ölle  Mein Vater pflegte zu sagen: »Stelle dir ein Wesen vor, das imstande ist, die Hölle zu erfinden«. - John Stuart Mill, Autobiographie (1873) - (boc)

Hölle (2) In der riesengroßen Hölle hat nur ein Geschöpf Platz: Der Gott, der sie erfand. - L. de C., Lettre à un Athée avec Délices (1803) - (boc)

Hölle (3)  Es gibt, sagen die Chinesen, einen Berg namens Kleiner Zaun aus Eisen, der von einem anderen Berg mit Namen Großer Zaun umgeben ist. In dem Raum zwischen diesen beiden herrscht dichte Finsternis, und dort gibt es acht große Höllen übereinander, jede umgeben von sechzehn kleinen, von ihr abhängigen Höllen, und von diesen wiederum hat jede zehn Millionen andere Höllen um sich herum. An diesen Orten der Qual ist jedem Laster seine besondere Strafe zugemessen; die Hochmütigen werden in einen Fluß voll Blut geworfen; die Schamlosen werden mit Feuer gestraft, die Geizigen mit Kälte, die Zornmütigen werden von Dolchstichen durchbohrt, und die Grobiane mit Kot bedeckt. Wenn sie ihre Verbrechen gebüßt haben, verwandeln sich die Verdammten in hungrige Teufel, oder sie gehen ein in die Körper der Tiere, um von neuem die Seelenwanderungen zu beginnen.
Einige Sekten glauben nicht an die Strafen der Hölle, weil sie an nichts glauben, in der Meinung, in dieser Welt sei alles Illusion. - Asiatisches Tagebuch, Bd. VII, S. 234; Bd. VIII, S. 74, 80; De Guignes, Bd. II, S. 331: Dubois, Bd. II, S.73 - (boc)

Hölle (4) wer in die / hölle kommt / hat den hintern / im brodeltopf - / wer in den himmel kommt / denkt sich / erleichtert: / na servus / da hab ich / wieder einmal / verdienterweise / glück gehabt ..! / wie man sich / sesselt / so sitzt man ... / wer nun / in die hölle / fährt / darf sich / einen kommoden / bratspieß / aussuchen ... / wer aber in den / himmel steigt / hat eine auswahl / in schäferwölklein / zum draufhocken ... / wie man also / daraus ersieht / ist nicht nur / im diesseits / sondern auch / im jenseits / alles / auf das wol- / oder übelergehen / unserer hinterseite / abgestimmt ... H. C. Artmann

Hölle (5)  La Fontaine hörte einmal, wie man das Los der Verdammten in der Hölle beklagte und meinte: »Nun, ich hoffe, sie gewöhnen sich daran und fühlen sich schließlich wohl wie die Fische im Wasser«. - (Chamfort)

Hölle (6)  Die Hölle, das sind die anderen. - Jean-Paul Sartre  

Hölle (7)  Nicht lange, da hatte ich Lust zu rauchen und bat die Witwe um Erlaubnis. Aber sie ließ mich nicht. Sie sagte, es sei eine schlechte Angewohnheit, es sei nicht anständig, und ich dürfe es ja nicht wieder tun. So sind nun die Leute. Sie ziehen über irgend etwas her, wovon sie im Grunde gar keine Ahnung haben. Da langweilte sie mich mit Moses, der nicht mal mit ihr verwandt war und niemandem etwas nützte, weil er doch längst tot ist, und mir machte sie die größten Vorwürfe, weil ich etwas tat, was schließlich sein Gutes hatte. Dabei schnupfte sie selber; aber das war natürlich ganz was andres, weil sie‘s war.

Ihre Schwester, Miß Watson, eine ziemlich schmächtige alte Jungfer mit einer Brille, war gerade zu ihr gezogen und rückte mir nun mit einem Abc-Buch auf den Leib. Sie setzte mir etwa eine Stunde lang gehörig zu, bis die Witwe endlich meinte, es wäre genug. Ich hätte es auch nicht länger aushalten können. Dann war‘s für eine Stunde tödlich langweilig, und ich wurde unruhig. Miß Watson sagte dann wohl: »Nimm deine Füße herunter, Huckleberry«, und »knirsch nicht so mit den Zähnen — setz dich grade hin«; und alsbald pflegte sie zu sagen: »Gähne nicht so, Huckleberry, und rekle dich nicht so — kannst du dich denn gar nicht benehmen?« Dann erzählte sie mir viel von der Hölle, und ich sagte, ich wäre gern dort. Da wurde sie schrecklich zornig, und dabei hatte ich‘s doch wirklich nicht böse gemeint. Ich wollte halt nur gern irgendwo anders hin. - Mark Twain, Huckleberry Finn. Frankfurt am Main 1975 (zuerst 1884)

Hölle (8)  Jene, denen es Freude gemacht hatte, heimlich anderen nachzustellen und im verborgenen Ränke zu schmieden, halten sich in unterirdischen Höhlen auf und verkriechen sich in Gewölbe, die so dunkel sind, daß nicht einmal einer den anderen erkennt; in den Winkeln raunen sie einander in die Ohren. In solche Zustände verwandelt sich, was die Freude ihrer Liebe war. Menschen, die sich nur zum Zweck des Ruhmes ihrer Gelehrsamkeit auf die Wissenschaften geworfen, ihre Vernunft aber nicht dadurch ausgebildet und Freude am Gedächtniswissen nur deshalb gehegt hatten, weil es sie in ihrem Dünkel bestärkte, lieben sandige Plätze. Diese ziehen sie Feld und Garten vor, weil das Sandige solchen Studien entspricht. Menschen, die gut bewandert in den Lehrbestimmungen ihrer eigenen und anderer Kirchen waren, aber nichts davon aufs Leben angewandt hatten, wählen felsige Gegenden, wo sie sich zwischen Steinhaufen aufhalten. Bebaute Gegenden fliehen sie und haben einen Abscheu davor. Menschen wiederum, die alles der Natur oder auch der eigenen Klugheit zugeschrieben und sich durch allerlei Ränke zu Ehren aufgeschwungen und Reichtum erlangt hatten, verlegen sich im anderen Leben auf magische Künste, die ein Mißbrauch der göttlichen Ordnung sind, und empfinden darin ihre höchste Lebensfreude.

