lase 1) lange Farbe im Kartenspiel. »Blase« steht für »Gesellschaft«, auch für »Verschwörung gegen die Spieler« 2) die B. aufstechen = die Kombination der Gegner vereiteln; die möglicherweise gefährlich werdenden Karten rechtzeitig abfordern. »Blase« meint hier die Eiterblase. - (kü)

Blase (2) Es ist ein gewisses Wagnis, in der deutschen Sprache den Ausdruck Blase zu verwenden, um eine philosophische Untersuchung von Intimität in Gang zu bringen. Die unvermeidliche Konsequenz davon ist, dass sich bei vielen Hörern und Lesern zunächst einmal urologische Assoziationen einstellen, in zweiter Linie auch Vorstellungen, wie Sie richtig sagen, aus dem Bereich des Flüchtigen, des Nichtigen, des Substanzlosen, die wir mit Bildern wie Seifenblase, Luftblase, Sprechblase verbinden, und die Lewinsky-Affäre hat dem Wort auch nicht gut getan.

Aber dieses Risiko musste ich eingehen, und diese problematischen luftigen Assoziationen musste ich herbeirufen, um die Strategie des Buches schon im Titel offenzulegen. Es geht mir darum, die übermächtigen Erbstücke der Substanzmetaphysik, die in den Köpfen der Menschen immer noch festsitzen, aufzulösen, Vorstellungen, die seit 2500 Jahren die Europäer mit einer grammatischen Luftspiegelung über den sogenannten harten Kern des Wirklichen blenden.

Das Substanzdenken hat uns seit kaum vordenklichen Zeiten dazu verführt, das Wesentliche von Welt und Leben in dem und nur in dem zu suchen, was man dinglich anfassen kann, was stofflich und formal Bestand hat, was in den Objekten, die uns begegnen, als deren Essenz sich immerfort bewährt.
Folglich begreifen wir in der Regel das Wesenhafte unter einer dingontologischen Auffassung. Die Substanz ist also, was die Welt im Innersten zusammenhält, und nur solche Dinge, die das Prädikat substantiell tragen, gelten nach allgemeinem Dafürhalten auch als der Rede wert.

In der Ordnung der Dinge und in der Ordnung der Worte herrscht dieselbe Voreingenommenheit für das Solide, Handgreifliche, Substantielle. So gesehen ist unsere Kultur ihrer philosophischen Grammatik nach noch immer ganz substantialistisch engagiert - daran hat die jüngere Wende zu einem funktionalistischen und kybernetischen Denkstil viel weniger geändert, als gelegentlich behauptet wird. Im Alltag sind wir allesamt nach wie vor Hardcore-Metaphysiker - der Festkörperglauben, das Hardware-Credo, sitzt bei uns tiefer als alle neu hinzugelernten Reden über die Immaterialien und die auftauchende Halbwelt zwischen Geist und Silikon, die sich Informationen nennt.

Wenn ich jetzt das Bild der Blase ins Zentrum meiner Überlegungen stelle, signalisiert das von vornherein die Absicht, mit der Revision des Substanzfetischismus ernst zu machen." - Peter Sloterdijk im Gespräch mit Hans-Jürgen Heinrichs in "Sinn und Form" (o.O., o.J.)

Blase (3)  Nach den unbegreiflichen Regeln der Quantentheorie ist selbst so etwas wie das Vakuum nicht wirklich leer. So können darin aus dem Nichts Teilchen wie geisterhafte Wesen entstehen und sofort danach wieder vergehen.

Der Kernphysiker Hans Christian von Baeyer hat das dynamische Vakuum mit poetischen Worten umschrieben: "Es ist wie ein stiller See in einer Sommernacht, dessen Oberfläche sich sanft kräuselt, während überall Paare von Elektronen und Positronen wie Glühwürmchen aufleuchten — ein geschäftiger und freundlicher Ort.“

Es kann aber auch passieren, dass eine winzige Kräuselung sich urplötzlich zu einer Flutwelle auftürmt: Ebenso wie Teilchen aus dem Nichts auftauchen, ist es nämlich möglich, dass das Vakuum selbst ohne erkennbare Ursache in einen höheren Energiezustand springt. Teilchenforscher nennen diesen energiegeladenen Zustand "falsches Vakuum“. Diese Vakuum-Energie führt zu einer Kraft, die den Raum blitzartig auseinander drückt: Der Mikrokosmos wächst sprunghaft zum Makrokosmos. ...

