urz Der Furz war eine Gottheit der alten Ägypter; sie war die Verkörperung einer naturlichen Verrichtung. Man stellte sie als ein Kind dar, das niedergehockt war und Anstrengungen zu machen schien, und man kann Abbildungen davon in den Werken ihrer Altertümer sehen. Das Gedicht von Calotin mit der Überschrift Le Conseil de Momus gibt Bilder von zwei Figuren dieses Gottes wieder. Die eine bestand aus dreifarbigem Karneol, die andere war aus gebranntem Ton und befand sich in der Sammlung des Marquis de Cospy. Der Verfasser der Dissertation sur un ancien Usage bestreitet, daß diese Figuren mit dem Gotte Crepitus etwas zu tun haben, und glaubt, sie seien zu einem solideren Zwecke erfunden worden« [Biblioteca Scatologica, 1850]. - »Die alten Bewohner von Pelusium, einer Stadt in Unterägypten, verehrten neben anderen absonderlichen und seltsamen Gegenständen der Anbetung und des Kultes auch einen Furz, den sie unter dem Sinnbild eines aufgeschwellten Bauches anbeteten. - (bou)

Furz (2)

Salomo der Weise spricht
Laute Fürze stinken nicht
Aber die so leise zischen
Und so still dem Arsch entwischen
Mensch vor denen hüte dich
Denn die stinken fürchterlich

- Aus: Peter Rühmkorf, Über das Volksvermögen (Reinbek bei Hamburg 1969, rororo 1180)

Furz (3) Es könnte sein, daß sich dann und wann eine Region, in der die Energiedichte besonders hoch ist, aufbläht und einen Urknall bildet wie jenen, in dem wir uns befinden. - Steven Weinberg

Furz (4) Es schießt auf den Fuß und trifft die Nase. - (raets)

Furz (5) Ich müßte große Schwachheiten erzählen, so ich alle seine Fauten erzählen wollte, welche er gegen uns begangen. Aber im Ausgang erfuhren wir, wie nützlich es sei, dergleichen Eseln das junge Kinderfleisch aus den Zähnen zu rücken, weil sie nicht als kluge Menschen, sondern als grausame Wölfe dareinzubeißen pflegen, dessen Schaden man erst dann zu empfinden hat, wenn man sieht, welch ein Vorteil es sei, wenn man der Jugend nicht alle Freiheit benimmt.

Solche Schulmeister soll man mit Buchsbaum besetzen und dem Monsieur Diabolus zum Neuen Jahre verehren, denn sie machen furchtsame Leute, die hernach sich weder zu raten noch zu helfen wissen, und ich wollte dergleichen Leuten hiermit ihre Lectiones wacker herunterlesen, wenn ich mich ihrer Bubenpossen nicht schämte und für tunlicher ansähe, daß man ihr unrechtmäßiges und allzuscharfes Beginnen ihrer eigenen Verantwortung anheimstelle und so die Narren hinlaufen lasse, wohin sie laufen wollen.

Er hatte den Gebrauch, so ein Knabe einen Furz streichen ließ, mußte einer von oben bis unten der Bänke gehen, zu riechen, wer es getan hätte. Daher kam es, daß, wenn der Herumgeschickte diesem oder jenem nicht gut war, er solchen dem Schulmeister als den Täter verriet. Auf solchen regnete es alsdann zentnerschwere Schläge, und [erJ mußte wegen eines einzigen Furzes wohl fünf Schillinge 3 halten, er mochte es gleich getan haben oder nicht. Einmal klagte mich einer in diesem Puncto Furzi auch ohne Grund bei dem Schulmeister an, und weil ich mit Gewalt hervorgerissen wurde, die Hosen herunterzunesteln und einen guten Product zu halten, sagte ich in meiner Angst:

«Oh, herzliebster Herr Schulmeister, es ist erlogen, ich habe den Furz nicht gelassen, es mag ihn gelassen haben, wer da wolle, drum bitte ich, glaubt meinem Kameraden nicht, sondern riechet selbst an meinem Arsch, da werdet ihr finden, daß ich fälschlich belogen worden.» «Du Hundsfutt», sagte der Schulmeister, «sollstu mich solche Sachen heißen, ich wollte, daß dich der Teufel holte! Geschwind, ihr Pursche, reißt ihn hervor! Ich will den Galgenvogel lehren, was er mich heißen soll. Halt, du Schlingel, ich will dir zum Arsche riechen, daß du sechs Wochen nicht sollst darauf sitzen können.» Mit diesen Worten griff er selbst zu. Da hat man Schelten, Schreien und Weinen untereinander gehört, und war wegen des Furzes ein solcher Lärm in der Schul, davon die Leute vor den Fenstern auf der Gasse stehen geblieben. Wo ich mich an eine Bank oder an einen Knaben anhalten konnte, da hielt ich mich mit allen Klauen an. Daher geschah es, daß ich bald einen beim Haar, den andern bei seinem Überschlag ergriff, die ich ihnen in kleine Stücke zerriß. Während solchem Herumreißen verknüpfte ich meine Hosennestel wohl mit vierundzwanzig Knöpfen, welches, als es der Schulmeister gewahr ward, wischte er über sein Federmesser, mir die Hosen aufzuschneiden. Aber ich streckte den Bauch weit vor mich, schwenkte mich auch mit dem Leib dergestalt hin und wider, daß er mir nicht leichtlich an die Nestel kommen konnte, aus Furcht, er möchte mich gar in den Bauch schneiden. Endlich warf er mich zu Boden und kriegte mir die Hosen von hinten hinunter. Da hat er wohl mehr als zwei Ruten an mir stumpf und zuschanden geschmissen, so daß ich sowohl unter der Nase als auf dem Fetzer voll Blut war.

