lefant Wir gehen nun zu den übrigen Tieren, und zwar zuerst zu den Landtieren über. Das größte unter ihnen ist der Elefant. Sein Verstand kommt dem des Menschen am nächsten, denn er versteht die Sprache seines Landes, gehorcht den Befehlen, merkt sich die erlernten Verrichtungen und findet Vergnügen an Liebe und Ruhm; ja er ist sogar (was selbst bei den Menschen zu den seltenen Fällen gehört) rechtschaffen, klug und gerecht, erweist den Gestirnen göttliche Ehre und hält Sonne und Mond heilig. - (pli)

Elefant (2) »Das ist der Moment, wo der Elefant Wasser läßt« - das ist der rechte Augenblick, um mit einer bisher zurückgehaltenen hohen Karte einen einträglichen Stich zu machen. Hergenommen von dem echten oder erfundenen Ausspruch eines Jahrmarktausstellers, der auf eine ungewöhnliche Sensation aufmerksam macht. - (kü)

Elefant (3) Der Elefant sei ein keusches Wesen, jedoch in der Lage, Menschen zu verschlingen; vor der Begattung esse das Weibchen von der Frucht der Mandragora und lasse auch das Männchen davon essen; das Elefantenbaby werde von einem Drachen bedroht, und so sei der Drache der ärgste Feind des Elefanten; das Grunzen einer Sau könne das Riesentier ganz und gar nicht vertragen, auch der Geruch von Mäusen sei ihm zuwider; der Elefant habe keine Kniegelenke, und der Mensch könne ihn fangen, sobald er sich zum Schlafen stehend an einen Baum lehne, welchen die Jäger dann flugs umsägten (diese Geschichte erzählt Conrad Gesner sogar noch 1551); die alten Elefanten könnten dem Darniederliegenden nicht helfen, wohl aber ein ganz junges Tier; der Elefant könne Schlangen aus ihren Höhlen heraussaugen, und durch das Verbrennen seiner Knochen könne man Schlangen vertreiben. - (schen)  S. a. Georg Christoph Petri von Hartenfels: Elephantographia curiosa. 1715, und: A. W. Schlegel: Zur Geschichte des Elefanten (In: Indische Bibliothek. 1823)

Elefant (4)

Nochn Elefant

Ist ein Tier im Gebirge, heißt Elephant. Das hat einen Rüssel an sich, damit es alle Tiere vernichten kann, auch leitet es Speis und Trank mit diesem Rüssel zu sich. Aber es hat keine Gelenke in sich und kann sich deshalb nicht bücken und nicht schlafenlegen. In diesem Tier ist keine Begierde nach Vereinigung. Wenn es nun Junge zeugen will, geht es fort ins Morgenland, nahe beim Paradies. Dort aber ist ein Baum, Mandragora genannt, dorthin also geht das weibliche und das männliche Tier; und die Elephantin nimmt zuerst von dem Baum, und sogleich wird sie hitzig; dann gibt sie auch dem Männchen davon, und sie reizt ihn mit Neckerei so lange, bis auch er davon nimmt, und dann frißt er davon, und auch er wird hitzig und so vereinigt er sich mit ihr und sie wird trächtig.

Und wenn dann die Tage erfüllt sind, daß das Weibchen gebäre, wie macht sie das? Sie geht in einen See, und mißt das Wasser so ab, daß es ihr bis ans Euter reicht, und so wirft sie; denn wurfe sie auf dem Lande, dann könnte sie nicht mehr aufstehen, weil sie keine Kniegelenke hat. Und das Neugeborene treibt auf dem Wasser und so saugt es an seiner Mutter sieben Tage lang. Der Elephant selbst aber hält, während sie Geburtswehen hat, Wache wegen der Schlange; denn die Schlange ist die Feindin des Elephanten, und wenn der Elephant sie findet, dann stampft er sie zu Tode. Wenn dann das Junge auf seinen eigenen Beinen gehen kann, kommt es zusammen mit seinen Eltern aus dem Wasser heraus.

