I  1) Dickes E. = mühsam zu bewältigendes Spiel. Die Henne hat ihre liebe Not, solch ein Ei zu legen.
2) solche Eier legen die Hühner in Kalabrien = diese hohe Karte kann keiner überstechen. Kalabrien ist eine Landschaft in Süditalien. Die Redewendung ist eine Kraftmenschenäußerung ohne nähere Zusammenhänge.
3) dieses E. hat die Katze gelegt: Redewendung, wenn eine unerwartet hohe Karte ausgespielt wird. Das »Ei« der Katze ist gemeinhin das Exkrement. Hier wohl Anspielung auf die Ungewöhnlichkeit der Handlungsweise. - (kü)

Ei (2)

Es lebt nicht, es ist nicht tot
Man kann es aber machen, daß es lebt,
daß es geht und steht,
ißt und trinkt,
hüpft und springt, und auch wieder stirbt.

- (raets)

Ei (3) Das Ei war von der Farbe des blauen Hyakinthos, so erzählte uns eine Dichterin. Leda fand es, die Frau des Königs Tyndareos von Sparta. In einer anderen Geschichte war es ein Hirte, der es im Wald oder Sumpf fand und der Königin brachte.
Es wurde auch so erzählt, daß Hermes das Ei in den Schoß der Leda warf. Sie verbarg es in einer Lade, bis Helena daraus geboren wurde.

War es eine andere Geschichte, wonach Zeus sich in Schwanengestalt mit Leda vereinigt hatte, oder war es dieselbe Hochzeit, nur daß der Name der Braut anders lautete? Leda ist kein griechisches Wort. Bei den Lykiern in Kleinasien hieß lada die »Frau«. Vielleicht feierte Zeus die Schwanenhochzeit mit einer Göttin, die — neben der Mutter Erde — das erste weibliche Wesen der Welt war, und die eben darum einfach Leda, »die Frau«, heißen mochte. Es wurde erzählt: Unter dem Gipfel des Taygetos zeugte Zeus die Dioskuren Kastor und Polydeukes mit Leda. Dios kuroi, »Söhne des Zeus«, waren diese Zwillingsbrüder, und sie wurden vielen Menschen zu Rettern, besonders in der Schlacht und zur See. In einer Geschichte, die die Vasenbilder verewigten, waren sie schon Jünglinge — zwei schöne Reiter — als ihre Mutter ein Ei gebar. Man wollte es den Göttern opfern, legte es auf den Altar — da sprang die Heine Helena aus dem Ei.

 Es wurde auch von Zwillingseiern erzählt. Aus dem einen seien die Dioskuren, aus dem anderen Helena auf die Welt gekommen, und vielleicht auch, als Zwillingsschwester der Helena, Klytaimnestra, die Gattenmörderin, die vom eigenen Sohn ermordete Mutter. Man sieht indessen Helena und ihre Brüder auch aus einem einzigen Ei hervorspringen.  - (kere)

Ei (4) In unserer Sprache hieß die Nacht eine der größten Göttinnen auch für Homer, vor der selbst Zeus eine heilige Furcht empfand. Nach dieser Erzählung war sie ein Vogel mit schwarzen Flügeln. Befruchtet vom Wind legte die Urnacht ihr silbernes Ei den Riesenschoß der Dunkelheit. Aus dem Ei trat der Sohn des wehenden Windes, ein Gott mit goldenen Flügeln, hervor. Er wird Eros, der Liebesgott, genannt; das ist aber nur ein Name, der lieblichste unter allen Namen die dieser Gott trug. Die übrigen Namen, die wir noch kennen, klingen sehr gelehrt, aber auch sie drücken nur einzelne Begebenheiten dieser alten Erzählung aus.

Heißt der Gott Protogonos, so will das sagen, daß dieser Gott der »Erstgeborene« unter allen Göttern war, heißt er Phanes, so drückt dieser Name genau das aus, was der aus dem Ei soeben Geborene alsbald tat: er zeigte und brachte alles ans Licht, was bis dahin im silbernen Ei verborgen lag. Und das war die ganze Welt. Oben ein Hohlraum: der Himmel. Unten: das Andere. In unserer alten Sprache gibt es ein Wort für den hohlen Raum, das eigentlich nur soviel bedeutet, daß es »gähnt«: es ist das Wort Chaos. Für ein Gemisch, ein Durcheinander, gab es ursprünglich nicht einmal dieses Wort, das erst später, nach der Einführung der Lehre von den vier Elementen, die heute geläufige Bedeutung erhielt. So war auch das »Andere«, unten im Ei, kein unnatürliches Gemisch. Man erzählte diese Geschichte auch so, daß unten im Ei die Erde war und Himmel und Erde sich begatteten. Das war die Wirkung des Gottes, der beide ans Licht brachte und dann zur Vermischung zwang, des Eros. - (kere)

