eroismus Seelengröße gehört zum Begriff des Heroismus. Mit einem niedrigen und unterwürfigen Herz kann man kein Heros sein. Aber Heroismus unterscheidet sich von einfacher Seelengröße insofern, als er glänzende Tugenden voraussetzt, die Erstaunen und Bewunderung erregen. IJm seine lasterhaften Neigungen zu überwinden, muß man zwar edle Bemühungen unternehmen, die der eigenen Natur schwerfallen; doch erfolgreiche Bemühungen in dieser Hinsicht bedeuten, wenn man will, wohl Seelengröße, aber nicht immer das, was man Heroismus nennt.

Der Heros oder Held in der herkömmlichen Bedeutung dieses Wortes ist ein Mensch, der standhaft gegenüber Schwierigkeiten, unerschrocken in Gefahren und tapfer in Kämpfen ist.

Nie zählte Griechenland so viele Helden wie in seiner Jugendzeit, das heißt der Zeit, in der es von Räubern und Mördern bevölkert war. In einem aufgeklärten Zeitalter sind die Helden nicht so zahlreich; die Sachkundigen überlegen es sich zweimal, bevor sie diesen Titel zuerkennen; man spricht ihn Alexander ab, versagt ihn dem Eroberer des Nordens, und kein Fürst kann ihn beanspruchen, wenn er, um ihn zu erlangen, nur mit Siegen und Siegeszeichen aufwartet. Heinrich der Große wäre dieses Titels unwürdig gewesen, wenn er sich damit begnügt hätte, seine Staaten erobert zu haben, und nicht ihr Verteidiger und Vater gewesen wäre.

Die meisten Helden, sagt Larochefoucauld, haben Ähnlichkeit mit gewissen Bildern; um sie richtig einzuschätzen, braucht man sie nur aus der Nähe zu betrachten.

Aber die Menge ist und bleibt immer Menge, und da sie keine Idee von echter Größe hat. erscheint ihr als Held oft gerade derjenige, der — bei Licht betrachtet — eine Schande und Geißel der Menschheit ist. - (enz)

Heroismus (2) Es gibt Dinge, deren man sich nicht rühmt, die lächerlich wirken, wenn man davon spricht, und die dennoch einen gewissen Heroismus erfordern.

Maigret hatte nicht geschlafen. Von halb sechs bis acht Uhr war er in zugigen Abteilen durchgerüttelt worden.

Von La Breauté an war er durchnäßt. Jetzt quatschte bei jedem Schritt schmutziges Wasser aus seinen Schuhen, sein Hut war deformiert, Mantel und Jacke waren klitschnaß.

Der Wind schlug ihm den Regen wie Ohrfeigen ums Gesicht. Die schmale Straße lag verlassen. Es war nur ein abschüssiger Pfad zwischen den Gartenmauern. In seiner Mitte strömte das Wasser bergab.

Er blieb einen Augenblick stehen. Selbst seine Pfeife in der Tasche war feucht. Keinerlei Möglichkeit, sich in der Nähe der Villa zu verstecken. Ihm blieb nichts anderes übrig, als sich, so gut es ging, an eine Mauer zu drücken und zu warten.

Wenn Leute vorbeikamen, würden sie ihn sehen, sich nach ihm umdrehen. Vielleicht mußte er stundenlang dort ausharren. Es gab keinen ausdrücklichen Beweis dafür, daß ein Mann in dem Haus war. Und wenn sich da einer aufhielt, würde er das Bedürfnis haben, auszugehen?

Trotzdem drängte sich Maigret mürrisch gegen einen leichten Vorsprung der Mauer und stopfte seine nasse Pfeife.

Das war nicht gerade der Platz für einen Beamten der Kriminalpolizei. Bestenfalls eine Anfängerleistung. Zwischen zwanzig und dreißig hatte er so hundertmal auf der Lauer gelegen.

Er hatte alle Mühe, ein Streichholz anzuzünden. Die Reibfläche der Schachtel löste sich auf. Und vielleicht wäre er gegangen, wenn nicht doch noch wie durch ein Wunder eines der Zündhölzer aufgeflammt wäre.

Von seinem Standort aus sah er nichts als eine niedrige Mauer und das grüngestrichene Gartentor der Villa. Mit den Füßen stand er in Brombeersträuchern. Im Nacken zog es ihm.

Fécamp lag unterhalb von ihm, aber er konnte die Stadt nicht sehen. Er hörte nur das Rauschen des Meeres und hin und wieder eine heulende Sirene oder ein vorbeifahrendes Auto.

Eine halbe Stunde hatte er seinen Posten bezogen, als eine Frau, die wie eine Köchin aussah, mit einem Einkaufskorb den steilen Pfad heraufstieg. Sie bemerkte Maigret erst, als sie an ihm vorbeiging. Seine massige Gestalt, die da reglos an der Mauer eines Weges lehnte, über den der Wind hinwegfegte, erschreckte sie dermaßen, daß sie zu laufen begann. - Georges Simenon, Maigret und Pietr der Lette. Zürich 1978 (detebe 155/2, zuerst 1929)

Mut Seele Held Heros
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