rleichterung
Man überwacht den Gott, um
herauszufinden, wo er nachts insgeheim defäziert. Er tut das,
wie man entdeckt, indem er auf einen hohen Pfahl oder ein Gerüst
aus Stangen klettert, die ans Meer gepflanzt
sind. Wenn der so zu Stuhl gekommene Gott sich erleichtert, machen
seine Exkremente beim Herabfallen ins Wasser ein Donnergetöse.
Das Frosch-Mädchen
oder ein anderer Lurch bezieht Stellung, schnappt die Exkremente
im Fluge auf und bringt sie zu den verbündeten Tieren, die sie
zerstreuen und so zerstückeln, was bereits das Ergebnis einer
Zerstückelung war. Der Gott bemerkt am fehlenden Geräusch,
daß man seine Exkremente abgefangen hat. Er wird krank, fühlt
sich verurteilt und stirbt schließlich. Man verbrennt seinen
Leichnam auf einem Scheiterhaufen; das ist der Ursprung des Brauches
der Einäscherung der Toten. Coyote aber gelingt es, sein Herz
zu rauben, das den Flammen länger widersteht, und er verschlingt
es. - (str)
Erleichterung (2) Die Amme japste, bei offenstehendem Mieder, die Backen schlaff, die Augen trübe; und mit gepreßter Stimme sagte sie: »Ich habe seit gestern nicht die Brust gegeben; jetzt ist mir schwarz vor Augen, als ob ich ohnmächtig werde.«
Er antwortete nichts, was hätte er sagen sollen. »Wenn man soviel Milch hat wie ich«, fuhr sie fort, »muß man dreimal am Tag die Brust geben, sonst macht es einen kaputt. Das ist so, als ob mir ein großes Gewicht aufs Herz drückt, ein Gewicht, dafs ich keine Luft mehr kriege und mir die Glieder wie Blei werden. Es ist schlimm, wenn man soviel Milch hat.»
»Ja«, sagte er, »das ist schlimm, das muß Sie kaputtmachen.« Sie sah tatsächlich krank aus, ganz verzagt und verfallen. »Man braucht bloß ein bißchen draufzudrücken«, murmelte sie, »dann fließt die Milch wie eine Quelle. Das ist richtig komisch. Man sollt's nicht glauben. In Casale sind alle Nachbarn gekommen und wollten es sehen.«
»Ach«, sagte er, »wirklich?«
»Ja, wirklich. Ich würde es Ihnen ja auch zeigen, aber das hilft mir nichts. Dabei kommt nicht genug heraus.«
Und sie verstummte.
Der Zug hielt. An einer Schranke stand eine Frau mit einem kleinen Kind auf dem Arm, das weinte. Sie war dürr und zerlumpt.
Die Amme blickte nach ihr. Mitleidig sagte sie: »Wenn ich die sehe, wie gut ich der tun könnte. Und wie das Kleine mich erleichtern könnte. Wissen Sie, ich bin nicht reich, sonst würde ich nicht wegfahren von zu Hause und von meinen Leuten und von meinem Allerkleinsten und in Stellung gehen; aber ich würde noch fünf Francs drauflegen, wenn ich das Kind da bloß zehn Minuten haben und ihm die Brust geben könnte. Dann hätte es Ruhe, und ich erst! Ich wäre wie neu geboren.«
Wieder schwieg sie. Dann strich sie sich abermals mit der glühenden Hand über die Stirn, von der der Schweiß rann. Und sie klagte: »Ich halte es nicht mehr aus. Mir ist, als ob ich sterbe.« Und abwesend knöpfte sie ihr Kleid ganz auf.
Riesig, prall trat die rechte Brust mit ihrer braunen Beere hervor, und die arme Frau wimmerte: »Oh, mein Gott! mein Gott! Was soll ich bloß machen?«
Der Zug war wieder angefahren und setzte die Reise durch die
Blumen fort, die ihre betörenden Abenddüfte verströmten. Manchmal
lag ein Fischerboot wie im Schlummer auf dem blauen Meer und
spiegelte sich mit seinem reglosen weißen Segel im Wasser, als
wäre dort kopfunter ein zweiter Kahn.
Verlegen stammelte der
junge Mann: »Aber ... Madame ... könnte ich ... könnte ich Sie
nicht erleichtern?«
Mit brüchiger Stimme antwortete sie: »Wenn
Sie wollen, ja! Sie würden mir einen großen Dienst erweisen.