Die Geburt eines neuen Universums würde damit beginnen, dass irgendwo im nicht enden wollenden leeren Raum erneut eine mikroskopisch kleine Blase falschen Vakuums entsteht und sich mit extrem hoher Geschwindigkeit aufbläht.

In weniger als einer Sekunde wird die expandierende Vakuum-Blase vom umliegenden Weltraum abgeschnürt und schließlich abgetrennt: Das "Tochter-Universum“ nabelt sich ab. Bildhaft ähnelt dieser Prozess einer Frucht, die von einem alten Apfelbaum fällt und einen neuen entstehen lässt.

"Von diesem Moment an wird das neue Universum stetig anwachsen und die üblichen Entwicklungsstadien durchlaufen“, erläutert der Theoretische US-Physiker Alan Guth, einer der Väter der Theorie vom inflationären Urknall. "Für einen Beobachter im Mutteruniversum würde das Ereignis so aussehen, als ob ein Schwarzes Loch entsteht — das gleich danach wieder verschwindet.“ ...

Weil eine Quantenfluktuation im Vakuum immer wieder auftreten kann, gibt es wahrscheinlich nicht nur ein einziges Universum, sondern unendlich viele, die getrennt voneinander existieren.

"Wie bei einer kochenden Suppe, in der andauernd Blasen emporsteigen“, so stellt sich das der Münchner Physiker Wolfgang Wild vor, "könnten sich immer neue Universen entfalten." - Der Spiegel 2/2002 

Blase (4)  In seinem ursprünglichen Vorschlag ging Guth davon aus, daß der Phasenübergang plötzlich auftrat, vergleichbar dem Erscheinen von Eiskristallen in sehr kaltem Wasser. Danach bildeten sich «Blasen» der neuen Phase gebrochener Symmetrie in der alten, wie sich Dampfblasen inmitten kochenden Wassers bilden. Die Blasen — so die These — dehnten sich aus und verbanden sich miteinander, bis sich das ganze Universum in der neuen Phase befand. Wie viele Wissenschaftler, unter anderem auch ich, nachwiesen, hat sich das Universum jedoch so rasch ausgedehnt, daß sich die Blasen, selbst wenn sie mit Lichtgeschwindigkeit gewachsen wären, zu schnell voneinander entfernt hätten, um sich miteinander verbinden zu können. Das Universum wäre in einem sehr ungleichförmigen Zustand geblieben, mit einer Reihe von Regionen, in denen noch Symmetrie zwischen den verschiedenen Kräften geherrscht hätte. Ein solches Modell des Universums entspricht nicht dem, was wir sehen.

Im Oktober 1981 besuchte ich in Moskau eine Konferenz über Quantengravitation. Danach hielt ich am Sternberg-Institut für Astronomie eine Reihe von Vorträgen über die Inflationstheorie und ihre Probleme. Sonst hatte ich immer jemanden damit betraut, die Vorträge in meiner Anwesenheit vorzulesen, da die meisten Leute meine Aussprache nicht verstehen konnten. Doch diesmal blieb mir keine Zeit zur Vorbereitung, und so hielt ich die Vorträge selbst und ließ die Sätze von einem meiner Studenten wiederholen. Das ging gut, und ich hatte viel mehr Kontakt zu meinen Zuhörern. Unter ihnen befand sich der junge russische Wissenschaftler Andrej Linde vom Lebedew-Institut in Moskau. Er meinte, die Probleme mit den Blasen würden nicht entstehen, wenn sie so groß wären, daß unsere ganze Region des Universums in einer einzigen Blase enthalten wäre. Dazu, so fuhr er fort, muß sich der Wandel von der Symmetrie zur gebrochenen Symmetrie innerhalb der Blase sehr langsam vollzogen haben, doch das ist nach den Großen Vereinheitlichten Theorien durchaus möglich. Lindes Gedanke vom langsamen Bruch der Symmetrie war sehr gut, doch später wurde mir klar, daß seine Blasen hätten größer sein müssen als das Universum zum betreffenden Zeitpunkt! Ich wies nach, daß die Symmetrie gleichzeitig überall gebrochen wäre und nicht nur innerhalb der Blasen. Das brächte ein gleichförmiges Universum hervor, wie wir es beobachten. - Stephen Hawking, Eine kurze Geschichte der Zeit. - Reinbek 1991 (zuerst 1988)

