ntfernung  Bis heute lebt in den Köpfen von Gebildeten jene Lehre, die Friedrich Engels 1884 verbreitet hat in seinem Buch Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates, mit den Viehherden und dem Privateigentum der Männer, mit der Monogamie und dem Patriarchat, und wie jeweils das eine das andere zur Folge gehabt habe, als die Menschen in grauer Vorzeit allmählich übergegangen sind zur Seßhaftigkeit. Ab und zu ist man ja in der Wissenschaft etwas weiter als in der Allgemeinbildung. Dies hier ist so ein Fall. Seit langem haben Ethnologen die Familie beobachtet und beschrieben, auch in Gesellschaften ohne Privateigentum und ohne Staat. Sie ist sehr viel älter als beide und wird sicherlich auch überleben, wenn es diese beiden eines Tages nicht mehr geben sollte. Vorerst ist sie freilich elementarer Bestandteil des Bürgerlichen Gesetzbuches, geregelt in etwa sechshundert Paragraphen, deren Inhalt allerdings starken Schwankungen ausgesetzt war seit seinem Inkrafttreten am 1. Januar 1900. Das hängt zusammen mit der uralten Frage, wie es denn so geht im Verhältnis von Männern und Frauen. In der Familie waren sie eingesperrt, die Frauen, nicht nur von den Vätern des BGB. Sie sind es ja sogar manchmal heute noch. Selbst der Bundesgerichtshof hat sich da ein Denkmal gesetzt, 1953, im 11. Band seiner Entscheidungen, im Anhang auf Seite 65:

»Was die Menschen- und Personenwürde angeht, so sind Mann und Frau völlig gleich; und das muß streng in allem Recht zum Ausdruck kommen. Streng verschieden sind sie aber nicht nur im eigentlich Biologisch-Geschlechtlichen, sondern auch in ihrer seinsmäßigen, schöpfungsmäßigen Zueinanderordnung zu sich und dem Kind in der Ordnung der Familie, die von Gott gestiftet und daher für den menschlichen Gesetzgeber undurchbrechbar ist. Die Familie ist nach der Schöpfungsordnung eine streng ihrer eigenen Ordnung folgende Einheit; Mann und Frau sind ›ein Fleisch‹. An diesen Urtatbestand (außerhalb des ehewirtschaftlichen Bereichs) Rechtsformen gesellschaftlicher Art herantragen zu wollen, ist widersinnig. Innerhalb der strengen Einheit der Familie sind Stellung und Aufgabe von Mann und Frau durchaus verschieden. Der Mann zeugt Kinder; die Frau empfängt, gebiert und nährt sie und zieht die unmündigen auf. Der Mann sichert, vorwiegend nach außen gewandt, Bestand, Entwicklung und Zukunft der Familie; er vertritt sie nach außen; in diesem Sinne ist er ihr ›Haupt‹. Die Frau widmet sich, vorwiegend nach innen gewandt, der inneren Ordnung und dem inneren Aufbau der Familie. An dieser fundamentalen Verschiedenheit kann das Recht nicht doktrinär vorübergehen, wenn es nach der Gleichberechtigung der Geschlechter in der Ordnung der Familie fragt.«

Davon haben wir uns ein wenig entfernt. - Uwe Wesel, Fast alles, was Recht ist. Jura für Nichtjuristen. Frankfurt am Main 1992 (Die Andere Bibliothek 92)

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