Ich kann nicht mehr, ich kann nicht mehr.«
Er kniete vor ihr hin, und sie beugte sich zu ihm nieder,
führte mit Ammenhänden den dunklen Hügel ihrer Brust an seinen
Mund. Als sie sie in beide Hände nahm, um sie dem Mann darzubieten,
quoll ein Tropfen Milch aus der Kuppe. Rasch schlürfte er ihn
weg, indem er die schwere Zitze wie eine Frucht mit seinen Lippen
faßte. Und gierig und gleichmäßig fing er zu saugen
an.
Er hatte der Frau beide Arme um den Leib geschlungen,
um sie zu sich heranzuziehen; er trank in langen Zügen, und sein
Hals bewegte sich wie bei einem Kind.
Auf einmal sagte sie:
»Nun ist es genug mit dieser, jetzt die andere.«
Und gehorsam
nahm er die andere.
Sie hatte dem jungen Mann beide Hände
auf den Rücken gelegt, und jetzt schöpfte sie Atem voller Kraft,
voller Glück, schlürfte die gemischten Blütendüfte aus der frischen
Luft, die der Fahrtwind in den Wagen wehte.
»Wie gut das hier
riecht!« sagte sie.
Er antwortete nicht, er trank weiter an
der fleischigen Quelle und hielt die Augen geschlossen, als schmecke
er so besser.
Aber sie löste ihn milde von sich ab.
»Nun
ist es genug. Jetzt ist mir wohler. Jetzt fühle ich meine Seele
wieder im Leib.«
Er war aufgestanden und wischte sich mit
dem Handrücken den Mund.
Und während sie die beiden lebendigen
Rundflaschen wieder in ihr Kleid schob, sagte sie:
»Sie haben
mir wunderbar wohlgetan. Vielen Dank auch, Monsieur.«
Und
er antwortete in dankbarem Ton: »Oh, ich danke Ihnen, Madame;
ich hatte seit zwei Tagen nichts gegessen!« - (nov)
Erleichterung (3) Die
Unterhaltung des Lebensprocesses, wenn sie gleich eine metaphysische
Grundlage hat, geht nicht ohne Widerstand, folglich nicht ohne
Anstrengung vor sich. Diese ist es, welcher der Organismus Jeden
Abend unterliegt, weshalb er dann die Gehirnfunktion einstellt
und einige Sekretionen, die Respiration, den Puls und die Wärmeentwickelung
vermindert. Daraus ist zu schließen, daß das gänzliche Aufhören
des Lebensprocesses für die treibende Kraft desselben eine wundersame
Erleichterung seyn muß: vielleicht hat diese Antheil an dem Ausdruck
süßer Zufriedenheit auf dem Gesichte
der meisten Todten. Ueberhaupt mag der
Augenblick des Sterbens
dem des Erwachens aus einem schweren,
alpgedrückten Traume ähnlich seyn.
- (wv)
Erleichterung (4) Sie drehten ihn auf den Bauch und begannen mit der Massage. Die eine konzentrierte sich auf die Schulter- und Rückenpartie; sie rieb ihn mit Öl ein und senkte immer mal wieder ihren Oberkörper, so daß ihre Titten über seinen Rücken strichen; es war das Mädchen mit den größeren Titten, das bekam er ganz genau zu spüren. Das andere Mädchen hielt sich an seine Beine und arbeitete sich immer weiter aufwärts. Duffys wachsende Erektion war eingequetscht zwischen Bett und Oberschenkel.
Dann drehten sie ihn auf den Rücken. Dabei verrutschte offenbar das Handtuch, und seine Erektion kam seitlich herausgebaumelt.