Ei (5) Noch am selbigen Tage fuhren wir ab, und da wir eine gute Reise hatten, segelten wir ununterbrochen dahin, von Meer zu Meer, von Insel zu Insel. Überall wo wir anlegten, besuchten wir die Kaufherren und Großen des Reiches, die Käufer und Verkäufer, und wir trieben Handel und tauschten Waren ein. So ging es eine ganze Weile, bis uns das Geschick zu einer schönen Insel führte, über die sich Baumreihen schlangen, mit reifen Früchten behangen, von Blumendüften umfangen, wo die Vögelein sangen und die klaren Bächlein sprangen. Doch kein Bewohner fand sich an jener Stätte, nochjemand, der ein Feuer angeblasen hätte. Nachdem der Kapitän mit uns bei dieser Insel vor Anker gegangen war, begaben sich die Kaufleute und Reisenden an Land, um sich dort unter den Bäumen zu ergehen und die Vögelein anzusehen; und sie priesen Allah, den Einen, der alle bezwingt, und staunten über die Allmacht des Königs, dessen Gewalt alles durchdringt. Ich ging damals auch mit den anderen an Land und setzte mich an einen klaren Quell, der unter den Bäumen floß; ich hatte etwas Zehrung bei mir, und so begann ich denn, als ich dort saß, von dem zu essen, was Allah der Erhabene mir zugeteilt hatte. Ein lieblicher Zephir wehte, und mir ward so leicht zumute, daß mich der Schlaf überkam. So ruhte ich denn an jener Stätte, in Schlaf versunken, vom lauen Zephir und süßem Blumenduft umfächelt.

Als ich aber wieder aufstand, fand ich keinen Menschen mehr, kein sterbliches Wesen und keins aus der Geisterwelt; das Schiff war abgefahren, keiner von den Kaufleuten und den Matrosen hatte mehr an mich gedacht, und so hatten sie mich auf der Insel gelassen. Ich wandte mich nach rechts und nach links, aber ich sah niemanden, ich war allein. Da packte mich ein solcher Schrecken an, wie man ihn sich nicht größer denken kann, und fast wäre mir die Galle geplatzt in all meiner Sorge und Trauer und Qual. Ich hatte ja nichts in aller Welt bei mir, auch nichts zu essen oder zu trinken. In meiner Verlassenheit und Seelenqual gab ich mich verloren, und ich sagte mir: ,Nicht alleweil bleibt der Krug heil. Beim ersten Male konnte ich mich noch retten, da ich jemanden traf, der mich von der verlassenen Insel in eine bewohnte Gegend führte; aber diesmal, ach, wie weit, wie weit bin ich davon entfernt, daß ich jemanden fände, der mich in ein Land bringt, da Menschen wohnen!‘ Dann hub ich an zu weinen und über mich zu klagen, bis mich der Zorn übermannte und ich mir Vorwürfe über mein Tun und Beginnen machte, daß ich mich wieder den Mühsalen der Reise ausgesetzt hatte, nachdem ich zu Hause in meiner Heimat ein so geruhiges Leben hatte führen können, erfreut und erquickt durch gutes Essen, Trinken und schöne Kleider, und wo es mir an nichts fehlte, weder an Geld noch an Gut. Ich bereute es, daß ich die Stadt Baghdad verlassen hatte und wieder auf See gegangen war, trotzdem ich auf der ersten Reise so viel Not durchgemacht hatte; und da ich den Tod vor Augen sah, sprach ich: ,Siehe, wir sind Allahs Geschöpfe, und zu Ihm kehren wir zurück!‘ Und ich ward wie ein Wahnsinniger.

Danach aber machte ich mich auf und streifte auf der Insel umher, nach allen Seiten, und ich vermochte nicht an irgendeinem Orte ruhig sitzen zubleiben. Schließlich komm ich auf einen hohen Baum und hielt von oben nach allen Seiten hin Umschau; doch ich sah nichts als Himmel und Meer, Bäume und Vögel, Inseln und Dünen. Als ich aber schärfer ausspähte, erblickte ich auf der Insel etwas Weißes von großem Umfang. Sofort stieg ich vom Baum hinab und ging darauf zu, immer geradeaus, bis ich es erreichte; und siehe, es war eine große weiße Kuppel, die hoch in die Luft emporragte und einen weiten Umfang hatte. Ich trat an sie heran und ging um sie herum, aber ich fand keine Tür in ihr, noch auch hatte ich die Kraft und Gelenkigkeit, hinaufzuklettern, weil sie so überaus glatt war. Darauf machte ich mir ein Zeichen an der Stelle, auf der ich stand, und schritt ganz um die Kuppel herum, weil ich ihren Umfang messen wollte; und es stellte sich heraus, daß er fünfzig starke Schritte betrug. Als ich nun über ein Mittel nachsann, um in sie hineinzudringen, zumal der Tag schon zur Neige ging und die Sonne sich dem Untergange näherte, da verschwand die Sonne ganz plötzlich, und der Himmel verfinsterte sich. Und weil, ich die Sonne gar nicht mehr sehen konnte, so glaubte ich, eine Wolke sei wohl vor sie getreten. Aber es war ja Sommerszeit, und so wunderte ich mich darüber. Ich hob meinen Blick gen Himmel und sah genauer dorthin; und was sah ich da? Einen Vogel von riesiger Gestalt, von gewaltigem Leibesumfang und mit weithin gebreiteten Flügeln, der durch die Luft flog; der war es, der die Sonne verhüllte und ihr Licht von der Insel fernhielt. Nun ward meines Staunens noch mehr, und ich erinnerte mich an eine Geschichte.‘ — —«