Menschen, welche göttliche Wahrheiten ihren eigenen Neigungen angefügt und sie damit verfälscht hatten, lieben harnartige Dinge, weil diese den Freuden einer solchen Liebe entsprechen. - Emanuel Swedenborg, De Coelo et Inferno, Paragraph 488 (1758); in der Übersetzung von Friedemann Horn, nach (boc)

Hölle (9) Wenn der Mensch ins andere Leben eintritt, wird er zuerst von Engeln empfangen, die alles für ihn tun und mit ihm auch über den Herrn, den Himmel und das Leben der Engel reden und ihn im Wahren und Guten unterweisen. Ist aber der Mensch, der jetzt ein Geist ist, so geartet, daß er von diesen Dingen zwar in der Welt gehört, sie im Herzen aber geleugnet oder gar verachtet hatte, so verlangt er nach einigen Besprechungen, von den Engeln loszukommen und versucht das auch. Sobald die Engel dies merken, verlassen sie ihn. Er aber gesellt sich, nachdem er noch einige Zeit mit anderen zusammen war, schließlich zu denen, die in derselben Art des Bösen sind, wie er. Wenn das geschieht, wendet er sich vom Herrn ab und wendet sein Gesicht jener Hölle zu, mit der er in der Welt verbunden gewesen war und deren Bewohner der gleichen Liebe zum Bösen verfallen sind. Hieraus ist ersichtlich, daß der Herr niemanden in die Hölle wirft, vielmehr jeder sich selbst. Emanuel Swedenborg, De Coelo et Inferno, Paragraph 54 7—548 (1758); in der Ubersetzung von Friedemann Horn - (boc)

Hölle (10) Die Stimme des Predigers wurde wieder leiser. Er machte eine Pause, legte für einen Augenblick die Handflächen gegeneinander, löste sie, fuhr dann fort:

»Und jetzt wollen wir für einen Augenblick versuchen, soweit wir das können, die Natur jenes Ortes zu betrachten, wo die Verdammten weilen, den die Gerechtigkeit eines erzürnten Gottes schuf zur ewigen Strafe der Sünder. Die Hölle ist ein dunkles, enges, stinkendes Gefängnis, in dem Dämonen und verlorene Seelen hausen, ist gefüllt mit Feuer und Rauch. Gott scluf dieses enge Gefängnis für die, die seinen Gesetzen nicht gehorchen wollten. In den irdischen Gefängnissen hat der arme Gefangene wenigstens etwas Bewegungsfreiheit, und wäre es auch nur innerhalb der vier Wände seiner Zelle oder in dem düsteren Gefängnishof. Aber so ist es nicht in der Hölle. Wegen der großen Zahl der Verdammten sind die Gefangenen in diesem gräßlichen Gefängnis, dessen Wände vieltausend Meilen dick sein sollen, aufeinandergehäuft; und die Verdammten sind so vollständig zur Bewegungslosigkeit verurteilt und so hilflos, daß, wie ein seliger Heiliger, der Heilige Anselm, in seinem Buche von der Ähnlichkeit sagt, sie nicht einmal einen Wurm aus dem Auge entfernen können, der daran nagt.

 Und Finsternis ist um sie. Denn wisset, das Feuer der Hölle gibt kein Licht. Wie auf das Geheiß Gottes das Feuer im Ofen zu Babylon seine Hitze, aber nicht sein Licht verlor, so brennt auf Gottes Geheiß das Feuer der Hölle ewig ohne Licht und behält dabei doch seine große Hitze. Es ist ein nie endender Sturm der Dunkelheit, dunkler Flammen und dunklen Schwefelrauches; und in diesem liegen zu Haufen die Leiber der Verdammten, und kein kleinster Lufthauch dringt zu ihnen. Von allen Plagen, die hereinbrachen über das Land der Pharaonen, wurde nur eine fürchterlich genannt, und das war die Finsternis. Wie sollen wir nun die Finsternis der Hölle nennen, die nicht nur drei Tage dauert, sondern die ganze Ewigkeit? Der Schrecken dieses engen und finstern Gefängnisses wird aber noch vergrößert durch den gräßlichen Gestank. Aller Unrat der Welt, aller Abfall und aller Schmutz der Welt fließt, wie uns berichtet wird, hier wie in einer großen, rauchenden Kloake zusammen, wenn der schreckliche Weltbrand am Jüngsten Tage die Welt gereinigt hat. Auch der Schwefel, der hier in so ungeheuren Mengen brennt, füllt die ganze Hölle mit seinem unerträglichen Gestank; und den Körpern der Verdammten selbst entströmt ein derart widerwärtiger Geruch, daß, wie der Heilige Bonaventura sagt, der Körper eines von ihnen genügen würde, die ganze Welt zu verpesten. Selbst die Luft dieser Erde, dieses reine Element, wird schlecht und ist nicht mehr zu atmen, wenn sie lange nicht erneuert wurde. Nun stellt euch einen verfaulenden, verwesenden Leichnam vor, der schon einige Zeit im Grabe lag, eine gelatineuse, flüssig gewordene, verwesende Masse. Stellt euch vor, daß er verzehrt wird vom Feuer des brennenden Schwefels, daß widerlicher, ekelerregender Gestank der Verwesung ihm entströmt. Und dann stellt euch vor, daß dieser ekelhafte Gestank millionenfach und aber millionenfach vermehrt wird durch die Millionen und aber Millionen stinkender Leichen, die aufgetürmt liegen in der rauchenden Finsternis, einem riesengroßen, eiternden Geschwür vergleichbar. Das alles stellt euch vor, und so habt ihr einen schwachen Begriff von dem schrecklichen, gräßlichen Gestank der Hölle.