Blase (5) »Wieso hört der Regen auf, wenn es Blasen schlägt«, versuchte Herr Lehmann das Gespräch zu beginnen. Kristall-Rainer reagierte nicht. Herr Lehmann zog ihn vorsichtig am Ärmel. »Sag doch mal, ehrlich jetzt, wieso hört der Regen auf, wenn es Blasen schlägt?«

Kristall-Rainer schaute ihn an. Marko stellte derweil die Getränke auf den Tresen. »Geht auf Erwin«, sagte Herr Lehmann ohne hinzuschauen. Marko sagte irgend etwas über Erwin und seinen Deckel, aber Herr Lehmann kümmerte sich nicht darum. Er schaute Kristall-Rainer in die Augen und war sich nicht sicher, ob der ihn überhaupt wahrnahm. »Scheint ja echt was dran zu sein.«

Kristall-Rainer grinste, es war etwas Maskenhaftes daran, so als ob er lange überlegt hatte, bevor er sich ausgerechnet für ein Grinsen entschied. »Hat meine Oma immer gesagt.«

»Ja, die Omas«, sagte Herr Lehmann, »die haben immer so Sachen drauf.«

»Wenn's Blasen schlägt, dann hört's bald auf, hat sie immer gesagt.«

Kristall-Rainer lachte trocken. »Ist doch logisch warum«, fügte er hinzu.

»Warum denn?«

»Kannst du dir das nicht denken?« fragte Kristall-Rainer.

»Nein«, sagte Herr Lehmann und fand die Frage angesichts von Kristall-Rainers Zustand etwas frech. Erwin hat recht, dachte er, nicht wegen der Zivilbullengeschichte, aber man sollte ihn nicht unterschätzen.

»Wenn es lange regnet, dann bilden sich Pfützen«, sagte Kristall-Rainer, und Herr Lehmann fiel auf, daß er nie lallte, obwohl er immer Unmengen von Weizenbier intus haben mußte, und er erwischte sich selbst bei dem völlig abseitigen Gedanken, daß es vielleicht bloß die Zitrone war, die einen zum Lallen brachte. Das, dachte Herr Lehmann, ist der dümmste Gedanke, den ich in den letzten zehn Jahren gehabt habe. Vielleicht aber, blieb er gedanklich auf der schattigen Seite, schüttet er das Weizen immer heimlich weg. Ich darf nicht wie Erwin denken, rief er sich selbst zur Ordnung, sonst bringt das hier nichts.

»Es kann nicht Blasen schlagen, bevor nicht Pfützen da sind«, fuhr Kristall-Rainer fort. »Das ist doch logisch. Und wenn es so lange geregnet hat...« - er legte eine Kunstpause ein und nahm einen Schluck von seinem Weizenbier, wobei er sich etwas besabberte - »... daß es Pfützen gibt, dann hört es eben bald auf.«

»Ah ja«, sagte Herr Lehmann. Er hatte etwas Ausgefalleneres erwartet. »Es kann aber nur Blasen schlagen«, wandte er ein, »wenn richtig dicke Tropfen fallen. Ich meine, wenn es nur nieselt, dann können da Pfützen sein, wie sie wollen, aber es schlägt trotzdem keine Blasen. Vielleicht liegt es daran. Vielleicht ist eine bestimmte Tropfendicke oder -schwere dafür verantwortlich, daß es Blasen schlägt und gleichzeitig wettermäßig ein Indiz dafür, daß es bald aufhört.«

»Keine Ahnung«, sagte Kristall-Rainer. - Sven Regener, Herr Lehmann. Ein Roman. München 2003 (zuerst 2001)

Blase (5)  Laut Tegmark befindet sich in einem Universum, das ca. 10 x 1028 Meter entfernt existiert, eine Zwillingsausgabe von Ihnen, die ebenfalls gerade dabei ist, diesen Artikel zu lesen. Unter Umständen bricht Ihr Zwilling aber hier die Lektüre ab und geht ein Eis kaufen und wird übermorgen als Bundespräsident vereidigt, während Sie weiterlesen und auf Eis und Amt verzichten.
 