Da bemerkte Schehrezâd, daß der Morgen begann, und sie hielt in der verstatteten Rede an. Doch als die Fünfhundertundvierundvierzigste Nacht anbrach, fuhr sie also fort: »Es ist mir berichtet worden, o glücklicher König, daß Sindbad des weiteren erzählte: ,Als ich den Vogel, den ich über der Insel erblickte, mit wachsendem Erstaunen ansah, erinnerte ich mich an eine Geschichte, die mir früher einmal Pilger und Reisende erzählt hatten, daß nämlich auf einer Insel ein riesenhafter Vogel hause, Vogel Ruch geheißen, der seinen Jungen Elefanten als Futter in den Schnabel stecke, und da war ich sicher, daß jene Kuppel, die ich sah, ein Ei des Vogels Ruch sein müsse; und ich bewunderte die Werke Allahs des Erhabenen.

Wie ich aber noch so dastand, kam plötzlich jener Vogel auf die Kuppel herab, breitete seine Schwingen zum Brüten über sie aus, streckte seine Füße hinter sich auf den Boden und schlief ein — Preis sei Ihm, der nimmer schläft! — Da nahm ich meinen Turban vom Kopfe, wickelte ihn auseinander, faltete ilm und drehte ihn zu einem Strick; den legte ich mir eng um die Hüften und band mich mit ihm an die Füße jenes Vogels fest; denn ich sagte mir: ,Vielleicht wird er mich in das Land der Städte bringen, wo Menschen wohnen; das wäre besser, als wenn ich auf dieser Insel sitzen bliebe.‘ Jene Nacht über tat ich kein Auge zu, da ich fürchtete, der Vogel könnte unversehens, wenn ich schliefe, mit mir davonfliegen. Als aber das Frührot aufstieg und der Morgen leuchtete, erhob sich der Vogel von dem Ei und stieß einen lauten Schrei aus. Dann stieg er mit mir gen Himmel empor, immer höher und höher, bis ich glaubte, er habe die Wolken des Himmels erreicht. Darauf ließ er sich langsam wieder hinab und landete mit mir auf dem Erdboden, wo er sich auf den Gipfel eines hohen Berges niedersetzte.

Sowie ich den Boden unter mir fühlte, band ich mich eilends von seinen Füßen los, da ich Angst vor ihm hatte, obgleich er nichts von mir wußte und mich gar nicht spürte. Ich löste also meinen Turban von ihm und befreite mich von seinen Füßen, zitternd vor Furcht, und machte mich auf und davon. Bald darauf aber hob er mit seinen Krallen etwas von der Erde auf und flog damit den Wolken des Himmels zu. Als ich genauer hinsah, erkannte ich, daß es eine Schlange von gewaltiger Länge und mächtigem Leibesumfang war, die er aufgehoben hatte und nun in die Luft emportrug. Der Anblick erfüllte mich mit Grausen. Wie ich dann aufjener Höhe weiterging, entdeckte ich, daß ich auf einer Klippe war, unter der sich ein langes, breites und tiefes Tal hinzog, während auf ihrer anderen Seite ein mächtiges Gebirge so hoch in die Luft ragte, daß wegen der weiten Entfernung niemand seine Spitze sehen konnte; auch vermochte keiner hinaufzusteigen. Da schalt ich mich selbst wegen dessen, was ich getan hatte, und ich sprach: ,Wäre ich doch auf der Insel geblieben! Die war noch besser als diese öde Stätte; dort auf der Insel hatte ich wenigstens Früchte zum Essen und Wasser zum Trinken, aber hier findet sich kein Baum, keine Frucht noch ein Bach. Doch es gibt keine Macht und es gibt keine Majestät außer bei Allah, dem Erhabenen und Allmächtigen! Jedesmal, wenn ich dem einen Unheil entrinne, gerate ich in ein noch größeres und schlimmeres.‘ Dennoch faßte ich mir ein Herz und ging in jenes Tal und fand, daß der Boden ganz mit Diamanten bedeckt war; das ist der Stein, mit dem man Erze und Edelsteine, Porzellan und Onyx durchbohren kann, ein harter und spröder Stein, auf dem weder Eisen noch Felsgestein einen Eindruck hinterläßt und von dem niemand etwas abschneiden noch abbrechen kann, es sei denn mit Hilfe des Bleisteins. Aber das ganze Tal war voll von Schlangen und Vipern, von denen eine jede so lang war, wie ein Palmbaum hoch ist, und wegen ihrer Größe einen Elefanten hätte verschlingen können, wenn er dorthin gekommen wäre. Diese Schlangen kommen nur bei Nacht hervor und verbergen sich bei Tage, weil sie fürchten, daß der Vogel Ruch oder die Adler sie packen und zerreißen könnten; warum die das tun, weiß ich nicht. Ich blieb in dem Tal, voller Reue über mein Tun, und ich sagte mir: ,Bei Allah, ich hatte es eilig, das Verderben über mich selbst zu bringen!‘

