ngländer   Ein Engländer, der zum Tode durch den Strang verurteilt worden war, wurde vom König begnadigt. »Das Gesetz ist auf meiner Seite«, sagte er, »man hänge mich.« - (Chamfort)

Engländer (2)

Engländer


IVAN TURGENEV: Engländer — Arbeiter, Sanguiniker, kräftig, viel animal spirits, intelligent in seinem Beruf, kühn, trinkt, ißt und hat einen festen Schlaf — hat eine bleichsüchtige und kränkelnde Frau — und 8 Kinder, die ihm ähnlich sehen und einen Teufelskrach machen. Hat eine sehr weiße Stirn, rote Wangen — hat nie Handschuhe getragen und schwitzt stark.

PAULINE VIARDOT: Leidenschaftlicher Mensch — grob — vielleicht ein guter Redner. Ehemaliger Metzger.

 

- (turg)

Engländer (3) Alan Turing gehörte ebenfalls zu den Kryptoanalytikern, die nicht lange genug lebten, um auch nur die mindeste öffentliche Anerkennung zu erfahren. Man bejubelte ihn nicht als Helden, sondern verfolgte ihn wegen seiner Homosexualität. 1952 zeigte er einen Einbruch bei der Polizei an und enthüllte arglos, daß er eine homosexuelle Beziehung hatte. Die Polizisten waren der Meinung, sie hätten keine andere Wahl, als ihn zu inhaftieren und anzuzeigen wegen »grober Sittenlosigkeit nach Paragraph 11 des Zusatzes zum Strafrecht von 1885«. Die Zeitungen berichteten von dem darauf folgenden Prozeß und der Verurteilung. Turing wurde öffentlich gedemütigt.

Turings Geheimnis war enthüllt, seine Homosexualität war jetzt öffentliches Wissen. Die britische Regierung entzog ihm den Status eines Geheimnisträgers und verbot ihm jegliche Mitarbeit in Forschungsprojekten, die mit der Entwicklung des Computers zu tun hatten. Er wurde gezwungen, einen Psychiater aufzusuchen, und mußte eine Hormonbehandlung über sich ergehen lassen, die ihn impotent ünd fettleibig werden ließ, In den zwei Jahren darauf bekam er schwere Depressionen, und am 7. Juni 1954 ging er mit einem Glas Zyanidlösung und einem Apfel in sein Schlafzimmer. Zwanzig Jahre früher hatte er den Vers der bösen Hexe gesungen: »Dip the apple in the brew / Let the sleeping death seep through.« Nun war er bereit, ihrem Lockruf zu folgen. Er tauchte den Apfel in das Zyanid und aß einige Bissen davon. Im Alter von nur zweiundvierzig Jahren ging eines der wahren Genies der Kryptoanalyse in den Freitod. - (krypt)

Engländer (4) Er saß, allen behördlichen Vorschriften zum Trotz, rittlings auf der Kanone Zam-Zammah, die auf ihrem Backsteinsockel gegenüber dem alten Ajaib-Gher stand — dem Wunderhaus, wie die Eingeborenen das Museum von Lahore nennen. Wer Zam-Zammah, »den feuerspeienden Drachen«, hat, hat das Punjab; denn das große grünbronzene Stück ist immer erste Beute des Siegers.

Eine Rechtfertigung hatte Kim für sich: er hatte Lala Dinanaths Sohn von der Lafette mit Tritten hinunterbefördert - da den Engländern das Punjab gehörte — und Kim war Engländer. Zwar war er schwarz gebrannt, wie nur irgendein Eingeborener, gebrauchte mit Vorliebe die Landessprache und radebrechte die eigene Muttersprache nur in einem undeutlichen Singsang, verkehrte auch mit den kleinen Bazarbuben auf völlig gleichem Fuß. Dennoch war Kim ein Weißer — ein armer Weißer — von den Allerärmsten einer. Die Halbblutfrau, die ihn betreute (sie rauchte Opium und hatte angeblich einen Altmöbelladen an dem Platz, wo die billigen Droschken stehen), sagte den Missionaren, sie sei Kims Mutterschwester. Seine Mutter aber war Kindermädchen in der Familie eines Obersten gewesen und hatte Kimball O‘Hara geheiratet, einen jungen Fahnenunteroffizier von den Mavericks, einem irischen Regiment. Dieser nahm später Dienst bei der Sind-Punjab-Delhi-Eisenbahn und sein Regiment kehrte ohne ihn in die Heimat zurück. O‘Haras Weib starb in Ferozepore an der Cholera; er ergab sich dem Trunk und trieb sich mit dem dreijährigen, blitzäugigen Kinde an der Bahnlinie herum. Vereine und Geistliche, um den Knaben besorgt, suchten ihn einzufangen; aber O‘Hara verzog sich nach anderwärts, bis er zu guter letzt auf das Weib traf, das Opium rauchte, und von ihr den Geschmack daran lernte und starb, wie eben arme Weiße in Indien sterben.