Wenn der Elephant aber schlafen will: Wie macht er das? Er geht weg zu schräggeneigten Bäumen, und lehnt sich an sie an, und so schläft er.

Und auf welche Weise fängt ihn der Jäger? Der Jäger merkt sich die Bäume, wo der Elephant schläft, und dann geht er vor dem Elephanten hin an die Stelle, wo derselbe sonst ist, und hackt den Baum mit dem Beile kräftig an, bis er beinahe umfällt. Nun kommt der Elephant und merkt nicht die Kerbe an dem Baum und lehnt sich daran, willens zu schlafen, und gleich bricht der Baum ab und wirft ihn nieder, und da liegt er nun und kann nicht mehr aufstehen. Jetzt kommt der Jäger, und findet ihn daliegen, und macht mit ihm zu seinem Vorteil, was er will.

Wenn aber kein Jäger kommt: Auf welche Weise kommt dann der Elephant wieder hoch? Er schreit mit gewaltiger und klagender Stimme, und unter dieser Stimme kommt ein anderer großer Elephant, und der plagt sich dann ab und kann den Hingefallenen nicht aufheben.

Darauf schreien die zwei Elephanten, und unter ihrer Stimme kommen zwölf Elephanten, und die plagen sich dann ab, und können den Hingefallenen nicht aufheben.

Jetzt aber schreien die zwölf Elephanten zusammen mit den zwei anderen, und unter ihrer Stimme kommt ein kleiner Elephant, und der kommt und legt seinen Rüssel darunter, und er lüpft ihn hoch, und vermöge seiner Erfahrung und Geschicklichkeit richtet er ihn auf.

Die Art des Elephanten ist So: Wenn du von ihm Haare oder Knochen an einem Ort verbrennst, dann dringt dort kein böser Geist noch ein Drache noch irgendein Übel ein.

Nun laßt uns beginnen, das Gleichnis aufzulösen: Es ist das Abbild von Adam und Eva. Als Adam und sein Weib im Garten Eden waren vor der Übertretung, da wußten sie nichts von Vereinigung und dachten nicht ans Beisammensein. Aber als das Weib von dem Baume aß, nämlich von der Mandragora im Geiste, und auch ihrem Manne davon gab, da erst erkannte Adam die Eva, und sie gebar den Kam auf das arge Wasser, sowie David sagt: Hilf mir, o Gott, denn die Wasser gehen mir bis an die Seele.

Als nun der große Elephant kam, das ist: das Gesetz, da konnte es den Gefallenen nicht aufrichten. Darauf kamen die zwölf Elephanten, das ist die Schar der Propheten, und auch diese konnten ihn nicht aufrichten. Später als alle anderen kam der Meine Elephant, nämlich Christus der Gott, und richtete auf den Gefallenen vom Boden. Denn der der oberste von allen war, nämlich der Christus und der neue Adam, ist geringer geworden als alle. Erniedriget hat er sich selber, die Gestalt eines Knechtes annehmend, auf daß er alle errette.

Wohlgesprochen hat der Physiologus vom Elephanten. - (phys)

Elefant (5) War Schopenhauer mit dem Löwen unzufrieden, weil er die Voraussetzungen seiner Metaphysik vom Aufflammen des Willens am Geschlecht nicht erfüllte, so kompensierte solches Ungenügen der Elefant, indem er einem anderen Aspekt seiner Philosophie zur Eindrucksmächtigkeit verhalf. Schopenhauer honorierte das mit dem kurzen Satz: Die Idee des Elefanten ist unvergänglich. - Hans Blumenberg, Löwen. Frankfurt am Main 2001

Elefant (6)


Elefant aus neun Mädchenleibern, geritten vom Liebesgott Kandarpa (Kama), mit Pfeil und Bogen.
Papiermalerei aus Bhubaneshvar, 19. Jahrhundert.