Aber so furchtbar dieser Gestank auch ist, er ist nicht die größte physische Qual der Verdammten. Die Qual durch das Feuer war immer die schlimmste Qual, der der Tyrann seine Mitmenschen unterwarf. Haltet den Finger nur für einen kurzen Augenblick in die Flamme einer Kerze, so habt ihr eine ganz, ganz kleine Vorstellung von der Qual durch Feuer. Aber unser irdisches Feuer wurde von Gott zum Nutzen des Menschen geschaffen, um in ihm den Funken des Lebens zu erhalten und ihm zu helfen in den nützlichen Künsten; das Feuer der Hölle aber ist ganz anderer Natur und wurde von Gott geschaffen den unbußfertigen Sündern zur Qual und Strafe. Je nachdem der Gegenstand, den unser irdisches Feuer angreift, mehr oder weniger leicht brennt, um so rascher oder langsamer verzehrt es ihn, und so konnte der menschliche Geist sogar mit Erfolg chemische Präparate erfinden, seine Tätigkeit aufzuhalten oder gar zu vereiteln. Aber der Schwefel, der in der Hölle brennt, ist eine Substanz, die immer und ewig mit unaussprechlicher Wut brennen muß. Wenn unser irdisches Feuer brennt, zerstört es auch; und je heftiger es brennt, von um so geringerer Dauer ist es; aber das Feuer in der Hölle hat die Eigenschaft, das zu erhalten, was es verbrennt, und wenn es auch mit noch so unglaublicher Heftigkeit wütet, es wütet doch für alle Ewigkeit.

Wie wild und groß unser irdisches Feuer auch sein mag, es ist doch immer begrenzt: aber das Feuermeer der Hölle ist grenzenlos, uferlos, grundlos. Es wird berichtet, daß der Teufel selbst, als er von einem gewissen Soldaten danach gefragt wurde, gestehen mußte, daß, stürze man ein ganzes Gebirge in das Feuermeer der Hölle, es im gleichen Augenblick verginge wie ein Stück Wachs. Und dieses gräßliche Feuer greift die Leiber der Verdammten nicht nur von aussen an, jede verlorene Seele ist selbst wieder eine Hölle, und das grenzenlose Feuer rast in ihrem Innern. Oh, wie furchtbar ist das Los dieser armen, elenden Wesen! Das Blut siedet und kocht in den Adern, das Hirn kocht im Schädel, das Herz in der Brust glüht und birst, die Eingeweide sind eine rotglühende Masse von brennendem Fleisch, die empfindlichen Augen flammen wie geschmolzene Kugeln.

Und doch ist alles, was ich über die Stärke, die Art und die Grenzenlosigkeit dieses Feuers gesagt habe, nichts im Vergleich zu seiner Intensität; und diese Intensität besitzt es nach dem Ratschluß Gottes, denn sie ist das Werkzeug, durch das Seele und Körper gleichermaßen gestraft werden sollen. Sie ist der Feuer gewordene Zorn Gottes und wirkt nicht durch eigene Kraft, sondern als Werkzeug der göttlichen Rache. Wie das Wasser der Taufe Seele und Körper reinigt, so quält das Feuer der Strafe Geist und Fleisch. Jeder Sinn des Fleisches wird gepeinigt und damit zugleich jede Fähigkeit der Seele: die Augen mit undurchdringlicher, äußerster Finsternis, die Nase mit widerlichem Gestank, die Ohren mit Schreien, Geheul und Flüchen, der Geschmack mit Schmutz, Aussatz und namenlos stinkendem Dreck, das Gefühl mit glühenden Nägeln und Stacheln, mit grausam züngelndem Feuer. Und durch die verschiedenen Qualen der Sinne wird die unsterbliche Seele in ihrem innersten Wesen ewig gepeinigt in dem meilen-meilen-weiten Feuer, das Gottes beleidigte Majestät anzündete in den Abgründen, das der Atem des erzürnten Allerhöchsten anfacht zu immerwährender, immer wachsender Wut.

