eichte
Es liegt den Frauen im Blut, anderer Meinung zu sein
als ihre Männer: sie greifen mit beiden Händen nach jedem Vorwand zum Widerspruch;
die erste beste Ausflucht dient ihnen zur völligen Rechtfertigung. Ich
kannte eine, die ihren Mann weidlich bestahl, um, wie sie ihrem Beichtvater
sagte, reichlichere Almosen zu geben. Der Henker traue solchen frommen
Spenden. - (mon)
Beichte (2) Ich hörte von einer Dame, die alle Nächte Träumen ausgesetzt war, so daß sie in der Nacht alles sagte, was sie am Tage getrieben hatte; dadurch brachte sie sich selbst ihrem Gatten gegenüber ins Ärgernis, der sie reden und plaudern und sich in ihre Träume einspinnen hörte, was ihr nachher übel bekam.
Vor nicht langer Zeit verkündete auch ein Edelmann von da und da, in einer
Provinz, die ich nicht nennen will, bei seinem Tode öffentlich seine Liebschaften
und Buhlereicn und zählte die Damen und Fräulein
auf, mit denen er zu tun gehabt, und an welchen Orten und Treffpunkten und auf
welche Art und Weise, darüber legte er ganz laut die Beichte ab und bat Gott
vor aller Welt dafür um Vergebung. Der machte es schlimmer als die Frau, denn
sie kompromittierte doch nur sich, der Edelmann aber brachte mehrere Frauen
hinein. Das nenne ich saubere Galane und Buhlen. -
(brant)
- (pit)
Beichte (3) Herr Kaplan, wenn ich am Abend Brot
und Käse esse, träume ich von dreibeinigen Tieren, wenn ich mich aber nüchtern
schlafen lege, dann sehe ich meinen Mann wie damals, als er sechzehn war, wo
er immer mit dem Kopf nach unten vom oberen Stockwerk zu meinem Fenster hereinkam.
Soll ich lieber nüchtern zu Bett gehen? - Vitaliano Brancati, Don Giovanni in Sizilien.
Zürich
1987 (zuerst 1942)
Beichte (4) Ich bin in der katholischen Religion erzogen
worden und bin ihr auch weiterhin gefolgt; die Beichte ist in dieser Religion
Pflicht. Doch es ist mir unmöglich, diese Pflicht zu erfüllen. Ich habe den
Eindruck, daß ich nicht nur alle Schmerzen der Menschheit empfinde, sondern
daß ich auch mit all ihren Fehlern beladen bin. Wenn ich beichte, fallen mir
die unmöglichsten, seltsamsten und lächerlichsten Vergehen ein; zunächst glaube
ich nicht daran, dann fange ich an zu zweifeln, und schließlich komme ich zu
der Überzeugung, daß ich schuldig bin. Was ich dann erleide, ist entsetzlich.
Ich sage mir, daß ich, weil ich eine auferlegte Pflicht, die der Beichte, die
mir unmöglich wird, nicht erfüllen kann, ein verdammtes Wesen bin, ohne Gott,
ohne Hoffnung, daß niemand mich lieben darf, daß auch ich niemand lieben darf,
da noch nach meinem Tod die Erinnerung, die ich hinterlasse, sich an eine verdammte
Seele wendet. - Mlle de Chantepie, nach (flb)
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