Seine Hinterlassenschaft bestand aus drei Schriftstücken; das eine nannte er sein ne varietur, weil diese Worte unter seinem Namenszug geschrieben standen; das andere seinen Entlassungsschein; das dritte war Kims Geburtsschein. Diese Dinger, pflegte er in seinen glorreichen Opiumstunden zu sagen, würden den kleinen Kimball noch einmal zu einem Manne machen. Auf keinen Fall dürfte Kim sich von den Papieren trennen, denn sie hingen mit einer großartigen Magie zusammen — einer Magie, wie sie die Männer drüben hinter dem Museum übten, in dem großen blau und weißen Jadoo-Gher — dem Magischen Hause, wie die Freimaurerloge hierzulande genannt wird. Es würde, sprach O‘Hara, eines Tages noch alles zum Rechten kommen und Kims Horn würde hoch erhöht werden zwischen Säulen — ungeheuren Säulen — Säulen der Schönheit und Kraft. Der Oberst selbst, auf einem Pferde reitend an der Spitze des feinsten Regiments der Welt, würde Kim aufwarten — dem kleinen Kim, der es besser haben sollte als sein Vater. Neunhundert Teufel erster Klasse, deren Gott ein roter Stier auf grünem Felde wäre, würden Kim dienen, wenn sie nicht O‘Hara vergessen hätten — den armen O‘Hara, den Vorarbeiter auf der Strecke von Ferozepore. Danach pflegte er in seinem zerbrochenen Binsenstuhl auf der Veranda jedesmal bitterlich zu weinen. So geschah es, daß nach seinem Tode das Weib Pergament, Papier und Geburtsschein in ein ledernes Amulettetui einnähte und es Kim um den Hals hängte.

»Und eines Tages«, sprach sie, sich der Prophezeiungen O‘Haras verworren erinnernd, »wird ein großer roter Stier auf einem grünen Felde zu dir kommen und der Oberst, auf seinem großen Pferde reitend, ja, und« — ins Englische fallend — »neunhundert Teufel

»Oh«, sagte Kim, »ich werde daran denken. Ein roter Stier wird kommen und ein Oberst auf einem Pferde. Aber vorher, hat mein Vater gesagt, kommen die zwei Männer, die erst den Platz und alles dafür zurechtmachen müssen. So haben sie‘s immer gemacht, hat mein Vater gesagt, und so ist es überhaupt immer, wenn Männer Magie machen.« - Rudyard Kipling, Kim, nach (ki)

Engländer (5) Lachen muß ich immer über die Engländer, die diesen ihren zweiten Dichter (denn nach Shakespeare gebührt Byron die Palme) so jämmerlich spießbürgerlich beurteilen, weil er ihre Pedanterie verspottete, sich ihren Krähwinkelsitten nicht fügen, ihren kalten Glauben nicht teilen wollte, ihre Nüchternheit ihm ekelhaft war, und er sich über ihren Hochmut und ihre Heuchelei beklagte. Viele machen schon ein Kreuz, wenn sie nur von ihm sprechen, und selbst die Frauen, obgleich ihre Wangen von Enthusiasmus glühen, wenn sie ihn lesen, nehmen öffentlich heftig Partei gegen den heimlichen Liebling. - Briefe eines Verstorbenen. Ein fragmentarisches Tagebuch aus England. München 1830, nach: Heinrich Heine, Die Stadt Lucca (1831)

