irsch Vom
Himmel kamen zwei Hirsche herab, ein jeglicher mit zwei Köpfen. Es lebten dazumal
zwei Wolkenschlangen; der eine hieß Xiuhnel, der andere Mimich: die pflegten
in den Steppen zu jagen. Sie setzten den Hirschen nach, voll Verlangen, sie
mit ihren Pfeilen zu erlegen. Eine ganze Nacht hindurch
verfolgten sie die Hirsche und noch einen ganzen Tag über, bis die Sonne unterging,
so daß sie sie ermatteten. Da sprach der eine Hirsch zum ändern: »Bau du dir
dort eine Hütte, ich will sie mir hier bauen; schon nahen die Bösewichte.« Und
als sie die Hütten erbaut hatten, traten die, die eben noch Hirsche gewesen
waren, nachdem sie sich verwandelt hatten, als Frauen heraus. Sie riefen laut:
»Xiuhnel und Mimich! Wo bleibt ihr? Laßt uns miteinander schwatzen und laßt
euch zu essen und zu trinken geben!« Als jene es gehört hatten, sagte der eine
zum ändern: »Daß du ja nicht darauf antwortest!« Und nur Xiuhnel antwortete
ihnen und sprach: »Komm zu mir, Schwester!« Die eine der beiden Hirschfrauen
sagte zu ihm: »Da, trink, Xiuhnel!« Da trank Xiuhnel das Blut, das sie ihm reichte,
und legte sich zu ihr. Und als er sie auf den Boden ausgestreckt und sich auf
sie gelegt hatte, fraß sie ihm das Herz aus dem Leibe. Da sprach Mimich: »Wehe,
mein Bruder ist gefressen worden!« Das andere Weib rief nun auch ihn und sprach:
»Mein Sohn, iß doch etwas!« Aber Mimich antwortete nicht; er setzte vielmehr
die Feuerhölzer in Tätigkeit, machte Feuer und verbarg sich, sobald es entzündet
war, eilends darinnen. Das Weib folgte ihm ins Feuer nach; drei Nächte hindurch
verfolgte sie ihn und auch noch bis zur Mitte des vierten Tages. Und am Mittag
dieses Tages kam Mimich vom Himmel herab und fiel auf einen Kugelkaktus, ebenso
das Weib hinter ihm drein. Und als er gewahr wurde, daß es eine Tzitzimitl
war, die herabgefallen war, schoß er nach ihr mit Pfeilen; da erst nahm sie
wieder ihre gewöhnliche Gestalt an.
Mimich ging einher, mit der Papierperücke bekleidet, das Haar nach Kriegerart
hochgebunden, im Gesichte bemalt, und hielt die Totenklage ab, weil sein Bruder
gefressen worden war. Das hörten die Feuergötter. Da zogen sie unter Mimichs
Führung aus, um »Obsidianschmetterling«, eben jenes Weib, zu ergreifen. Und
als sie sie ergriffen hatten, verbrannten sie sie. - (azt)
Hirsch (2)

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