Und dann vergesset nicht, daß die Qual dieses höllischen Gefängnisses vermehrt wird durch die Gesellschaft der Verdammten selbst. Auf Erden ist schlechte Gesellschaft so schädlich, daß sich die Pflanzen, als leitete sie ein Instinkt, fernhalten von alledem, was ihnen tödlich sein oder sie verletzen könnte. In der Hölle aber sind alle Gesetze über den Haufen geworfen — hier denkt niemand an Familie, Heimat, Freundschaft oder Verwandtschaft. Der Verdammten Jammern und Heulen, ihre Qual, ihre Wut wird durch die Gegenwart derer, die wie sie gepeinigt werden, wie sie wüten, noch vergrößert. Jedes Gefühl für Menschlichkeit ist vergessen. Die gellenden Schreie der leidenden Sünder dringen bis in die fernsten Winkel des tiefen, tiefen Abgrundes. Der Mund des Verdammten ist voll von Lästerungen gegen Gott und von Haß gegen seine Leidensgefährten, von Flüchen gegen solche Seelen, die die Genossen ihrer Sünde waren. In alten Zeiten war es Sitte, den Vatermörder, den Mann, der die mörderische Hand erhoben hatte gegen seinen Vater, dadurch zu bestrafen, daß man ihn zusammen mit einem Hahn, einem Affen und einer Schlange in einen Sack nähte und ins Meer warf. Die Absicht jener Gesetzgeber, die ein solches, uns heute grausam erscheinendes Gesetz gaben, war, den Verbrecher durch die Gesellschaft dieser feindlichen und wütenden Tiere zu strafen. Was aber ist die Wut dieser stummen Tiere im Vergleich zu den wütenden Flüchen, die hervorbrechen aus den trockenen Lippen und den schmerzenden Kehlen der Verdammten der Hölle, wenn sie in ihren Leidensgefährten die erkennen, die ihnen in ihrer Sünde halfen und Vorschub leisteten, deren Worte den ersten Samen des bösen Gedankens und des schlechten Lebens in ihren Geist säten, deren freche Einflüsterungen sie der Sünde in die Arme trieben, deren Blicke sie in Versuchung führten und weglockten vom Pfade der Tugend. Sie wenden sich gegen diese Mitschuldigen, schmähen sie, verfluchen sie. Aber er gibt weder Hoffnung noch Hilfe: für die Reue ist es nun zu spät. Und dann bedenket die gräßliche Qual, die für die verdammten Seelen, die Versucher wie die in Versuchung geführten, die Gesellschaft der Teufel bedeutet. Diese Teufel quälen die Verdammten auf zweierlei Weise: durch ihre Gegenwart und durch ihre Vorwürfe. Von der Schrecklichkeit dieser Teufel können wir uns gar keine Vorstellung machen. Die Heilige Katharina von Siena hat einst einen Teufel gesehen und sie hat geschrieben, lieber wolle sie bis an ihr Lebensende über einen Weg mit glühenden Kohlen gehen als noch einmal, und wäre es auch nur für einen Augenblick, ein so gräßliches Ungeheuer sehen. Diese Teufel, die einst schöne Engel waren, sind so fürchterlich geworden, wie sie einst schön waren. Sie spotten und höhnen über die verlorenen Seelen, die sie in den Abgrund rissen. Diese gräßlichen Teufel sind in der Hölle die Stimmen des Gewissens. Warum sündigtest du? Warum hörtest du auf die Ver-suchungen der Freunde? Warum wandtest du dich ab von den frommen Ubungen und guten Werken? Warum miedest du nicht die Gelegenheiten zur Sünde? Warum verließest du nicht den bösen Gefährten? Warum ließest du nicht ab von der schamlosen, unreinen Gewohnheit? Warum hörtest du nicht auf den Rat deines Beichtvaters? Warum bereutest du nicht, warum kehrtest du nicht zurück zu Gott, der nur auf deine Reue wartete, um dich freizusprechen von deiner Sünde, nachdem du einmal, zwei- oder dreimal oder gar hundertmal in Sünde verfallen warst? Die Zeit der Reue ist nun vorbei. Zeit ist, Zeit war, aber Zeit wird nicht mehr sein. Die Zeit, die dir gegeben war, hast du benutzt, im geheimen zu sündigen, hast es dir wohl sein lassen in dieser Faulheit und diesem Stolz, hast das Ungesetzliche begehrt, den niederen Trieben unserer Natur nachgegeben, hast gelebt wie die Tiere des Feldes. Nein, schlimmer noch als sie; denn sie sind ja nur arme Tiere und haben keine Vernunft, die sie leitet: die Zeit war und kommt nie wieder. Gott sprach zu dir durch so vielerlei Stimmen, aber du wolltest nicht hören. Du wolltest den Stolz nicht zertreten und nicht die Wut in deinem Herzen, wolltest nicht zurückerstatten, was du zu Unrecht erwarbest, wolltest den Geboten deiner Heiligen Kirche nicht gehorchen noch deine religiösen Pflichten erfüllen, wolltest jene bösen Gefährten nicht verlassen und jenen gefährlichen Versuchungen nicht aus dem Wege gehen. So sprechen diese teuflischen Peiniger. Worte des Spottes sind es und des Vorwurfs, des Hasses und des Ekels, ja! des Ekels! Denn die Sünde dieser Teufel war eine solche Sünde, wie sie allein vereinbar war mit ihrer ursprünglichen Engelnatur, war aufrührerischer Geist. Und die widerlichen Teufel müssen sich empört und angeekelt wegwenden beim Anblick dieser unaussprechlichen Sünden, durch die der verworfene Mensch den Tempel des Heiligen Geistes beleidigt und beschmutzt, sich selbst besudelt und entweiht.« - James Joyce, Jugendbildnis des Dichters. Frankfurt am Main 1967 (zuerst 1916)

Hölle (11)  Es ist Vielen eingefallen, wie groß und von welchem Umfange, bei einer vermutlich so starken Anzahl von Verdammten, die Hölle wohl sein müsse? Mehrere haben darauf geantwortet. Wir wollen hören, was sie sagen.

Ein bewährter Scribent erklärt sich über die Größe und den Umfang der Hölle also: Wenn die Sache klüglich und mit reifem theologischen Verstande erwogen wird, so scheint es, als ob nicht über tausend Millionen Menschen werden verdammt werden. Dies angenommen, kann man also schließen: Wenn der höllische Kerker nach völliger Abmessung der Höhe und Stärke eine deutsche Meile austrägt, so ist für die Verdammten Raum genug vorhanden; denn sie werden nicht nach Bequemlichkeit einlogiert, sondern sie müssen gezwängt und gepreßt beisammen wohnen, wie die zusammengequetschten Trauben in einer Kelter, wie die gesalzenen Heringe in einer Tonne, wie die Ziegeln im Brennofen, so daß ein gar zu weitläufiges Behältnis für diese Condemnierten eben nicht vorhanden zu sein braucht.

Genauer ist der P. Cornelius a Lapide in seiner Erklärung über die Worte der Offenbarung Johannis XIV. 20., welcher die 1600 Feldwege zu 200 welschen Meilen bestimmt, den Weg von Rom bis Bologna. Das ist ein hinreichender Platz für die Hölle, Raum genug für Verdammte und Teufel. —

P. Lesseus will für die Hölle einen Raum von 6 Meilen haben, und andere, besonders mehrere Herren Patres ex Societate Jesu, seine Collegen bestehen darauf, sie müsse noch größer sein. Viele wollen 100 000 Meilen für die Hölle haben. Des Himmels Wille und Gnade wird geben, so viel wie nötig ist.  - (kal)

Hölle (12)

Ausschnitt aus: Hieronymus Bosch, Garten der Lüste (Hölle)

- Hieronymus Bosch

Hölle (13) Der Nebel flackert ein wenig, und ich versuche herauszufinden, ob unbekannte Formen in ihm versteckt sind, oder ob irgendein Wind ihn schüttelt und zaust. Wieder bemerke ich flüchtige rötliche Streifen und vermeine eine Stimme zu hören wie von einem verirrten Tier, auch wenn ich nicht glaube, daß es hier richtige Tiere gibt.

»Kann man sich umbringen an diesem Ort?«

»Schon möglich«, antwortet eine zerstreute Stimme, die anders klingt als die anderen.

