unuch
Von den Indern, die mich in Delhi aufsuchten,
erfuhr ich endlich auch, was es mit den »Eunuchs« auf sich hat, einer bestimmten
Gruppe von Prostituierten, von der ich bereits in verschiedenen indischen Städten
gehört hatte. Sie sitzen genauso wie die weiblichen Prostituierten auf den Balkons
in hellem Lampenlicht und sehen vollkommen den Frauen gleich. Auf der Straße
befinden sich Anpreiser, die den Vorübergehenden mitteilen, daß in diesem Hause
»Eunuchs« wohnen. Diese Eunuchs werden eingeteilt in solche, die sich rasieren,
und solche, die sich nicht zu rasieren brauchen.
Die sich nicht rasieren, sind offenbar dysglanduläre Typen, welche gewöhnlich als abnormal von den Eltern verstoßen werden. Die sich rasieren, sind in der großen Mehrzahl Transvestiten, vielleicht finden sich auch einige Hermaphroditen darunter.
Die »Eunuchs« sollen eine Organisation haben,
da sie sich scharf abgrenzen, sowohl gegen die weiblichen Prostituierten als
auch gegen die »Romalis«, männliche Prostituierte, deren Hauptsitz in Lucknow
sein soll. Es gelang mir aber nicht, die Organisation ausfindig zu machen. - Magnus Hirschfeld, Weltreise eines Sexualforschers
im Jahre 1931/32. Frankfurt 2006 (zuerst 1933)
Eunuch (2) Der Eunuch kannte
zu viele Geheimnisse, um Befehle von Theophano oder von irgendjemand anderem
anzunehmen. Durch seine Geheimarchive war er gefürchtet und unverwundbar. Es
war deshalb ratsam für Theophano, seinen scheinbar so weisen Ratschlägen zu
folgen, obwohl sie wußte, daß sich hinter ihnen stets irgendein schmutziger
Plan oder eine Bosheit zu ihrem Schaden verbarg. Sie hatte sogar Mühe, im
Bereich des Palasts irgendwelche Verbündeten gegen Bringas zu finden, der allen
Furcht einflößte, auch wegen des Dämonischen, das seine Person umgab. Einige
Tage vor dem Bankett hatte Theophano versucht, sich mit ihm in Verbindung zu
setzen, aber ihren treuen Eunuchen aus dem Gynäkeion war es zwei Tage lang nicht
gelungen, ihn an irgendeinem Ort des Palasts zu finden, so als hätte er sich
in Luft aufgelöst. Solche Abwesenheiten waren bei
Bringas nicht selten. Wo versteckte er sich? Zu welchen geheimen Zusammenkünften
ging er? Häufig wiederkehrende Mutmaßungen wähnten ihn im Bund mit den
höllischen Mächten, denen er über seine Missetaten Rechenschaft ablegen mußte.
Und daß von seiner Person ein stechender Schwefelgeruch
ausging, war ein Phänomen, das man ebensogut den Pomaden, die Bringas gegen
eine lästige Hautkrankheit benützte, wie seiner Verwandtschaft mit der Familie
des Satans zuschreiben konnte. - Luigi Malerba, Das
griechische Feuer. Berlin 1991 (zuerst 1990)
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