Nun ging aber der Tag schon zur Neige, und so schritt ich in dem Tale dahin um mich nach einer Stätte umzusehen, an der ich die Nacht verbringen könnte. In meiner Angst vor den Schlangen dachte ich nicht an Essen und Trinken, sondern nur an mein Leben. Da entdeckte ich in der Nähe eine Höhle; auf die ging ich zu, und da ich fand, daß sie einen engen Eingang hatte, so trat ich ein, nahm einen großen Stein, der beim Eingang lag, und schob ihn vorwärts, so daß er den Zugang zu jener Höhle versperrte. Während ich da drinnen war, sagte ich mir: ,Jetzt bin ich sicher, da ich diesen Ort betreten habe; wenn es wieder Tag wird, will ich hinausgehen und abwarten, was das Schicksal vorhat.‘ Dann schaute ich in das Innere der Höhle hinein, und da sah ich am oberen Ende eine gewaltige Schlange auf ihren Eiern liegen. Ein Grausen lief mir über den Leib, und ich hob mein Haupt empor und stellte meine Sache dem Entscheid des Schicksals anheim. Ich wachte die ganze Nacht hindurch, bis die Morgenröte aufstieg und leuchtete. Dann schob ich eilends den Stein, mit dem ich die Höhle zugesperrt hatte, wieder weg und taumelte hinaus wie ein Trunkener, schwindelnd vor Müdigkeit, Hunger und Schrecken. - (1001)

Ei (6)   Wer bricht das Ei? Klumbus, der Anfeuerer, klopft auf den Tisch, wir starren aufs Ei, keiner bricht es. Will einer mir erklären, feuert Klumbus an, warum er das Ei nicht zu brechen vermag, dann ist das Ei gebrochen! Nichts. Die Schwierigkeiten, das Ei zu brechen, ohne das Ei zu brechen, scheinen enorm; nicht einmal die Spitze des Eiberges wird sichtbar, ehe das Ei nicht gebrochen wird; und wer bricht schon das Ei, wenn unter der Last des Südpols nicht einmal die klirrendste Fahne oder der eiseste Busen auftaut? Ich habe leicht reden jetzt, wenn wir unter uns sind, unter unserem eigenen hin- und hergletschernden Schweigen, das keiner bricht, eisern, es könnte zerbrechen. - (pas)

Ei (7)   Plötzlich fegten ein paar Staubwolken mit dem Winde vor uns vorüber. Auda sagte, es wären Strauße; und bald kam ein Mann angelaufen mit zwei großen, elfenbeinfarbenen Eiern. Wir bestimmten diese gütige Gabe der Biseita zu unserm Frühstück und suchten nach Brennmaterial, fanden aber in zwanzig Minuten kaum eine Handvoll Gras. Die öde der Wüste machte uns einen Strich durch die Rechnung. Die Lastkamele zogen vorüber, und mein Blick fiel zufällig auf eine Ladung Schießbaumwolle. Eine Packung wurde geöffnet und der Inhalt vorsichtig in das Feuer gebröckelt, das wir auf einem Stein unter den Eiern angezündet hatten, bis das Gericht als gar erklärt wurde. Nasir und Nesib waren höchst interessiert abgestiegen, um ihren Spott an uns auszulassen. Auda zog seinen silberbeschlagenen Dolch und schlug dem ersten Ei die Spitze ab. Ein pestilenzialischer Gestank verbreitete sich, und wir entwichen schleunigst nach einer geruchfreien Stelle, wobei wir das zweite heiße Ei mit sanften Fußtritten vor uns herrollten. Nachdem es geöffnet war, erwies es sich als leidlich frisch und hart wie Stein. Wir bohrten seinen Inhalt mit dem Dolch auf Kieselplatten, die uns als Teller dienten, und verzehrten die Stücke; sogar Nasir, der nie vorher in seinem Leben so tief gesunken war, Eier zu essen, ließ sich überzeugen und nahm seinen Anteil. Das allgemeine Urteil lautete: — Zäh und hart, aber für die Biseita immerhin ganz gut.  - T. E. Lawrence, Die sieben Säulen der Weisheit. München 1979 (dtv 1456, zuerst 1922 u. ö.)

Ei (8)  »Es scheint, daß das Ei um so weiter zurückweicht, je länger ich darauf zugehe. Was ist denn das hier? Ein Stuhl? Aber es hat ja Zweige! So etwas! Daß hier Bäume wachsen! Und da fließt doch tatsächlich ein kleiner Bach! Also, das ist doch der seltsamste Laden, den ich je gesehen habe!«

So ging sie weiter und erstaunte immer mehr, wie sich bei jedem Schritt alles in Bäume verwandelte, sobald sie daran vorbeikam, bis sie sich zuletzt schon darauf gefaßt machte, daß es mit dem Ei nicht anders gehen würde.