»Die gängige Geschichte zu solchen Kompositionen ist folgende: Voll Sehnsucht nach Radha wandert Krishna im Wald von Vrndävana umher. Die gopis (Hirtenmädchen), aus Zuneigung zu Krishna oder vielleicht, um ihn für sich und nicht für Radha zu gewinnen, beschließen, aus ihren Körpern einen Elefanten zu formen. Krishna, in Gedanken verloren, hält das komposite Wesen für einen echten Elefanten und steigt auf. Während er sehnsüchtig-klagend nach seiner Geliebten Radha ruft, lösen die gopis entzückt über ihren gelungenen Scherz den Elefanten plötzlich auf» (Jutta Jain-Neubauer). - (zahl)

Elefant (7) Als Herr K. gefragt wurde, welches Tier er vor allen schätze, nannte er den Elefanten und begründete dies so: Der Elefant vereint List mit Stärke. Das ist nicht die kümmerliche List, die ausreicht, einer Nachstellung zu entgehen oder ein Essen zu ergattern, indem man nicht auffällt, sondern die List, welcher die Stärke für große Unternehmungen zur Verfügung steht. Wo dieses Tier war, führt eine breite Spur. Dennoch ist es gutmütig, es versteht Spaß. Es ist ein guter Freund, wie es ein guter Feind ist. Sehr groß und schwer, ist es doch auch sehr schnell. Sein Rüssel führt einem enormen Körper auch die kleinsten Speisen zu, auch Nüsse. Seine Ohren sind verstellbar: Er hört nur, was ihm paßt. Er wird auch sehr alt. Er ist auch gesellig, und dies nicht nur zu Elefanten. Überall ist er sowohl beliebt als auch gefürchtet. Eine gewisse Komik macht es möglich, daß er sogar verehrt werden kann. Er hat eine dicke Haut, darin zerbrechen die Messer; aber sein Gemüt ist zart. Er kann traurig werden. Er kann zornig werden. Er tanzt gern. Er stirbt im Dickicht. Er liebt Kinder und andere kleine Tiere. Er ist grau und fällt nur durch seine Masse auf. Er ist nicht eßbar. Er kann gut arbeiten. Er trinkt gern und wird fröhlich. Er tut etwas für die Kunst: Er liefert Elfenbein. - (keu)

Elefant (8)  Man weiß, daß der indische Elefant zuweilen weint. Sir E. Tennent sagt, wo er diejenigen beschreibt, die er in Ceylon gefangen und angebunden gesehen hat: einige »lagen bewegungslos auf der Erde mit keinen andern Zeichen von Leiden als den Tränen, welche ihre Augen füllten und beständig herabflossen.« Wo er von einem andern Elefanten spricht, sagt er: »als er überwältigt und festgemacht worden war, war sein Kummer äußerst ergreifend. Seine Heftigkeit wich der größten Niedergeschlagenheit. Er lag auf der Erde, stieß durchdringendes Geschrei aus, während ihm die Tränen seine Backen herabträufelten.«

Im zoologischen Garten behauptet der Wärter der indischen Elefanten mit Bestimmtheit, daß er mehrmals Tränen das Gesicht eines alten Weibchens herabrollen gesehen habe, als es über die Entfernung eines Jungen unglücklich war.  - (dar)

Elefant (9) Im Laufe der Jahre befreite sich Houdini aus dem mit Ketten gesicherten Gerippe eines »Meerungeheuers« (eine Mischung aus Krake und Wal, das angeblich bei Boston gestrandet war), ließ sich in einen riesigen Umschlag packen und stieg heraus, ohne das Papier zu zerreißen, ging durch Backsteinmauern, wand sich in der Luft hängend aus Zwangsjacken, sprang mit gefesselten Händen und Füßen von Brücken in eiskaltes Wasser oder ließ sich, mit Vorhängeschlössern gefesselt, in gläserne Wasserbecken hinab, in denen er, anscheinend ohne zu atmen, vor den Augen des erstaunten Publikums nahezu eine Stunde an seiner Entfesselung arbeitete. Jedesmal schien ihm der Tod sicher, doch mit übermenschlichen Fähigkeiten schaffte er es, ihm zu entkommen. Er selbst verriet nie, mit welchen Methoden er arbeitete und wie er seine Tricks ausführte — er überließ es seinen Zuschauern und Kritikern, über das Unerklärliche zu spekulieren, und vergrößerte so seine Macht und sein Ansehen.

