lasphemie Es war eine kolossale und grausenhafte Blasphemie, ein unsäglich verbotenes Ungeheuer mit infernalisch glühenden roten Augen, das in seinen skeletthaften Krallen einen lebenden Menschen umklammert hielt, dessen Kopf es, wie ein Kind, das sich an einer Zuckerstange gütlich tut, abknabberte. Es schien sprungbereit niedergekauert zu sein, so daß man den Eindruck gewann, es könne jeden Augenblick seine grausige Beute fallenlassen, um nach einer saftigeren Beute zu fassen. Aber, verdammt noch mal, es war ja nicht einmal gar so sehr dieses höllische Hundewesen, das mir diesen panischen Schock versetzte, es waren nicht diese Hundeschnauze, die zottigen Fledermausohren, die blutunterlaufenen Augen, die breitgedrückte Nase, die zurückgezogenen Lefzen, aber auch nicht die schuppigen Krallen, der lehmüberkrustete Rumpf oder die halbhufigen Satansfüße — obgleich schon allein dieser Anblick genügt hätte, einen weniger stabilen Menschen in den ausweglosesten Wahnsinn zu treiben.... - H. P. Lovecraft, Pickmans Modell, in: H. P. Lovecraft, Cthulhu. Geistergeschichten. Übs. H. C. Artmann. Frankfurt am Main 1972 (st 29, zuerst 1928)

Blasphemie (2) Ein Kritiker hat mir einmal mit indigniert vernünftiger Miene vorgehalten: »Wenn Sie schon Witze machen müssen, dann doch wenigstens nicht über so ernsthafte Dinge.« Ich antwortete mit selbstverständlicher Einfalt und Verwunderung: »Über was soll man sonst Witze machen, wenn nicht über ernsthafte Dinge?« Von blasphemischen Scherzen zu sprechen ist ganz unsinnig. Alles Scherzen ist seinem Wesen nach Blasphemie; es muß ja die plötzliche Erkenntnis sein, daß etwas, was sich für todernst hält, eigentlich gar nicht so todernst ist. Handelt ein Witz nicht von Religion oder Moral, dann handelt er von Polizeibeamten oder Professoren der Naturwissenschaft oder Studenten, die sich als Königin Viktoria verkleidet haben. Und über den Polizeibeamten wird mehr gewitzelt als über den Papst, nicht weil der erstere etwas Unernsteres, sondern im Gegenteil weil er etwas Ernsteres ist als der Papst. Der Bischof von Rom hat in England keine Gesetzesgewalt; der Polizeibeamte hingegen kann uns ganz plötzlich zu spüren geben, daß er etwas Todernstes ist. Mehr Witze als über Bischöfe macht man über alte Professoren der Naturwissenschaft - nicht weil die Wissenschaft harmloser, sondern weil sie per se durchweg ernster und strenger ist als die Religion. Nicht nur ich mache Witze über Dinge von größtem Gewicht, ja nicht einmal nur eine bestimmte Sorte Journalisten oder Spaßmacher, sondern das gesamte Menschengeschlecht. Wenn es eines gibt, dem jeder, der die Welt auch nur ein bißchen kennt, sofort beipflichten würde, dann ist es die Tatsache, daß die Menschen über alles Unwichtige stets in gewichtigem und ernstem und überaus bedächtigem Ton, über alles Wichtige hingegen immer im Unernst sprechen. Mit den Mienen eines Kardinalskollegiums können Männer stundenlang über Dinge wie Golf, Tabak, Westen oder Parteipolitik sprechen. Aber die schwerwiegendsten und erhabensten Dinge der Welt liefern auch die ältesten Witze - heiraten; gehängt werden.   - Gilbert Keith Chesterton, Ketzer. Eine Verteidigung der Orthodoxie gegen ihre Verächter. Frankfurt am Main 2004 (it 3023, zuerst 1905)

Blasphemie (3)  Ohne Blasphemie gibt es keine Freiheit. - Voltaire

Blasphemie (4)  The Church tells us that the books of the Old and New Testament are divine revelation, and without this revelation we could not have true ideas of God.

The Deist, on the contrary, says that those books are not divine revelation; and that were it not for the light of reason and the religion of Deism, those books, instead of teaching us true ideas of God, would teach us not only false but blasphemous ideas of Him.

Deism teaches us that God is a God of truth and justice. Does the Bible teach the same doctrine? It does not.

The Bible says (Jeremiah xx, 7) that God is a deceiver. "O Lord (says Jeremiah) thou hast deceived me, and I was deceived. Thou art stronger than I, and hast prevailed."

Jeremiah not only upbraids God with deceiving him, but, in iv, 10, he upbraids God with deceiving the people of Jerusalem. "Ah! Lord God (says he), surely thou hast greatly deceived this people and Jerusalem, saying, ye shall have peace, whereas the sword reacheth unto the soul."

In xv, 18, the Bible becomes more impudent, and calls God in plain language, a liar. "Wilt thou (says Jeremiah to God) be altogether unto me as a liar and as waters that fail?"

Ezekiel xiv, 9, makes God to say - "If the prophet be deceived when he hath spoken a thing, I the Lord have deceived that prophet." All this is downright blasphemy.

The prophet Micaiah, as he is called, II Chron. xviii, 18-21, tells another blasphemous story of God. "I saw," says he, "the Lord sitting on His throne, and all the hosts of Heaven standing on His right hand and on His left. And the Lord said, who shall entice Ahab, King of Israel, to go up and fall at Ramoth Gilead? And one spoke after this manner, and another after that manner.

"Then there came out a spirit [Micaiah does not tell us where he came from] and stood before the Lord [what an impudent fellow this spirit was] and said, I will entice him. And the Lord said unto him, wherewith? And he said, I will go out and be a lying spirit in the mouth of all his prophets. And the Lord said, Thou shalt entice him, and thou shalt also prevail; go out, and do even so."

We often hear of a gang of thieves plotting to rob and murder a man, and laying a plan to entice him out that they may execute their design, and we always feel shocked at the wickedness of such wretches; but what must we think of a book that describes the Almighty acting in the same manner, and laying plans in heaven to entrap and ruin mankind? Our ideas of His justice and goodness forbid us to believe such stories, and therefore we say that a lying spirit has been in the mouth of the writers of the books of the Bible. - Thomas Paine

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