»Oh, so ein schlimmer, schlimmer Junge«, bemerkte das Mädchen am unteren Ende. »Was haben wir denn da?«
Duffy glaubte sich eine Antwort darauf sparen zu können. Die Mädchen bearbeiteten ihn weiter mit ihrem Öl und ihren Brüsten. Wie das Öl an seinem Körper von ihren Brüsten weggewischt wurde, fand Duffy wirklich sehr angenehm. Er fand überhaupt die ganze Sache äußerst angenehm und ganz besonders die Art, wie sich das Mädchen am unteren Ende immer näher an seinen Pimmel heranmachte. Immer wieder schien ihr Ellbogen wie zufällig drüberzustreifen und stupste ihn in eine immer härtere Erektion. Dennoch faßte sie seinen Pimmel nicht eigentlich an. Er erinnerte sich dunkel an irgendwelche juristischen Finessen, die erfüllt sein mußten, bevor sie ihm einen abwichsen konnte. Ja, genau das war es: Der Vorschlag mußte vom Kunden kommen. Duffy überlegte, wie so was wohl zu formulieren war. Schließlich versuchte er es mit:
»Ich möchte gern, daß du da weitermachst.«
Wie aus der Pistole geschossen und ohne ihre Handarbeit zu unterbrechen antwortete das untere Mädchen:
»Sie wünschen Erleichterung?«
Ja natürlich, so hieß das. Sie wünschen Erleichterung? Er nickte.
»Erleichterung macht zehn.«
Er deutete zu seinem Kleiderhaufen hinüber, und das Mädchen am Kopfende ging hin, wühlte nach seiner Brieftasche und zeigte ihm die zwei Fünf-Pfund-Noten, die sie herausnahm. Inzwischen hatte das untere Mädchen einen Schlag Öl herausgequetscht und rieb damit sanft seinen Pimmel und seine Eier ein. Ah, das brachte ihm schon einige Erleichterung, fand er. Das Mädchen am oberen Ende rieb ihre Titten mit wahrer Begeisterung an seiner Brust.
»Jetzt ist eine kleine Überraschung fällig«, sagte das Mädchen am unteren Ende, »bitte Augen zu.« Das Mädchen mit den großen Titten war ihm behilflich, indem sie ihre Brüste über sein Gesicht hielt, sie ein wenig hin- und herschob und die Nippel schließlich sanft auf seinen Augenlidern zur Ruhe kommen ließ. Selbst als das Mädchen am anderen Ende für einen Augenblick mit dem Reiben aufhörte, pulsierte und ragte sein Pimmel weiter. Er hörte, wie eine Schranktür aufging, dann wieder geschlossen wurde, und fragte sich, was sie da machte. Vielleicht holte sie eine Kleenexschachtel.
Die Nippel des kräftigeren Mädchens waren fest auf seine Augen gepreßt. Das Mädchen am Ende zog noch ein paar Mal an seinem eingeölten Pimmel; dann spürte er, wie etwas sanft um den Ansatz seiner Eier geschlungen wurde. Wahrscheinlich irgendein orientalischer Trick, um den Orgy noch aufregender zu gestalten, dachte er.
»Jetzt dürfen Sie gucken«, sagte das Mädchen am unteren Ende. Die Nippel wurden von seinen Augen gehoben, und er sah an seinem Körper hinab. Was Duffy dann sah, war das erschreckendste Ding, das er in seinem ganzen Leben je gesehen hatte.
Um den Ansatz seines Pimmels und seiner Eier war ein dünner Kupferdraht geschlungen.
Der Draht war da gekreuzt, wo sein Pimmel aus dem Bauch kam. An jedem Ende des
Drahtes befand sich ein Holzgriff, das schlankere Mädchen hielt in jeder Hand
einen. Es handelte sich um eine Garotte. - Dan Kavanagh, Duffy.
München 2006 (zuerst 1980)
Erleichterung (5) Ein Läufer, der an einem
heiligen Wettkampf teilnehmen wollte, träumte, er reinige mit einem Besen eine
von Unrat und Schlamm verschmutzte Wasserleitung und spüle sie mit viel Wasser
aus, um sie wieder leicht fließend und sauber zu machen. Am folgenden Tag ließ
er sich eine Klistierspritze geben und unterzog seinen Darm einer Generalreinigung,
obwohl er kurz vor dem Wettkampf stand; schnellfüßig und erleichtert erkämpfte
er sich den Siegeskranz. - (art)
Erleichterung (6) Claudius erhob
sich selten von Tisch, ohne sich vollgegessen und -getrunken zu haben; daher
wurde ihm stets, sooft er schlafend mit offenem Mund auf dem Rücken lag, eine
Feder in den Schlund gesteckt, um durch eine Entleerung seinen Magen zu erleichtern.