Sein wohl verblüffendster Trick war, einen fünf Tonnen schweren Elefanten vor den Augen des Publikums verschwinden zu lassen. Diese Kunststück zeigte er 19 Wochen lang. Wie er das anstellte, kann immer noch keiner richtig erklären, denn in den Räumlichkeiten, in denen er den Trick vorführte, konnte man einen Elefanten einfach nicht verstecken. - (macht)

Elefant (10)   Elefant [ahd. elpfant über griech.-lat.], Sippe pflanzenfressender Säugetiere, die größten Landtiere der Gegenwart, mit mächtigem, durch Nase und Oberlippe gebildetem Rüssel, zwei zapfenförmigen Stoßzähnen im Oberkiefer (bes. beim Männchen, (Elfenbein), Hängeohren, kurzem Hals, plumpem Rumpf auf säulenförmigen Beinen. Die Zehen sind bis auf die Hufe fleischumhüllt; die rundlichen Hornsohlen aus einer elastischen Fasermasse wirken als Polster und ermöglichen einen überraschend leisen, federnden Gang. Die Haut ist grau und borkig mit wenig Borsten, In jeder Kieferhälfte sitzt ein großer Backenzahn, dessen Kaufläche durch Schmelzfalten quer gerippt ist. Der E. lebt in Familienherden, ist sehr begabt und meist scheu, in Wut gefährlich; schon von alters her wird er als Reit- und Tragtier gezähmt. Der indische E. (Elephas maximus) wird 7 m lang (zwischen Rüssel- und Schwanzspitze), am Widerrist 3 m hoch und über 4 to. schwer. Der afrikanische E. (Loxodonta africana) ist größer (zwischen Rüssel- und Schwanzspitze 8 m lang) und schlanker, hat sehr große Ohren und bis über 2 m lange Stoßzähne. Unter den afrikanischen Rundohr- oder Waldelefanten, die vielfach den Spitzohr- oder Steppenelefanten als eigene Art (Loxodonta cyclotis) zur Seite gestellt werden, kommen zwei nur bis 2 m hoch werdende Zwergformen vor, der westafrikanische Zwergelefant (L. c. pumilio) und der zentralafrikanische Zwergelefant (L. c. fransseni). Die Lebensdauer der E. wird allgemein überschätzt, sie überschreitet nach neueren Beobachtungen zumeist nicht 45—60 Jahre. Höchstalter von 70 Jahren und etwas darüber scheinen jedoch vorzukommen. - dtv-Lexikon 1971

Elefant (11) » — aber, um alles in der Welt, was sind das nur für Lebewesen, die dort drüben Honig sammeln? Bienen können es nicht sein — kein Mensch kann doch Bienen einen Kilometer weit sehen —«; und so stand sie eine Weile still und sah einem dieser Lebewesen zu, wie es sich an den Blumen zu schaffen machte und den Rüssel hineinstreckte — »als ob es eine ganz normale Biene wäre«, dachte Alice.

 Es war aber alles andere als eine normale Biene, nämlich vielmehr ein Elefant — wie Alice bald erkannte, obwohl ihr bei dieser Einsicht zuerst der Atem stockte. »Und was für Riesenblumen das sein müssen!» dachte sie als nächstes. »So ähnlich wie Bauernhäuser ohne Dächer mit einem Stengel dran — und wieviel Honig die erst machen müssen! Am besten, ich laufe einmal hin und — nein, vielleicht noch nicht gleich», fuhr sie fort und hielt in ihrem Lauf den Hügel hinunter noch eben inne; aber sie wußte nicht recht, wie sie ihre plötzliche Scheu bemänteln konnte. »Das ginge doch schlecht an, ohne einen richtigen langen Stecken dorthin zu gehen, mit dem ich sie verscheuchen könnte — und wie lustig das wird, wenn sie mich fragen, wie es mir auf meinem Spaziergang gefallen hat! Dann sage ich einfach: ›Ach, es war ganz schön —‹ (und dabei wurden die Haare aus der Stirn geworfen, wie es ihre Art war), ›nur war es recht staubig und heiß, und die Elefanten waren so lästig!‹«