»Und was geschieht dann, kommt man in die Hölle?«

»Je nachdem. Wenn du schon in der Hölle bist, wie willst du dann in die Hölle kommen? Wenn du nicht dort bist, dann könntest du vielleicht hinkommen.«

»Aber erfahren, ob dies die Hölle ist oder nicht - das kann man nicht?«

»Nein, das kann man nicht. Das ist ja gerade das Schöne an der Geschichte. Wenn du dich umbringst, erfährst du es vielleicht. Warum versuchst du es nicht?«

»Es könnte doch auch mehrere Höllen geben; wenn ich mich umbringe, gehe ich von einer Hölle in die andere.«

»Das ist möglich, warum nicht? Doch vermutlich sind die Höllen gar nicht alle gleich.«

»Aber wenn sie verschieden sind, warum nennst dann auch du sie Höllen?«

»Ich? Nein. Ich nenne sie nur Höllen, weil du sie so nennst. So versteht man sich besser. Aber es könnte auch sein, daß du aus einer Hölle kommst, um durch eine andere Hölle in eine dritte Hölle zu gelangen.«

»Alles immer nur Höllen?«

»Ich könnte ebensogut ›Häuserblocks‹ oder ›Provinzen‹ sagen, nichts weiter.«

»Und du ... hast du dich nie getötet

»Früher, meinst du? Ich würde sagen nein. Aber seit damals ist viel Zeit vergangen. Denn die Minute, die vor dir liegt, ist die Kristallminute; aber die vergangenen Minuten sind nur ein Haufen zurückgelassener Plunder. Greif dir aufs Gratewohl etwas heraus: Hochzeiten, Morde, Briefmarken, Kleiderbügel, Särge, Priester. Es lohnt sich nicht, es in Ordnung zu bringen. Warum sollte ich mich getötet haben? Ich sehe keinen Sinn in diesem hektischen Umziehen.« - (hoelle)

Hölle (14) Gestern abend in Cosne haben wir uns in eine wahre Hölle begeben, in eine richtige Schmiede des Vulkan. Wir fanden da acht oder zehn Cyklopen, nur schmiedeten sie nicht Waffen für Aeneas, sondern Anker für Schiffe. Nie haben Sie so wunderbar im Takt Schlag auf Schlag fallen hören. Ab und zu kamen die Dämonen näher an uns heran, schweißbedeckt, mit fahlen Gesichtern, wildblickenden Augen, zerzausten Schnurrbärten und langem schwarzem Haar; weniger wohlerzogene Leute als uns könnte ihr Anblick erschrecken. Ich persönlich vermag mir nicht vorzustellen, wie es möglich gewesen wäre, dem Willen dieser Herren in ihrer Hölle zu widerstehen. Unsere angenehme Gesellschaft erfrischte sie mit einem Regen von Kleingeld und erleichterte damit unseren Rückzug. - (sev)

Hölle (15)  Das Naraka oder die Hölle hat drei Tore, die Wollust, den Zorn und den Geiz; sieben Gemächer; die sündigen Seelen leiden dort Qualen, die ihren Vergehen entsprechen, und sie müssen zweihunderttausend Meilen zurücklegen, bis sie den Palast Yamas erreichen, ihres Richters und Königs. Zuweilen müssen sie über messerscharfe Felsen klettern, wo sie dichte Finsternis voller Schlangen, Tiger, Riesen antreffen, und dort müssen sie sich durch Schlamm und Blut einen Weg bahnen. Yama zeigt sich ihnen auf entsetzlichste Weise: Der Höllengott ist achtzigtausend Meilen hoch; seine Augen sind wie große rote Seen, seine Stimme wie ein Donner, sein Atem wie das Heulen des Sturms. Wenn der Angeklagte vor ihn tritt, sagt Yama zu ihm: »Wußtest du nicht, daß ich für die Bösen Qualen bereithalte? Du wußtest es, und du hast gesündigt; nun wohl, dann sei die Hölle dein Erbe. Was hilft es dir zu weinen?« Wenn der Angeklagte den Beweis seiner Taten fordert, ruft Yama den Tag, die Nacht, den Morgen und den Abend zu Zeugen an, und wenn alle diese unbestechlichen Zeugen ausgesagt haben, wird das Urteil vollstreckt. In der Hölle gibt es Qualen für jede Art von Vergehen, für jeden Sinn, für jedes Glied des Körpers; Eisen, Feuer, giftige Tiere, wilde Bestien, Gift und Galle, alles wird dazu benutzt, die Verdammten zu quälen. Einige werden über scharfe Äxte geschleift; andere sind dazu verurteilt, durch ein Nadelöhr zu kriechen; hier müssen welche ertragen, daß ein Geier ihnen die Augen aushackt, andere dort, daß Raben an ihrem Leib picken. - Baghavat-Gita, IX u. XVI, Purana, zitiert von Crawfurt Ward und De Maries, Bd. II, S. 198; Dubois, Reise nach Massorah, Bd. II, S. 325; Sonnerat, II, 17, nach (boc)

Hölle (16)  Fürchterliche Flüsse rauschen mit gräßlichem Lärm. Über einen Fluß führt eine Brücke. Der  Höllenhund steht am Eingang der germanischen Hölle, mit bluttriefender Brust. Er bedroht sogar den obersten Gott Odin. Ist der Tote an der Brücke vorbei, so kommt er vor eine Einhegung. Der lebende Held, wenn er diesen Weg wählt, muß darüber hinwegspringen, aber für die Toten öffnet sich das Tor. Schnell muß man hindurchschlüpfen, sonst fallen einem die Türflügel auf die Fersen. Das Leben der Toten wird als elendes gezeichnet.  - Hans-Jürg Braun, Das Jenseits - Die Vorstellungen der Menschheit über das Leben nach dem Tod. Frankfurt am Main 2000 (it 2616, zuerst 1996)

Hölle (17)  

Dantes Hölle

- Querschnitt durch Dantes Hölle, nach Botticelli

Hölle (christliche)  Da waren  etliche, die waren an ihrer Zunge aufgehängt und unter ihren Füßen loderte das ewige Feuer und quälte sie. Und das waren die, die den Weg der Gerechtigkeit gelästert hatten.

Und da war ein See voll glühendem Schlamm, und in ihm litten ewige Qualen, die sich von der Gerechtigkeit abgewandt hatten.

Und über dem glühenden Schlamm waren Weiber an ihren Haaren aufgehängt, das waren solche, die sich zum Ehebruch geschmückt hatten. Die Männer aber, die sich mit ihnen zur Hurerei niedergelegt hatten, waren an den Füßen aufgehängt und steckten mit ihren Häuptern in der Glut. Und da schrien sie Weh! über ihre ewige Pein.

