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Dieses Massengefühl der Haut, wie man es nennen möchte, ist uns nicht
nur vom Delirium her bekannt. Jeder hat es, eben im Zusammenhang mit Insekten
oder durch Kitzeln, an sich erlebt. Es wird als traditionelle Strafe für
bestimmte Arten von Verbrechen - bei manchen afrikanischen Völkern etwa
- geradezu verhängt. Man gräbt lebende Menschen nackt in Ameisenhügel
ein und beläßt sie dort, bis sie tot sind. - Auch im Delir kann sich
dieses Gefühl zu stärkeren Empfindungen als bloßem Kribbeln
steigern. Wenn der Angriff gegen die Haut nachhaltiger wird, sich auf größere
Einzelareale bezieht und tiefer dringt, steigert sich das Kribbeln zu einem
Nagen. Es ist dann so, als ob viele kleine Zähne an einem beschäftigt
wären, aus den Insekten werden Nagetiere. Nicht umsonst sind es immer Mäuse
und Ratten, von denen die Trinker hauptsächlich
sprechen. Die Flinkheit ihrer Bewegungen vereinigt sich mit der vertrauten Art
und Aktivität ihrer Zähne; die Vorstellung
von ihrer Fruchtbarkeit kommt dazu, man weiß, in wie großen Mengen
sie auftreten.Beim Kokain-Delir, wo die taktilen Halluzinationen viel mehr im Vordergrunde
sind, scheinen sie in der Haut lokalisiert, von wo der Patient sie herausschneiden
möchte. Die Gesichtstäuschungen aber werden oft ‹mikroskopisch›.
Zahllose, winzige Einzelheiten werden wahrgenommen, Tierchen, Löcher in
der Wand, Pünktchen. Von einem Kokainisten wird berichtet, daß er
‹Katzen, Mäuse, Ratten sah, die in der Zelle herumsprangen und an seinen
Beinen knabberten, so daß er schreiend hin und her hüpfte; er fühlte
ihre Zähne. Es war Spiritismus; sie waren auf hypnotischem Wege durch die
Wände gekommen.› Man kann annehmen, daß die Katzen in solchen
Fällen sich von den Mäusen oder Ratten angezogen fühlen und dazu
dienen, deren Bewegungen zu beschleunigen. - (cane)
Abziehn aber tut er ihn so: Er macht einen Schnitt rings um die Ohren, packt den Kopf und schüttelt ihn heraus, danach schabt er die Haut mit einer Rindsrippe aus und knetet sie mit den Händen, und hat er den Skalp so gegerbt, hat er ein Handtuch. Und an die Zügel des Pferdes, auf dem er selber reitet, da bindet er sie an und tut groß damit. Wer nämlich die meisten Kopf-Handtücher hat, der gilt für den tapfersten Mann. Viele von ihnen machen sich aus den abgezogenen Häuten auch Kleider zum Anziehn, indem sie sie zusammennähen wie Ziegenfelle. Viele ziehen auch die rechten Arme der Leichen ihrer Feinde ab mitsamt den Fingernägeln und machen sich daraus Mützen für den Köcher.
Die Menschenhaut
aber ist fest und hell, kann
man da sehen, so ziemlich
die hellste und weißeste
von allen Häuten.
Viele ziehen auch ganze
Menschen ab und spannen
die Haut auf Hölzer und
führen sie zu Pferde mit
umher. - hero
Haut (3)
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Als, ich weiß nicht wer, vom Ende der lycischen Männer |
- (ov)
Haut
(4) Lockenschwere blonde Scheitel, deren loses Geriesel wie
Lichtflucht schimmerte, umrahmten üppig eine Stirne, weißer als Neuschnee, der
des Nachts auf höchste Alpengipfel niederflockt; seidiglange Wimpern, ähnlich
jenem Goldgestreif, das Kleinmaler des Mittelalters ihren Engeln
als Glorie um die Häupter weben, verschleierten halb ihre Augensterne,
die blaugrün aufleuchteten wie sonnendurchschienene Gletscherwasser, ihr göttlich
geformter Mund wies Purpurfärbung, wie sie die Windungen der Venusmuschel überspült,
und ihre Wangen glichen zaghart weiße Rosen, die von dem Liebeston der Nachtigall
oder von eines Falters Flügelstreifen erröten müßten; keinem Pinsel in Menschenhand
gelänge es, die Frische, Zartheit und unwirkliche Durchsichtigkeit dieser Haut
wiederzugeben, deren Farben dem trüben Blut unserer Adern nicht zu entstammen
schienen; das erste Morgenrot über den Gipfeln der Sierra Nevada, die fleischfarbene
Tönung mancher weißer Kamelien am Blätteransatz, parischer Marmor, durch rosige
Schleier gesehen, vermögen einzig entfernte Vorstellung von ihr zu geben. Was
vom Hals zu erblicken war zwischen Hutrand und Schalfalten, schimmerte perlmutterweiß
an den Umrißlinien in ungewissen Opalreflexen. Dies erregende Haupt fesselte
anfangs weniger durch seine Linien als durch die Färbung, ähnlich den schönen
Erzeugnissen venezianischer Schule, obgleich ihre Züge gleiche Reinheit
und Zartheit zeigten wie antikische Köpfe auf achatgeschnittenen Kameen. - Théophile Gautier, Avatar. Frankfurt am Main 1985 (st 1161, zuerst 1856)
Haut
(5) Die weiber haben drei heut.