 »Vielleicht gehe ich doch die andere Seite hinunter«, sagte sie nach einer Weile Stillschweigen; »die Elefanten kann ich ja auch später besuchen.« - Lewis Carroll, Alice hinter den Spiegeln (it 97, zuerst 1872)

Elefant (12) Der Elefant hat Sonnen- und nicht Fleischeswärme und viel Schweiß, der so stark ist, daß er seine Knochen, wie das Feuer die Speise, auskocht, daher sind sie auch schön ... Sein Nabel ist wie der Kopf seiner Eingeweide, und diese sind sehr heiß ... Der Elefant ist nicht hinterlistig, und in seiner Rechtschaffenheit ist nichts Böses; zuweilen ist er heftig; er sucht und geht zur Erde, die Paradiesessaft hat, und gräbt in sie so lange mit seinem Fuße, bis er ihn mit seiner Nase riecht, und davon erfüllt, sucht er Begattung. Hat das Elefantenweib empfangen, dann trägt es das Junge lange Zeit in sich, weil dies nicht schnell wachsen kann; denn es besteht mehr aus Knochen als aus Fleisch. Und hat das Elefantenweib dann geboren, so sucht es keine Begattung, bis das Junge ebenso stark wie es selbst ist.

Wer an der Lunge leidet, so daß er schwer atmet und hustet, der erwärme einen Elefantenknochen an der Sonne, schabe etwas davon ab und lege dies in Wein. Dann koche er es in einer Schüssel, seihe es durch ein Tuch, gebe das Pulver dazu, trinke oft von diesem Weine, und er wird geheilt werden. Herz, Leber, Lunge und die übrigen Eingeweide des Elefanten sind für Heilzwecke nicht zu gebrauchen. - (bin)

Elefant (13) Verschiedene Quellen belegen, wie Goethe, beflügelt von der Nachricht vom Vorhandensein eines Elefantenschädels in Kassel, das kostbare Relikt zu Untersuchungen bestellt und ihm aus Ungeduld bis Eisenach entgegenreist. Ein Dichter, der auf die Kunde von einem neuen Beweisstück alles stehen- und liegenläßt, um seinen wissenschaftlichen Spekulationen zu folgen, ist eine seltene Erscheinung. Kein Manuskript, keine Zeichnung wäre ihm in diesem Moment dringlicher gewesen als seine Studien zum Zwischenkieferknochen, mit denen er an die Fachwelt appellierte. Überliefert ist die Ungeduld, mit der er den Schatz in Beschlag nahm. Sie war das Gegenteil der Träumerei, die ihn erfaßte, als er in hohem Alter das Privileg genoß, Schillers Schädel in seinen Händen zu drehen. Seine Beobachtung aber, daß die Stoßzähne beim Elefanten nicht im Zwischenkiefer, sondern im Kiefer angebracht seien, den Eckzähnen gleich, erwies sich später als Irrtum.  - (gr)

Elefant (14)   Der beste der Elefanten gehörte dem schlechtesten der Treiber, und der Name dieses unvergleichlichsten aller Tiere war: Moti Guj. Er war der unbeschränkte Besitz seines Mahout, was unter einer Eingeborenenregierung nicht möglich gewesen wäre, denn Moti Guj war ein Geschöpf, das den Neid jedes Königs erweckt hätte; wie denn auch sein Name soviel wie: »Perle der Elefanten« bedeutete. Da das Land aber unter britischer Botmäßigkeit stand, durfte Deesa, der Mahout, im unbestrittenen Besitz seines Schatzes bleiben.