Da sah ich auch eine Schlucht voll giftigen Gewürms. Und dies Gewürm plagte und quälte die Mörder und ihre Mitwisser. Und der Engel Azrael bringt die Seelen der Ermordeten herbei, daß sie sehen die Qual ihrer Mörder und preisen die Gerechtigkeit des HERRN.

Und ich sah eine andere Schlucht, voll von stinkendem Eiter und Ausfluß der Gequälten. Und darin saßen viele Weiber, denen der Eiter bis zum Halse ging, und die großen Schmerz erlitten. Das waren die ihre Kinder abgetrieben und das Werk Gottes verdorben habeii.

Und ihnen gegenüber war ein anderer furchtbarer Ort, und dort saßen ihre ungeborenen Kinder und weinten und baten den HErrn um Hilfe. Und aus ihren Augen fuhren Blitze und bohrten sich in die Augen ihrer verräterischen Mütter.

Und nicht weit entfernt standen nackte Männer und Weiber, das aber waren böse Eltern. Und ihnen gegenüber standen viele Kinder an einem Ort des Entzückens.

Und die Kinder seufzten und schrien und klagten ihre Eltern bei Gott an: Jene haben uns vernachlässigt und so deine Gebote übertreten! Und sie haben uns das Licht, das für alle bestimmt ist, vorenthalten und dem Engel der uns geschaffen hat, geflucht und uns geschlagen und getötet.

Da floß aus den Brüsten der schlechten Mütter stinkende Milch und verwandelte sich in fleischfressende Tiere, die die bösen Eltern quälten in alle Ewigkeit nach dem Willen des HERRN. Die Seelen der Kinder aber wird man dem Engel Temlakos geben, und er wird sie retten.

Und Azrael, der Engel des Zornes, brachte Männer und Frauen und stellte sie bis zur Leibesmitte in den Flammensee und peitschte sie und ließ ihre Eingeweide von nimmermüdem Gewürm zerfressen. Das waren aber solche, die Gerechte verfolgt und der Obrigkeit ausgeliefert hatten.

Und neben ihnen standen andere, die kauten ihre eigene Zunge, und die Engel der Strafe stießen ihnen glühende Eisen in die Augen. Das waren aber solche, die den HErrn gelästert oder an seiner Gerechtigkeit gezweifelt hatten.

Und anderen hatten die Engel die Lippen abgeschnitten und ihnen glühende Kohlen in den Mund gelegt. Das waren die falschen Zeugen.

Und ich sah einen anderen Ort voll glühender Steine, schärfer denn ein Schwert. Die Männer und Frauen, die dort weilten, wälzten sich auf ihnen in ihrer Qual. Das waren solche, die reich gewesen waren und wider das Gebot des HERRN sich nicht der Witwen und Waisen erbarmt hatten.

Und es war ein See gefüllt mit stinkender Jauche und in ihm standen Männer und Frauen und litten die ewige Qual. Das waren aber solche, die Geld gegen Zinsen verliehen hatten.

Und ich sah einen Abhang und auf ihm viele Männer und Frauen3 die einander von der Höhe hinunterstießen. Doch wenn sie unten angelangt waren, trieben sie Dämonen wieder hinauf, und so werden sie gequält in alle Ewigkeit.

Und von den Männern waren es solche, die ihre Leiber befleckt hatten und sich wie Weiber hingegeben hatten. Die Weiber unter ihnen aber hatten untereinander verkehrt wie Mann und Frau.

Und nahe dem Abhang hatte der Engel Azrael alle goldenen und silbernen Götzenbilder gesammelt. Und die Männer und Frauen, welche die falschen Götter angebetet hatten, standen dort und schlugen einander mit glühenden Ruten. Und alle, die den Dämonen gefolgt waren, wurden im Feuer gebacken und gewendet.

Und nahebei war noch ein Hügel und Männer und Frauen rollten herab in das Feuer und flüchteten hinauf und so fort in alle Ewigkeit. Das waren aber solche, die Vater und Mutter nicht geehrt und sich freiwillig ihrer enthalten hatten.

Und zu ihnen brachte der Engel Azrael Kinder und Jungfrauen, das waren solche, die ihren Eltern ungehorsam gewesen und die Lehren der Väter mißachtet hatten und nun bestraft wurden.

Den Mädchen aber, die ihre Jungfrauenschaft nicht bis zur Ehe bewahrt hatten, wurde das Fleisch auseinandergerissen. Und Sklaven, die ihren Herren ungehorsam waren, müssen auf ewig ihre eigene Zunge zerkauen und werden dabei mit Feuer gequält.

Und neben diesen standen weiß gekleidete Männer und Frauen, und die waren blind und stumm. Das waren solche, die wohl Almosen gegeben hatten, doch dabei ihre eigene Gerechtigkeit gepriesen hatten.

Und ich sah Feuerräder, die der Feuerbach wie ein Mühlrad antrieb. Und an ihnen hingen die Zauberinnen und Zauberer und litten gar sehr. - Offenbarung des Petrus, nach: Die andere Bibel. Hg. Alfred Pfabigan. Frankfurt am Main 1990