Die weiber, sagt mann, haben erstlich ein hundshaut/das ist/was mann sie schilt
oder strafft/so bellen sie hinwider wie ein hundt/biff/biff/Die ander hautt
ist ein sewhaut/da muß man scharpff haben/soll man hindurch
hawen/Wirt sie aber getroffen die sewhaut/so kröcht sie/Och /och/wie ein saw.
Die drit haut ist die menschenhaut/wer die trifft/der
hört ein solche stimm: Ach hertzlieber mann/ich will
alles thun was dir lieb ist. Zu dieser haut kommen wenig männer. - Sebastian Franck, Sprichwörter.
Schöne weise
Klügreden. Frankfurt am Main. 1548 (Nachdruck Darmstadt 1972)
Haut
(6) Zum größeren Teil ist die Haut des Menschen flach, von
niedrigen Tastwarzen = Papillen besiedelt, und erscheint glatt. An einigen Stellen
ist sie gerippt, verursacht durch das Auftreten vorspringender Tastwarzen, an
der Konjunktiva, am Muttermund, an der inneren Oberfläche der großen und kleinen
Schamlippen, an der Klitoris, den Testikeln, dem Penis, an den Brustwarzen,
den Lippen und am Gaumen. Die erhabensten und eigentümlichsten Tastwarzen am
menschlichen Körper aber finden sich an den primären Tastinstrumenten des Menschen,
auf der Haut der Hohlhand und der Fußsohle, in stets paarweise gelagerten, von
einer dem bloßen Auge verborgenen, seichten Furche getrennten, in der Quere
etwa zwei bis fünf Papillen starken Reihen. Diese Doppelreihen sind es, deren
schwarzes Abbild, die Papillarlinie, auf den Fingerabdruckblättern der Polizei
erscheint. - (net)
Haut
(7) Die Haut der Engel ist an sich höchst
zart, fein, durchsichtig, wahrscheinlich selbst nur aus einem zusammenhängenden
Dunste bestehend, wie die der Seifenblasen. - Denn auf
der Sonne ist alles ätherischer, feste Stoffe gibt es auf ihr und in ihrer nächsten
Umgebung gar nicht, schon wegen der enormen Hitze, in der alles schmelzen muß.
- Die Engel brauchen also nur ihre Haut beliebig an einzelnen Stellen zusammenziehen
und ausdehnen, und dadurch verdichten oder verdünnen zu können, um, gleich der
Seifenblase, nach dem den Physikern bekannten Prinzip
der Farben dünner Blättchen, das mannigfachste Farbenspiel, das sie zu ihrer
Sprache bedürfen, hervorzubringen. - Gustav Theodor Fechner, Vergleichende
Anatomie der Engel. Frankfurt am Main 1985 (Polaris 9. Ein Science Fiction Almanach.
Hg. Franz Rottensteiner. st 1168. - Zuerst 1825)
Haut
(8) Er kletterte über die Mauer und fand auch die Tür des inneren
Raumes verschlossen. Leise schlich er näher und blickte durch das Fenster. Da
sah er einen gräßlichen Teufel mit einem grünen Gesicht
und gezackten Zähnen, wie bei einer Säge, der eine menschliche
Haut über das Bett breitete und sie mit einer Malerbürste anstrich. Als er fertig
war, warf er die Bürste beiseite und schüttelte die Haut wie einen Mantel; er
warf sie über seine Schultern und — siehe da! — er war das Mädchen.
- P'u Sung-Ling, Gast Tiger. Stuttgart 1983.
Die Bibliothek von Babel Bd. 21, Hg. Jorge Luis Borges
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