Deesa, der Mahout, war ein Schlemmer. Hatte er durch die Kraft seines Elefanten genug Geld verdient, so pflegte er sich maßlos zu betrinken und dann Moti Guj eine Tracht Prügel mit einer Zeltstange zu verabfolgen, indem er auf die empfindlichen Zehennägel seiner Vorderfüße losdrosch. Moti Guj trampelte ihn bei solchen Gelegenheiten nicht etwa tot, wußte er doch ganz genau, wenn die Prügel zu Ende sein würden, würde Deesa seinen Rüssel umarmen und laut weinen und ihn »mein Herzblättchen, mein Leben und Leber meiner Seele« nennen und ihm Schnaps zu trinken geben. - Moti Guj war nämlich ein großer Freund des Alkohols, insbesondere des Arraks, aber er verschmähte auch Palmsaft-Toddy nicht, wenn er nichts Besseres bekam. - Nach solchen Gefühlsausbrüchen legte sich Deesa gewöhnlich zwischen Moti Gujs Vorderfüße schlafen und, da er sich dazu gewöhnlich die Mitte der Landstraße auserkor, Moti Guj über ihm Wache hielt und weder Pferd noch Fußgänger, noch Wagen passieren ließ, so stockte jedesmal der Verkehr, bis es Deesa beliebte, aufzuwachen. Tagsüber war Schlafen auf der Ausholzung streng verboten, denn dazu waren die Löhne zu hoch. Deesa saß also auf Moti Gujs Nacken und kommandierte, während Moti Guj machtvoll Baumstümpfe ausrodete, denn er besaß ein paar prachtvolle Stoßzähne, oder sie mit einem Strick ausriß, — denn er besaß ein paar ebenso prachtvolle Schultern; Deesa trat ihm dabei hinter die Ohren und nannte ihn den König der Elefanten. Am Abend spülte Moti Guj 500 Pfund Grünfutter mit einem Quart Arrak hinunter, und auch Deesa nahm einen Imbiß zu sich und sang dann zwischen Moti Gujs Vorderbeinen Lieder, bis es Zeit wurde, schlafen zu gehen. Wöchentlich einmal führte Deesa Moti Guj hinunter ans Flußufer; Moti Guj legte sich dann in dem seichten Wasser wollüstig auf die Seite und ließ sich von Deesa mit einem Kokosschrubber und einem Ziegelstein bearbeiten, bis ihm ein Klatschen mit dem Stein das Zeichen gab, sich umzudrehen. War die Prozedur vorbei, sah Deesa ihm Augen und Füße nach und hob ihm die Lappen seiner langen Ohren auf, um nachzuschauen, ob sich dort nicht wunde Stellen oder Entzündungsherde gebildet hätten. Fiel der Befund zufriedenstellend aus, so kehrten beide - Moti Guj schwarz und glänzend, einen abgerissenen 12 Fuß langen Ast mit dem Rüssel schwenkend, und Deesa, sein nasses langes Haar zum Knoten schürzend und eine Hymne auf das Meer singend, - nach Hause zurück. - Rudyard Kipling, Moti Guj, der Meuterer, nach (ki)

Elefant  (15)   Es heißt, sie haben kein Mark in den Knochen. Auf ihrem Rücken bieten Türme und Kampfbauten einer ganzen Anzahl von Kriegern Platz. Die Elefanten sind unverwundbar, es sei denn, sie würden in den Nabel getroffen. Doch ist jemand so tollkühn, das zu versuchen, kann er gar nicht schnell genug sein, denn das verletzte Tier rächt sich, indem es auf den Angreifer niederfällt und ihn im Sterben zermalmt. Auch wer von der Zunge des Elefanten erreicht wird, ist verloren. Andererseits kann das Tier sich, ist es erst einmal gestürzt, nicht wieder aufrichten, denn es hat keine Kniescheiben und kann deshalb seine Beine nicht beugen. Es ist sehr rein, läßt sich von einem geschickten Meister willig leiten, kann allerdings nur auf völlig ebenem Boden gehen. Mit rotem Wein und Blut kann man es aufreizen, daß es sich sowohl beim Kampf als auch für ergötzliche Spiele einsetzen läßt. - Das Alexanderlied des Pfaffen Lamprecht. Nacherzählung von Irene Ruttmann. Darmstadt 1974 (zuerst ca. 1150)