- (sue)
Erleichterung (7) Zwei oder drei Landadlige
aßen mit uns, unter den übrigen Mr. Christmas, mein alter Schulkamerad, mit
dem ich mich viel unterhielt. Er erinnerte sich, daß ich als Schüler ein großer
Rundkopf war, und ich hatte große Angst, er könne sich an meine Äußerung an
dem Tag, als der König enthauptet wurde, erinnern
(daß, wenn ich eine Predigt auf ihn halten müßte, mein Text sein würde: »Das
Gedächtnis der Gottlosen wird verwesen.«); aber ich stellte nachher fest, daß
er schon vor dieser Zeit die Schule verlassen hatte. - (pep)
Erleichterung (7) Am Sonntagmorgen
weckt mich das Telefon. Es ist mein Freund Maxie Schnadig, der mir den Tod unseres
gemeinsamen Freundes Luke Ralston mitteilt. Maxie hat einen aufrichtig traurigen
Ton angeschlagen, der mir gegen den Strich geht. Er sagt, Luke sei ein feiner
Kerl gewesen. Auch das klingt für meine Ohren falsch, denn wenn Luke auch in
Ordnung war, so war er doch nur soso, nicht gerade das, was man als einen feinen
Kerl bezeichnen möchte. Luke war ein eingefleischter Homo und entpuppte sich
bei näherer Bekanntschaft als eine Nervensäge. Ich sagte das Maxie am Telefon;
an der Art, wie er mir antwortete, merkte ich, daß er es nicht sehr gern hörte.
Er sagte mir, Luke habe sich mir gegenüber immer als Freund gezeigt. Das war
schon richtig, aber es genügte nicht. Denn in Wahrheit war ich wirklich froh,
daß Luke im geeigneten Augenblick abgekratzt war: es bedeutete, daß ich die
hundertfünfzig Dollar vergessen konnte, die ich ihm schuldete. Tatsächlich fühlte
ich mich, als ich den Hörer auflegte, in wirklich glänzender Laune. - Henry Miller,
Wendekreis des Steinbocks, Reinbek bei Hamburg 1972 (zuerst 1939)
Erleichterung (8) Alle Engel sammeln
sich in großer Bestürzung um den Thron; einige knien nieder und schauen ängstlich
gespannt auf Gott Vater: Helft! – Helft! – Wo
fehlt's? – Wo fehlt's? – Göttliche Majestät, wo fehlt's? – Er stirbt uns! –
Holt Maria! – Holt den Mann! – Helft! – Helft!– Gott Vater weiter stöhnend;
wird engobiert im Gesicht; aus den Augensäcken rollen große Tränen infolge der
Anstrengung: Aeh! – Aeh! – Schpu! – Schpu! – Schpu! – Ein Engel springt
auf, triumphierend, mit heller, lauter Stimme: Die Spuckschale! Alle Engel aufspringend,
in klirrendem Diskant, erlösend: Die Spuckschale!! Sie eilen zu einem
Tisch, wo Medizinflaschen, Weinkaraffen, Bisquit-Gläser und dgl. stehen, und
bringen eine rosa-rote Kristall-Vase. Gott Vater räuspernd, kollernd, sich abmühend,
erleichtert sich endlich. Ein Engel nimmt die Spuckschale zurück, trägt sie,
von anderen begleitet, feierlich nach hinten; ein anderer Engel wischt dem Alten
mit einem seidenen Tuch den Bart ab; dann stehen alle Anwesenden, dicht gesammelt,
erwartungsvoll um Gott Vater herum. – Dieser schaut erst lange mit glasig-starren
Blicken im Kreise herum, packt dann plötzlich mit zitternden Händen die
Krücken, die ihm im Schoß liegen, und stößt sie mit unerwartetem Ruck und heiserem,
fürchtenmachendem, fingierten Gebrüll gegen die Engel vor: Wuh! – Wuh! –
Die Engel fahren kreischend
auseinander und fliehen zu den Türen hinaus. - Aus: Oskar Panizza,
Das Liebeskonzil (1895)
Erleichterung (9) Wie glücklich der unbekannte Dichter, denkt Lukas, der jenen Vierzeiler schrieb:
Zu den köstlichsten Freuden gewiß/
zählt ein wahrhaft
geruhsamer Schiß /
doch der Gipfel der Freudengaben /
ist letztlich
geschissen zu haben.
- Julio Cortázar, Ende der Etappe. Die Erzählungen Bd. 4.
Frankfurt am Main 1998
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