pinocchio. Ein Parallel-Buch. Frankfurt am
Main 1993 (it 1517, zuerst 1977)
Hund (9)
|
Es führte ihn so sein Verhängnis. |
- (ov)
Hund (10)
|
Die Hunde Elegie Es waren einmal zwei Hunde,Wie war das Herz ihnen schwer! Sie liefen wohl eine Stunde Hintereinander her. Sie hofften, in liebendem Bunde Das ist die soziale Misere, Die Hündinnen werden ja häufig Man läßt sie aus ihrem Kerker Lisettchen starrt in die Zeilen Wallt man im Familienvereine Hier rücken heran die Studenten, In einem Rudel Hunde Das Auge, angstvoll, trübe, Der kleine Fritz ging vorüber Papa entgegnet: Das nennt man, |
Hund (11) Es gibt Menschen, die zur Welt kommen, um wie ein Hund behandelt zu werden.
Geboren als jüngerer Bruder, wurde er von den älteren wie ein Hund behandelt;
wenn sie gefehlt hatten, beschuldigten sie ihn, und er kriegte Schläge. Dann,
mit fünf Jahren, verfluchte er die Stunde seiner Geburt und wollte sterben.
Aber er ging zuerst in die Küche und beklagte sich der Köchin gegenüber, die
er für seine Freundin hielt. Sie verriet ihn sofort und erzählte den Eltern,
das Kind habe sein Geständnis zurückgenommen, das ihm eben unter Martern abgerungen
worden war. Das angebliche Verbrechen bestand darin, daß er, der Fünfjährige,
vom Portwein der Alten getrunken habe! Ein fünfjähriges Kind sollte so viel
Portwein getrunken haben, aus einer angebrochenen Flasche, daß es zu merken
war, aber dem Kind kein Rausch anzumerken! Das ging den Eltern ein! Da wurde
er wieder gemartert, und gezwungen zu bekennen, erstens, daß er vom Portwein
getrunken, zweitens, daß er eben gelogen habe, als er es leugnete. Darauf mußte
er um Verzeihung bitten, sowohl dafür, daß er vom Wein getrunken, wie dafür,
daß er gelogen hatte. Daß er danach nicht ein Lügner für das ganze Leben wurde,
zeigt wohl, daß es nicht seine Natur war. - (blau)
Hund (12) Fremde Hunde, die einen
anwedeln, bedeuten Anschläge und Hinterhältigkeiten von nichtswürdigen Kerlen
oder Weibern und, wenn sie beißen oder bellen, Gewalt- und Übeltaten; des näheren
prophezeien die weißen Hunde offene, die schwarzen heimliche, die rötlichen
nicht ganz offene, die gefleckten ziemlich schlimme Gewaltakte. Sie ähneln nämlich
ganz und gar nicht adligen oder freien, sondern gewalttätigen und unverschämten
Menschen; denn so sind die Hunde geartet. - (art)
Hund (13) Gewahrt man viele
Hunde, hat man viele Feinde abzuwehren. - (byz)
Hund (14) » Ja«, sagte Father Brown, »ich mag jeden Hund, solange er nicht rückwärts buchstabiert wird.«
Schnelle Sprecher sind nicht immer schnelle Zuhörer. Manchmal bringt gerade ihre Brillanz eine Art von Dummheit hervor. Father Browns Freund und Begleiter war ein junger Mann, der von Ideen und Geschichten überströmte, ein enthusiastischer junger Mann namens Fiennes, mit eifrigen blauen Augen und blondem Haar, das nicht lediglich von einer Haarbürste zurückgebürstet erschien, sondern vielmehr von den Winden der Welt, wie er sie durchstürmte. Doch hielt er im Strom seiner Rede in einer augenblicklichen Verwirrung inne, ehe er des Priesters sehr einfache Meinung begriff.
»Sie meinen also, daß sich die Leute zu viel aus ihnen machen?« sagte er.
»Nun, ich weiß nicht. Es sind wunderbare Geschöpfe. Manchmal glaube ich, daß
sie sehr viel mehr wissen als wir.« - G. K. Chesterton, Das Orakel des
Hundes. In: G.K.C.: Father Browns Ungläubigkeit. Zürich 1991 (zuerst 1926 )
|
|
||
|
|
||
|
|
|
|