Elefant  (16)   Viele Elefanten gibt es in Çanghibar; mit dem Elfenbein wird Handel getrieben. Die Löwen sind nicht von der gewohnten Rasse. Luchse sind heimisch dort und Leoparden. Was soll ich in die Breite gehen? Alle Tiere sehen anders aus als auf der übrigen Welt. Ihr mögt euch merken: man züchtet nur eine Schafsrasse. Alle Schafe und Lämmer haben einen weißen Körper und einen schwarzen Kopf. Auf der ganzen Insel werdet ihr keine andern Schafe finden. Die Giraffen sind ganz besonders schöne Tiere; ich will sie euch beschreiben. Die Giraffe hat einen kurzen Leib, ihr Hinterteil ist auffällig niedrig wegen der kurzen Beine. Vorderbeine und Hals sind sehr lang, so daß das Tier seinen Kopf ungefähr drei Schritt über dem Boden trägt. Der Kopf ist klein. Die Giraffe tut niemandem etwas zuleid. Das Fell ist rot-weiß getupft. Es ist wirklich ein schönes Tier. Über die Elefanten will ich noch etwas nachholen: wenn der Bulle die Elefantenkuh decken will, gräbt er eine Mulde und stößt das Tier so hinein, daß es auf dem Rücken liegt. Danach begattet er es nach der Art des Menschen; denn die Geschlechtsöffnung der Elefanten ist auf der Bauchseite.  

Von den Frauen dieser Insel kann man nur sagen: sie sind sehr häßlich. Sie haben einen breiten Mund, große Augen und Nasen, ihre Brüste sind viermal dicker als jene anderer Frauen. Ihr Anblick ist häßlich. - (polo)

Elefant  (17)    Nehmen wir an, es gibt zwei Beobachter. Alice sieht dem Geschehen aus sicherer Distanz zu. Sie beobachtet, wie der Dickhäuter dem Ereignishorizont immer näher kommt, langsamer wird, und dann kurz zu stoppen scheint, und zack, schon löst er sich in Hawking-Strahlung auf, als Aschewolke entströmt er der Falle und schwebt pulverisiert ins All zurück. Die Information bleibt in den Bruchstückchen erhalten.

Der zweite Beobachter, nennen wir ihn Bob, reitet auf dem Rücken des großen Tieres auf den Ereignishorizont zu und stürzt hinein, ohne es überhaupt zu realisieren. Für ihn sieht auch jenseits der Position, hinter der alles Licht unwiederbringlich verschwindet, das Universum immer noch so aus wie zuvor. Während er längst seinem Verhängnis entgegen reitet, bemerkt er zunächst gar nichts davon. Kommt er allerdings dem Zentrum näher, wird er irgendwann zusammen mit dem Elefanten durch die enorme Schwerkraftwirkung wie auf einer Streckbank in die Länge gezogen - aber bis zu diesem Zeitpunkt bleibt auch für ihn alle Information gewahrt.

Alice sieht also etwas völlig anderes als Bob. In ihren Augen löst sich der Elefant am Ereignishorizont in Einzelteile auf. Bob dagegen reitet auch jenseits des Ereignishorizonts noch gemächlich auf dem Tier vor sich hin, bis er (zusammen mit ihm) zur Spaghettiform verarbeitet wird.

Nach den Gesetzen der Physik entsprechen beide Wahrnehmungen der Realität - obwohl sie sich offensichtlich widersprechen. Wenn aber beide wahr sind, dann ist der Elefant sowohl am Ereignishorizont vaporisiert worden und definitiv tot, als auch höchst lebendig auf dem Weg ins Innere der Falle unterwegs. - Andrea Naica-Loebell, telepolis vom 31.10.2006