Ein so ehrbarer und delikater Gesell war unser Schulmeister. - Johann Beer, Das Narrenspital. Reinbek bei Hamburg 1957 (RK 9, zuerst 1681)

Furz (6)  Wir sind nichts anderes als im Zustand des virtuellen Furzes. Der Begriff der Realität wird uns gegeben durch einen bestimmten Zustand der Unterleibskonzentration des Windes, der noch nicht losgelassen wurde. Die Götter und die Morgende, die singen, sind aus diesem obszönen Gas hervorgegangen, das angesammelt wurde, seitdem die Welt Welt ist und seitdem der pyramidale Ubu uns verdaut, bevor er uns pataphysisch in die Leere herausschleudert, die verdunkelt wird beim Geruch des erkalteten Furzes - der das Ende der Welt und aller möglichen Welten sein wird. - Jean Baudrillard

Furz (7)

EINE KLEINE BALLADE VON DEM MÄUSLEIN, DAS IN VILLONS ZELLE JUNGE BEKAM

Es schwamm der Mond in mein Gemach hinein,
weil er da draußen so allein
bei den entlaubten Bäumen stand.
Ich habe ihm ein Kissen hingerückt,
damit er ruhen konnte, und er tats beglückt
sich untern Kopf. Ich legte ihm die Hand
schnell auf die Augen, und da schlief er auch.
Mich aber plagte schlechte Luft im Bauch.

Sie plagte mich, bis eine Uhr schon zwölfe schlug.
Da hatte ich verdammt genug
und ließ sie ab, die Luft. Davon ist zwar
der Mond nicht aufgewacht, doch in dem Fenstereck
die Mäusefrau. Sie hat im ersten Schreck
geboren, was noch gar nicht gar nicht fällig war.
Die kleinen rosa Schnauzen piepsten da so nett,
daß ich sie zu mir nahm ins warme Bett.

Mein Gott, die lütten Dinger, noch ganz nackt
und blind: Wie hat das Elend mich gepackt l
Ich glaub, daß mir was Nasses in die Augen kam.
Dabei hat manches Mädchen schon von mir
ein Kind gekriegt und starb vor Scham.
Die armen Würmer aber kuschten sich
in meine Hand, als wäre ich ihr Vater Mäuserich.

Zuletzt war auch die Mäusefrau so zahm geworden,
daß sie schwänzelnd zu mir kam.
Die schwarzen Augen glänzten froh und groß
in mein Gesicht hinein.
Und plötzlich war ich auch so mäuseklein
wie dieses Tier und nahm es in den Schoß.
Ich habe wohl die ganze Nacht mit ihr verbracht
und an kein andres Weib dabei gedacht.

 -  Die lasterhaften Balladen des François Villon. Nachdichtung von Paul Zech. München 1962 (dtv 43, zuerst ca. 1460)

Furz (8)  In Luthers Kraftsprache mischt sich unendlich oft das deutsche Kernwort, das wir nicht mehr zu nennen wagen, und so ist ihm in seinem „Papsttum, vom Teufel gestiftet" der Papst auch „ein Farzesel, vor dessen Furz sich selbst der Kaiser fürchtet und der alle Eselsfürze und die selbsteigenen binden und angebetet haben will, und dieser Farzer zu Rom will noch, daß man ihm den Hintern lecke." - (kjw)

Furz (9)  

Furz (10)   Metrokles, der Bruder der Hipparchia, der zuerst den Peripatetiker Theophrast hörte, war dermaßen verschüchtert, daß, als ihm einst während der Schulübung ein Wind entfuhr, er sich aus Verzweiflung in seinem Zimmer einschloß in der Absicht, sich durch Hunger das Leben zu nehmen. Als Krates dies erfuhr und sich, aufgefordert durch die Angehörigen, zu ihm begab, nachdem . er absichtlich zuvor Bohnen genossen, suchte er ihm zunächst durch vernünftige Vorstellungen klarzumachen, daß er keine Schandtat begangen habe; denn es müßte doch wunderbar zugehen, wenn nicht auch die Winde sich ihren natürlichen Abzug verschafften; schließlich aber richtete er ihn dadurch wieder auf, daß er selbst sich dieser Sünde schuldig machte und so zu seinem Troste sich tatsächlich mit ihm auf die gleiche Stufe stellte. Von da ab ward er sein Zuhörer und brachte es in der Philosophie zu einer beachtenswerten Stellung.   - (diol)

Furz (11)

Furz (12) Wir sind nichts anderes als im Zustand des virtuellen Furzes. Der Begriff der Realität wird uns gegeben durch einen bestimmten Zustand der Unterleibskonzentration des Windes, der noch nicht losgelassen wurde. Die Götter und die Morgende, die singen, sind aus diesem obszönen Gas hervorgegangen, das angesammelt wurde, seitdem die Welt Welt ist und seitdem der pyramidale Ubu uns verdaut, bevor er uns pataphysisch in die Leere herausschleudert, die verdunkelt wird beim Geruch des erkalteten Furzes - der das Ende der Welt und aller möglichen Welten sein wird...   - Jean Baudrillard
 
 

Aufgeblasenheit Geräusch Blasen Gestank

 

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