Das Ei wurde indessen nur immer größer und größer und mehr und mehr wie ein Mensch; als sie bis auf ein paar Schritte herangekommen war, sah sie, daß es auch Augen, Nase und Mund hatte; und als sie schließlich vor ihm stand, war es ihr ganz klar, daß das nur Goggelmoggel sein konnte. »Er kann gar nicht anders heißen!« sagte sie sich. »Ich weiß es so genau, als stünde es ihm ins Gesicht geschrieben!«

Und hineingepaßt hätte der Name hundertmal mit Leichtigkeit, ein so riesengroßes Gesicht hatte er. Goggelmoggel saß wie ein Türke mit überkreuzten Beinen auf einer hohen Wand - aber die war gleichzeitig so schmal, daß Alice ins Staunen kam, wie er sich da oben wohl im Gleichgewicht halten konnte. Seine Augen blickten starr in die entgegengesetzte Richtung, und er übersah sie so vollständig, daß sie glaubte, er müsse wohl ausgestopft sein.

»Er sieht wirklich ganz genau wie ein Ei aus!« sagte sie laut und stellte sich mit ausgebreiteten Armen davor, denn sie wartete nur darauf, daß er herunterfiel. »Es mußte schmerzlich berühren«, sagte Goggelmoggel nach langem Schweigen und sah dabei von Alice möglichst weit weg, »als Ei bezeichnet zu werden — sehr schmerzlich.« »Ich sagte. Sie sähen so aus wie ein Ei, lieber Herr«, erläuterte Alice sanft. »Manche Eier sind nämlich sehr hübsch«, fügte sie in der Hoffnung hinzu, aus ihrer vorigen Bemerkung eine Art Kompliment zu machen.

»Manche Leute«, sagte Goggelmoggel, den Blick nach wie vor abgewandt, »haben nicht mehr Verstand als ein Wickelkind!« Alice wußte nicht recht, was sie darauf erwidern sollte; das Ganze kam ihr überhaupt nicht wie eine Unterhaltung vor, weil mit ihr ja eigentlich gar keiner sprach; die letzte Bemerkung, zum Beispiel, war offenbar an einen Baum gerichtet — und so blieb sie einfach da stehen und sagte leise ein Gedicht auf.  - Lewis Carroll, Alice hinter den Spiegeln (it 97, zuerst 1872)

Ei (9)    Sie sahen mitten auf der Insel eine große weiße Kuppel, die hell schimmerte und die hundert Ellen hoch war. Nachdem sie die erblickt hatten, gingen sie auf sie zu, und als sie nahe bei ihr waren, erkannten sie, daß es ein Ei des Vogels Ruch war. Und nun begannen sie mit Äxten und Steinen und Knitteln darauf loszuschlagen, bis sie den jungen Vogel bloßgelegt hatten; der war vor ihren Blicken wie ein festgegründeter Berg. Dann rissen sie eine Feder aus seinem Flügel; aber das konnten sie nur tun, indem sie alle einander halfen, obgleich die Federn des Tieres noch nicht voll ausgewachsen waren. Ferner nahmen sie von dem Fleische des Vogels so viel, wie sie tragen konnten, und trugen es mit sich fort; auch schnitten sie die Wurzel der Feder am Kiele ab. Dann spannten sie die Segel des Schiffes und fuhren die ganze Nacht hindurch mit günstigem Winde dahin, bis die Sonne aufging. Während sie so dahinsegelten, kam plötzlich der alte Vogel Ruch über sie wie eine gewaltige Wolke; der hielt in seinen Klauen einen Stein, der so mächtig war wie ein Felsen und noch größer als das Schiff selbst. Und wie der Vogel gerade über dem Schiff in der Luft schwebte, ließ er den Stein auf das Fahrzeug und die Reisenden, die darin waren, niederfallen. Das Schiff aber, das schnell dahinfuhr, kam ihm zuvor, und so fiel der Stein mit einem gewaltigen Tosen ins Meer. Denn Allah hatte ihre Rettung beschlossen, und er bewahrte sie vor dem Untergange. Die Leute kochten jenes Fleisch und aßen es. Nun waren unter ihnen alte Männer mit weißen Barten; als die am nächsten Morgen aurwachten, sahen sie, daß ihre Barte schwarz geworden waren; und keiner von all den Leuten, die von dem Fleisch des jungen Vogels Ruch gegessen hatten, wurde jemals grau. Einige von ihnen sagten zwar, der Grund, weshalb sie wieder jung geworden wären und nun keine grauen Haare mehr bekämen, liege darin, daß sie den Kessel mit Pfeilholz geheizt hätten; doch die anderen behaupteten, das Fleisch des jungen Vogels Ruch sei die Ursache davon gewesen. Und dies ist eins der größten Wunder.   - (1001) 

Ei (10)  Das Ei - groß, pulsierend und von leuchtendem Grün - war schon da, ehe ich es entdeckte. Ich spürte, daß es da war. Es schwebte mitten im Raum. Ich war fasziniert von seiner Schönheit, fürchtete jedoch, es könnte auf den Boden fallen und zerbrechen. Aber ehe ich diesen Gedanken zu Ende dachte, löste sich das Ei auf und enthüllte eine große bunte Blume. Ich hatte noch nie so eine Blume gesehen. Blütenblätter von unglaublicher Zartheit öffneten sich in den Raum und versprühten die herrlichsten Farben in allen Richtungen. Ich spürte die Farben und hörte sie, als sie meinen Körper umschmeichelten, kühl und warm, klingend und flötend.

