ltern
»Ach wie schön! Mehr oben! Wie liebenswürdig
du heute bist! Ah, ah! Jetzt saugen! So! nicht
auch küssen! - Himmlisch! - Etwas tiefer mit
der Zunge! Nun rascher! Ach! ah - Ich spritze.
- Es kommt gleich! Ach, warum kann ich dich dabei Ich - Ah! -Halt, nicht
mehr! Das ist Überreiz! Ah! - h!«
Jedes dieser Worte ist mir unvergeßlich. Wie oft habe ich mir sie nachher in Gedanken wiederholt! Wieviel darüber nachgedacht und gegrübelt! Ist es mir doch, als tönten sie noch jetzt in meinen Ohren.
Es trat jetzt eine Pause ein. Die Mutter lag mit geschlossenen Augen
regungslos; der ganze Körper schien seine Spannkraft verloren zu haben
und die hochgehobenen Schenkel sanken auf den Rand des Bettes herab. Ich
war erschrocken über den Ausdruck, den das Gesicht beider angenommen. Das
war nicht mehr mein sanfter, ernster Vater, das war nicht mehr meine keusche,
sittliche Mutter. Das waren ein paar Wesen, die keine Rücksicht mehr kannten,
die glühend und wonnetrunken sich gegenseitig in einem mir unbekannten
Genüsse überboten. Der Vater hielt sich einige Augenblicke ganz ruhig,
setzte sich auf den Rand des Bettes und betrachtete nur mit brennenden,
fast wilden Blicken den Punkt, dessen Liebkosungen meine Mutter zu so wollüstigen
Ausrufungen veranlaßt. Mir war der Atem so vollständig bei dem Anblick
vergangen, daß der heftige Herzschlag mich fast zu ersticken drohte. Tausend
Gedanken gingen mir durch den Kopf, aber noch war die Besorgnis, wie ich
unbemerkt aus dem Verstecke wieder herauskommen sollte, die Besorgnis,
von meinen Eltern entdeckt zu werden, die Hauptsache. Lange sollte ich
indessen in diesem Zustande nicht bleiben, denn was bis jetzt geschehen,
war nur das Vorspiel gewesen. Ich sollte das erste Mal so viel lernen,
daß ich keiner weiteren Belehrung mehr bedurfte. - Aus den Memoiren
einer Sängerin. München 1970 (zuerst 1851)
|
|
||
![]() |
||
|
|
|
![]() |
||
|
|
|
|
![]() ![]() |
![]() ![]() |