Hölle (28)  Es begannen Moore, die meist unter Wasser standen, diese mußten wir eine ganze Meile lang begehen, zu denken mit welcher Mühe. Bei jedem Schritt ging das Wasser bis ans Knie, trafen wir nicht auf Grasbüschel, gings noch höher. Mancherorts hatte die Tiefe keinen Grund, so daß wir die ganze Strecke zurückgehen mußten. Unsere Stiefel waren voll kalten Wassers, denn an vielen Stellen war der Grund noch gefroren. Hätte ich dieses ertragen müssen wegen eines delictum capitale, wäre diese Strafe grausam gewesen, allein was soll ich nun sagen? Ich wünschte diese Reise niemals auf mich genommen zu haben. Und damit alle Elemente gegen uns wären, regnete und stürmte es noch dazu. Ich wunderte mich selbst, daß ich mit dem Leben hinübergekommen war, jedoch maxime delassatus. Nachdem wir den neuen Lappen überall vergebens gesucht hatten, setzten wir uns nieder, es war sechs Uhr morgens, wrangen unsere nassen Kleider aus und trockneten unseren Körper, wenn auch der kalte Nordwind uns so viel an der einen Seite schadete, wie das Feuer auf der anderen brannte, und die Mücken uns ad latera stachen. Jetzt war ich itinere satiatus. Das ganze Land dieses Lappen war meist Moor, hinc vocavi Styx. Niemals kann der Pfarrer die Hölle so beschreiben, daß dies hier nicht noch schlimmer wäre. Niemals haben die Poeten den Styx so häßlich ausmalen können, daß dies hier nicht häßlicher wäre. Stygium penetravi. Wir gingen in die Wildnis, ohne zu wissen wohin. Der nächste Nachbar, der seit zwanzig Jahren nicht hier gewesen war, ging fort, nach ihm (dem Lappen dieses Gebietes) zu suchen, während ich mich am Feuer ausruhte. Nichts wünschte ich jetzt mehr, als den Fluß hinab wieder zurückreisen zu dürfen, aber ich fürchtete mich davor, den Weg zum Boot noch einmal zu gehen, denn ich wußte, mein Körper war nicht Eisen noch Stahl. Ich wünschte acht Meilen von zehn trockenen Fußes zurück zum Boot gehen zu können, allein es ergab sich keine Gelegenheit. Die Lappen, die dazu geboren sind, sich abzuschinden, wie die Vögel, zu fliegen, jammerten, nie so übel daran gewesen zu sein, sie dauerten mich. Ein Moor (das Lycksmoor, weil aus ihm ein Bach nach Lycksele fließt, cur non Unglücksmoor?) - (lin)

Hölle (21)  Ein weiser und frommer Herrscher erlag der Versuchung, eine Hölle auszutüfteln. Drei Jahrhunderte vor der christlichen Zeitrechnung befahl Asoca, Kaiser von Indien, seinen Architekten und Maurern die Errichtung einer irdischen Hölle, reich an messerscharfen Berggraten und Teichen voll kochenden Öls. Ein buddhistischer Mönch, der die Gegend durchzog, war der vorletzte seiner Gäste, die Wachen warfen ihn in einen der entsetzlichen Teiche, doch dessen Öl verwandelte sich bei der Berührung mit dem ehrwürdigen Körper in laues Wasser voller Lotosblüten. Asoca schlug diese Warnung nicht in den Wind und ordnete die Zerstörung der Stätte an, nicht ohne vorher den Verwalter sämtlichen Foltern auszusetzen.  - Nach (boc)

Hölle (germanische)  Niflheim, oder die Hölle, wurde viele Winter vor der Erschaffung der Erde geöffnet. Mitten darin ist ein Quell, daraus strömen mit Macht diese Flüsse: der Kummer, die Verdammnis, die Tiefe, das Ungewitter und das Gebrüll. An den Ufern dieser Flüsse erhebt sich ein gewaltiges Gebäude, dessen Tor öffnet sich gen Mitternacht und wird gebildet aus toten Schlangen, deren Köpfe, ins Innere gewandt, Gift speien; daraus entsteht ein Strom, in den werden die Verdammten eingetaucht. Jenes Gebäude hat neun verschiedene Gemächer: Im ersten haust der Tod, der den Hunger, die Not und den Schmerz zu Dienern hat; etwas entfernt entdeckt man das düstere Nastrond oder Ufer der Leichen, und noch weiter weg einen Hain aus Eisen, in dem die Riesen angekettet sind; drei nebelverhangene Meere umgeben diesen Hain, und in ihm findet man die bleichen Schatten der zaghaften Krieger. Über den Mördern und Meineidigen flattert ein schwarzer Drache, der sie unaufhörlich verschlingt und wieder ausspeit, sie sterben und werden augenblicklich aus seinen weiten Kiefern wiedergeboren; andere Verdammte werden von dem Hund Managarmor zerrissen, der seinen mißgestalteten, widerwärtigen Kopf nach rechts und nach links schwingt.  - Nach (boc)

Hölle (systematisch) 

Hölle (24)   »Jenen, die das Wort leugnen, die den juwelengeschmückten Schleier und das Antlitz leugnen« (so lautet eine Verwünschung der Verborgenen Rose, die sich erhalten hat), »verheiße ich eine wunderherrliche Hölle, denn jeder von ihnen wird über 999 Feuerreiche herrschen, und in jedem Reich werden 999 Feuerberge sein und auf jedem Berg 999 Feuertürme und in jedem Turm 999 Feuergelasse und in jedem Gelaß 999 Feuerbetten, und in jedem dieser Betten wird er liegen und 999 Feuergeister (die sein Antlitz und seine Stimme haben werden) sollen ihn martern auf immerdar.« An einer anderen Stelle bekräftigt er: »Hier im Leben schmachtet ihr nur in einem Leib; im Tode und in der Vergeltung aber in unzähligen.« Das Paradies ist weniger konkret. »Immer ist es dort Nacht, und steinerne Tröge sind da, und die Glückseligkeit dieses Paradieses ist die eigenartige Glückseligkeit des Abschieds, des Verzichts und jener, die wissen, daß sie schlafen.«   - Jorge Luis Borges, Universalgeschichte der Niedertracht, nach (bo3)

Hölle (25)

O wie herrlich die Hölle ist!
In der Hölle spricht keiner vom Tod.  •
Die Hölle ist ins Innre der Erden gemauert
und mit glühenden Blüten geschmückt...
In der Hölle sagt keiner ein leeres Wort...
In der Hölle hat keiner getrunken und keiner geschlafen
und keiner verweilt und keiner sitzt still.
Keiner spricht in der Hölle, doch schreien alle,
da sind Tränen nicht Tränen und der Gram hat seine Gewalt verloren.
In der Hölle wird keiner krank und keiner wird müde.
Die Hölle ist unveränderlich. Die Hölle ist ewig.

   - Edith Södergran, nach (mus)

Hölle (26)  

 Ach! vnd Weh!
Mord! Zetter! Jammer / Angst / Creutz! Marter! Würme! Plagen.
Pech / Folter! Hencker! Flamm! Stanck! Geister! Kälte! Zagen!

Ach vergeh!
Tieff’ vnd Höh’!