Das erste bange Gefühl kam später, als der Mittelpunkt der Blume langsam die Blütenblätter aufzehrte. Er war schwarz und glänzend und schien aus den Rücken unzähliger Ameisen geformt zu sein. Er fraß die Blütenblätter in qualvoller Langsamkeit auf. Ich wollte rufen, daß sie aufhören oder sich beeilen sollten. Es tat mir weh, diese schönen Blütenblätter so langsam dahinschwinden zu sehen, als würden sie von einer tückischen Krankheit verzehrt. Dann, in einer blitzartigen Erleuchtung, erkannte ich zu meinem Entsetzen, daß dieses schwarze Ding ja mich selbst verschlang. Ich war die Blume, und dieses fremde kriechende Etwas fraß mich auf! Ich schrie oder kreischte - ich kann mich nicht mehr genau erinnern. Die Angst und der Ekel verdrängten alles andere. Ich hörte meinen Führer sagen: "Ruhig bleiben - immer mitgehen, nicht auflehnen, mitgehen." Ich versuchte den Rat zu befolgen, aber dieses scheußliche schwarze Ding erzeugte so einen Widerwillen, daß ich schrie: "Ich kann nicht! Um Gottes willen, hilf mir!" Die Stimme beruhigte und tröstete mich: "Laß es kommen. Alles ist gut. Nur keine Angst. Geh mit und wehre dich nicht."

Ich fühlte, wie ich mich in dieser entsetzlichen Erscheinung auflöste. Mein Körper schmolz in Wellen dahin, vereinigte sich mit dem Kern dieses schwarzen Etwas, mein Geist wurde vom Ich, vom Leben, ja sogar zum Tode befreit. In einem einzigen kristallklaren Augenblick erkannte ich, daß ich unsterblich war.  - John Cashman, nach Albert Hofmann, LSD - Mein Sorgenkind. Frankfurt am Main 1982 (zuerst 1979)

Ei (11)  Der König Eifrasius von Gelnhausen überließ sich der Leidenschaft des Eieressens so unmäßig, daß keine Brut Hühner mehr aufkommen konnte. Dies war gegen den Eid Gockels und gegen das Landesgesetz, Artikel Hühnerzucht. Gockel machte eine allerunterthänigste vergebliche Vorstellung nach der andern.  Eifrasius errichtete den rührenden Eierorden verschiedener Grade und ließ von seinem Leibredner eine Rede dabei halten, die einer Schmeichelei so ähnlich sah, wie ein Ei dem andern.  Er sagte, Eifrasius esse nur allein so viele Eier, um die Hühner zu vermindern, damit die Franzosen nicht ins Land kämen. Dabei machte er bekannt, daß man künftig nicht Ihro Majestät, sondern Ihre Eießtät König Eifrasius sagen solle und vieles Aehnliche. - Clemens Brentano, Gockel, Hinkel und Gackeleia

Ei (12)   ILMATAR: Göttin der Luft und des Schöpfers der Welt über kosmisches Eikochen.

Am Anfang gab es nur ILMATAR , den leeren und vielen Wind. ILMATAR , ermüdet vom Zählen der Regenbogen und vom Lassen des Windspiels mit ihrem Haar, fing zu lang für einen Sohn an.

Sie longing war so groß, daß der Ostwind selbst Pity nahm. Sie fand sich buffeted und tossed durch das tempestuous Liebe-Bilden des Winds, bis, erschöpft, sie es nicht mehr tragen könnte und einstürzte. Und es innerhalb sie gab begriffene VAINAMOINEN , das Kind des Winds.

Leider schien er nicht geneigt, ein Aussehen und nach sieben Jahrhunderten zu bilden oder, also fing sie an, Hoffnung des Sehens er oben zu geben. Dann ein Tag beachtete sie himmlische Entefliegenunkosten. (okay, war es nicht eine Ente, es war ein Adler. Haben Sie nie gehörte poetische Lizenz?),

Der arme Vogel war hoffnungslos schwanger und irgendwo suchend, um zu landen. So hob ILMATAR hilfreich ihr Knie an und der Vogel kam unten swooping. Wurden ein halbes Dutzend kosmische Ei gelegt, gefolgt durch ein Ei, das vom Eisen gebildet wurde. Der Vogel erfaßte es alle dann oben, saß nach ihnen und ging zu schlafen...

Und jetzt wurde ILMATAR mit einem Problemvertrauten zu jedermann mit einem Haushaltshaustier gegenübergestellt. Wie ziehen Sie um, ohne sie oben aufzuwecken? Ihr Bein schmerzte, war ihr Knie heißer, als ein Brutkasten und sie hoffnungslos zum Badezimmer gehen wollten.

