emut  Eine demütige kniende Stellung mit erhobenen und ineinandergelegten Händen scheint uns infolge langer Gewohnheit eine der Andacht so wohlentsprechende Gebärde zu sein, daß man meinen könne, sie sei angeboren. Doch habe ich keinen einzigen Beweis hierfür von den verschiedenen außereuropäischen Menschenrassen erhalten.

Während der klassischen Periode der römischen Geschichte war es nicht gebräuchlich, wie ich von einem ausgezeichneten Kenner des klassischen Altertums höre, daß die Hände in dieser Weise während des Gebets ineinandergelegt wurden. Mr. Hensleigh Wedgwood hat allem Anscheine nach die richtige Erklärung gegeben, obschon in ihr ausgedrückt wird, daß die Stellung eine der sklavischen Unterwürfigkeit ist. »Wenn der Betende kniet und seine Hände erhoben hält mit aneinandergelegten Handflächen, so stellt er einen Gefangenen dar, welcher die Vollständigkeit seiner Unterwerfung dadurch beweist, daß er seine Hände dem Sieger zum Binden darbietet. Es ist die bildliche Darstellung des lateinischen dare manus, um die Unterwürfigkeit zu bezeichnen.« Es ist daher nicht wahrscheinlich, daß sowohl das Aufwenden der Augen als auch das Ineinanderlegen der geöffneten Hände unter dem Einflusse andächtiger Empfindungen angeborne oder wahrhaft ausdrucksvolle Handlungen sind, und dies hätte man auch kaum erwarten können.

Denn es ist sehr zweifelhaft, ob Empfindungen, welche wir jetzt als andachtsvolle auffassen, die Herzen von Menschen bewegten, als sie in vergangenen Zeiten noch in einem unzivilisierten Zustande verharrten. - (dar)

Demut (2) Demut, die der beste Satiriker nicht besser hätte definieren können als St. Bernardus: contemptio propriae excellentiae - Demut ist eine aus mißverstandenem Christentume hervorgegangene ekelhafte Kuttentugend und ist und bleibt eine Eselstugend wie die Geduld, die Spitzköpfe den Plattköpfen einreden und auch wohl einbleuen. Der Kapuziner, der sich Frater indignus unterzeichnete, durfte Friedrichs Frage nicht übelnehmen: "Mein Gott, wessen mag der Mensch noch würdig sein, wenn er selbst zum Kapuziner nicht würdig ist?" - (kjw)

Demut (3) Der Betrug bei der Demütigung. — Du hast deinem Nächsten mit deiner Unvernunft ein tiefes Leid zugefügt und ein unwiederbringliches Glück zerstört — und nun gewinnst du es über deine Eitelkeit, zu ihm zu gehen, du demütigst dich vor ihm, gibst deine Unvernunft vor ihm der Verachtung preis und meinst, nach dieser harten, für dich äußerst beschwerlichen Szene sei im Grunde alles wieder in Ordnung gebracht — deine freiwillige Einbuße an Ehre gleiche die unfreiwillige Einbuße des andern an Glück aus; mit diesem Gefühle gehst du erhoben und in deiner Tugend wiederhergestellt davon. Aber der andere hat sein tiefes Leid wie vorher, es liegt ihm gar nichts Tröstliches darin, daß du unvernünftig bist und es gesagt hast, er erinnert sich sogar des peinlichen Anblicks, den du ihm gegeben hast, als du dich vor ihm selbst verachtetest, wie einer neuen Wunde, welche er dir verdankt, — aber er denkt nicht an Rache und begreift nicht, wie zwischen dir und ihm etwas ausgeglichen werden könnte. Im Grunde hast du jene Szene vor dir selber aufgeführt und für dich selber: du hattest einen Zeugen dazu eingeladen, deinetwegen wiederum und nicht seinetwegen — betrüge dich nicht!  - (mo)

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