egenwart
Hieß das aber nicht, daß er die Jukeboxen aufsuchte, um sich, wie man
so sagte, aus der Gegenwart wegzustehlen? — Vielleicht. Das Gegenteil war jedoch
dann in der Regel der Fall: Neben seinem Ding bekam, was sonst noch herumwar,
eine ganz eigene Gegenwärtigkeit. Wenn möglich, nahm er in jenen Lokalen seinen
Sitz dort ein, wo er den ganzen Raum und noch einen Ausschnitt von draußen im
Auge hatte. Da kam es nun, im Verein mit der Jukebox, zusammen mit dem Dahinphantasieren,
ohne das ihm so zuwidere Beobachten, oft zu einem Sich-Verstärken, oder eben
Gegenwärtigwerden, auch der anderen Anblicke. Und was sich an ihnen vergegenwärtigte,
waren weniger die Auffälligkeiten oder die Reize als die Üblichkeiten, auch
nur die gewohnten Formen oder Farben, und solche verstärkte Gegenwart erschien
ihm dabei als etwas Wertvolles — nichts Kostbareres und Überlieferungswürdigeres
als sie; eine Art des Gewärtigwerdens wie sonst nur bei einem die Bedachtsamkeit
weckenden Buch.
Es besagte dann etwas, einfach, wenn ein Mann ging, ein Strauch sich bewegte, der Obus gelb war und zum Bahnhof abbog, die Straßenkreuzung ein Dreieck bildete, die Kellnerin an der Tür stand, die Kreide auf dem Rand des Billardtisches lag, es regnete, und, und, und.
Ja, das war es, der Gegenwart wurden die
Gelenke eingesetzt! - (Peter Handke, Versuch über die Jukebox, Frankfurt
am Main 1990)
D. R./: Gehe in 1 großen Fremdheit des
Verstandes hier durch!/(&: dieses ist nach 3 Tausend Jahren Kultur &
Abendland & Dichten, Empfinden, Denken, Sehen, Spüren: die Gegenwart!) - (rom)
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Die Zukunft ist eine Ziege |
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Roland Topor, Die Bar der Zukunft. Aus: Tintenfass 11. Zürich 1984
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