Meer! Hügel! Berge! Felß! wer kan die Pein ertragen?
Schluck Abgrund! ach schluck' eyn! die nichts denn ewig klagen.

 Je vnd Eh!
Schreckliche Geister der tunckelen Hölen / ihr die ihr martret vnd Marter erduldet

Kan denn der ewigen Ewigkeit Feuer / nimmermehr büssen diß was ihr verschuldet?

O grausamm’ Angst / stets sterben sonder sterben!
Diß ist die Flamme der grimmigen Rache / die der erhitzete Zorn angeblasen:
Hir ist der Fluch der vnendlichen Straffe; hier ist das immerdar wachsende Rasen:
 O Mensch! Verdirb / vmb hier nicht zu verderben.

-  Andreas Gryphius

Hölle (27)  Die Hölle ist vor allem wegen ihrer infamen Ungerechtigkeit angreifbar. Alle unsere empörten und anklagenden Worte, all unsere aufbegehrende Leidenschaftlichkeit verdient die Hölle, ohne daß man auf Einzelheiten einzugehen braucht. Selbst wenn wir als wahre Gläubige ihre Existenz annehmen, sind wir ihr doch all unsern Abscheu schuldig, und es verlohnt sich wohl, vor solch grausamem Autoritätsmißbrauch Märtyrer zu werden, edle Märtyrer in alle Ewigkeit.

Unser Gestühl befindet sich in der Hölle, im Angesicht des kläglichen Himmels voller unerträglicher Leute, widerwärtiger Hofschranzen, die in Versammlungen hocken, wie wir sie nie besucht haben, alle albern, kleinlich, geizig, gemein, unedel, mit Falsettstimmen Schmeichelliedchen singend.

Hehre Poesie und originelle Worte wird man in der Hölle aussprechen dürfen. Um nicht zweifeln zu müssen, um nicht zu verzagen, müssen wir an die Hölle glauben, aber wir müssen uns für sie entscheiden, damit wir nicht schwanken, uns nicht demütigen, damit wir unserm großmütigen Herzen treu bleiben und keine Kompromisse mit dem grausamen Tyrannen schließen.

Man mag glauben oder nicht glauben, die Hauptsache ist, es gibt keine strengen Glaubensregeln. Man kann an einen Gott glauben, aber an einen Gott, der uns völlige Freiheit läßt, Freiheit sogar, um ein Verbrechen zu begehen. Dem Verbrechen stellt sich nur der brave Selbsterhaltungstrieb in den Weg, der die Substanz des Lebens ist. Man sollte von Gott nichts Strenges, Einengendes oder Tyrannisches ableiten. Nur so könnten wir, ohne zu glauben, Überfluß an Gottesglauben haben. Das wäre etwas, an das niemand nicht zu glauben brauchte.

Man sollte den Gläubigen den Begriff Gottes beibringen, denn es ist doch so, daß niemand bis zu dem Äußersten, an das man gelangen muß, Gott liebt noch an ihn glaubt, denn der Gedanke an die Hölle hat den Gläubigen die Nabelschnur der Phantasie abgeschnitten.

Es gibt keinen Gläubigen, der aus Liebe zu Gott die Grenzen erreicht, an die er gelangen muß. Niemand erreicht die Höhen, die jenseits der Monotonie unserer Gebete sind. Niemand sieht Gott als Erfinder aller Dinge an, niemand glaubt, wenn er ein schönes Gedicht liest, daß Gott es geschrieben habe, wie er doch glauben müßte und dabei den Namen des Autors vergessen. Man sollte diesen Gedanken viel feiner ausspinnen und bis zur letzten Konsequenz durchdenken.

Im Gegensatz dazu schiebt man dem Teufel viel zu viele Dinge in die Schuhe, und zwar solche, die ohne Zweifel Gott gemacht hat. Ach, wie wird's den Armen gehen, die sich den Teufel ausgedacht haben! Was für eine Tracht Prügel wird Gott ihnen wahrscheinlich verabreichen! Oh, diese christliche Religion, die nur geschaffen wurde, um den materiellen Hunger der Menschen zu lindern, ihn zum Schweigen zu bringen, ihn zu betrügen, um sarkastisch über diesen Hunger zu spotten. Die Hölle ist vor allem für diejenigen ersonnen worden, die ihren Hunger nicht verschweigen wollen.  - Ramón Gómez de la Serna, nach (boc)

Hölle (muslimische)  In der Dschehenna brennt das Nar, das ewige Feuer; dort fließen Bäche, welche so sehr stinken, daß der Verdammte trotz seines glühenden Durstes nicht aus ihnen trinken mag, und dort stehen fürchterliche Bäume, unter ihnen der schreckliche Baum Zakum, auf dessen Zweigen Teufelsköpfe wachsen...Ja...es ist schauderhaft! Der Beherrscher der Dschehenna ist der Strafengel Thabek. Sie hat sieben Abtheilungen, zu denen sieben Thore führen. Im Dschehennem, der ersten Abtheilung, müssen die sündhaften Moslemim büßen so lange, bis sie gereinigt sind; Ladha, die zweite Abtheilung, ist für die Christen, Hothama, die dritte Abtheilung, für die Juden, Sair, die vierte, für die Sabier, Sakar, die fünfte, für die Magier und Feueranbeter, und Gehim, die sechste, für Alle, welche Götzen oder Fetische anbeten. Zaoviat aber, die siebente Abtheilung, welche auch Derk Asfal genannt wird, ist die allertiefste und fürchterlichste; sie wird alle Heuchler aufnehmen. In allen diesen Abtheilungen werden die Verdammten von bösen Geistern durch Feuerströme geschleppt, und dabei müssen sie vom Baume Zakum die Teufelsköpfe essen, welche dann ihre Eingeweide zerbeißen und zerfleischen. - Hadschi Halef Omar, in: Karl May, Durch die Wüste. Nach Wikipedia

Hölle (29)   »Wenn du daran glaubst, gibt es sie; wenn es sie gibt, kommst du hinein.« Und ich verstehe jetzt, warum ein Freund von mir, der nicht daran glaubt und nicht hineinkommen wird, jedesmal, wenn er einen Priester trifft, fragt: »Gibt es sie noch, die Hölle?«   - (scia)

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{?}
VB

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