Langsam sorgfältig fing sie an, aus ihrem Bein auszudehnen. und langsam unvermeidlich speicherten die sieben Eier aus und fielen majestätisch in das rasende Meer.

Jetzt sind kosmische Eier empfindliche Sachen und hatten nicht eher sie berührten das Wasser, als die geknackten Oberteile und ein beträchtliches kosmisches Omelett nach den Wellen gebildet wurden. ILMATAR aufgepaßt in Verwunderung, wie die Buttermengemischung in Himmel und in Masse sich verfestigte. Ein Eigelb glitt in den Himmel, um PAIVATAR , die Sonne zu bilden, während das Eiweiß KUU wurde , der glitzernde Mond. Sterne wurden von den Stücken der gesprenkelten Eierschale gebildet, und folglich wurde die Welt gebildet.

Sie können sich wundern, was dem Eisenei geschah. Gut wurde das schwarze Eigelb ein Thundercloud. (dieses Ei hatte nicht ein Weiß, da Sie nicht ein schwarzes Weiß haben können.),

ILMATAR wurde mit Fällen erfreut, und die Länder formend und finnishing Noten addierend busied. Und dann glaubte sie einem Rühren innerhalb sie. VAINAMOINEN war nach also viele Jahre aufgewacht und war eifrig, die neue Welt zu sehen. Er hatte durchaus einen Kampf zum Hinausgehen, während niemand sehr scharf schien, ihm zu helfen, aber er handhatte im Ende und tauchte, ein aufprallender bonny alter Mann auf.

Wir sind nicht sicher, was ILMATAR nachher das geschah. Neigt sie Stille zur Kreation? Was geschah der himmlischen Ente? Sie sind zu ihren Festtagesfeiern auf August 26. willkommen - und dann möglicherweise können Sie uns informieren, was die Situation des durcheinandergemischten Eies ist. - godchecker.com, übs. von Google

Ei (13)   Die erste Mischna im Traktat Jom-Tov (oder Beza = Ei) fängt mit den Worten an:

Ein am Feiertag gelegtes Ei - Bet-Schamai sagt, es darf gegessen werden und Bet-Hillel sagt, es darf nicht gegessen werden.

Elf lange Seiten beschäftigt sich die Gemara mit diesem einen kurzen Satz. Was zum Schluß dabei herauskommt, ist nicht sehr viel und ist auch kurz zu beschreiben:

Es handelt sich um ein Ei, das ein zum Essen bestimmtes Huhn (im Gegensatz zu einem zum Eierlegen vorgesehenen) am Feiertag gelegt hat.

Bet-Schamai sagt, das Ei darf am Feiertag gegessen werden, und es ist nicht muktze (ausgesondert, ausgeschieden, was am Schabbat und Feiertag nicht berührt und nicht gegessen werden darf), weil das Huhn bereits vor dem Feiertag zum Essen bestimmt und somit vorbereitet wurde. Und das Ei wurde ebenfalls in der Henne am Tag davor vorbereitet. Obschon man aber das Ei an einem Feiertag, der einem Schabbat folgt, nicht essen darf, da es nicht an einem Wochentag vorbereitet wurde, so dehnt man dieses Verbot auf einen Feiertag in der Mitte der Woche nicht aus.

Bet-Hillel verbieten hingegen das Ei eben aus diesem Grund. Da das Ei, das an einem Feiertag nach einem Schabbat gelegt wurde, am selben Tag nicht gegessen werden darf, da es nicht an einem Wochentag vorbereitet wurde, werden auch die Eier, die an einem gewöhnlichen Feiertag gelegt wurden, verboten. Sonst bestünde nach Bet-Hillel die Gefahr, daß wenn man das Essen solch eines Eis an einem normalen Feiertag erlaubte, mit der Zeit die genaue Halacha in Vergessenheit geriete und man dann auch die an einem Feiertag nach einem Schabbat gelegten Eier essen würde.

Da es nicht klar ist, um welches Huhn es sich bei der unterschiedlichen Position der beiden Schulen in der Mischna handelt, versucht R. Nachman folgende Klärung: Es handelt sich um ein Huhn, das Eier legt. Und diejenigen Gelehrten, die mit den Muktze-Regeln streng umgehen, wie die Schule Hillels und wie R. Jehuda, verbieten sowohl die Legehenne als auch das Ei, das am Feiertag geboren wurde; und diejenigen Gelehrten, wie die Schule Schamais und R. Schimon, die nicht so streng sind, erlauben das Essen des Eis.

Die Gemara meint, daß R. Nachman dies gar nicht so gesagt haben kann, denn an einer anderen Stelle widerspricht er sich. Dort diskutieren in der Mischna Bet-Schamai und Bet-Hillel über Knochen und Nußschalen, ob diese am Schabbat angefaßt werden dürfen (also muktze sind oder nicht). Hierzu sagte R. Nachman, daß die Schule Schamai wie R. Jehuda urteilt, also streng, und die Schule Hillel wie R. Schimon, der das Anfassen erlaubt.