"Diese Entfernung ist so groß, dass sie über astronomische Maßstäbe hinausgeht, aber das macht Ihren Doppelgänger nicht weniger real."

Den entferntesten Punkt im Raum, den wir beobachten können, ist rund 14 Milliarden Lichtjahre entfernt, die Entfernung, die das Licht im Stande war zu reisen, seit mit dem Urknall alles begann. Wir existieren also in einer Kugel von enormen Ausmaßen, außerhalb derer wir absolut nichts mehr wahrnehmen können. Diese Blase nennt sich unter Kosmologen 'Hubble-Volumen' oder im Volksmund schlicht Universum.

Wenn man nun voraussetzt, dass der Raum unendlich ist - und bislang deutet nichts darauf hin, dass irgendwo ein Stopschild mit der Aufschrift 'Ende der Ausbaustraße' aufgestellt wurde -, so ist es ausgesprochen unwahrscheinlich, dass unser Hubble-Volumen ein Einzelstück darstellt. Alle Gesetze der Wahrscheinlichkeit deuten vielmehr auf eine Serienproduktion besonderen Ausmaßes hin: Dort draußen existieren unendlich viele Weltenblasen.

Nun gut, der Raum ist unendlich, aber sind es auch die möglichen Welten darin? Laut den (nach eigenen Angaben konservativen) Berechnungen von Tegmark, braucht man nur die möglichen Quantenzustände innerhalb einer Hubble-Blase zu zählen, die nicht heißer als 108 Kelvin sein darf und die außerdem eine typische Materieverteilung von 1 : 100.000 Teilchen aufweist - und schon erhalten wir als Resultat eine Kiste, mit einer Kantenlänge von 10 x 10118 Metern, in die sämtliche überhaupt nur mögliche Universen passen würden. Alles, was sich außerhalb dieses Kastens befindet, wäre schlicht und einfach eine Wiederholung. - telepolis

Blase (6)  Mit derselben, wenn nicht mit einer noch gründlicheren Freiheit, mit der sich die Engel bewegen, können sie aber auch ihre Gestalt ändern, worin ihnen die von der Sonne entfernten Planeten wieder nicht beikommen können, da sie starr sind oder doch wie die Erde eine starre Rinde haben. An den Engeln ist aber, wie schon gesagt, überhaupt nichts Starres, alles wie aus Luft und Licht gewebt, die festeste Haut daran nur wie die einer Dunst- oder Schaumblase, die sich, von Natur auch kugelförmig, doch noch beliebig zusammenziehen, ausdehnen, einschnüren, ausbauchen, falten könnte, wenn ihr nur ebenso ein von innen dazu treibendes Lebensprinzip inwohnte als den Engeln. Ohne die starre Rinde aber möchte der Erde ein ähnliches Vermögen zukommen als den Engeln, wie daraus zu schließen, daß den Geschöpfen auf ihrer Oberfläche, die sich der Erstarrung entzogen haben, doch immer noch Teile der Erde sind, ein solches Vermögen mehr oder weniger noch zukommt. Was nun die Erde jetzt bloß noch in einzelnen Teilen um und an sich von der ursprünglichen vollen Lebendigkeit übrigbehalten hat, ist der Engel durch und durch aus einem Gusse geblieben, d.h. ein mit inneren Triebkräften begabtes, über seine eigene Gestalt mit Freiheit verfügendes Geschöpf, mit viel größerer Freiheit aber als die irdischen Geschöpfe. Denn diese haben in festen Knochen oder Schalen oder lederartigen Häuten doch in etwas an der Erstarrung der Erdrinde teilgenommen, wodurch sie in der Freiheit der Gestaltänderung mehr oder weniger beschränkt werden; und nur die allereinfachsten Infusorien machen hiervon eine Ausnahme, sofern sie, nach dem Prinzip der Begegnung der Extreme, mit den Engeln wie in der Grundform und freien Bewegung so auch Freiheit der Gestaltänderung zusammentreffen.