Engländer (6)  Der Gedanke, die Unterdrückung der eigenen Gefühle habe etwas Englisches, gehört zu jenen, von denen kein Engländer etwas wußte, solange England nicht von Schotten, Amerikanern und Juden regiert wurde. Im besten Fall ist dieser Gedanke eine Verallgemeinerung dessen, was der Herzog von Wellington tat - der Ire war. Im schlimmsten Fall ist er Teil jenes albernen Germanenkults, der von England nicht mehr versteht als von Anthropologie, aber pausenlos von den Wikingern schwatzt. Tatsache ist, daß die Wikinger ihre Gefühle nicht im mindesten unterdrückten. Sie heulten wie Babys und küßten sich wie Mädchen; kurz, in dieser Hinsicht verhielten sie sich - ganz wie Achill und alle starken Heroen - als echte Kinder der Götter. Und obgleich die englische Nation vermutlich mit den Wikingern kaum mehr zu tun hat als die französische oder irische, sind die Engländer in Sachen Tränenvergießen und Küssen unzweifelhaft Kinder der Wikinger.     - Gilbert Keith Chesterton, Ketzer. Eine Verteidigung der Orthodoxie gegen ihre Verächter. Frankfurt am Main 2004 (it 3023, zuerst 1905)

Engländer (7)  Tralee stand im Korridor.
»Da bist du also«, sagte der Wärter. »Der Mann hier wird dir deine Zelle zeigen.«
Auf dem Weg zur Zelle fragte Jerry: »Hättest du morgen früh gern einen Klaren? Einen richtigen kleinen Whiskey?«
»Würde eine Ente nicht gern schwimmen?« fragte Tralee.
»Also, hier ist so ein Kerl, der verrückt ist nach Aspirin. Er kann aber immer nur zwei auf einmal bekommen. Laß dir morgen früh welche geben und bring sie an diese Zellentür hier.«
»Das muß ein komischer Kerl s ein, der einen Whiskey für ein paar verdammte Aspirintabletten gibt.«
»Er ist ein Engländer.«
»Ach so«, sagte Tralee, als sei damit alles erklärt. - Brendan Behan, Der Spanner. München 1968 (dtv 521, zuerst 1953)

Engländer (8)   Das physiologische System der Engländer. Der moralische Mut ist so bedingt wie der körperliche. Die Engländer sind schlechte Soldaten, wenn sie nicht genügend genährt sind. Der Ruhm Wellingtons gründet sich nicht zuletzt darauf, daß er seine Armee ausgezeichnet zu verpflegen verstanden hat. - Barbey d'Aurevilly, Von Dandytum und von G. Brummell. Nördlingen 1987 (Greno 10/20 7, zuerst ca. 1844)

Engländer (9)   Der Engländer, düsterer, sinnlicher, willensstärker und brutaler als der Deutsche, — ist eben deshalb, als der Gemeinere von beiden, auch frömmer als der Deutsche: er hat das Christentum eben noch nötiger. Für feinere Nüstern hat selbst dieses englische Christentum noch einen echt englischen Nebengeruch von spleen und alkoholischer Ausschweifung, gegen welche es aus guten Gründen als Heilmittel gebraucht wird, — das feinere Gift nämlich gegen das gröbere: eine feinere Vergiftung ist in der Tat bei plumpen Völkern schon ein Fortschritt, eine Stufe zur Vergeistigung. Die englische Plumpheit und Bauern-Ernsthaftigkeit wird durch die christliche Gebärdensprache und durch Beten und Psalmensingen noch am erträglichsten verkleidet, richtiger: ausgelegt und umgedeutet; und für jenes Vieh von Trunkenbolden und Ausschweifenden, welches ehemals unter der Gewalt des Methodismus und neuerdings wieder als "Heilsarmee" moralisch grunzen lernt, mag wirklich ein Bußkrampf die verhältnismäßig höchste Leistung von "Humanität" sein, zu der es gesteigert werden kann: so viel darf man billig zugestehen.   - Friedrich Nietzsche, Jenseits von Gut und Böse (zuerst 1886)

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 - Manfred Schmidt,  Nick Knatterton Gedenkausgabe, Oldenburg u. Hamburg 1971 (Stalling, zuerst 195*)