Zu diesem Widerspruch gibt es aber eine Lösung: Bei dem einen Din (Regel, Urteil, Gesetz) muktze handelt es sich um die Fütterung von Hunden durch Aas am Schabbat. Da folgt der Din R. Schimon, der generell bei muktze erleichternd ist, und dem stimmt auch die Schule Hillels zu. Bei dem anderen Din, wo das am Feiertag abgespaltene Holz nicht verbrannt werden darf, richtet sich die Schule Hillels nach R. Jehuda, der erschwerend ist.

Nun stellt sich eine allgemeine Frage: Warum wird bei muktze am Schabbat leichter geurteilt als am Feiertag? Antwort: Die Verbote am Schabbat sind zahlreicher und schwerer, weshalb man mit der Einhaltung der rituellen Regeln vorsichtiger ist. Am Feiertag jedoch sind die Regeln nicht so streng (man darf z. B. rauchen, was am Schabbat verboten ist), da muß man einen Riegel vorschieben, damit die Leute mit dem Din nicht leichtsinnig umgehen. - Forschungsstelle für jüdisches Recht

Ei (14)  Durch einen heftigen Hurricane wird ein Riesenei der Motte Mothra an die Küste gespült. Ein gefundenes Fressen für Touristen, die es sich nicht entgehen lassen möchten, dieses prähistorische Ei zu fotografieren. Leider fühlt sich Godzilla von dem Ei ebenfalls magisch angezogen. Die Folge: wüste Zerstörung und Chaos.

 Urweltei

Das Militär ist machtlos, Japan ruft die Mothra zu Hilfe. In der Zwischenzeit gelingt es Wissenschaftlern, das Ei in einen immens großen Brutkasten zu verfrachten. Godzilla will diesen Brutkasten zerstören. Die von den beiden Zwillingen von Infant Island gerufene Mutter Mothra ist gerade noch rechtzeitig zur Stelle, um dies zu verhindern, stirbt jedoch an den Folgen der Schlacht gegen Godzilla. Derweil sind die Raupen ausgeschlüpft und sinnen nach Rache für ihre soeben verstorbene Mutter. Sie sprühen Godzilla mit ihren klebrigen Seidenfäden ein und treiben ihn damit zurück ins Meer. Ist Godzilla von nun an für immer verschwunden? - Godzilla und die Urweltraupen

Ei (15) 

Das Ei, dessen Form uns den Inhalt (so gut zum Schlürfen geeignet, frisch oder faul, nach Geschmack)
nicht vergessen lassen sollte,
ist eben doch eher (vor allem) eine Form.
Es ähnelt der vollkommensten der Formen,
einer Kugel, ist aber noch vollkommener kraft seiner Abkunft,
seiner Abdankung, seines Abgangs oder auch seiner Flucht:
Volumen, das der Ellipse entspricht, - 
der Umlaufbahn der Planeten.
Kugel, die sich noch einmal (allein für die Flucht)
vervollkommnet, wenn sie auf einen Widerstand stößt.
Auf den, der das Ei an seiner Geburt zum Licht hin hindert,
an seiner Austreibung, seinem Entspringen,
seinem Überborden.
Der Gewaltakt des Huhns
bringt das Ei hervor. Das Ei ist ein
gewaltiger Erfolg des Huhns.
Diese Null enthält alles, seine . . .
Diese Form tritt aus dem Arsch, dem elastischen Sphinkter.

Ein paar Tage vor Ostern
habe ich das Ei hervorgebracht.
Nicht weit von der Null.

- Francis Ponge, Schreibpraktiken oder Die stetige Unfertigkeit. München 1988 (Edition Akzente, zuerst 1984)

Ei (16)  Nehmen wir die Zahl zwölf. Was bedeutet für Sie die Zahl zwölf? Ein Dutzend? Einverstanden, ein Dutzend, zwölf Einheiten bilden stets ein Dutzend, aber ein Dutzend von was? Eier, sagen Sie? Sehr gut, ein Dutzend Eier, wenn Ihnen das am liebsten ist. Sie, die Sie mich vor einem Augenblick noch als Lausbub bezeichneten, weil ich früher einmal ein paar pikante Romänchen gelesen habe, kommen mir jetzt freilich auch ein bißchen frivol daher. Warum ich Ihnen das sage? Sie werden zugeben, Señorita, daß das Wort Eier, wie keusch auch immer die Ohren dessen sein mögen, der es hört, immer ein wenig schlüpfrig ist. Nun ja, Sie werden jedenfalls einräumen, daß die Zahl zwölf (abgesehen von einem Dutzend Eier) auch noch andere Dinge von größerem geistigen Gewicht bedeuten kann. Zum Beispiel zwölf verschiedene Möglichkeiten, uns über unsere alltäglichen Welten zu erheben. Zwölf gültige Wege, der tödlichen Langeweile zu entgehen, die uns überwältigt, zwölf Wege, unsere Mittelmäßigkeiten hinter uns zu lassen und am Ende Zugang zu den edelsten Dimensionen zu finden ... Verstehen Sie mich immer noch nicht? Das tut mir leid.  - Javier Tomeo, Der Löwenjäger. Berlin 1988
 
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