Also, wie nur die Grundfarbe der Engel die durchsichtige war, ihnen selbst aber überlassen blieb, wie sie das einfache Licht in farbiges zerlegen wollen, so ist auch die Kugel nur die Grundgestalt der Engel; was sie daraus machen wollen, ist ihrer Willkür überlassen.  - Gustav Theodor Fechner, Vergleichende Anatomie der Engel. Frankfurt am Main 1985 (Polaris 9. Ein Science Fiction Almanach. Hg. Franz Rottensteiner. st 1168. - Zuerst 1825)

Blase (7)  Es erhoben sich in mir düstere Regungen, als unvermutet mein Freund eintrat und ein pralles, rundes Ding, ähnlich einer Schweinsblase, doch um ein weniges glänzender, in der Hand hielt. Beim Hinsehen erkannte man, daß es ziemlich pulsierte, wie dies auch manche elektrische Lampen tun, schien es doch unter seiner Oberfläche von schwachen Strömen durchlaufen zu werden, die perlmutterne Reflexe gleich denen bei changierenden Medusen hervorbrachten.

«Was ist das?» schrie ich und wurde gegen meinen eigenen Willen von etwas Magnetischem im Aussehen, ja, im Verhalten der Blase gefesselt.

«Siehst du denn nicht? Ich hab ihn gekriegt . . .» erwiderte mein Freund und sah mich mit einem unsicheren Lächeln an.

«Den Mond!» rief ich da. Und der Freund nickte stumm.

Wir wurden von Ekel gepackt: schwitzte doch der Mond auch eine glasige Flüssigkeit aus, die dem Freund durch die Finger tropfte. Aber der entschloß sich nicht, ihn abzulegen.

«Oh, leg ihn doch da in die Ecke», schrie ich, «wir finden schon eine Art, ihm den Garaus zu machen!»

«Nein!» sagte der Freund mit plötzlicher Entschiedenheit und sprach jetzt ganz schnell. «Hör zu, ich weiß, daß dieses unflätige Ding, wenn es erst mal sich selbst überlassen ist, alles nur Mögliche tun wird, um (zu unserem und vieler anderer Leid) wieder an seinen Himmel zurückzukommen; es kann ja nicht anders, geradeso wie ein Kinderluftballon. Und dazu wird es nicht den leichtesten Fluchtweg nehmen, nein, immer geradeaus und stur nach oben: in diesem Biest, das uns beherrscht, ist auch eine unwiderstehliche Kraft, von der es selbst beherrscht wird. Also meine Idee: wir lassen ihn hier unter der Kaminhaube los, und können wir auch von ihm selber nicht freikommen, dann können wir doch wenigstens von seinem üblen Schein freikommen, denn der Ruß wird ihn schwarz wie einen Schornsteinfeger machen. Alles andere ist sinnlos, wir können ihn' nicht umbringen, das ist ja, als wolle man einen Quecksilbertropfen zerquetschen

Also ließen wir den Mond unter der Kaminkappe los; und er schoß gleich wie eine Rakete nach oben und verschwand im Schacht.

«Ha!» meinte der Freund. «Jetzt ist mir leichter! Mit welcher Mühe hab ich ihn nach unten gedrückt, glitschig und schmierig wie er war! Wollen wir das Beste hoffen!» Und besah angewidert seine verschmierten Hände.

Wir hörten von oben ein kurzes Rumpeln, ein dumpfes Fauchen, fast ein Puffen wie von einem angestochenen Staubpilz und schließlich ein Schnauben: vielleicht hatte der Mond Schwierigkeiten mit der Verengung des Kamins. Man hätte sagen können, daß er prustete.  - Tommaso Landolfi, Die Erzählung vom Werwolf, nach (land)

Blase (kosmische) 

Blase (9) 

Greenhouse George, 10 ms nach der Zündung

- N.N.

Blase (10)  Nach seiner Meinung hat alles auf folgende Weise angefangen: Dort oben, in der endlosen Finsternis, war eine Staubwolke. Wenn er sagt »endlose Finsternis«, dann meint er, man kann sich nicht vorstellen, wo diese Finsternis endet.