Engländer (11)  «Die kleinen Französinnen machten alles, was ich wollte. Es sprach sich natürlich herum, daß ich ‹snow› hatte, und alle wollten von mir. Jeder Wunsch war sogleich erfüllt. Freibillets und Champagnerdiners, und Nächte mit den Frauen. Schöne Frauen waren es, ich sage euch.» Smiths dicke Unterlippe war mit Speichel überschwemmt, den er mit zischendem Geräusch immer wieder in den Mund sog. Sitnikoff nickte achtungsvoll, Patschuli gähnte laut, es klang wie der Liebesruf einer Katze, Peschke schnalzte verächtlich. Pierrard blinzelte dem Mond zn, der diese Familiarität einfach ignorierte.

«Hin und wieder habe ich das Zeug auch selbst probiert. Einmal hatte ich ziemlich genommen und ging hernach in ein sehr nobles Restaurant» - Smith schien plötzlich seinen englischen Akzent vergessen zu haben, aber er verbesserte sich sofort -, «in ein sehr distinguished Hotel» (mit der Betonung auf der ersten Silbe). «Da sehe ich an einem Tisch nahe mich eine Lady, die mich fixiert. Sie hat wohl meine glänzenden Augen bemerkt und daß ich keinen rechten Appetit habe. Sie steht auf und winkt mir zu mitzukommen. Zwei Pfund hat sie mir für ein Gran geboten. Aber ich sage: ‹No, my lady, ich wünsche eine Nacht von Ihnen.› Ihr versteht, es hat mich gereizt. Ich, der arme Schneider, und eine große, reiche Lady. Endlich war sie einverstanden. Ja, ich habe sie nachher haben können, so oft ich wollte. Auf den Knien ist sie vor mir gerutscht, sie, eine Lady, nur um ein Gran zu haben. Und ich, ich habe sie gequält. ‹Nichts zu machen›, sage ich, ‹hab keins› Nackt habe ich sie vor mir tanzen lassen. Alles machte sie, nur um eine Prise. Eine Lady.» Gedankenvoll und wie über seine Wichtigkeit erstaunt, ließ Smith seinen Kugelschädel hin- und herrollen.

«Und dann?» fragte Lös und heuchelte Spannung. Es war ihm darum zu tun, die unangenehme Pause zu zerbrechen. Er schämte sich vor Sitnikoff und Todd: daß diese beiden ihn nach seinen Bekanntschaften beurteilen könnten. «Und dann?» fragte er noch einmal, da Smith noch immer schwieg.

«Dann bin ich verhaftet worden. Das Geld, das ich bei mir hatte, langte gerade für die Kaution. Ich bin dann entlassen worden, aber die Lady hatte Angst, ich könnte Erpressungen versuchen. Vielleicht habe ich es auch einmal versucht. Ich weiß es nicht mehr genau. Sie hat sich hinter meinen Vater gesteckt. Der hat mich gezwungen, ins Ausland zu gehen, um dem Prozeß zu entgehen. Zehn Pound hat er mir gegeben. Die waren aber bald verbraucht in Paris. Dann bin ich ins Rekrutierungsbureau gegangen. Ja.» - (gou)

Engländer (12)   Der Engländer ist ein Spieler. Er spielt um erschreckend hohe Summen. Er spielt, ohne zu sprechen. Er verliert, ohne zu klagen. In einem Augenblick verbraucht er alle Geldmittel seines Lebens. Nichts ist dort alltäglicher als ein Mann von dreißig Jahren, der für Reichtum, Gaumenfreuden, Frauen, Studien, ja sogar für die Wohltätigkeit unempfindlich geworden ist. Der Überdruß packt sie mitten im Genuß und lenkt sie in die Themse, es sei denn, sie ziehen es vor, die Pistolenmündung zwischen die Zähne zu stecken. An einer abgelegenen Stelle des St.-James-Parks gibt es einen Teich, der das ausschließliche Privileg der Frauen ist. Dorthin gehen sie, um sich zu ertränken.  - (sop)

Engländer (13)   Die Engländer sehen komisch aus, halb wie Geistliche, halb wie kleine Jungens ... Sie bleiben stets zweideutig... Eher ficken sie sich noch von hinten... - (tod)

Menschengruppen, physisch
Oberbegriffe
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