Elefant  (17)   ist ein dem Tierreich entnommenes Wort unserer Liebessprache und bedeutet »Vertrauter zweier Liebender«. »Warum man die Vertrauten, Rendezvous - Garden, Briefübermittler, Schildwachtposten der Liebe 'Elefanten' nennt?« fragt schon Saphir, in der von ihm herausgegebenen Zeitschrift »Der Humorist«. »Warum? Wahrscheinlich, weil zu der Liebe selbst eine Engelsgeduld gehört; der Vertraute aber von Liebenden zu sein, dazu gehört eine Elefanten-Natur! Man muß eine solche Ausdauer haben, wie ein Elefant; man muß so klug sein wie ein Elefant; man muß eine solche, alles riechende Nase haben wie ein Elefant, und man muß sich so zu allen Kunststücken abrichten lassen können wie ein Elefant!« - (erot)

Elefant  (18)  

Wie ein Elefant sein Elfenbein
Trag' kostbar ich im Mund ein Eigentum
Purpurner Tod!.. Ich handle ein
Durch Worte zart mir meinen Ruhm.

- Guillaume Apollinaire, Bestiarium. Übs. Karl Krolow. Giessen 1959

Elefant  (19, von Celebes)

- Max Ernst

Elefant  (20)  

Elefant  (21)   Der Elefant hat Sonnen- und nicht Fleischeswärme und viel Schweiß, der so stark ist, daß er seine Knochen, wie das Feuer die Speise, auskocht, daher sind sie auch schön ... Sein Nabel ist wie der Kopf seiner Eingeweide, und diese sind sehr heiß ... Der Elefant ist nicht hinterlistig, und in seiner Rechtschaffenheit ist nichts Böses; zuweilen ist er heftig; er sucht und geht zur Erde, die Paradiesessaft hat, und gräbt in sie so lange mit seinem Fuße, bis er ihn mit seiner Nase riecht, und davon erfüllt, sucht er Begattung. Hat das Elefantenweib empfangen, dann trägt es das Junge lange Zeit in sich, weil dies nicht schnell wachsen kann; denn es besteht mehr aus Knochen als aus Fleisch. Und hat das Elefantenweib dann geboren, so sucht es keine Begattung, bis das Junge ebenso stark wie es selbst ist.

Wer an der Eunge leidet, so daß er schwer atmet und hustet, der erwärme einen Elefantenknochen an der Sonne, schabe etwas davon ab und lege dies in Wein. Dann koche er es in einer Schüssel, seihe es durch ein Tuch, gebe das Pulver dazu, trinke oft von diesem Weine, und er wird geheilt werden. Herz, Leber, Lunge und die übrigen Eingeweide des Elefanten sind für Heilzwecke nicht zu gebrauchen.  - (bin)

Elefant  (22)  Herr Soldat kam spät von einer Reise mit dem Lastwagen zurück. Er hatte einen Elefanten von Triest nach Prag gebracht, der Elefant wurde unterwegs hungrig und durstig und stellte sich immer so in eine Ecke, daß der Wagen zu kippen drohte. Also mußte Herr Soldat etwas zu trinken und Gras und Brot suchen gehen ... er kam spät zurück ... Und der Elefant lief auf der Straße, plötzlich bog er in die Felder ab, und auf einmal verschwand er in dem Na palecku genannten Acker ... Und als die Angestellten vom Uberwinterungsplatz Pocernice ankamen, hatte der Elefant ein altes Grab der Urnenfelderkulturen aufgerissen ... und man mußte die Pfosten und den Elefanten hinausschaffen ... damit der Elefant sich nicht erkältete, mußte er einen Kübel Tee mit Rum austrinken ... und auf der Straße trompetete er, er wolle noch einen Eimer mit Rum, und damit auch die Angestellten sich nicht erkälteten, holten sie für sich ebenfalls einen ... und so torkelten der beduselte Elefant und die Angestellten auf der Straße nach Pocernice ... Der Elefant trompetete, und die Angestellten sangen ... der Elefant hielt sie mit dem Rüssel fest, sie hielten den Elefanten am Rüssel fest, und in jedem Dorf kauften sie sich einen Kübel Tee mit einem halben Liter Rum und kehrten völlig breit in den Stall in Pocernice zurück ... und außerdem hatten sie ein neues Urnengrab entdeckt. - (hra2)
 
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