Die Finsternis war eiskalt, und die Kälte war so groß, daß auch Steine gefroren wären. Auch diese Kälte können wir uns nicht vorstellen, weil wir uns nicht vorstellen können, daß ein Stein von Innen heraus gefriert.

Durch die Finsternis kam von allen Seiten ein gewaltiger Wind, der alles fortgetragen hätte, auch das, was man sich nicht vorstellen kann.

In der kalten, windgepeitschten Finsternis war das einzige Lebende eine große Staubwolke, die vielleicht an einer Stelle schwebte. Er weiß nicht, ob sie immer schon dagewesen ist. Auf jeden Fall muß der Wind, weil er so gewaltig von allen Seiten blies, die Staubkörnchen aneinander geschoben haben. Und die Staubkörnchen schlugen mit solch unglaublicher Kraft aufeinander, daß sie einander schrammten und Funken schlugen.

Wie wenn man zwei Steine aneinander reibt, denn die Steine sind ja zusammengepreßte Staubkörnchen.

Aus diesen Funken soll dann das Feuer entstanden sein, meint er. Aber der gewaltige Wind muß die Staubkörnchen auch zu Felsblöcken zusammengepreßt und in die endlose Finsternis geschleudert haben, wo sie aufeinander prallten und sich durch den Zusammenstoß entzündeten.

So entstanden kleine Sterne.

Nun schauen wir einmal, was das Feuer macht. Das Feuer schickt nach allen Seiten heiße Atemstöße aus, die man mit der Hand spüren kann. Das gleiche ist dort oben geschehen: Aus dem Feuer kamen heiße Atemstöße, die durch die große Kälte verdampften, wie wenn sich die Fensterscheiben beschlagen.

Da es ringsum so ungeheuer kalt war, sind die heißen Atemstöße zu einer Blase geworden. Die Blase ist mit einer hauchdünnen Eisschicht überzogen: weil nämlich das Warme, das sich dem Kalten nähert, einen Kontrast bildet und sich zuerst sträubt, wenn aber das Kalte stark ist, dann gefriert es. Man braucht nur die feine Eisschicht anzuschauen, die sich im Winter an den Fensterscheiben bildet.

Das Weltall ist eine große Blase, die der gewaltige Wind in der Finsternis herumschiebt, aber davon können wir hier unten nichts merken. Wenn aber die Sterne nicht in der Blase wären, würde sie der gewaltige Wind alle auslöschen.

Wenn er nachts die Sterne anschaut, sieht er, daß sie funkeln, und das heißt, sie sind brennende Felsblöcke. Wenn man dann noch betrachtet, wie sich der ganze Himmel in einer Nacht dreht, dann sieht man, daß sich in dieser Blase ständig alles bewegt.

Warum sich die Felsblöcke in der Blase immer weiter drehen, das weiß er nicht. Da soll auch die Schwerkraft anschieben, aber darüber kann er nichts sagen, weil er kein Wissenschaftler ist.

Eines Tages wird die Blase platzen und dann wird alles von vorne anfangen. Es wäre auch möglich, daß die Astronauten, wenn sie die anderen Planeten erforschen, eines Tages ein Loch in die Blase bohren, dann wäre mit einem Schlag alles zu Ende.

Vielleicht ist der gewaltige Wind, der alles geschaffen hat, Gott. Aber es wäre dann nicht derselbe Gott wie der in der Kirche, denn man könnte ihn sich nicht vorstellen.

Gott wäre dann ein gewaltiger Wind, der aus der endlosen Finsternis kommt.

Als wir eines Tages auf den kleinen Wegen der Krankenhausanlage spazierengingen, sah der Alte auf der Erde Staub, den der Wind in kleinen Trichtern hochwirbelte. Er blieb stehen und sah ihn an, dann sagte er zu mir, dieser Staub kommt von den Zwischenräumen zwischen den Sternen wie überhaupt jeder Staub, und daran denkt niemand.

Jeder hier auf der Erde besteht aus Staub, der vom Himmel heruntergekommen ist, und wenn einer stirbt, dann lebt sein Staub weiter, aber seine äußere Erscheinung muß sich ändern.  - (gcel)

Skatsprache Leere Hohlheit Luft Blasen
Oberbegriffe
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Unterbegriffe
{?} Nachbarblase
VB
SchillernSchillern Schmock
Synonyme